Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Dieser Band fasst zentrale und wegweisende Texte zu allen wichtigen Fragen der Wirtschafts- und Unternehmensethik zusammen. Sie werden von führenden Experten aus dem deutschsprachigen und internationalen Bereich bereitgestellt. Die Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik wurde im Jahre 2000 gegründet. Zum 20-jährigen Jubiläum haben die Herausgeber die ersten 15 Jahrgänge der Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik anthologisiert und stellen sie kompakt in diesem Band der interessierten Lesergemeinschaft zur Verfügung. Viele der Beiträge waren wegweisende Markierungen, die auch im aktuellen Diskurs noch eine hohe Bedeutung haben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Allgemeine Einleitung

Frontmatter

Zur Einführung: Entstehungskontext und Grundidee der Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik

Die Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik (zfwu) besteht seit nunmehr 20 Jahren. Die Herausgeber dieser Zeitschrift sehen in diesem Jubiläum den Anlass, auf die Arbeit der zfwu zurückzublicken. Für diesen Zweck versammelt dieser Jubiläumsband alle Hauptbeiträge sowie die dazugehörigen Korreferate der ersten 15 Jahrgänge.

Marc C. Hübscher, Thomas Beschorner

Ökonomie, Kultur, Ethik

Frontmatter

Einleitung zu Teil III: Ökonomie – Kultur – Ethik

Horst Steinmann weist in seinem Geleitwort zu diesen Sammelband zurecht auf ein besonderes Kennzeichen der deutschsprachigen wirtschaftsethischen Diskussion hin, die – im internationalen Vergleich – insbesondere durch eine starke grundlagentheoretische Reflexion gekennzeichnet ist (was manche als Stärke, andere als Schwäche interpretieren mögen). Der für diesen Abschnitt gewählte Dreischritt „Ökonomie – Kultur – Ethik“ und die in diesem Teil des Buches versammelten Beiträge spiegeln einerseits diese Grundlagenorientierung in ganz besonderer Weise wider. Andererseits signalisieren die drei, ja durchaus heterogenen Begriffe die Vielfalt verschiedener Herangehensweise an wirtschaftsethische Fragestellungen.

Thomas Beschorner, Marc C. Hübscher

Ökonomische Theorien

Frontmatter

Economics, Religion and Happiness

This survey intends to portray the two main approaches of economic research on religion. The first investigates the impact of religion on the economy. Religion and the internalized value system are found to influence economic attitudes output in a favorable way. The second approach is to explain religious behavior with economic models showing how an individual can derive utility from religion. Modern happiness research makes it possible to measure the impact of religion on subjective well-being empirically. The literature finds a positive correlation of religion and happiness, with a robust effect of churchgoing and protestant confession, while the results on internal religiosity are more ambiguous. In our analyses for Switzerland we are able to confirm these results and show that the effect of churchgoing on happiness is quite sizeable.

Lasse Steiner, Lisa Leinert, Bruno S. Frey

Der systematische Ort der Moral ist die Ethik!

Einige kritische Anmerkungen zur ökonomischen Ethik Karl Homanns

Mit Blick auf die Funktionslogik moderner Wirtschaftsgesellschaften zielt Karl Homanns Ansatz einer „ökonomischen Ethik“ auf die Rekonstruktion der Moral in terms of economics, um so moralische Forderungen direkt in die Funktionslogik der Ökonomie integrieren zu können. Moral, so die zentrale These Homanns, lässt sich nur durch die Implementierung allgemein verpflichtender Regeln auf Ebene einer Rahmenordnung durchsetzen, die alle Akteure in gleicher Weise bindet. Jedoch bewirkt diese Verschiebung moralischer Anforderungen ausschließlich auf die Makroebene der Rahmenordnung und die damit einhergehende Bewertung moralischer Forderungen nach ihrer ökonomischen Nützlichkeit, dass Homann die Bedeutung individueller Moral gerade auch in der modernen Gesellschaft unterschätzt und diese systematisch aus seinem Ansatz ausblendet. Indessen gilt es, so die Argumentation unseres Beitrages, die Bedeutung individueller Moral auch im Kontext der Wirtschafts- und Unternehmensethik neu zu überdenken und ihr erneut einen systematischen Stellenwert zuzuweisen.

Michael S. Aßländer, Hans G. Nutzinger

Karl Homanns Programm einer ökonomischen Ethik

‚A View From Inside‘ in zehn Thesen

In der Festschrift zu seinem 65. Geburtstag äußert Karl Homann eine gewisse Unzufriedenheit über die weitgehend verständnislos betriebene Rezeption seiner Arbeiten (vgl. Pies et al. 2008: 15; 18ff.). Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der ökonomischen Ethik nicht nur begrüßenswert, sondern geradezu verdienstvoll, dass Aßländer und Nutzinger (2011) den Versuch unternehmen, eine neue Runde der Diskussion zu eröffnen und die Theoriedebatte auf eine sachliche(re) Grundlage zu stellen.

Ingo Pies

Grenzmoral und Grenzen der Moral

Im vorstehenden Beitrag ging es uns nicht darum, den Ansatz Karl Homanns per se zu kritisieren oder Position in einem – in unseren Augen – längst beendeten ‚Schulenstreit‘ zu beziehen. Vielmehr ging es uns um die sachliche Auseinandersetzung mit einigen der innerhalb der Wirtschafts- und Unternehmensethik vorgetragenen Argumente. Dabei standen für uns zwei Dinge stets außer Frage: Zum einen war dies die Bedeutung der wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Rahmenordnung für das Verhalten wirtschaftlicher Akteure.

Michael S. Aßländer, Hans G. Nutzinger

Normetablierung, Normbefolgung, Normbestimmung

Beobachtungen und Bemerkungen zu Karl Homanns These „Ökonomik – Fortsetzung der Ethik mit anderen Mitteln“

Ethik erklärt die Etablierung und Implementierung von Normen aus individueller Vorteilsmaximierung – aber darüber hinaus auch die inhaltliche Bestimmtheit von Normen aus den Möglichkeitsbedingungen individuellem Vorteilsstrebens. ‚Ökonomik‘ behandelt nur die beiden ersten Themen, übergeht Einsichten der strebensethischen Überlieferung und überbietet oder vollendet also ‚die‘ überlieferte Ethik nicht.

Eilert Herms

Ethik = Ethik + Ökonomik = Ökonomik?

Theodor W. Adorno (1969) hat notiert, dass ein Korreferent vor der unbehaglichen Alternative stehe, sich entweder als Parasit oder aber als Pedant zu erweisen. Da nun Eilert Herms einen kritischen Kommentar zum Ansatz Karl Homanns vorgelegt hat und insofern sicher kein ‚Parasit‘ Homanns ist, sondern eher ein ‚Pedant‘ (im Sinne eines sehr präzisen Kritikers), scheine ich selbst, wenn ich versuche, in meinem Kommentar zu diesem Kommentar ebenfalls ein präziser Kritiker (‚Pedant‘) zu sein, logischerweise zu einem ‚Parasiten‘ Homanns zu werden. Als theologischer Ethiker ist es jedoch meine Pflicht, den Versuch zu machen, diese Alternative zu transzendieren.

Michael Schramm

Rückblickendes Nachwort

Vorstehender Artikel erschien nach seiner Erstveröffentlichung in der zfwu noch einmal in meiner Aufsatzsammlung „Die Wirtschaft des Menschen. Beiträge zur Wirtschaftsethik“ (Herms 2004). In einer eingehenden, konstruktiv weiterführenden Besprechung des Bandes sprach Hans G. Nutzinger (2008) es unter Bezugnahme auf den vorliegenden Text als das „Hauptproblem“ des Homannschen Programms der „Ökonomik“ als „Fortsetzung der Ethik mit anderen Mitteln“ (also re vera: der Ökonomik als Überbietung „der“ traditionellen Ethik) an, dass dieser Position zufolge „das Ende einer vernünftigen ethischen Reflexion“ immer schon erreicht sei („vermutet oder gar postuliert wird“), wenn der Rückgriff auf „ökonomische Vorteilsrekonstruktion“ nicht mehr möglich ist, und dass dementsprechend jeder ethische Konflikt durch Suche nach und Einsicht in die interessenbezogene „Vorteilhaftigkeit“ für die bzw. den Beteiligte(n) abschließend gelöst sei.

Eilert Herms

Individualethik oder Institutionenethik: Die Resozialisierung des homo oeconomicus

Der Aufsatz untersucht, welche menschlichen Handlungen als individualethisch bezeichnet werden können und welches Verhalten als durch Institutionen bewirktes ethisches Verhalten gelten könnte. Es wird argumentiert, dass ein ethisches Verhalten im eigentlichen Sinne immer nur individualethisch sein kann. Die als Institutionenethik bezeichnete Koordination des Verhaltens durch Märkte oder Normen lässt keinen Spielraum für individuelles Ermessen und entbindet den Menschen damit von selbstbestimmtem moralischen Verhalten.

Peter Weise

Individualethik und Institutionenethik!

In seinem Artikel beschäftigt sich Prof. Peter Weise mit der Frage, welche Handlungen als individualethische bzw. als institutionenethische bezeichnet werden können. Als theoretische Konzeption zieht er die Abwanderungskosten heran. Würden alle Handlungen über Märkte oder Normen koordiniert, dann mache Individualethik keinen Sinn, sie würde erodieren.

Matthias König

Kultur

Frontmatter

Wirtschaftsphilosophie – Die erweiterte Perspektive

Philosophische Überlegungen zur Ökonomie waren in Deutschland in der Vergangenheit überwiegend auf die Wirtschaftsethik beschränkt, welche sich mittlerweile in mehreren ausdifferenzierten Schulen etabliert hat. Hier soll stattdessen die Perspektive um epistemologische Fragen zum Verhältnis von Ökonomie und Philosophie erweitert werden durch die Hinterfragung grundlegender Kategorien und Annahmen und die Analyse ökonomischer Diskurse unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung von ökonomischen Grundkonzepten und der Genealogie von Moralvorstellungen.

Kurt Röttgers

Wirtschaftsphilosophie: Zur Neuorientierung einer Forschungsrichtung

Der Hauptbeitrag von Röttgers eröffnet sehr interessante Perspektiven für eine Neuorientierung der Wirtschaftsphilosophie. Es handelt sich um einen dichten Beitrag, der als „Grundsatzartikel“ eher darauf angelegt ist, das Themenfeld in seiner Breite zu entwickeln als punktuell in die Tiefe zu gehen. Insofern ist er als programmatisch zu verstehen.

Olaf J. Schumann

Postscriptum

Als ich vor zehn Jahren den Vorschlag machte, die philosophische Reflexion der Wirtschaft über die in gewisser Weise in Lagerkämpfen erstarrte wirtschaftsethische Perspektive hinaus zu erweitern, da war das, auch wenn es so naheliegend scheint, das Betreten von Neuland einer Wirtschaftsphilosophie. Inzwischen hat sich aber dieser Vorschlag in der einschlägigen Literatur so weitgehend durchgesetzt, und zwar ohne kontroverse Diskussionen oder Kritiken, dass sein damaliger innovativer Diskussionsanstoß kaum mehr nachempfunden werden kann.

Kurt Röttgers

Kulturalistische Wirtschaftsethik

Grundzüge einer Theorie der Anwendung

Der in diesem Artikel präsentierte Ansatz einer kulturalistischen Wirtschaftsethik entwickelt über die Verwendung eines Mehrebenenmodells – bestehend aus einer Handlungs-, Interaktions-, Institutionen-, Organisations- und Gesellschaftstheorie – eine wirtschaftsethische Anwendungstheorie. Durch Rückgriff auf den Kulturbegriff und unter Verwendung einer kulturwissenschaftlichen Methode werden zentrale handlungs- und institutionentheoretische Grundlagen herausgearbeitet, mit denen verschiedene individual-, organisations- und gesellschaftstheoretische Aspekte im wirtschaftsethischen Kontext erhellt werden können. Eine kulturalistische Wirtschaftsethik entwickelt ein ‚Mehr an Erklärung‘ gegenüber der traditionellen Ökonomik einerseits. Sie deutet andererseits eine Brückenfunktion zwischen deskriptiven und normativen Ethiken, zwischen Anwendungs- und Begründungsdiskursen an.

Thomas Beschorner

Desiderata einer kulturalistischen Wirtschaftsethik

Ein Kommentar zu Thomas Beschorners Forschungsprogramm

Eine kleine Fußnote in Thomas Beschorners Aufriss seines großen Forschungsprogramms bringt die wissenschaftsgeschichtliche Problemsituation auf den Punkt: Die moderne Ökonomik habe die Dimension moralischen Handelns im Laufe der Zeit aus ihrem Theoriegebäude ausgesperrt (S. 359, Fn. 12). Die moderne Ökonomik hat aber nicht nur die Dimension moralischen Handelns ausgeblendet, sie hat auch weitgehend ignoriert, dass ihr Gegenstand, die Wirklichkeit der Wirtschaft im Ganzen, kulturell konstituiert ist. Und beide Ausblendungen schwächen die Theoriebildung nicht nur innerhalb der positiven, beschreibenden und erklärenden Ökonomik, sondern auch in der Wirtschafts- und Unternehmensethik, ihrer moralisch wertenden Reflexionstheorie.

Matthias Kettner

Kulturalistische Wirtschaftsethik

Grundrisse eines (auch) normativen Programms

Unter der Bezeichnung „kulturalistische Wirtschaftsethik“ (kWE) sind in den vergangenen Jahren u. a. von Reinhard Pfriem (z. B. 2008, 2015a, 2015b) und mir verschiedene Beiträge verfasst worden, von denen wir uns neue Impulse für eine aus unserer Sicht auch weiterhin recht festgefahrene wirtschaftsethische Diskussion versprechen. Einer dieser Texte ist der in diesem Sammelband wiederabgedruckte, erstmals im Jahr 2013 in der zfwu erschienene Beitrag „Kulturalistische Wirtschaftsethik. Grundzüge einer Theorie der Anwendung“.

Thomas Beschorner

Ethics in the Economy

Economic sociologists lack coherent theories concerning how ethical disputes arise within economic life, and what effects their management has on organizational performance. Using formal codes of ethics within firms as its disciplined focus, we can develop a preliminary conceptualization of ethics in organizations, a series of hypotheses about how codes work, and a preliminary sketch of a research program that follows from these principles.

Viviana A. Zelizer

Organizations, Competition, and Ethics

In her innovative article “Ethics in the Economy”, Viviana Zelizer explores a topic that few economic sociologists have explored: ethical/unethical conduct. She explains the lack of scholarly attention to questions of morality in the economy by the prevailing assumption that the economy operates as a pure, rational, efficient mechanism, a view that has precluded attention to failures, mistakes, and wrongful activities. Her insight is correct.

Diane Vaughan

Putting Codes in Perspective

Viviana Zelizer’s focus on codes of ethics is surprising. In her paper “Ethics in the Economy,” she argues that the study of formal codes and their effects can help us understand how economic actors respond to ethical questions, and she outlines a code-centered research agenda directed to this end. My perspective is rather different.

Lynn S. Paine

Die Theorie des Humankapitals zwischen Kultur und Ökonomie

Der Begriff „Humankapital“ wird üblicherweise der Ökonomie zugeschlagen und ruft die Verteidiger der Kultur der Lebensführung auf den Plan. Dieser Gegensatz greift zu kurz. Die orthodoxe ökonomische Theorie des Humankapitals hat, so wird gezeigt, einen heterodoxen Verwandten in der Kulturtheorie. Auf der Basis dieser Begriffsbildung wird eine neue Analyse der Stärken und Schwächen des Begriffs ‚Humankapitals‘ entwickelt.

Dieter Thomä

Humankapital als Kulturalisierung der Ökonomie?

Dieter Thomä bearbeitet in seinem Beitrag das Thema „Ökonomie und Kultur“ aus einer originellen und erfrischenden Perspektive, indem er nämlich ein zentrales Konzept der Kulturphilosophie, den Begriff des menschlichen Selbst als eine sich entwickelnde Größe, im Blick auf seine interne Beziehung zu ökonomischen Prozessen analysiert. Dies ermöglicht es ihm, die festgefahrenen Debatten um das Reizwort „Humankapital“ (nach Ansicht der einschlägigen Jury bekanntlich gar ein Unwort mit dehumanisierendem Potential) durch überfällige Problemdifferenzierungen wieder in Gang zu bringen. Thomä konzentriert sich auf diesen Begriff, um auszuleuchten, wo Reichweite und Grenzen der Kapital-Metapher zu suchen sind, wenn man ein philosophisch reflektiertes Verständnis des Selbst und seiner Bildung im Hintergrund hat.

Matthias Jung

Frauen und Arbeit – Der Fähigkeitenansatz

Nussbaum entwickelt in diesem Artikel ihre Version des Fähigkeitenansatzes. Ausgehend von den Lebensgeschichten zweier indischer Frauen zeigt sie, wie verschiedene normative Konzepte die Veränderungen im Leben dieser Frauen bewerten. Sie benennt die Schwierigkeiten, die jeder interkulturelle Bewertungsrahmen meistern muss, kritisiert die dominierenden ökonomischen Ansätze, wie Pro-Kopf-Einkommen und Präferenzbefriedigung, und begründet, warum ein mit den grundlegenden Rechten und Freiheiten der Menschen verbundener Fähigkeitenansatz der fruchtbarste Ansatz für interkulturelle Zwecke ist.

Martha C. Nussbaum

Der Fähigkeitenansatz als Orientierung für eine feministische Wirtschaftsethik

Der Beitrag von Martha Nussbaum in diesem Heft gehört zu einer ganzen Reihe von Artikeln, die sie über den Fähigkeitenansatz verfasst hat. Diese Artikel lassen sich mittlerweile in zwei Phasen einteilen: Die Artikel der ersten Phase sind in den Jahren von 1986–1993 in ihrer Zeit am World Institute for Development Economics Research – WIDER entstanden, das zur Universität der Vereinten Nationen in Helsinki gehört (vgl. Nussbaum 1993a; 1999a-c). Zeitgleich mit der deutschen Übersetzung dieser Artikel, die 1999 unter dem Titel Gerechtigkeit oder das Gute Leben erschienen sind, beginnt eine zweite Phase ihres Fähigkeitenansatzes.

Ulrike Knobloch

Ethik

Frontmatter

Nachhaltigkeit – ein kulturelles, bisher aber chancenloses Wirtschaftsziel

In dem Gegensatz von „schwacher“ und „starker“ Nachhaltigkeit geht die schwache nicht weit genug zum Schutz der Natur, die „starke“ hingegen zu weit, weil sie der Wirtschaft unnötig scharfe Grenzen setzen würde. Sinnvoller wäre das positive Ziel, die Wirtschaft zu rekultivieren. Dem steht allerdings das Dreisäulentheorem der Gleichgewichtigkeit ökologischer, sozialer und ökonomischer Ziele entgegen. Hierzu wird eine radikale Anhebung der Erbschaftssteuer vorgeschlagen.

Klaus Michael Meyer-Abich

Pragmatische Physiozentrik oder die Wiederentdeckung der Kultur

Kaum ein Begriff ist zurzeit in der umweltpolitischen Diskussion so im Umlauf wie der der „Nachhaltigkeit“, kaum ein anderer gleichzeitig so umstritten – vor allem wegen seiner terminologischen Unschärfe (Hey, Schleicher-Tappeser 1998). Aus der Fülle der gehandelten Nachhaltigkeits-Definitionen lässt sich Folgendes als Substrat herausdestillieren: „Nachhaltigkeit“ (sustainability) bzw. „nachhaltige Entwicklung“ (sustainable development) meint eine Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, und zwar derart, dass die ‚Bedürfnisse‘ der gegenwärtig Lebenden befriedigt werden können, ohne zu riskieren, diejenigen zukünftiger Generationen nicht mehr befriedigen zu können.

Werner Theobald

Was ist „gute“ sozioökonomische Entwicklung?

Eine wirtschaftsethische Perspektive

Gute Entwicklung ist in erster Linie ein gesellschaftliches, nicht ein ökonomisches Projekt. Im Lichte des Ideals einer wohlgeordneten Gesellschaft freier und gleichberechtigter Bürger sind alle Länder noch „Entwicklungsländer“. Während der Zeitgeist die entwicklungspolitische Frage ökonomisiert, argumentiert dieser Beitrag gerade umgekehrt für die Perspektive einer „zivilisierten“ Marktwirtschaft. Für diese sind sozioökonomische Bürgerrechte (Wirtschaftsbürgerrechte) grundlegend, welche die Bürger einerseits zur chancengleichen Integration in die Volkswirtschaft und andererseits zur partiellen Emanzipation aus den Funktionszwängen des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs ermächtigen. Erst auf ihrer Basis wird der Übergang von einer (Sachzwang-) „Ökonomie der Lebensnot“ zu einer pluralistischen „Ökonomie der Lebensfülle“ möglich.

Peter Ulrich

„Was ist ‚gute‘ sozioökonomische Entwicklung?“ aus philosophischer und entwicklungspolitischer Perspektive

Peter Ulrich wendet sich gegen die Verabsolutierung der Marktfreiheit, wie sie bis vor kurzem dem mainstream in der Ökonomie entsprochen hat, und schlägt in diesem Zusammenhang auch einen Paradigmenwechsel in der Entwicklungspolitik vor. Auf dem Markt setzt sich derjenige durch, der mehr Kaufkraft zu mobilisieren vermag. Und bei der Aushandlung eines Arbeitsvertrags hat, wer über Kapital verfügt, mehr Verhandlungsmacht, als wer nur seine Arbeitskraft in die Waagschale werfen kann.

Thomas Kesselring

Zur Kritik des entwicklungspolitischen Ökonomismus – zehn Jahre danach

Beim Wiederlesen meines Entwurfs einer entwicklungspolitischen Perspektive auf der Basis integrativer Wirtschaftsethik sowie des exzellenten Korreferats von Thomas Kesselring gelange ich zu einem zweigeteilten Eindruck: Einerseits findet manches, was seinerzeit noch fern vom Mainstream postuliert worden ist, inzwischen deutlich breitere akademische Anerkennung, andererseits sind die realpolitischen Bemühungen eher noch weiter als damals hinter dem Stand der Erkenntnisse zurückgeblieben. Mehr denn je wird – etwa im Zeichen der Austeritätspolitik der EU seit der Banken- und Schuldenkrise – die forcierte globale Integration der Märkte um den Preis der zunehmenden sozialen Desintegration erkauft. Das ist innerhalb der fachökonomischen Debatte nicht mehr nur die „abweichende“ These von frühen Globalisierungskritikern wie Dani Rodrik (2000), sondern die fast schon vorherrschende Perspektive unter den renommiertesten angelsächsischen Ökonomen (vgl. Sen 2000, 2012; Stiglitz 2002, 2010; Sachs 2005, 2007).

Peter Ulrich

Corporate Human Rights Responsibilities

This article begins with a discussion of why one should be concerned or at least interested in the human rights conduct of corporations. Hence, the first part of the article presents a couple of historical and current situations which require attention and standard-setting. The second part focuses on past efforts of international law and particularly international human rights law to deal with such non-state actors as corporations. The third part discusses five major attributes of the U.N. Human Rights Norms which built upon the previous efforts to deal with the human rights conduct of corporations. The fourth part traces the process by which the Norms were prepared and are now being considered by the U.N. Commission on Human Rights. The fifth part identifies three principal issues raised by the opponents to the Norms. And the article concludes with an account of how the Norms are already being used by businesses, mutual funds, and others.

David Weissbrodt

Are “Human Rights” the “Business of Business”?

When the UN Global Compact was introduced in 1999 by Kofi Annan at the World Economic Forum in Davos, companies were asked to embrace, support, and enact, within their sphere of influence, a set of core values in the areas of human rights, labor standards, the environment and since June 2004 also including anti-corruption. Thus any company that pledges support to the Global Compact commits itself to two human rights-related principles.

Klaus M. Leisinger

Gibt es ein Menschenrecht auf ethische Bildung?

Eine komplexere Welt verlangt den Individuen hohe Kompetenzen verschiedenster Art ab, nicht zuletzt ethische Kompetenzen. Auch moderne Gesellschaften sind für ihr Funktionieren und ihren Zusammenhalt auf ethisch kompetente Mitglieder angewiesen. Das 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte kodifizierte „Menschenrecht auf Bildung“ impliziert daher auch ein Recht auf ethische Bildung. Der Beitrag schließt mit Hinweisen auf dessen Umsetzung in Aus- und Fortbildung.

Gerhard Kruip

Ethik oder Moral?

Individuelle Verantwortung oder institutionelle Arrangements?

Einleitend begründet Gerhard Kruip den gestiegenen Bedarf an ethischer Bildung: Individuen brauchen dank der in modernen Multioptionsgesellschaften stark zunehmenden Wahlmöglichkeiten Ethik als Hilfe zur individuellen Lebensführung und die Gesellschaft braucht moralisch kompetente Individuen, die bereit sind, Verantwortung zu tragen. Dabei geht er davon aus, dass Moral lehrbar ist. Bildung sei als Menschenrecht zu verstehen, sofern sie universell Voraussetzung der Subjektwerdung ist und darüber hinaus in modernen Wissensgesellschaften eine Bedingung gesellschaftlicher Beteiligung darstellt. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist Bildung u. a. auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und die Förderung von Toleranz und Friedensbereitschaft, also auf genuin moralische Ziele, ausgerichtet.

Gertrud Nunner-Winkler

Wir brauchen jeweils beides: Ethik und Moral, individuelle Verantwortung und moralförderliche Strukturen – eine Antwort auf Gertrud Nunner-Winkler

Ich habe in meinem damaligen Beitrag versucht, Ergebnisse aus zwei noch laufenden Forschungsprojekten, die inzwischen abgeschlossen sind, zusammenzuführen, um ein ‚Menschenrecht auf ethische Bildung‘ zu begründen. Ich danke meiner damaligen Korreferentin Gertrud Nunner-Winkler für kritische und weiterführende Hinweise, möchte aber auf vier Punkte ihrer Ausführungen kurz eingehen.

Gerhard Kruip

Wirschafts- und Unternehmensethik

Frontmatter

Einleitung zu Teil IV: Wirtschafts- und Unternehmensethik

Die Wirtschafts- und Unternehmensethik widmet sich aus verschiedenen Perspektiven dem Verhältnis von Ökonomie und Philosophie. Dabei stehen drei Ebenen im Mittelpunkt: eine mikroethische (Individualethik), eine mesoethische (Unternehmensethik) und eine makroethische Ebene (Wirtschaftsethik). In den vergangenen Jahren haben sich darüber hinaus drei Lager wirtschafts- und unternehmensethischer Positionen gebildet, die im Folgenden kurz skizziert werden sollen (vgl. Brink 2011).

Alexander Brink, Olaf J. Schumann

Ordnungstheorie und Ordnungsethik

Frontmatter

Ideen des Guten in der integrativen Wirtschaftsethik

Hinführung und Weiterentwicklung

Dem ökonomischen Denken und Handeln liegen Vorstellungen des Guten zugrunde, die selten diskutiert werden, sondern meist nur mehr oder weniger unhinterfragt vorausgesetzt werden. Bevor diesen Vorstellungen des Guten nachgegangen wird, muss die Notwendigkeit des Guten für das Rechte geklärt werden. Dann werden die in der Standardökonomik und auch in der ökonomischen Theorie der Moral verbreiteten Vorstellungen des Guten analysiert. Die Hauptaufgabe besteht allerdings darin, die verschiedenen Ideen des Guten im politischen Liberalismus und insbesondere in der integrativen Wirtschaftsethik zu diskutieren und auf ihre Erweiterbarkeit hin zu einer universalen Wirtschaftsethik des guten Lebens zu untersuchen.

Ulrike Knobloch

Unter welchen Bedingungen wäre eine Ethik des Guten eine gute Ethik?

Der von Ulrike Knobloch vorgelegte Text meldet theoretische Ambitionen an: Er formuliert eine Kritik an John Rawls (ca. 1 + 3 Seiten), eine Kritik an der Ökonomik im Allgemeinen und an Karl Homanns ökonomischer Ethik im Besonderen (ca. 2 Seiten) sowie eine Einführung in die Vorstellungswelt Peter Ulrichs (ca. 8 Seiten), um schließlich in eine kritische Weiterentwicklung (ca. 3 Seiten) seines Ansatzes einer Integrativen Wirtschaftsethik zu münden.

Ingo Pies

Gerechtigkeit in wirtschaftlicher Perspektive

Einige neoliberale Ökonomen – wie z. B. Hayek – glauben, dass Gerechtigkeit keinen Bezug zur Ökonomie aufweist. Sie setzen ein System der Ökonomie voraus, das in sich und durch sich keine Korrelation zum politischen System aufweist. Für eine optimale Produktion ist jedoch die politische und soziale Ordnung eine notwendige Voraussetzung, die bereits bekannte Fragen und Probleme einer gerechten Ordnung neu aufwirft. Darüber hinaus sollte sie die Frage der Gerechtigkeit als Tugend wieder aufleben lassen.

Christofer Frey

Gerechtigkeit in der Ökonomik, von außen und innen betrachtet

Christofer Frey hat einen interessanten Bericht darüber geschrieben, wie sich aus Sicht der Theologie und der christlichen Sozialethik die „Gerechtigkeit in wirtschaftlicher Perspektive“ darstellt. Anders als der Titel nahe legen könnte, geht es nur ganz am Rande um Gerechtigkeit in den konkreten wirtschaftlichen Beziehungen, aber auch die Wahrnehmung von Gerechtigkeit als Problem der Wirtschaftswissenschaften erfolgt aus einer Außenperspektive, sozusagen als Meta-Wahrnehmung. Dies führt nach meiner Einschätzung einerseits dazu, dass der Verfasser teilweise der ökonomietheoretischen Sicht des Gerechtigkeitsproblems und den damit verbundenen Engführungen zu sehr entgegenkommt, andererseits aber auch dazu, dass die spezifische ökonomische Herangehensweise an das Gerechtigkeitsproblem der Leserschaft seines Artikels nur unzureichend vermittelt wird.

Hans G. Nutzinger

Noch einmal: Das Thema der Gerechtigkeit im Blick auf die Ökonomie

Der Verfasser dieses Postscripts schuldet dem Korreferenten seines Beitrags Dank und möchte diesen mit einer Fortsetzung der Diskussion beweisen. Die detaillierten Überlegungen des Korreferenten können dabei helfen, die Argumentation fortzusetzen und zu erweitern. Am Anfang des Postscripts soll jedoch eine persönliche Erinnerung stehen.

Christofer Frey

Politische Ökonomie, wirtschaftsethisch rekonfiguriert

Funktionale Systemökonomie im Kontext praktischer Sozialökonomie

Das klassische Selbstverständnis der Politischen Ökonomie als ethisch-politischer Disziplin ist längst dem methodischen Reduktionismus reiner Ökonomik gewichen. Heute gilt es die „implizite Ethik“ des ökonomischen Ansatzes aufzudecken, um einem reflektierten Umgang mit den Spannungen zwischen der «eigensinnigen» Sachlogik des marktwirtschaftlichen Systems und den ethischen Prinzipien einer wohlgeordneten Gesellschaft freier Bürger zuzuarbeiten. Ausgehend von den konzeptionellen und methodologischen Ideen Adam Smiths und John St. Mills wird ein dualistisches Konzept Politischer Ökonomie entworfen, das funktionale Systemökonomie systematisch in praktische Sozialökonomie integriert.

Peter Ulrich

Normativ vs. normal?

Wider eine selbstgenügsame Wirtschaftsethik in der akademischen Nische

Themenschwerpunkt der zfwu 7/2 im Jahr 2006 war die Politische Ökonomie. Wie im Editorial von Olaf J. Schumann zutreffend festgestellt wurde, ist diese Thematik, ja generell das Verhältnis zwischen Wirtschaftsethik und Wirtschaftstheorie, „bisher eher stiefmütterlich behandelt worden“ (Schumann 2006: 159). Das ist im Grunde erstaunlich: Wirtschaften ist ja eine Form von intentionaler Praxis; jede Theorie, die eine Idee von der rationalen Ausübung solcher Praxis implizit voraussetzt oder sogar – als Idealtheorie rationalen Wirtschaftens – explizit entfaltet, ist unausweichlich von normativen Orientierungen geprägt. Mit anderen Worten: Ökonomik ist, sobald sie Praxis anhand ihres Rationalitätskonzepts beurteilt, stets normative Ökonomik. Nichts anderes besagt ja auch die klassische, sachlich völlig richtige Bezeichnung der Disziplin als Politische Ökonomie.

Peter Ulrich

European Economic Ethics Research

A Diagnosis

The purpose of the European Economic Community’s founders was not only ‘mercantilist’, but ‘economic’, in the broader sense of the term ‘economics’. If there has been a specific model of Europe, it has been the social market economy. But the crisis of the welfare state has raised doubts about key features of that model. Does Europe have anything particular to offer in the economic realm? The approaches of economic ethics that have been developed in Europe have a lot to say in the formation of a ‘Euroethos’. The article tries to show the main European approaches and to delineate the traits of a European proposal.

Adela Cortina

Vom Business Case zum Public Case?

Der Beitrag privater Selbstregulierung zu Global Governance

Unternehmen sind immer häufiger an grenzüberschreitenden Normsetzungs- und Normdurchsetzungsprozessen beteiligt. Die beiden Autoren untersuchen Bedingungen für das Auftreten privatwirtschaftlicher Governance-Beiträge und gehen der Frage nach, unter welchen Voraussetzungen sie wünschbare Beiträge zu Global Governance leisten können. Dabei werden Legitimationsanforderungen und das Selbstlegitimierungspotential transnationaler privater Selbstregulierung betrachtet und Perspektiven für deren Einbettung in eine institutionelle Gesamtarchitektur erörtert.

Klaus Dieter Wolf, Sandra Schwindenhammer

Vom Business Case zum Public Case!

Frosch- und Vogelperspektiven zur Global Governance

(Groß-)Unternehmen im 21. Jahrhundert sind nicht mehr nur „quasi-öffentliche Institutionen“ (Ulrich 1977), sondern governance-politische Akteure, die sich aktiv in die Gestaltung der Spielregeln einbringen. Klaus Dieter Wolf und Sandra Schwindenhammer (2011) gehen in dem vorliegenden Beitrag der Frage nach, welches Potential private transnationale Selbstregulierungen als neue gesellschaftliche Steuerungsmechanismen unterden Bedingungen einer Weltgesellschaft aufweisen. Ihr Augenmerk richten sie dabei auf Legitimationsaspekte.

Thomas Beschorner

Über die „Vogelperspektive“ als interdisziplinäre Klammer

Die politikwissenschaftliche Forschung über Global Governance-Beziehungen und die Wirtschafts- und Unternehmensethik nehmen aus ihren jeweiligen fachspezifischen Perspektiven und Theorien die Grenzen staatlicher Regulierungskraft im Zeichen der Globalisierung zum Ausgangspunkt, um Unternehmen als potentielle Regelungssubjekte zu untersuchen. Diese geteilte Prämisse bietet den Nährboden für einen fruchtbaren und von uns geschätzten Dialog, für den die Zeitschrift für Wirtschaft- und Unternehmensethik seit nunmehr 20 Jahren erfolgreich einen wichtigen Diskursraum bereitstellt. Gern nutzen wir die in diesem Band gebotene Gelegenheit, uns noch einmal voraus- und rückblickend mit der Replik von Thomas Beschorner auf unseren Hauptbeitrag aus der zfwu-Ausgabe 12/1 auseinanderzusetzen. Wir möchten drei darin formulierte Herausforderungen aufgreifen. Sie betreffen zum einen die Ausdifferenzierung der normativen Analyse, zweitens eine noch systematischere Berücksichtigung der Rolle der Zivilgesellschaft sowie schließlich die Notwendigkeit einer „Vogelperspektive“.

Klaus Dieter Wolf, Sandra Schwindenhammer

Ist die Ordnungsökonomik zukunftsfähig?

In diesem Beitrag setzen wir uns mit der zukünftigen Positionierung der Ordnungsökonomik innerhalb der Wirtschaftswissenschaften im Spannungsfeld zwischen positiver Analyse und normativer, auf wirtschaftspolitische Beratung zielender Disziplin auseinander. Im Sinne des normativen Individualismus bieten sich das Legitimationskriterium der individuellen Zustimmung oder die Steuerungsideale der Bürger- und Konsumentensouveränität als Grundlage für die moderne Ausrichtung der Ordnungsökonomik an. Ganz im Sinne des verfassungsökonomischen Forschungsansatzes von James Buchanan werden daher die Bürgerinteressen als Referenzkriterium herangezogen. Nach einem Überblick über den neueren Methodenstreit diskutieren wir jüngste Beiträge zur zukünftigen Ausrichtung der Ordnungsökonomik vor dem Hintergrund des verfassungsökonomischen Forschungsprogramms. In einem dritten Schritt stellen wir unsere Perspektive zur Weiterentwicklung des ordnungsökonomischen Forschungsansatzes dar.

Lars P. Feld, Ekkehard A. Köhler

Der normative, methodologische Individualismus

Eine wirtschaftsethische Reflexion

Der Beitrag von Feld und Köhler stellt detailreich den aktuellen Diskussionsstand zur Lage der Ordnungsökonomik in den Wirtschaftswissenschaften dar. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden gesellschaftlichen Skepsis hinsichtlich der Marktwirtschaft, der ein weitgehender Konsens bezüglich der Marktwirtschaft als günstigste Form der Koordination individueller Entscheidung in den Wirtschaftswissenschaften gegenüber steht, fragt er nach der „Bringschuld“ (Giersch 1994: 246) der Ökonomen und nach den Möglichkeiten, mit Hilfe der Ordnungsökonomik die Bürger über wirtschaftspolitische Zusammenhänge zu informieren.

Bettina Hollstein

Theorien der Unternehmensethik

Frontmatter

Business Ethics in the Intercultural and Global Context: A Conceptual Framework

The article aims at definitely placing the approach to business and economic ethics into the global context. By learning from different approaches in various countries, it develops a conceptual framework which provides room for multiple types of actors and various kinds of international relations and characterizes the relationship between ethics and business/economics as a ‘two-leg approach’. Then a brief descriptive overview of the emerging field of business ethics around the world is presented and different theoretical approaches are discussed.

Georges Enderle

Probleme und Möglichkeiten einer globalen Wirtschaftsethik

Georges Enderle stellt richtig fest, dass vor allem angesichts der Globalisierung Theorie und Praxis der Wirtschafts- und Unternehmensethik in einen globalen Kontext gestellt werden müssen. Bisher gibt es dazu nur erste bescheidene Ansätze, wie etwa ein Sonderheft des Journal of Business Ethics (Oktober 1997), das aus Anlass des ersten Weltkongresses für „Business, Economics, and Ethics“ in Tokio entstand, oder die Erklärungen mehrerer Versammlungen der Weltreligionen zu einer ‚globalen Ethik‘. Da aber weiterhin der wirtschafts- und unternehmensethische Diskurs stark nationalstaatlich geprägt ist, unternimmt es Enderle in seinem Beitrag, die theoretische Vorarbeit für eine globale Wirtschafts- und Unternehmensethik voranzutreiben.

Hans G. Nutzinger

Building and Cultivating the Entire Field of Business and Economic Ethics

Since the launching of the Journal of Business, Economics and Ethics (or zfwu) in 2000, the young publication has emerged into a reputable voice in the relatively established, yet still evolving field of business and economic ethics, and is appreciated mostly by German speaking scholars. Looking back is therefore an interesting endeavor to document this development and to try to draw valuable lessons for business and economic ethics in the years to come. For sure, the contributions to this volume present an impressive, rich and multifaceted picture, which I cannot portray in a few pages.

Georges Enderle

The Value-Added Approach to Business Ethics

Ethical Reflections on the Challenges Facing International Businesses in Developing Areas

This essay examines challenges facing international businesses in developing areas in relation to alternative views of development, business strategy, and ethics. It adopts an institutional view of development and favours asset development rather than cost minimization business strategies. The essay contrasts ethical strategies that primarily operate in keeping with benchmarks to those that seek to add value. Using a variety of examples, the essay makes a case for a value-added approach. The essay explores how internationally connected businesses can add or deplete economic values gauged in relation not only to productive and financial capital but also in relation to human, social, and natural capital. The essay argues that international businesses can foster or frustrate development depending in large part on the extent to which they aim to strengthen their own assets, broadly understood, and those of their immediate stakeholders.

Frederick Bird

Building an Alliance…

The requested critical commentary may begin almost enthusiastically. Frederick Bird offers a common and coherent perspective for sectors normally considered separately, for the development of large areas of our world as well as for business strategy and ethics. He also implicitly explains why the tremendous efforts of the last two decades brought forth so little fruit.

Hansjörg Elshorst

A Value-Added Approach to Business Ethics

Since I wrote this article, I have further elaborated on the themes found in this essay in a number of other published papers (see Bird 2009a, 2009b, 2006a, 2006b).

Frederick Bird

The Stakeholder Approach Revisited

The purpose of this paper is to revisit the development of the stakeholder management approach developed in “Strategic Management: A Stakeholder Approach” published by Pitman Publishing in 1984. A brief history of the development of this approach is followed by a summary and an assessment of the main arguments. The approach has been used in a number of research streams which are outlined. The paper ends with some suggestions for promising lines of inquiry.

R. Edward Freeman

Stakeholder Theory between General and Contextual Approaches

A German View

Management theory authors have earned an infamous reputation for working on an endless output of concepts that progress through a life cycle of introduction, growth, maturity, decline, and cessation. In the literature about management fads, Business Reengineering or Lean Management are discussed as potentially on the decline (see Williams 2004; Collins 2000; Abrahamson/Fairchild 1999). The stakeholder approach, however, defies this trend and is still alive and kicking, even though it is older than these theories. Acceptance in academia and corporate practice has grown steadily.

Ursula Hansen, Matthias Bode, Dirk Moosmayer

Business Ethics in Germany

Problems, Concepts, and Functions

This paper addresses the question of why business ethics did not become a standard part of research and academic education in German-speaking countries until now. It traces this trend back to experiences of the dictatorship prior to World War II. Until the 1980s, Max Weber’s concept of value-free scientific statements dominated the discipline. Since the mid-1980s, several positions and concepts of business ethics have been suggested, all of which failed to garner the acceptance of business ethics. Therefore, an alternative, analytical concept of business ethics is developed which separates between logical, empirical and normative dimensions of ethical problems.

Hans-Ulrich Küpper

Should Business be Moral?

Professor Küpper argues cogently for an alternative conception of business ethics. The starting point, he asserts, should not be normative claims, i. e., claims about what business ‘ought’ or ‘ought not’ do, but the analysis of the real moral problems confronting business. As researchers, we should dig into the real-world problems that confront accounting, finance,and marketing, and we should eschew subjective values in favor of more scientific and empirical modes of analysis.

Thomas Donaldson

Main Elements of Analytical Business Ethics

The reprint of my 2007 article in the Journal for Business, Ethics & Economics (zfwu) is a chance to reply to several critics, especially to Thomas Donaldson’s (2007: 270–274) comment “Should Business be Moral?”, and to accentuate foundations of my thinking. They can be summarized shortly in the following five items.

Hans-Ulrich Küpper

Eine Theorie der Governanceethik

Der Beitrag entfaltet die Grundidee und die theoretischen Implikationen einer Ethik der Governance. In der Wirtschafts- und Unternehmensethik geht es demnach um die Steuerung, Führung und Kontrolle der moralischen Dimension distinkter ökonomischer Transaktionen. Die Untersuchung liefert im zweiten Teil eine vergleichende Diskussion der Governanceethik mit der Wirtschaftsethik Karl Homanns.

Josef Wieland

Governanceethik und philosophische Ethik mit ökonomischer Methode

Versuch einer Verhältnisbestimmung

Den Herausgebern der „Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik“ gebührt Dank dafür, dass sie die Idee gehabt haben, das Verhältnis der Konzeptionen von Josef Wieland und mir zur Diskussion zu stellen, und dass sie uns beide dazu überredet haben, die vorliegenden Beiträge zu verfassen. Dies hat uns die Möglichkeit gegeben, die eigene Konzeption noch einmal zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Als Nach-Schreibender bin ich in ganz besonderer Weise Nutznießer dieser Veranstaltung, weil ich eine brillante Vorlage von Josef Wieland zu kommentieren habe, die mir theoretische Klärungen und Weiterentwicklungen meiner Konzeption abnötigt.

Karl Homann

Problemorientierte Diskurse: Anwendungsbereiche und theoretische Impulse

Frontmatter

Einleitung zu Kapitel V: Problemorientierte Diskurse – Anwendungsbereiche und theoretische Impulse

Wirtschafts- und Unternehmensethik zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht auf der Ebene der theoretischen Begriffsanalysen und Begründungen verharren kann, sondern – wie alle angewandten Ethiken – dabei helfen soll, „in schwierigen Situationen moralisch verantwortlich zu handeln“ (Stoecker et al. 2011: 10). Sie ist als angewandte Ethik oder Bereichsethik darauf angewiesen, in engem Austausch mit den konkreten Problemen des jeweiligen Anwendungsbereichs theoretisch reflektiert und weiterentwickelt zu werden. Insofern erweist sich die Vorstellung einer Arbeitsteilung zwischen einer abstrakten, theoretischen normativen Ethik, die zunächst konzeptionell entwickelt wird, um dann im jeweiligen Feld – hier also in der Wirtschaft – angewandt zu werden, als verkürzt, da sich ethische Konzepte immer anhand von konkreten Problemen entwickeln und insofern nur ein enges Wechselverhältnis von Theorie und Praxis Reflexionsfortschritte verspricht.

Bettina Hollstein, Thomas Hajduk

Praxis der Unternehmensethik

Frontmatter

Social Accountability 8000

Ein praktikables Instrument zur Implementierung von Unternehmensethik in international tätigen Unternehmen?

In diesem Beitrag wird ein neues Instrument zur Implementierung von Unternehmensethik in international tätigen Unternehmen vorgestellt und kritisch evaluiert. Es handelt sich um die Zertifizierung nach Social Accountability 8000. Unternehmen sollen aktiv ethische Verantwortung übernehmen, indem sie weltweit gültigen Sozialstandards folgen und dies durch unabhängige Prüfer zertifizieren lassen. Das Konzept weist bei der operativen Umsetzung in Unternehmen eine Vielzahl praktischer Vorteile auf. Eine theoretische Analyse zeigt allerdings, dass es dem Compliance-Ansatz folgt und insofern keinen Akt freiwilliger dialogischer Willensbildung (Integritäts-Ansatz) darstellt.

Dirk Ulrich Gilbert

Der SA 8000 als ordnungspolitisches Instrument zur freiwilligen Umsetzung von Sozialstandards im Globalisierungsprozess

Die Tatsache, dass Sozialstandards im Allgemeinen und der Social Accountability Standard 8000 im Speziellen unter der Fragestellung erörtert werden, ob der SA 8000 „ein praktikables Instrument zur Implementierung von Unternehmensethik“ sei, zeigt einen aus Sicht der Wirtschaftsethik höchst erfreulichen Tatbestand an: In der Praxis international tätiger Unternehmen wird in der Zwischenzeit eine ethische Verantwortung für die sozialen Bedingungen, unter denen ihre Waren in Entwicklungsländern produziert werden, auf breiter Basis anerkannt, und es wird jetzt über die richtige Umsetzung diskutiert. Dies ist ein großer Fortschritt, standen doch noch bis vor einigen Jahren bei den Unternehmungen überwiegend komparative Kostenüberlegungen, sowie marktstrategische Erwägungen im Vordergrund, wenn es um deren Engagement in Ländern der Dritten Welt ging. Zu diesem Wandel hat zweifellos die gewachsene Bedeutung einer kritischen Öffentlichkeit im Zuge der Globalisierung beigetragen.

Karl-Hermann Blickle

Social Accountability 8000

Ein deliberativer Ansatz zur Implementierung von Unternehmensethik in multinationalen Unternehmen?

In den vergangenen zwanzig Jahren hat die Zahl sogenannter „International Accountability Standards“ (IAS) stark zugenommen, die insbesondere multinationale Unternehmen (MNU) adressieren, damit diese ihre ökonomischen, sozialen und ökologischen Handlungen besser analysieren, messen, kommunizieren, verbessern und/oder zertifizieren können. Beispielefür solche IAS sind der in meinem Beitrag von 2001 analysierte Zertifizierungsstandard Social Accountability 8000 (SA 8000), aber auch andere Multistakeholder Initiativen wie der United Nations Global Compact, die Global Reporting Initiative oder ISO 14001. In der Literatur hat sich eine lebhafte Diskussion um diese IAS entfaltet, in der sich zahlreiche Argumente, die ich in meinem Beitrag für die zfwu bereits diskutiert habe, wiederfinden (vgl. z. B. Behnam/MacLean 2011).

Dirk Ulrich Gilbert

Environmental, Social and Governance Key Performance Indicators from a Capital Market Perspective

Environmental, social and governance factors are becoming increasingly significant for comprehensive firm valuation. These factors are however of a qualitative nature and therefore difficult to express in numerical figures. Consequently, disclosure and the relevancy thereof to investors are problematic. The article analyses a breakthrough instrument which facilitates the quantification and representation of such data against the background of international institutional efforts aiming to promote standardised qualitative reporting for extra-financial information.

Alexander Bassen, Ana Maria Kovács

Intangibles Reporting – The Financial Communication Challenge in Response to Corporate Responsibility Requirements

In Search for a Common Language

The theory of efficient capital markets postulates that stock prices always correctly reflect all available information. Consequently, as far as immaterial firm specifics include value implications, those also need to be considered in the determination of a firm’s fundamental value or financial perspectives.

Dirk Schiereck, Anke Königs

Unternehmensethik für Professional Service Firms

Problemtatbestände und Lösungsansätze

Die Wirtschaftsskandale der jüngsten Zeit werfen wieder einmal die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmung auf. In der Kritik stehen dabei besonders die so genannten Professional Service Firms. Die Untersuchung von Managementsystemen und Anreizstrukturen in Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Investmentbanken zeigt sowohl empirisch als auch organisationstheoretisch begründbare Defizite bei der Ermöglichung und Durchsetzung einer kritischen ethischen Reflexion des Managementhandelns. Der vorliegende Artikel skizziert Problemtatbestände und Lösungsansätze und zeigt den Forschungsbedarf auf, der auf diesem Gebiet noch besteht.

Andreas Georg Scherer, Jens Michael Alt

Professional Service Firms

Ein Härtetest für die Unternehmensethik!

Scherer und Alt weisen zu Recht darauf hin, dass es aufgrund vieler Skandale in der jüngsten Zeit Veranlassung gibt, der Frage nachzugehen, wie es Professional Service Firms (PSF) mit der Unternehmensethik halten.1 Zu kritisieren ist m. E., dass sie zu wenig untersuchen, wie es denn um die Bedingungen für Ethikmanagement in solchen Unternehmen steht. Dabei wäre ihnen bestimmt aufgefallen, dass es enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen innerhalb PSF gibt. So kann man bspw. für die Wirtschaftsprüfer noch so etwas wie Professionalisierung annehmen, für die Unternehmensberater jedoch nicht.

Alfred Kieser

Konsumethik privater Haushalte

Frontmatter

Moral hybrids

Skizze zu einer Theorie moralischen Konsums

Moralischer Konsum kann, wenn er Schwellwerte übersteigt, Güternachfragen ändern. Es entsteht eine eigene Steuerungsstruktur, die allerdings nicht normativ, sondern als Kommunikationsprozess erklärt werden muss. Dafür wird eine Theorie der Güterproduktion als Erzeugung von Gütern + Bedeutung entwickelt, die über die Frage nach dem moralischen Konsum hinausweist. Märkte werden über zwei oszillierende Steuerungsstrukturen koordiniert: Präferenzen und Semantik.

Birger P. Priddat

a = a + b

In seiner theoretischen Skizze geht es Priddat allgemein „um die Einführung einer Parallelität von Präferenzen und Semantik“ (137) in moralischer Hinsicht. Dazu führt er zunächst kurz und systematisch in die Theorie „moralischen Konsums“ ein und entziffert diesbezüglich „moralische Zyklen“ (132ff.), die insbesondere durch massenmedial gesteuerte Kommunikation evoziert werden. In dem, daran anknüpfend, detaillierter ausgearbeiteten Ansatz der „moral hybrids“ versucht Priddat, die Relevanz seiner „Duplextheorie der Güter“ (137) für makroökonomische und mikroökonomische Fragestellungen zu zeigen und sie darüber hinaus in die „theory of rational choice“ zu integrieren. So viel zum Programm.

Olaf J. Schumann

‚Geliehene Moral‘

Es fällt mir schwer, einen Nachtrag für den im Jahr 2000 geschriebenen Artikel zu formulieren, weil ich ihn weiterhin für aussagestark und gültig halte. Ich habe allerdings das, was ich damals für den moralischen Konsum verfasst habe, weiter ausgearbeitet und in einem Buch zusammengetragen, das dieses Jahr erscheint: Economics of persuasion (vgl. Priddat 2014a). Dort gehe ich aber kaum auf moralische Märkte ein, sondern generell auf Märkte unter dem besonderen Gesichtspunkt der Überredung und Kommunikation.

Birger P. Priddat

Can The Socially Responsible Consumer Be Mainstream?

Empirical evidence reveals that the general notion of an ‘ethical’ consumer is a myth. However, in specific contexts specific individuals will reveal their social preferences through their consumption choices. Yet this implies that it is niche contexts and niche individuals that lead to a niche of socially responsible consumers. This article discusses the possibility that this niche phenomenon can be expanded so that more social consciousness arises through consumption choice. We argue that to making the socially responsible consumer mainstream entails a logic not unlike that used to enhance the other intangible aspects of consumption.

Timothy M. Devinney, Pat Auger, Giana Eckhardt

Ethik des Kapitalmarkts

Frontmatter

Moral an die Börse?

Finanzskandale, feindliche Übernahmen und großzügige Zahlungen an Manager in Finanzinstitutionen haben in der Öffentlichkeit Empörung hervorgerufen. Funktionsdefizite der Finanzmärkte können jedoch nur durch politische Regulierung, ethische Strukturierung der globalen Finanzmärkte und durch die beiden zentralen Prinzipien Stabilität und Partizipation beseitigt werden.

Friedhelm Hengsbach

„Dieses Mal ist alles anders“?

Umsteuern zu einer regelethischen Reflexion

Nach der Technologieblase gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts und der folgenden Finanzkrise im Jahr 2000 hatten renommierte Banker eingestanden, dass sie alle Fehler gemacht und nicht mit einem so abrupten Absturz der Börsenkurse gerechnet hätten. Die Bevölkerung hatte sich damals über die Gier und die maßlosen Gehaltsanhebungen der Manager empört.

Friedhelm Hengsbach

Renditedruck der Finanzmärkte – schwere Zeiten für die Unternehmensethik

Der Beitrag kritisiert die neuere Tendenz in deutschsprachigen Veröffentlichungen verstärkt auf beratende Unternehmensethik statt auf politisch-öffentliche Institutionenethik zu setzen. Prinzipiell sind kapitalistische Unternehmen auf Grund ihrer Gewinnorientierung nur sehr schwer für einen ‚pfleglichen‘ Umgang mit dem Arbeits-, Gesellschafts- und Naturvermögen zu gewinnen. In der Gegenwart wird dieses Problem durch besonders hohe Renditeanforderungen verschärft, die zudem noch zügig verwirklicht werden sollen. Ursächlich sind u. a. die Ausbreitung des Shareholder-Value-Leitbilds, eine starke Orientierung der Vorstände am Aktienmarkt, bei einigen Unternehmen die Ungeduld neuer Eigentümer-Typen (u. a. Finanzinvestoren) und die branchenübergreifende Sogwirkung der stark übersteigerten Renditen in der Finanzwirtschaft vor Ausbruch der Finanzkrise. Die Höhe und Kurzfristigkeit der Renditeziele lässt kaum Spielraum für konsens- bzw. kompromissorientierte Arrangements mit den Arbeitnehmern und anderen Stakeholdern, die nicht Shareholder sind.

Bernhard Emunds

Institutionen- versus Individualethik?

Eine falsche Alternative vor dem Hintergrund der Finanzkrise

Der engagierte Beitrag von Bernhard Emunds geht von dem paradoxen Befund aus, dass auf der einen Seite die globale Finanzkrise den Ruf nach Wirtschafts- und Unternehmensethik provoziert, auf der anderen Seite aber die Entwicklungen auf den Finanzmärkten gerade die Möglichkeiten einer beratenden Unternehmensethik behindern. Gegen die gegenwärtigen Tendenzen in der wissenschaftlichen Literatur, sich auf individualethische Konzepte der Unternehmensethik im Sinne einer Beratung für Manager zu konzentrieren, will er ordnungs- und institutionentheoretische Ansätze einer politischen Wirtschaftsethik stärken.

Bettina Hollstein

Weiter steigender oder wieder sinkender Renditedruck?

In meinem zfwu-Beitrag von 2010 habe ich die Tendenz der neueren deutschsprachigen Wirtschaftsethik kritisiert, sich zunehmend auf Corporate Social Responsibility (CSR) und Unternehmensethik zu beschränken. Als mögliche Motoren ethisch sinnvoller Veränderungen des Wirtschaftens rücken in jüngeren wirtschaftsethischen Studien zumeist die Unternehmen selbst in den Mittelpunkt; kaum mehr geht es um Handlungsoptionen von Regierungen, suprastaatlichen Organisationen oder zivilgesellschaftlichen Bewegungen.

Bernhard Emunds

Zuviel Vertrauen?

Über Moral und Finanzen

Die Bankenkrise wird vornehmlich als Vertrauensverlust interpretiert. Es werden neue moral standards vorgeschlagen und/oder verbesserte Kontrollen. Dabei bleibt übersehen, dass ein Gutteil der Gründe, komplexe und intransparente Zertifikate zu verkaufen wie zu kaufen, selber auf einem Vertrauen in die Transaktionen beruhte. Inwieweit Vertrauen keine Lösung des Problems ist, sondern dessen Bestandteil, soll im Folgenden analysiert werden.

Birger P. Priddat

Probleme der moralischen Effektivität

Der vorangegangene Aufsatz behandelt zwei ineinander verwobene Themen: zum einen die asymmetrische Bankberater/Kunden-Situation und zum anderen die Frage nach der Moral der Bank, die im Wesentlichen darin besteht, dass der Kunde darauf vertraut, seriös behandelt zu werden, und dann enttäuscht wird. Zum ersten Thema habe ich mittlerweile eine eigene Abhandlung geschrieben, die sehr viel genauer die asymmetrische Beratungssituation behandelt – als ein Aspekt einer economy of persuasion (vgl. Priddat 2015). Was als Beratung angeboten wird, ist de facto ein Verkaufsgespräch. Kunden aber betrachten die ‚Bank ihres Vertrauens‘ bisher als mehr oder minder objektive Beratungsinstanz.

Birger P. Priddat

Ethik des Dritten Sektors

Frontmatter

Wirtschaftsethik und Dritter Sektor

Der Beitrag setzt bei einer Klärung der Entwicklung und der Spezifika des Dritten Sektors und seiner Organisationen ein. Dem neueren Forschungsinteresse folgend geht er auf Dritte-Sektor-Organisationen als zivilgesellschaftliche Akteure ein. Im zweiten Teil wendet sich der Beitrag den zwei führenden Ansätzen zu, die im deutschsprachigen Raum umfassende Konzeptionen von Wirtschafts- und Unternehmensethik entwickelt haben. Welchen Beitrag können die Ansätze von Karl Homann einerseits und Peter Ulrich andererseits – so wird gefragt – zu einer ethischen Reflexion des Dritten Sektors und seiner Organisationen leisten?

Karl Gabriel

Zivilgesellschaft: Dritter Sektor oder Dritter Weg?

Zur wirtschaftsethischen Bedeutung des Bürgerengagements

Dem reflektierten, sorgfältig argumentierenden Beitrag von Karl Gabriel kommt das Verdienst zu, die wirtschaftsethische Fachdebatte auf die wachsende Bedeutung des – von ihr in der Tat bisher etwas vernachlässigten – „Dritten Sektors“ hinzuweisen. Nachdem seit 1989 schon jegliche fundamentalistische Staatsgläubigkeit und alle ihr entsprechenden Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle zu Recht diskreditiert sind, erleben wir gegenwärtig vermutlich – und wohl kaum weniger zu Recht – gerade den Abschied vom seither dominierenden Zeitgeist einer tendenziell ebenfalls fundamentalistischen, radikalen Marktgläubigkeit. Als „problemanzeigender Begriff“ (Gabriel, Abschn. 2) erinnert der Terminus des Dritten Sektors daran, dass die alte ideologische Systemdebatte (Markt vs. Staat) selbst noch Symptom einer überkommenen Bewusstseinslage ist, nämlich der mangelnden Unterscheidung zwischen (Markt-)Wirtschaft und (Bürger-)Gesellschaft.

Peter Ulrich

Der systematische Ort der Zivilgesellschaft

Welche Rolle weist eine ökonomische Theorie der Moral zivilgesellschaftlichen Organisationen in der modernen Gesellschaft zu?

Dieses Korreferat konzentriert sich ausschließlich auf konstruktive Kritik. Diese wird in vier Schritten entwickelt. Erstens skizzieren wir den Ansatz einer ökonomischen Theorie der Moral. Zweitens zeigen wir, dass man aus diesem Ansatz heraus nicht nur eine leistungsfähige Unternehmensethik, sondern auch – allgemeiner – eine leistungsfähige Organisationsethik entwickeln kann, mit der sich zudem interessante Thesen zum „Dritten Sektor“ generieren lassen. Drittens identifizieren wir einige Missverständnisse – und viertens: mögliche Quellen für Missverständnisse –, die einer interdisziplinären Verständigung über Fragen wirtschaftsethischer Theoriebildung offenbar im Wege stehen.

Ingo Pies, Stefan Hielscher

Corporate Governance in Non-Profit-Organisationen

Verständnisse und Entwicklungsperspektiven

Im Rahmen dieses Beitrags wird ein Einstieg in die Diskussion zum Thema Corporate Governance von Non-Profit-Organisationen (NPO) geliefert, indem ein Überblick über unterschiedliche wissenschaftliche und alltagspraktische Verständnisse von Governance gegeben wird. Wissenschaftliche Governanceverständnisse werden charakterisiert, indem die Hauptmerkmale des politikwissenschaftlichen, des betriebswirtschaftlichen und des soziologischen Zugangs zur Governance dargestellt werden. Alltagspraktische Governanceverständnisse werden anhand einer Typologie dargestellt, die von betriebswirtschaftlicher über familiäre, professionalistische und zivilgesellschaftliche bis hin zu basisdemokratischer Governance reicht. Abschließend werden Überlegungen zur Zukunft der Governance von NPO angestellt. Eine weitere Verbreitung des betriebswirtschaftlichen Governance-Diskurses ist wahrscheinlich. Alternative Governance-Zugänge bleiben jedoch notwendige Gegenpole, die wohl in Nischen des Non-Profit-Sektors weiterbestehen werden.

Michael Meyer, Florentine Maier

Warum Non-Profit-Organisationen in der zfwu?

Non-Profit-Organisationen, Corporate Governance und normatives Management

Autor und Autorin geben einen komprimierten Überblick über wissenschaftliche Einordnungen von Corporate Governance in politikwissenschaftlicher, soziologischer und betriebswirtschaftlicher Perspektive, übertragen diese auf alltagspraktische Verständnisse der organisationalen Governance von Non-Profit-Organisationen (NPO) und diskutieren auf dieser Grundlage Zukunftsperspektiven der Governance von NPO.

Martin Büscher

Leadership in sozialen Organisationen

Zur Organisation der Organisation von Macht

Leadership wird in jüngster Zeit auch in sozialen Organisationen adaptiert. Dabei ist zu wenig noch klar, worin ihr Spezifikum besteht. Der Artikel fragt nach dem Modus der Leadership zwischen Herrschaft, Machtausübung und Management und ihrem spezifischem Verhältnis zum Sozialen. Im Zuge einer fortschreitenden Ökonomisierung ist der Status des Sozialen besonders prekär geworden. Eine besondere Aufgabe der Leadership deutet sich dort an, wo sie sich dafür zuständig erklärt, das Soziale einerseits vor einer ‚betriebswirtschaftlichen Zurichtung‘ zu bewahren und andererseits sich selbst sichert gegen Verführungen durch die mit ihr verbundene Macht.

Arne Manzeschke, Eckhard Nagel

Leadership in sozialen Organisationen

Ergänzende Erwägungen zum Untersuchungsobjekt

Arne Manzeschke und Eckhard Nagel stellen in ihrem Aufsatz „Leadership in sozialen Organisationen – Zur Organisation der Organisation von Macht“ die grundsätzliche Problematik der Führung sozialer Organisationen dar. Die deutschsprachige Managementlehre als Subdisziplin der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre hatte sich – wohl aufgrund der negativen Erfahrungen mit selbsternannten Führern – bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts überwiegend auf die Erforschung der Planung, Organisation und Kontrolle des Unternehmens unabhängig von der Führungspersönlichkeit konzentriert. Unternehmensführung sollte personenunabhängig werden, die Organisation bzw.

Steffen Fleßa

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise