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21.08.2013 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Online-Artikel

Dossier: Aufreger Dispo-Zins

verfasst von: Stefanie Hüthig

3 Min. Lesedauer
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„Viele Banken und Sparkassen in Deutschland sind Abzocker.“ Mit diesem Satz beginnt die „Stiftung Warentest“ ihren Bericht zu dem jüngsten Girokonten-Test. Die Bankenverbände reagieren darauf hilflos, teilweise fast schadenfroh. Das Image der Kreditwirtschaft verbessert beides nicht.

Das günstigste Geldinstitut nimmt 4,2 Prozent Zinsen für einen Dispo-Kredit und heißt VR-Bank Uckermark-Randow. Für seine Septemberausgabe hat „Finanztest“ 1.538 Banken und Sparkassen untersucht. 94 Kreditinstitute verlangen 8,5 Prozent oder weniger für eine Kontoüberziehung innerhalb des eingeräumten Dispositionskredits. Im Schnitt nehmen Banken 11,31 Prozent. Die höchsten Dispo-Zinsen liegen bei 14,75 Prozent und werden von der Volksbank Feldatal und der Raiffeisenbank Taufkirchen-Oberneukirchen erhoben, die Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich berechnet 14,25 Prozent.

Stiftung Warentest plädiert für Dispo-Zinsen „weit unter 10 Prozent“. „Anstatt die Zinsvorteile an ihre Kunden weiterzugeben, nehmen viele Banken lieber die hohen Gewinne mit, die ihnen durch den großen Abstand der Dispo-Zinsen zu den Marktzinsen entstehen“, heißt es in dem Bericht. Auch die Ausfallquote, die für Dispositionskredite nur 0,3 Prozent betrage, rechtfertige die hohen Zinssätze der Banken nicht.

Deutsche Kreditwirtschaft: „Blick nicht allein auf Dispo-Zins richten“

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) reagierte auf den Bericht, indem sie die Möglichkeit für den Kunden, aus einer Vielzahl von Angeboten zu wählen, hervorhebt. Sie warnt allerdings davor, den Blick allein auf den Dispo-Zins zu richten. Dies führe zu einer „verkürzten Betrachtung“, bei der Beurteilung der Leistungen rund um das Girokonto solle das „Gesamtpaket“ geprüft werden. „Wer eine längerfristige Finanzierung benötigt, sollte stets andere Angebote wie zum Beispiel Konsumentenkredite nutzen“, mahnt die DK. Diesen Tipp gibt auch die Stiftung Warentest in ihrem Bericht.

Fast schadenfroh – werden im Bericht doch drei genossenschaftliche Institute als Hochpreis-Anbieter an den Pranger gestellt – liest sich das Statement des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer lässt mitteilen: „Das ist ein gutes Ergebnis für die Kunden von privaten Banken. Bei der Höhe der Dispo-Zinsen sind die privaten Banken genauso verbraucherfreundlich wie bei den niedrigen Geldautomatenentgelten.“ Weiter lobt Kemmer die BdB-Mitglieder für ihre Transparenz, die Stiftung Warentest ebenfalls als mangelhaft deklariert: „Nur 413 der über 1.500 befragten Banken nannten uns ihren Dispo-Zins ohne Umschweife.“

Dispo-Diskussion löst auch bei Bankern Emotionen aus

Die Dispo-Zinsen und die Debatte um ihre Höhe rufen aber nicht nur bei Verbrauchern und verbrauchernahen Institutionen Ärger hervor. Die Springer-Autorinnen Anja Kühner und Anita Mosch zitieren im Bankmagazin-Artikel "Die Welt im Zinskeller" einen Branchenbeobachter, der kritisiert, dass die Diskussion um die Weitergabe des Zinstiefs an einigen Stellen sehr emotional geführt werde. Es sei verständlich, dass die Bürger beim Vergleich der Leitzinsen und der Dispo-Zinsen die hohe Diskrepanz als ungerecht empfänden. „Andererseits muss man auch berücksichtigen, welche Bedeutung diese Position nun tatsächlich für die Bilanz und die Erträge hat“, wird der Bankenexperte zitiert. Bei allen Banken beruhe die Konditionsentscheidung auf einer Abwägung zwischen stabiler Marge und Wettbewerbslage.

Bei den Kommentaren zum Test-Bericht springen einige Leser für die Banken in die Bresche und verweisen zum Beispiel auf die kostenfreie Honorarberatung. Leser „Takki“ schreibt: „Wären Kunden in Deutschland bereit, pro Stunde Beratung EUR 50,- bei einer Bank zu bezahlen, oder wäre es möglich, Kosten verursachergerecht zu berechnen (EUR 30,- pro Mahnung) was genialer Weise gesetzlich verboten ist, dann könnten die Dispozinsen auch bei 4% liegen.“

 

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