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09.10.2015 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Onlineartikel

VW-Aktionäre fordern Entschädigung

Autor:
Christian Kemper

Institutionelle und private Investoren können ihre Kursverluste einklagen. Im Gegenzug sehen einige risikofreudige Spekulanten schon wieder Einstiegschancen.

Der Börsenwert des Volkswagen-Konzerns (VW) ist seit Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen um 25 Milliarden Euro gesunken. Rund 40 Prozent haben die VW-Vorzugsaktien verloren. Der Kurs der Papiere brach innerhalb weniger Tage von 160 Euro auf unter 100 Euro ein. Investoren wollen sich diese Verluste nun zurückholen. Weltweit bereiten Rechtsanwälte bereits entsprechende Klageschriften vor.

Prozessfinanzierer bieten ihre Dienste an

Unter anderem will Bentham Europe eine Aktionärsklage gegen VW koordinieren. Die internationale Prozessfinanzierungsgesellschaft stimmt sich dazu derzeit mit institutionellen Investoren ab. Das geplante Verfahren zielt auf Verstöße gegen die Publizitätspflicht nach dem deutschen Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) ab. VW sei verpflichtet gewesen, seine Aktionäre über die Manipulationen der Schadstoffemissionen in einer großen Anzahl von Kraftfahrzeugen sowie über die Untersuchungen der US-Behörden zu informieren. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Aktionäre ihre zweifellos bestehenden Ansprüche durchsetzen können“, verspricht Jeremy Marshall, Chief Investment Officer von Bentham Europe. Voraussetzung für die Einreichung der Klage ist jedoch, dass sich eine ausreichende Zahl von Aktionären bei dem Prozessfinanzierer meldet. Diese sollten in den vergangenen acht Jahren mindestens 10.000 VW-Aktien erworben und nicht vor Öffnung der Börsen am 21. September 2015 verkauft haben.

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Privatanlegern, die zwischen dem 29. Oktober 2008 und dem 17. September 2015 VW Stamm- oder Vorzugsaktien erworben und diese bis zum 20. September 2015 gehalten haben, bietet der Prozessfinanzierer Advofin gegen eine Erfolgsbeteiligung an, Schadenersatzansprüche durchzusetzen.

Zweifel an interner Kontrolle

Den generellen Umgang des Volkswagen-Konzerns mit seinen Investoren kritisiert Matthias Beer, Experte für Responsible Investments beim Vermögensverwalter BMO in London. "Minderheitsaktionäre werden erheblich benachteiligt, es mangelt an ausreichenden unabhängigen Prüfungen und Revisionen", sagt Beer. Bereits im vergangenen Jahr habe er in einem Schreiben an Volkswagen seine Erwartungen an gute Unternehmensführung in Deutschland genannt sowie wichtige Bereiche hervorgehoben, in denen er den Vorschlägen des Vorstands nicht folgen konnte. Er habe das Unternehmen auch auf dessen Anstrengungen angesprochen, die Emissionen aus seinen Fahrzeugen zu senken. Der Vermögensverwalter will "schon seit einiger Zeit Zweifel an der internen Kontrollkultur von Volkswagen" gehabt haben.

Handel mit VW-Aktien zieht kräftig an

Trotz oder gerade wegen der Kursverluste bei VW steigen einige Investoren schon wieder ein und kaufen Aktien zu. Laut einer Umfrage des „Handelsblatts“ sei der Anteil der Papiere in den Depots deutscher Anleger seit Mitte September signifikant gestiegen. Bei Comdirect, dem Onlinebroker der Commerzbank, soll sich der Anteil der VW-Aktien in den Kundendepots im gleichen Zeitraum verdreifacht haben. „Die Anleger glauben offensichtlich an Volkswagen“, wird Jan Enno Einfeld, Bereichsleiter Trading bei der Comdirect, von der Zeitung zitiert. Auch S-Broker, der Wertpapierhändler der Sparkassen-Finanzgruppe, sowie die DAB Bank und die ING Diba verzeichneten erhöhte Handelsvolumnia bei VW-Titeln, wobei die Käufe überwiegen. Die Consorsbank meldete sogar einen noch größeren Anteil VW-Aktien am Gesamtdepotvolumen als vor der Abgas-Krise.        

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