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02.04.2014 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Online-Artikel

Die Macht des Schwarms realistisch sehen

verfasst von: Stefanie Hüthig

3 Min. Lesedauer
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Crowdinvesting ist zwar eine beliebte Finanzierungsform, wächst aber nur langsam. Besonders schleppend läuft es bei einer Plattform, die Innovation mit Finanz-Bürokratie kombiniert.

Es ist ein klangvoller Name, der Assoziationen wie Erhabenheit und Macht weckt: Bergfürst. Rückschläge passen nicht dazu. Doch genau die hat Guido Sandler, CEO der Crowdinvesting-Plattform, einstecken müssen, wie die „Börsen-Zeitung“ unlängst schrieb. Im Herbst 2012 hatte er verkündet, bis Ende 2013 elf millionenschwere Emissionen platzieren zu wollen. Eine ist es geworden. Und sie kam deutlich später als erwartet.

Transparenz durch Bafin-Lizenz sorgt für Aufwand

Problematisch sei ausgerechnet das Bekenntnis von Bergfürst zur Transparenz, heißt es in dem Bericht weiter. Der Crowdfinanzierer ist auf Folgefinanzierungen nach der Start-up-Phase spezialisiert. Bergfürst besitzt als einzige deutsche Plattform eine Lizenz der Finanzaufsicht Bafin. Sie erlaubt es dem Finanzierungsvermittler, mehr als 100.000 Euro Kapital für seine Emittenten einzusammeln. Das bedeutet aber für finanzierende Unternehmen viel Aufwand. Sie müssen einen Prospekt erstellen. Außerdem müssen sie gegebenenfalls umfirmieren, sofern sie noch keine Aktiengesellschaft sind. Andere Crowdinvesting-Plattformen setzten niedrigere Hürden für Unternehmen. Mit partiarische Nachrangdarlehen umgingen etwa Seedmatch und Companisto die Prospektpflicht.

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Angesichts dieser Beispiele scheinen verbindliche Vorschriften für Crowdfunding dringend notwendig. Das CFA Institute spricht sich dafür aus, die Regelwerke in Europa zu harmonisieren. Der Berufsverband für Investment Manager, Finanzanalysten und professionelle Anleger warnt speziell für die Crowdfunding-Varianten Equity und Lending vor Rechtsunsicherheiten und Betrugsrisiken. Wichtig sei der Schutz der Investoren, insbesondere der Interessen der Privatanleger, unterstreicht CFA-Direktor Mirzha de Manuel Aramendia in der Mitteilung von Ende März. Eine unzureichende Harmonisierung könnte Vertrauen bei potenziellen Investoren verspielen. „Dies schadet den Finanzierungsmöglichkeiten und dem Zugang zu Kapital für Start-ups und KMU.“

Crowdinvesting-Plattformen werden rechtlich als so genannte „freie Anlagevermittler“ bezeichnet, schreibt Springer-Autor Christopher Hahn in seinem Buch "Finanzierung und Besteuerung von Start-up-Unternehmen" (Seite 177) unter Berufung auf Experten. Anlagevermittler haben die Pflicht, über Informationen, die für die Anlageentscheidung relevant sind, richtig Auskunft zu erteilen. Bekannte Informationen zurückzuhalten ist verboten. Allerdings sind die Vermittler nicht verpflichtet, Nachforschungen oder Recherchen anzustellen. „Gleichwohl hat die Plattform die von den Start-ups zur Verfügung gestellten Informationen und Unterlagen auf Plausibilität und Vollständigkeit zu prüfen. Zu den für die Investmententscheidung wesentlichen Informationen gehören solche zur Projektidee oder zum Geschäftsmodell sowie allgemeine und spezifische Risiken, die mit dem Investment verbunden sind (Jansen und Pfeifle 2012, Seite 1850)."

Weltweit haben Crowdfunding-Plattformen rund 6,2 Milliarden US-Dollar (plus 145 Prozent gegenüber 2012) eingesammelt. Europaweit erzielten sie 2013 bis zu einer Milliarde Euro, meldet das CFA Institute. Dabei beruft es sich auf Angaben der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden und auf Schätzungen. Laut „Börsen-Zeitung“ stehen im abgelaufenen Jahr 20 Millionen Euro Schwarmfinanzierung 822 Millionen Euro Wagniskapital gegenüber. Crowdinvesting ist eine Unterform des Crowdfunding, wie Buchautor Klaus-Dieter Müller in „Erfolgreich Denken und Arbeiten in Netzwerken“ (S. 74) darlegt.

Finanzierende Unternehmen verschenken leichtfertig Chancen

„Riesiges Potenzial“ bescheinigt Hahn dem Crowdinvesting im Interview. So können Unternehmen die Finanzierung über den Schwarm auch als Marktforschungsinstrument nutzen. „Trotz aller Vorteile ist Crowdinvesting bislang nicht bei allen Start-ups durchweg beliebt“, erklärt Hahn. Nicht wenige Gründer hielten – unberechtigt – eine Finanzierung über die Crowd als Mittel zweiter Wahl, über das sie dann erst ernsthaft nachdenken, wenn eine Finanzierung auf anderem Wege nicht zustande kommt.

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