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30.03.2015 | Wirtschaftsinformatik + Betriebliche Anwendungen | Im Fokus | Onlineartikel

Digitalisierung steht im Mittelpunkt

Autor:
Bianca Baulig

Kreditinstitute müssen ihren Vertrieb dringend an die Forderung der Kunden nach mehr Digitalisierung anpassen. Wie Banken ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten und welche Rolle die Filialen künftig noch spielen.

Vor 15 Jahren hatte die Deutsche Bank hierzulande 1.200 Filialen. Aktuell sind es noch 700. Christian Ricken, Chief Operating Officer Private & Business Clients des Hauses, erklärte bei der Handelsblatt-Veranstaltung "Privatkundengeschäft", dass dieser Rückgang eine Anpassung an die Kundenbedürfnisse sei. Bei der Deutschen Bank stehe die Digitalisierung im Zentrum der Strategie. Die Kunden erwarteten heute, dass ein Geldhaus verschiedene Vertriebskanäle verknüpfe und ihre Produkte auch online anbiete. Dabei sollen die digitalen Kanäle die stationären ergänzen und nicht ersetzen. Wichtig sei hier die nahtlose Verknüpfung der Kanäle – diese sei jedoch noch nicht ausreichend, gab Ricken zu. Um einen nahtlosen Übergang in andere Kanäle möglich zu machen, investiert das Institut innerhalb der kommenden drei Jahre 200 Millionen Euro. Dieses Projekt läuft unter dem Namen "Next". "Wir werden danach nicht aufhören, die Investitionen werden eher noch steigen", ergänzte Ricken.

Guter Mix an Vertriebskanälen gefragt

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"Wir stehen zu unserem Filialnetz", machte Peter Buschbeck, Vorstandsmitglied der Hypovereinsbank (HVB), klar. Derzeit investiere sein Haus massiv in diesen Vertriebskanal. Unter anderem erweitere man die Geschäftsstellen gerade um das Angebot der Videoberatung. Dennoch hat das Institut seine Filialzahl auf 340 fast halbiert. Um die Digitalisierung voranzutreiben, nimmt die HVB derzeit 300 Millionen Euro in die Hand. Dabei sollen sich die Online-Filialen nicht von den stationären unterscheiden. Ziel sei, dass auch über das Internet die Kunde-Berater-Beziehung eng und alle Transaktionen möglich seien. "Wir müssen uns verändern, weil unsere Kunden sich verändern", sagte Buschbeck. "Kunden verlangen Convenience, wir müssen alternative Zugänge bieten." Wenn die Kunden zufrieden seien und die Kanäle häufig frequentierten, habe man alles richtig gemacht. Fintechs sieht Buschbeck als "eine Herausforderung, aber keine Gefahr". Ricken von der Deutschen Bank ist der Meinung, dass es den meisten Start-ups zurzeit noch an kritischer Masse – konkret an Kunden und Geschäftsvolumen – fehle.

Etablierte Banken bestehen im Wettbewerb

Ein klares Ja zum stationären Vertrieb gab es auch von dem Vorstandsvorsitzenden der Targobank, Franz Josef Nick. Sein Institut setzt gleichermaßen auf den Kundenkontakte online und offline. Die Zahl der Geschäftsstellen will Nick bis zum Jahr 2020 sogar steigern, von heute 360 auf 400. Darüber, wie diese Filialen gestaltet sein sollen, sprach er im Interview mit Stefanie Burgmaier, Chefredakteurin des Bankmagazins (Ausgabe 10/2014, Seite 22-25). Man müsse in Zeiten der Digitalisierung schnell handeln, dürfe Geschwindigkeit aber nicht mit Hektik verwechseln, sagte Nick. Seiner Meinung nach stellen sich die etablierten Banken dem Wettbewerb durch ins Finanzgeschäft drängende Non- und Near-Banks mit überzeugenden Geschäftsmodellen.

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