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08.11.2018 | Windenergie | Im Fokus | Onlineartikel

Offshore-Windpark vor Rügen ging in Rekordzeit ans Netz

Autor:
Frank Urbansky

Vor der Insel Rügen wurde ein Windpark in Rekordzeit errichtet. Der Netzanschluss läuft nach Plan. Die Kostenseite wird jedoch durch den weiten Abstand von der Küstenlinie beeinträchtigt.


Offshore-Wind, also Windkraftanlagen in den küstennahen Gewässern, wird im Energiemix für Deutschland immer wichtiger. "Die Errichtung von Offshore-Windparks ist mit einer Reihe von Herausforderungen verbunden. Die sichere Verankerung der Anlage im Untergrund erfordert eine aufwendige Gestaltung des Fundaments. Die durchschnittliche Wassertiefe der in Europa im Jahr 2015 errichteten Offshore-Windkraftanlagen beträgt 27,2 m, die durchschnittliche Entfernung zur Küste 43,3 km", beschreiben die Springer Vieweg-Autoren Gerhard Reich und Marcus Reppich in ihrem Buchkapitel Nutzung der Windenergie auf Seite 184 einige Schwierigkeiten. 

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Nutzung der Windenergie

Die ungleichmäßige Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche verursacht eine unterschiedliche Erwärmung des Festlandes und der Ozeane sowie der darüber befindlichen Luftmassen. Die resultierenden Dichteunterschiede bewirken eine aufsteigende oder abfallende Luftströmung, die sich in Luftdruckunterschieden äußert. 


Dennoch nimmt der Ausbau weiter zu. Bis Ende 2017 wurden vor den deutschen Küsten 1.169 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von 5,4 Gigawatt installiert und ans Netz angeschlossen. Sie sind in der Lage, jedes Jahr 15 Terrawattstunden zu erzeugen.

Ausreichend für 400.000 Haushalte

Im Oktober nun bekam diese Familie gewaltigen Zuwachs. Denn da wurde der Windpark Arkona 35 Kilometer nordöstlich der Insel Rügen ans Netz angeschlossen. 385 Megawatt Leistung reichen zumindest theoretisch aus, um rund 400.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Der Windpark spart gegenüber konventionellen Erzeugern jährlich bis zu 1,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Eon und Eqinor, ehemals Statoil, ein halbstaatliches Unternehmen aus Norwegen, investierten 1,2 Milliarden Euro in die 60 jeweils sechs Megawatt leistenden Turbinen. Deren Installation dauerte übrigens nur drei Monate. Vom ersten Rammen der Fundament-Pylone bis zum Netzanschluss der ersten Turbinen verging ein knappes Jahr. Damit setzten die beiden Unternehmen und ihre Partner nach eigenen Angaben einen neuen Standard für diesen Industriebereich. Anfang kommenden Jahres sollen alle Turbinen ans Netz angeschlossen sein.

Zwei Besonderheiten weist der Windpark darüber hinaus auf. Zum einen erfolgt der Betrieb unbemannt, in der mit dem Netzbetreiber 50Hertz betriebenen Umspannstation auf hoher See gibt es keine ständige Mannschaft. Lediglich zu Wartungs- und Reparaturarbeiten fahren Teams von der Basis Murkan südlich von Saßnitz hinaus. Und: Die Pylone, also diejenigen Fundamentteile, die im Ostseeboden beziehungsweise im Meerwasser stehen, wurden mit einem besonderen und umweltschonenden Beschichtungsverfahren korrosionsfest gemacht.

Wassertiefen und Küstenabstand treiben Kosten

Der Windpark soll sich in wenigen Jahren rentiert haben. Dabei ist er deutlich teurer als vergleichbare Projekte. Er kostet – bezogen auf die Leistung – etwa 3.110 Euro je Kilowatt. Dies liegt vor allem an der eingangs beschriebenen Entfernung und den Wassertiefen. Aus Dänemark sind Projekte bekannt, in denen 1.600 Euro je Kilowatt investiert wurden – bei Parks, die 14 Kilometer vor der Küste in einer Wassertiefe von zehn Metern gebaut wurden. Parks, die direkt in der Küste und in noch geringeren Wassertiefen entstanden, kamen sogar nur auf 1.200 Euro je Kilowatt. In Deutschland scheint dies aufgrund politischen und Bürgerwillens kaum möglich, da hier der Ausblick auf das Meer nicht „verschandelt“ werden soll. Auch Eon hätte sich einen küstennäheren Bauplatz gewünscht, der zudem auch die Logistik deutlich vereinfacht. Denn eine Fahrt in den Windpark kostet mindestens eine Stunde Arbeitszeit – jeweils hin und zurück. Auch die Leitungsverluste müssen berücksichtigt werden.

Doch dafür bietet die Offshore-Windenergie einige deutliche Vorteile. "Ein Sonderfall, der zusehends an Bedeutung gewinnt, ist die Offshore-Aufstellung von Windkraftanlagen. Die Investitions- und Betriebskosten sind höher als an Land und außerdem ist die Bandbreite, abhängig von den Aufstellbedingungen, noch erheblich größer. Auf der anderen Seite wird durch die höheren Windgeschwindigkeiten auf dem Meer auch ein Teil der höheren Kosten wirtschaftlich wieder ausgeglichen", beschreibt dies der Springer Vieweg-Autor Erich Hau in seinem Buchkapitel Kosten von Windkraftanlagen und Anwendungsprojekten auf Seite 874. 

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