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Wertpapiergeschäft der Zukunft ist modular

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Das Wertpapiergeschäft steht vor einem Umbruch: Die Zukunft wird modular, datengetrieben und kundenzentriert. Zentrale Treiber sind FiDA, Plattformen und Künstliche Intelligenz.

Moderne Portfolios und ihre Asset-Allokation passen sich dank intelligenter Technologie den Einkommen, Lebensereignissen oder Umfeldveränderungen automatisch an.


Das Wertpapiergeschäft steckt in einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Zukünftig muss das Wertpapiergeschäft digital, datenbasiert, personalisiert und nahtlos in den Alltag der Kundinnen und Kunden integriert sein, stellt die Beratungsgesellschaft Cofinpro im aktuellen Thesenpapier "Wertpapiergeschäft 2.0 - Die neue Architektur des" fest. Dafür reiche es nicht, bestehende Systeme mit neuen Tools auszustatten oder Prozesse zu verschlanken. Vielmehr brauche es eine "strukturelle, technologische und kulturelle Neuausrichtung". 

Christian Conreder, Rechtsanwalt und Kapitalmarktexperte, sieht die Transaktionssicherheit als ein zentrales Anliegen bei der Digitalisierung von Wertpapieren. "Blockchain-Technologie bietet hier eine vielversprechende Lösung, da sie Transaktionen dezentral speichert und Manipulationen nahezu unmöglich macht. Die dezentrale Struktur garantiert, dass Transaktionen transparent und für alle Beteiligten nachvollziehbar sind", schreibt der Fachmann in einem Gastbeitrag bei Springerprofessional.de.

Dabei müssen sich die Institute von der Vorstellung verabschieden, alles selbst leisten zu können. "Es ergibt oftmals Sinn, Standardfunktionen zu spezialisierten Anbietern zu verlagern, die eine hochskalierte Abwicklung gewährleisten. So bleiben Banken effizient und innovationsfähig", erläutert Philip Mayer, Senior Manager bei Cofinpro. Wer sich auf die eigenen Stärken konzentriere, "schafft Mehrwerte, die Kunden tatsächlich honorieren".

Digital sein, ist nicht genug

Stabile Kundenbeziehungen, regulatorische Kompetenz und starke Marken seien wertvolle Assets, die die Banken in ein digitales Ökosystem überführen müssen. Offene Plattformarchitekturen, Embedded Finance und kontextbasierte Beratung werden dem Thesenpapier zufolge zum Standard. 

Kundinnen und Kunden nutzten zunehmend intelligente Agenten im Alltag. Das erhöhe die Ansprüche an die Dienstleistungen und Angebote von klassischen Geldhäusern. Die Zukunft liege in skalierbaren, partnerbasierten Lösungen. Banken rät das Thesenpapier verstärkt auf offene Plattformen und die Möglichkeiten von FiDA zu setzen, Kundendaten systematisch für Feedback und Produktoptimierung zu nutzen und hybride Beratungsmodelle zu entwickeln.

FiDA hebt Ökonomie der Finanzdaten auf ein neues Level

FiDA steht für Financial Data Access und soll die Datenökonomie im europäischen Finanzsektor modernisieren. Um das zu erreichen, werde die kommende Vorgabe einen einfachen, schnellen und sicheren Austausch von Daten zwischen Finanzdienstleistern vorschreiben, sind sich der Compliance-Experte Christian Brockhausen und Jan-Hendrik Uhlenberg von Wavestone Germany sicher. 

Konkret bedeutet FiDA, dass Banken, teilweise auch Versicherer und andere Finanzinstitute, ihren Kunden künftig über ein Dashboard alle Daten zu allen Produkten gebündelt und transparent zur Verfügung stellen müssen. Über dieses Dashboard haben Kunden dann die Möglichkeit, ausgewählte Daten mit Drittanbietern zu teilen und von diesen ein zugeschnittenes Alternativangebot zu erhalten", so die beiden Autoren in der Januar-Ausgabe des Bankmagazins. 

In der Praxis müssen alle betroffenen Unternehmen künftig für ihre Produkte ein sogenanntes Dashboard bereitstellen. Diese Informationen können dann mit registrierten Drittanbietern - das sind neben Banken, Versicherer, Fintechs oder Vergleichsportale - geteilt werden. FiDA soll so für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit bei Finanzprodukten und deren Kosten sorgen. Dabei gelten vor allem die technischen Herausforderungen durch FiDA als komplex. 

Banken brauchen Automate-or-Outsource-Strategie

Dabei dient die Automatisierung laut Cofinpro nicht nur der Effizienz. Grundsätzlich seien manuelle Prozesse, fragmentierte Altsysteme und hohe Wartungskosten nicht mehr tragbar. Die Studienautoren empfehlen eine Automate-or-Outsource-Strategie. Diese klopft Abläufe im Backoffice auf ihr Automatisierungspotenzial ab und die Auslagerung von Commodity-Funktionen.

Eine modulare Infrastruktur verkürze hingegen Innovationszyklen. Über offene Plattformen lassen sich einzelne Funktionen wie KYC, Orderausführung oder Reporting flexibel kombinieren und austauschen. Bei bankinternen Sonderlösungen ist das oft nur schwierig möglich und verzögert Anpassungen, die gerade bei regulatorischen Änderungen nötig sind. 

Modulare Infrastruktur erhöht Produktvielfalt

Modulare Partnerlösungen erweitern dabei künftig die Produktvielfalt, etwa durch neue Assetklassen oder spezialisierte Services: Während im Retail-Bereich einfache, günstige und digital steuerbare Produkte wichtig sind, erwarten vermögende Kunden persönliche Betreuung und exklusive Strategien. Dazwischen entstehen hybride Gruppen mit hohen Ansprüchen an digitale Convenience und individuelle Relevanz.

Modularität sollten Banken dabei strategisch denken. Das heißt, 

  • IT-Lieferorganisation methodisch anpassen,
  • Microservices mit Cloud- und API-First-Ansätzen umsetzen, 
  • Kundendaten intelligent analysieren und relevante Segmente ableiten, 
  • Produkte entlang dieser Segmente strukturieren - von Self-Service bis Premium - und
  • Preis-/Leistungsarchitektur am Mehrwert ausrichten.

Anpassungsfähige Portfolios für unterschiedliche Zielgruppen

Moderne Portfolios und ihre Asset-Allokation passen sich den Einkommen, Lebensereignissen oder Umfeldveränderungen automatisch an. KI-Agenten verknüpfen dabei Marktentwicklungen mit individuellen Situationen und treffen Investitionsentscheidungen in Sekunden. Banken müssen die intelligenten Agenten daher früh testen, um ihre Akzeptanz zu prüfen und echtzeitfähige Portfolio-Engines zu entwickeln. 

Damit werden Wertpapierhandel "zum integralen Bestandteil des digitalen Alltags". Und Mikroinvestments bei jedem Bezahlvorgang, Embedded Investment und White-Label-Module zum neuen Standard. Strategische Allianzen mit Akteuren aus Payment, E-Commerce und Fintech sowie der Aufbau von Mikroinvestment-Infrastrukturen seien dabei essenziell.

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