Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Theorie, Modell, Sprache

Frontmatter

Theorie

Theoriebildung in der Wirtschaftsinformatik

Zusammenfassung
An den Anfang dieses Beitrags sei ein Gedanke Gutenbergs gestellt, der bereits zu Beginn der 60er Jahre die Bedeutung der Informadons- und Kommunikadonstechnik für die Unternehmensführung erkanntet1. Gutenbergs weist im Vorwort daraufhin, daß es seiner Meinung nach keine wissenschafdiche Lehre von der Unternehmensführung geben kann, daß aber viele Fragen der Unternehmensführung der wissenschafdichen Behandlung zugänglich sind. Diese Einschätzung läßt sich sinngemäß auf die Wirtschaftsinformadk übertragen. Demnach wird es nicht eine umfassende Theorie der Wirtschaftsinformadk2geben, sondern ein Theoriengebäude und eine theoredsche Basis für viele Phänomene und Aufgabenfelder der betrieblichen Informadonsverarbeitung.
Franz Lehner

Strukturalistische Rekonstruktion einer theoretischen Begründung des Produktivitätsparadoxons der Informationstechnik

Zusammenfassung
Das Produktivitätsparadoxon der Informationstechnik wird seit einigen Jahren in der einschlägigen Fachliteratur aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert31 Es geht von der zunächst unreflektierten, lediglich intuitiven Vermutung aus, daß Unternehmen ihre Produktivität durch Investitionen in arbeitsunterstützende Informationstechnik (im folgenden kurz als IT angesprochen) steigern müßten. Also sollte sich in der Realität feststellen lassen, daß eine positive Korrelation zwischen der Unternehmensproduktivität einerseits und dem Ausmaß an informationstechnischen Investitionen andererseits besteht. Tatsächlich existiert aber eine breite Palette empirischer Befunde, die die vorgenannte mutmaßliche Korrelation nicht bestätigen. Statt dessen lassen die Studien für einzelne Realitätsbereiche, die von ihrem jeweiligen Untersuchungsdesign bestimmt werden,
  • entweder keine statistisch signifikante positive Korrelation zwischen Unternehmensproduktivität und IT-Investitionen erkennen (Produktivitätsparadoxon i.w.S.)
  • oder sie zeigen sogar eine statistisch signifikante negative Korrelation zwischen den beiden vorgenannten Kenngrößen auf (Produktivitätsparadoxon i.e.S.).
Stephan Zelewski

Modell

Epistemologische Überlegungen zu Modellen in der Wirtschaftsinformatik

Zusammenfassung
Modelle spielen in allen Lebensbereichen eine große Rolle. Die Spielzeugeisenbahn, die Vorstellung von der Bewegung einzelner Elektronen in elektrischen Schaltkreisen oder eine Beispielrechnung für den Bausparvertrag, all diese Dinge sind Modelle. In der Wirtschaftsinformadk fungieren Modelle als Beschreibung, Vereinfachung, Abstrakdon, Verdeudichung, Explizierung von Informationskonzepten. Sie können in der Wirtschaftsinformadk nach Beschreibungs- und Erfassungsmodellen, Erklärungsmodellen, Gestaltungsmodellen, Meta- und generischen Modellen und sonsdgen Modellen klassifiziert werden.46 Trotz dieser Bandbreite der Verwendung von Modellen ist ihnen manches gemeinsam. Sie sind meist symbolisch, immateriell (abgesehen von ihrer physikalischen Speicherung auf Papier oder Datenträger) und oft eng mit Fachkonzepten (der Betriebswirtschaftslehre oder der Mathemadk) verbunden. Sie sind hilfreiche Mittel bei der Beschreibung von Systemen und der Lösung von Problemen. Im Gegensatz zur Modelleisenbahn stellen sie kein (vereinfachtes) Abbild der Realität dar (eine häufig gebrauchte Defmidon des Terminus ‘Modell’), sondern sind als (Re-) Konstrukdonen der Realität aufzufassen. Nicht die Fotographie der Realität läßt ein Modell entstehen, sondern ein solches ergibt sich aus einem kreadven, konstrukdven Akt, der etwas völlig Neues schafft, ähnlich — um im Bild der Fotographie zu bleiben — wie ein Gemälde, das erst durch die künstlerische Leistung eines Malers entsteht. Daraus ergibt sich, daß die Modellerstellung stark subjekdv geprägt ist und Deutungsmuster einen herausragenden Einfluß auf die Modellierung haben.47
Stefan Dresbach

Zur Interpretation formaler Geschäftsprozeß- und Workflow-Modelle

Zusammenfassung
Geschäftsprozeß- und Workflow-Modelle werden in Kunstsprachen formuliert, die vor ihrer Verwendung von den Autoren und Interpreten gelernt werden müssen. Der Lernaufwand ist teilweise so hoch, daß sich ein Lernen aus der Sicht der potendellen Nutzer — meist Betriebswirte — nicht lohnt. Der Aufwand wird primär durch die Differenz der Lebenswelten erzeugt: Die Lebenswelt der Konstrukteure von Workflow-Sprachen — meist mathematisch orientierte Informadker — und die der Nutzer — meist betriebswirtschaftlich studierte Manager — muß in einem Lernprozeß überbrückt werden. Wenn der erwartete Nutzen den Aufwand nicht rechtferdgt, wird die Workflow-Technologie abgelehnt. Dies zeigt sich am Beispiel von Petri-Netzen, besonders an deren höheren und komplexen Formen91 In [Wikarski 96] wird versucht, die einfachste Untermenge von Petri-Netzen für Workflow-Anwendungen zu definieren. Andere Ansätze lassen die Stellen von Petri- Netzen weg und führen dafür spezielle Operatoren ein, z. B. ARIS92; diese Ansätze erben jedoch die Probleme der Petri-Netze. Der Grund für die Beliebtheit der Petri-Netze liegt in ihrer mathematischen Fundierung undin der leichten Realisierung von Interpretern, einem technologischen Grund. Beide Gründe interessieren Nutzer nicht. Auch programmiersprachliche Ansätze zur Beschreibung von zeitlichen Bedingungen an Arbeits- schritte93 stoßen auf wenig Gegenliebe. Die Konstrukteure technischer Mittel leben ihre Lebenswelt aus, während die Nutzer dies auf ihre Art tun.
Burkhard Messer

Sprache

Zur Verwendung formaler Sprachen in der Wirtschaftsinformatik: Notwendiges Merkmal eines wissenschaftlichen Anspruchs oder Ausdruck eines übertriebenen Szientismus?

Zusammenfassung
Die Wirtschaftsinformatik hat sich im Laufe der Zeit zu einer Veranstaltung mit erstaunlich vielen Facetten entwickelt. Einschlägige Arbeiten reichen von soziologisch ausgerichteten Untersuchungen über betriebswirtschafdiche und mikroökonomische Ansätze bis hin zu Forschungsvorhaben, die weit in das Gebiet der Informadk hineinreichen. Daneben gibt es eine Fülle von Arbeiten, die sich innerhalb dieses Spektrums nicht eindeutig lokalisieren lassen, da sie mehrere Blickwinkel und Abstraktionsebenen der Betrachtung betrieblicher Informadonssysteme miteinander verbinden. Dazu gehören u.a. Analysen der Einsatzpotendale neuer Technologien, der Entwurf von Architekturen für Anwendungssysteme oder die Beschreibung von Modellierungsmethoden. In den angelsächsisch geprägten Ländern stellt sich die Situadon ganz ähnlich dar: Auch im Bereich des „(Management) Informadon Systems Research“ ist eine beachdiche Divergenz von Forschungsthemen zu verzeichnen. Sie reichen von der Untersuchung der innovationsför- dernden Kreativität in Organisadonen121 über die Betrachtung der Wirtschafdichkeit von Informadonssystemen122 bis hin zur Themadsierung sexueller Beläsdgungen beim Einsatz elektronischer Kommunikadonsmedien123. Dabei sind allerdings zwei Unterschiede zur Wirtschaftsinformadk festzustellen. So sind einerseits ingenieurwissenschafdiche bzw. Informadk-nahe Arbeiten seltener anzutreffen, andererseits gibt es — vor allem in Nordamerika — eine vorherrschende Forschungsmethode, die in der Wirtschaftsinformadk weniger bedeutend ist: die am Leitbild der naturwissenschafdichen Forschung orienderte empirische Untersuchung zur Überprüfung von Hypothesen.
Ulrich Frank

Empirische und konstruktivistische Forschung

Frontmatter

Empirische Forschung

Empirische Wirtschaftsinformatik und Erkenntnistheorie

Zusammenfassung
Eine Reihe von Phänomenen der Wirtschaftsinformatik läßt sich aus ihr selbst nicht umfassend und abschließend erklären. Dazu muß man über sie hinausgehen und andere Disziplinen zu Rate ziehen: Ergonomie, Arbeitspsychologie, Sozial Wissenschaften, Erkenntnistheorie etc. Dieser Aufsatz fokussiert auf Fragestellungen, die insbesondere zur Erkenntnistheorie führen.
Alfred Holl

Konstruktivistische Forschung

Basispositionen in der Wirtschaftsinformatik — ein gemäßigt-konstruktivistisches Programm

Zusammenfassung
Die Wirtschaftsinformatik hat noch kein ausgereiftes Theoriengebäude,196 welches sie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin erscheinen läßt. Geprägt wird jede Wissenschaft durch die Erkenntnisziele, die Erkenntnisgegenstände und die Erkenntnismethoden. Seit den Anfängen ihrer Institutionalisierung in den achtziger Jahren hat sich die Wirtschaftsinformatik mit der Frage auseinandergesetzt, ob sie eine spezielle Betriebswirtschaftslehre oder eine eigenständige Wissenschaftsdisziplin ist. Exemplarisch sei auf die Diskussion in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft hingewiesen, die mit einem Aufsatz von Wedekind eingeleitet wurde.197 Hierbei standen die Aufgaben in Forschung und Lehre und deren Abgrenzung zur Informatik und zur Betriebswirtschaftslehre im Vordergrund. Analogien zu den Diskussionen zum Verhältnis von Mathematik und Betriebswirtschaftslehre einerseits und Betriebswirtschaftslehre und Operations Research anderseits, wie sie in den sechziger Jahren stattgefunden haben, wurden allerdings nicht intensiv hergestellt.198
Reinhard Schütte

Die Kybernetik II. Ordnung — eine methodologische Basis der Wirtschaftsinformatik?

Zusammenfassung
Die heute führenden Konzepte in der Wirtschaftsinformadk wurden in der Bundesrepubhk Mitte der 80er von A.-W. Scheer als EDV-orienderte Betriebswirtschaftslehre und unabhängig davon von der SAP AG als die Standardsoftware R/2 implemendert und durch die „praktische Betriebswirtschaftslehre“ geprägt.307 Aus Sicht dieser dominanten Perspektive ist das Fachgebiet der Wirtschaftsinformadk die Wissenschaft von der Planung, Entwurf, Entwicklung und Anwendung integrierter computergestützter betriebswirtschaftlicher Informationssysteme. Dabei werden mehrere Aspekte der Integration thematisiert:
  • Integradon von Daten und Funkdonen;
  • Integradon von Informadons- und Kommunikadonsstrukturen;
  • Integration von verschiedenen Informadons- und Kommunikadonssystemen;
  • Integradon unterschiedlicher OrgStrukturen bzw. Ebenen des Unternehmens usw.
Boris Petkoff

Organisationstheorie als Fenster zur Wirklichkeit

Zusammenfassung
Zu dem Thema ‘Wirtschaftsinformadk und Wissenschaftstheorie’ gibt es verschiedenartige Zugänge. Um die Voraussetzungen und Grundlagen von Erkenntnis in der Wirtschaftsinformadk zu diskuderen, werden in diesem Beitrag nicht explizit wissenschaftstheoredsche Ansätze wie der ‘Kritischen Radonalismus’ oder der ‘Radikalen Konstrukdvismus’ herangezogen, sondern hier sollen in dem Gegenstandsbereich ‘Einsatz von Informationstechnik in Wirtschaft und Verwaltung’350 das Verhältnis von Theorie und Praxis themadsiert und auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Wirtschaftsinformatik und anderen wissenschafdichen Disziplinen hingewiesen werden. Dadurch können bestehende Ausrichtungen der Wirtschaftsinformadk hinterfragt und Ausschau nach möglichen Alternativen gehalten werden.
Bernd Wolff, Klaus Fuchs-Kittowski, Ralf Klischewski, Andreas Möller, Arno Rolf

Information entsteht in Organisationen: — in Kreativen Unternehmen — wissenschaftstheoretische und methodologische Konsequenzen für die Wirtschaftsinformatik

Zusammenfassung
Die modernen Informadons- und Kommunikadonstechnologien, insbesondere ihre globale Vernetzung, verändern Wirtschaft und Gesellschaft dramadsch. Es wird deutlich, daß die Wirtschaftsinformadk wesendiche Bereiche unseres Lebens berührt und somit aus einer Disziplin, die „nur“ eine Technik zum Einsatz bringt, herausgewachsen ist. Ihre Ergebnisse und deren soziale und gesellschafdiche Wirkungen werden in wachsendem Maße von anderen Wissenschaften reflektiert. Da die Wirtschaftsinformadk Wirtschaft und Gesellschaft wie kaum eine andere Wissenschaft verändert, verlangt dies nach ihrer wissenschaftstheoretischen und darüber hinaus nach gesellschafts- und organisadonstheoretischer Fundierung. Die intensive Analyse der Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaftsinformadk und Gesellschaft wird erforderlich, damit die Unternehmen den gesellschafdichen, wirtschaftlichen und technologischen Wandel mit seinen neuen Anforderungen an ihre Wettbewerbsfähigkeit bewältigen können.
Klaus Fuchs-Kittowski, Lutz J. Heinrich, Arno Rolf

Information durch Konstruktion — Systemtheoretische Betrachtung des Phänomens Informationsverarbeitung und wissenschaftstheoretische Schlußfolgerung für die Wirtschaftsinformatik

Zusammenfassung
Trotz der herausragenden Bedeutung des Begriffs der Informadon in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen wie der Betriebswirtschaftslehre, der Volkswirtschaftslehre, der Soziologie, der Informatik und auch der Wirtschaftsinformadk ist es bisher noch nicht gelungen, eine allgemein akzepderte Definition für den Begriff der Informadon zu entwickeln. Die fachspezifischen Begriffsbestinmiungen unterschiedlicher Wissenschaftsgebiete sind zum Teil äußerst kontrovers (zur Systematik bisheriger Ansätze vgl.
Ruth Krüger, Anke Simon

Ausgewählte Aspekte einer theoretisch ausgerichteten Wirtschaftsinformatik

Frontmatter

Operiert die Wirtschaftsinformatik mit falschen Unternehmenszielen? – 15 Thesen

Zusammenfassung
In diesem Beitrag stellen wir in bewußt kompakter (Thesen-)Form einige ökonomische Sachverhalte in Verbindung mit dem Zielsystem des Unternehmens zusammen. Diese werden „im Tagesgeschäft“ der Wirtschaftsinformadk (WI) sowohl von Forschern als auch von Prakdkern immer wieder übersehen. Die Ursache hierfür kann in „roudne- oder gewohnheitsmäßigen Reakdonen“537 liegen oder auch darin, daß modische Werbebotschaften aufgesogen und unreflektiert wiedergegeben werden538.
Peter Mertens

Das Rekonstruktionsparadigma in der reformulierten starken KI-These

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag greift einen Diskurs über die Erkenntnisziele und damit auch über das Forschungsprogramm der Künsdichen Intelligenz (KI) auf. Als Ausgangspunkt des ursprünglichen Diskurses kann die Behauptung der Existenz maschineller Intelligenz in einer besonderen ‘Intensität’ angesehen werden. Gemäß dieser Behauptung verfügen entsprechend programmierte Computer über die ursprünglich menschlichen Fähigkeiten des Denkens, des Fühlens, des Verstehens etc. und somit über Eigenschaften des menschlichen Bewußtseins, das demnach ein maschinelles Äquivalent besitzt (sog. starke KI-These). Obgleich der skizzierte Diskurs keinesfalls als — entschieden oder nichtentschieden — beendet angesehen werden kann546) wird er im weiteren nicht direkt aufgegriffen. Vielmehr wird lediglich eine einschränkende Reformulierung der These kridsch analysiert, für die beansprucht wird, daß sie einen signifikanten, befruchtenden Einfluß auf den Erkenntnisgewinnungsprozeß innerhalb der KI besaß — und evd. noch besitzt. Als Ergebnis der Analyse wird der ‘Novitätscharakter’ der reformulierten These angezweifelt, so daß sich anschließend die Frage stellt, worauf ein behaupteter Erkenntnisgewinn — sofern er denn besteht — zurückgeführt werden kann.
Jukka Siedentopf

Wirtschaftsinformatik: Rück- und Ausblick eines Praktikers

Zusammenfassung
Der Autor dieses Beitrags will auf Philosophie, Betriebswissenschaft und Informatik zurückgreifen, um im Berufsleben bessere Entscheidungen zu treffen. Er ist also primär daran interessiert, zunächst den effizientesten Weg zu einem wirtschafdichen Ziel zu finden und ihn anschließend konsequent zu gehen. Das erste Ergebnis der Beschäfdgung mit diesem Thema war ein Buch606. Dort wird das Leistungsangebot des Werkzeuges Computer für Unternehmer und Behörden untersucht. Auf dabei auftretende philosophische Fragen wurde damals nicht weiter eingegangen, inzwischen konnte sich der Autor mit ihnen aber ausführlich auseinandersetzen.
Wolf Nagl
Weitere Informationen