Skip to main content
main-content

17.10.2017 | Windenergie | Im Fokus | Onlineartikel

Offshore-Windkraft schwimmend günstiger

Autor:
Frank Urbansky
3:30 Min. Lesedauer

Offshore-Windkraft ist heute schon konkurrenzfähig. Dennoch sind die Investitionskosten riesig. Den größten Part beanspruchen die Fundamente. Schwimmende Varianten senken die Kosten deutlich.

Offshore-Windkraftanlagen werden mit zunehmender Wassertiefe teurer. "Die höheren Investitionskosten für die Offshore-Aufstellung werden in erster Linie durch die Wassertiefe bestimmt. Küstennahe Projekte in Wassertiefen bis zu 20 Meter haben deutlich geringere Investitionskosten als zum Beispiel Projekte in der offenen Nordsee mit einer Wassertiefe bis zu 45 Meter. Die Entfernung zum Land, das heißt die Kosten für die Stromübertragung zum Land, sind je nach Größe des Windparks im Gesamtkostenbudget zwar ebenfalls von Bedeutung, aber nicht so bestimmend wie die Wassertiefe", beschreibt in seinem Buchkapitel Kosten von Windkraftanlagen  und Anwendungsprojekten Springer Vieweg-Autor Erich Hau auf Seite 921 den Mammutanteil der Offshore-Investition. 

Empfehlung der Redaktion

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Kosten von Windkraftanlagen und Anwendungsprojekten

Der Ausgangspunkt für alle Kosten-und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen sind die Herstellkosten der Anlagen. Zur Zeit sind Windkraftanlagen bis zu einer Leistung von etwa 5000 kW aus serienmäßiger Produktion verfügbar. 


Deswegen sind Offshore-Planer auf der Suche nach Lösungen, wie die Gründungskosten in großer Tiefe verringert werden können. Fündig wurden sie bei einer konkurrierenden Energietechnologie – ebenfalls im Offshore-Bereich – und zwar bei den Förderplattformen für Öl und Gas. Denn diese erhalten auch keine festen Fundamente, sondern schwimmen und werden am Boden verankert.

Ölplattformen machen es vor

So ist es wenig verwunderlich, dass Statoil, der norwegische Staatskonzern, der bisher vorrangig Öl und Gas aus der Nordsee förderte, diese Techniken anwendet um damit ein zukunftsweisendes Windparkprojekt vor der schottischen Küste auszustatten.

Diese sogenannte Hywind-Technologie ist bereits seit 2009 im Einsatz. Das Windrad wird dabei auf einer Boje befestigt, in die zuvor mit Roheisen gefüllt wurde. Das garantiert die aufrechte Stellung. Am Meeresboden wurde sie mit Stahlseilen verankert. Seitdem erzeugt vor der norwegischen Küste eine 2,3-Megawatt-Turbine konstant Strom und übertrifft bislang alle Erwartungen.

Nun will Statoil 25 Kilometer vor der schottischen Küste nordöstlich von Aberdeen fünf schwimmende Windkraftanlagen mit je sechs Megawatt Leistung, 175 Meter Höhe und 11.500 Tonnen errichten. Sie sollen Ende dieses Jahres in Betrieb gehen und dann aufgrund der hohen Volllaststunden auf hoher See von bis zu 4.000 Stunden jährlich 135 Gigawattstunden Strom produzieren. Das ist ausreichend für 22.000 Haushalte. Die Produktionskosten sollen nach Expertenschätzungen durch die geringeren Investitionen und die konstanteren Erträge um 10 Prozent unter denen der "fundamentierten" Offshore-Technologie liegen. Hinzu kommt noch, dass die Anlagen theoretisch an Land montiert und dann auf die offene See geschleppt werden könnten. Ein riesiger Kostenvorteil.

Deutlich effizienter

Der Staatskonzern will mit dieser Technologie noch weit hinaus. Sie sei, so das Unternehmen, für mehrere hundert Meter Wassertiefe geeignet. Das wiederum hat einen weiteren Vorteil: Die Windkraftanlagen könnten noch weiter von der Küste entfernt installiert werden. Dort herrschen noch höhere und konstantere Windgeschwindigkeiten als in Küstennähe. Ergo: Die Anlagen werden effizienter. Zudem könnten noch größere Leistungen installiert werden. Statoil rechnet mit bis zu 120 Megawatt.

Das Marktvolumen ist dabei riesig. 80 Prozent der potenziellen Offshore-Windflächen in Europa finden sich nach Berechnungen des Unternehmens in tiefen Gewässern. Mehr als die Hälfte der gesamten Nordsee könnte für diese Technologie geeignet sein. Und nach Schätzungen des Europäischen Windverbandes (EWEA) könnte Windenergie aus Tiefengewässern bis zum Vierfachen des EU-Stromverbrauchs erzeugen.

"Es ist damit zu rechnen, dass neue Konzepte erarbeitet werden müssen, um den Bau und Betrieb [der Offshore-Windkraftanlagen – d. Red.] wirtschaftlicher zu gestalten. Es existieren Ansätze, die Gründungskosten, die derzeit einen hohen Anteil an den Bau- und Installationskosten haben, durch den Einsatz von schwimmenden Fundamenten deutlich zu reduzieren. Erste Prototypen wurden bereits errichtet und werden derzeit getestet. Die Installation von Windparks könnte dadurch weitgehend unabhängig von der Wassertiefe werden, wovon insbesondere der Ausbau in der deutschen Nordsee profitiert", beschreiben die Wirtschaftsdienst-Autoren in ihrem Zeitschriftenartikel Aggregierte Risiken für Offshore-Wind- Investitionen — eine Simulation auf Seite 847 den aktuellen Stand und die Aussichten dieser Technologie. 

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.11.2016 | Analysen und Berichte | Ausgabe 11/2016

Aggregierte Risiken für Offshore-Wind- Investitionen — eine Simulation

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Windkraftwerke

Quelle:
Elektrische Energieversorgung 2

Das könnte Sie auch interessieren

    Bildnachweise