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04.09.2015 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Onlineartikel

Finanzierung ist für Start-ups der Knackpunkt

Autor:
Andrea Amerland

Berlin hat sich zum Mekka für Start-ups entwickelt. Die meisten Gründungsinvestitionen fließen in die Hauptstadt. Doch viele Entrepreneure suchen nach alternativen Finanzierungswegen – zum Beispiel über die Crowd. Finanzplattformen der Fintechs machen dabei den Banken Konkurrenz.

Spätestens seit Microsoft das deutsche Startup 6Wunderkinder, bekannt durch eine To-do-List-App für Smartphones, für angeblich rund 200 Millionen US-Dollar übernommen hat, zieht Berlin als neuer Anlaufpunkt der Unternehmensgründungen immer mehr Kapitalgeber an. So steckten im ersten Halbjahr 2015 Investoren deutschlandweit gut 1,9 Milliarden Euro in neue Geschäftsideen. 1,4 Milliarden Euro flossen davon allein nach Berlin. 1,1 Milliarden gingen an Gründer in London, so die Ergebnisse einer Befragung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (PDF) unter 181 deutschen Start-ups und einer Analyse der Risikokapitalinvestitionen in Europa.

Gründer beklagen schlechte Startbedingungen

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Dennoch finden lediglich 31 Prozent der befragten Unternehmensgründer ihre Startbedingungen gut. Der Grund: Nicht alle Entrepreneure profitieren von dem Investionssegen, der 2015 ein neues Rekordniveau erreicht hat. Insbesondere in der frühen Gründungsphase fehlen die Kapitalgeber. "Viele Investoren konzentrieren sich auf Unternehmen in späteren Entwicklungsphasen, wenn das Risiko bereits besser abzuschätzen ist“, kommentiert Peter Lennartz, Partner bei Ernst & Young. "Vermehrt staatliche Förderungen wären eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen“, urteilt er.

Crowdfunding bietet einige Vorteile

Doch auf Vater Staat können Unternehmenslenker, die gerade eine GmbH gründen oder ein neues Geschäftsmodell vermarkten wollen, nicht warten. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen, sofern Banken ihnen die nötige Finanzspritze nicht gewähren? Dann kann frisch eingesammeltes Kapital aus der Crowd junge Unternehmen online finanzieren, so Dana Melanie Schramm und Jakob Carstens. Die Springer-Autoren geben Tipps, wie "Crowdfunding für Start-ups" über Plattformen wie Seedmatch, Companisto oder Bergfürst funktioniert:

  1. Auswahl einer geeigneten Crowdfunding-Plattform (Gibt es Einschränkungen oder einen Investment-Fokus? Wie viel Kapital wird benötigt?)
  2. Bewerbung;
  3. Auswahl vonseiten der Crowdfunding-Plattform und Vertragsgestaltung;
  4. Präsentation des Projektes auf der Plattform und Durchführung des Crowdfundings;
  5. Kapitalauszahlung an das Start-up, Mittelverwendung, Information über Geschäftsverlauf an Investoren, etwaige Gewinnausschüttung an Investoren.

Crowdfunding ist eine Alternative zur Bank und zum klassischen Venture-Capital. Das haben auch innovative Fintech-Unternehmen erkannt. Selbst häufig erst frisch gegründet, drängen sie mit neuen Geschäftsmodellen auf den Markt und machen damit Banken und ihrem angestammten Kreditgeschäft Konkurrenz. Kreditinstitute versuchen jedoch derzeit zunehmend, solche jungen Unternehmen als Partner zu gewinnen. Gründer profitieren von den Marketingeffekten und der Medienaufmerksamkeit, aber auch vom Feedback der Crowd. So können das neue Produkt optimiert und gleichzeitig Investoren gefunden werden. Auch die Motivation für das Gründer-Team und der Erhalt der Selbstbestimmung sind nicht zu unterschätzen, betonen Schramm und Carstens.

Sind die anfänglichen Hürden erst einmal überwunden, legen junge Unternehmen allerdings dreimal stärker an Umsatz zu als lange etablierte Unternehmen. Ihr durchschnittliches Wachstum beträgt 7,4 Prozent pro Jahr, wie das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn ermittelt hat. Bei Gründungen mit weniger als 50.000 Euro Jahresumsatz beträgt die Umsatzwachstumsrate sogar 26 Prozent.

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