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02.08.2017 | Windenergie | Im Fokus | Onlineartikel

Fledermäuse und Windkraftanlagen

3 Min. Lesedauer

Bevorzugen Fledermäuse bestimmte Landschaftsstrukturen? Die Beantwortung dieser Frage ist vor allem für den Bau und die Genehmigung von Windkraftanlagen wichtig. Ein Forschungsprojekt liefert Ergebnisse.

Fühlen sich Fledermäuse in Flusstälern oder auf Bergkämmen wohler? Gibt es Zugrouten oder Rastgebiete von wandernden Fledermausarten? Die Beantwortung dieser Fragen stand im Mittelpunkt des Forschungsprojekts "Identifizierung von Fledermauswanderrouten und -korridoren" des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Studienergebnisse sind vor allem für den Bau und die Genehmigung von Windkraftanlagen wichtig. Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link und Joachim Fischer weisen im Buchkapitel Windkraftanlagen auf Seite 702 darauf hin, dass bei den Antragsunterlagen von Naturschutzbehörden eine Untersuchung der Vogelwelt und zu Fledermäusen gefordert wird, die beim Vorkommen von geschützten Tierarten nicht sich selten zur Ablehnung der Windkraftanlage führen.

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Windkraftanlagen

Die Nutzung der Windenergie hat in Deutschland in den letzten Jahrzehnten zu einem stetig steigenden Anteil regenerativen Energieeinsatzes in der Stromproduktion geführt. 


In Bezug auf ihr jahreszeitliches Auftreten wurden die Daten der weit wandernden Arten Großer Abendsegler, Kleinabendsegler, Rauhautfledermaus und Zweifarbfledermaus ausgewertet. Verschiedene Untersuchungsmethoden zur Erforschung der Migration wurden an den Arten Großer Abendsegler, Kleinabendsegler und Rauhautfledermaus in Freilandstudien erprobt. Außerdem wurde mittels automatischer Aufzeichnungen von Fledermausrufen entlang des Kammes des Thüringer Waldes überprüft, ob die Fledermausarten auf breiter Front ziehen oder bestimmte Landschaftsstrukturen meiden oder bevorzugen.

Fledermäuse ziehen auf breiter Front

Die Studienergebnisse zeigen, dass mit hoher Sicherheit von einem Breitfrontenzug ausgegangen werden muss. Besondere Zuggebiete können daher bei der Landschaftsplanung für geeignete Gebiete zur Windkraftnutzung nicht von vorneherein ausgeschlossen werden, um den Schutz der Tiere zu gewährleisten. Es sind allerdings Zugnächte identifiziert worden, die in allen Untersuchungsgebieten gleichzeitig auftraten. Gebirge werden von den ziehenden Tieren nicht gemieden. Es wurde eine sehr hohe Aktivität der Fledermäuse an Flussufern beobachtet, die sich aber auch aus Verhaltensweisen wie der Nahrungs- und Quartiersuche in Rastgebieten oder durch die Paarung im Herbst begründen lassen und somit das Zuggeschehen überlagern.

Bei den drei untersuchten Talzügen in den Mittelgebirgsgebieten ähnelten sich die Aktivitäten. Es war demnach keine Bevorzugung zu erkennen. Es ließen sich keine eindeutigen Vorlieben der Tiere für bestimmte Habitate oder Geländestandorte identifizieren. Gleichwohl machen die Wissenschaftler in der Studie darauf aufmerksam, dass die Daten möglicherweise auf Grund der hohen Heterogenität der Standorte und der geringen Stichprobengröße, keine gesicherten Aussagen zulassen.

Was bedeuten die Ergebnisse für die Planung von Windkraftanlagen?

Von Zugkorridoren kann bei Fledermäusen wahrscheinlich nicht ausgegangen werden. Es ist daher auch wenig sinnvoll Zugwegekarten zu erstellen, die bei der Planung von Windkraftanlagen berücksichtigt werden könnten. Als Zugraum muss die gesamte Landesfläche angenommen werden. Nächte mit hoher Flugaktivität ließen sich identifizieren. Diese sollten durch flächendeckende Abschaltzeiten berücksichtigt werden. Darüber hinaus können durch die Veränderung des Anstellwinkels der Rotorblätter oder die Erhöhung der Anlaufgeschwindigkeit von Turbinen nach Empfehlung von Eurobats Fledermäuse geschützt werden. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Rast- und Paarungsgebiete einen besonderen Schutz benötigen. Diese Gebiete sind zwar nur in Teilen bekannt, sollten dann aber von der Windkraftnutzung ausgenommen werden.

Über die Planung, Errichtung und den Betrieb von Windkraftanlagen informiert Erich Hau im gleichnamigen Buchkapitel. Er betont, die Planung von Windkraftenergieprojekten sei weniger ein technisches Problem als vielmehr die in der Regel langwierige Bemühung, die verschiedenen Interessen auszugleichen bis eine konsensfähige Lösung gefunden sei.

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