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21.04.2020 | Wirtschaftspolitik | Im Fokus | Onlineartikel

Mit diesen Corona-Szenarien müssen Unternehmen rechnen

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
4:30 Min. Lesedauer

Die globale Wirtschaft ist durch den Shutdown stark getroffen. Wann mit einer Rückkehr zu noch mehr Normalität zu rechnen ist, bleibt auch in Deutschland offen. Doch ist "normal" überhaupt noch möglich? Eine Analyse hält vier Corona-Szenarien für wahrscheinlich.

Wie viele Wochen sind genug und wie lange hält die deutsche Wirtschaft das aus? Tendenziell haben sich die Covid-19-Zahlen in Deutschland positiv entwickelt, räumt das Robert-Koch-Institut mit der üblichen Zurückhaltung ein. Doch die Botschaft vorsichtiger Lockerungen ab dem 4. Mai habe in einigen Ländern zu "Öffnungsdiskussionsorgien" geführt, kritisierte Angela Merkel. Dies erhöhe das Risiko eines Rückfalls sehr stark.

Vor überschnellen Lockerungen warnte auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). In seiner Analyse plädiert das IMK für "nachhaltiges" Entscheiden. Noch teurer als die aktuellen Kontaktbeschränkungen käme der Wirtschaft ein neuer, längerer Shutdown zu stehen, ausgelöst durch zu frühe Lockerungen und ein Wiederaufflammen der Infektionen. Wie sich das in Zahlen ausdrücken könnte, hat das McKinsey Global Institut (MGI) für die Analyse "Covid-10 crisis' economic impact on Germany" Anfang April errechnet.

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Corona-Szenarien für deutsche Firmen 

Lässt sich das Virus unter Kontrolle bringen und greift die staatliche Wirtschaftspolitik? Entlang dieser beiden Entwicklungsachsen hat die Unternehmensberatung neun Szenarien für die mittelfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Bruttoinlandsprodukt und die Industriebranchen entwickelt. Als wahrscheinlich werden die ersten vier Szenarien eingeschätzt. In Deutschland, so die Prognose, sind die Szenarien A3 und A1 realistisch.

  • A1: Wiederaufleben des Corona-Virus; langsames langfristiges Wachstum; gedämpfte globale Erholung
  • A2: Wiederaufleben von Covid-19; Rückkehr zum Trendwachstum; starke weltweite Erholung
  • A3: Eindämmung des Corona-Virus; gedämpfte Erholung
  • A4: Eindämmung der Pandemie; schnelle Rückkehr zum Wachstum 

Szenario A3 lässt für die Eurozone einen Rückgang des realen Bruottoinlandproduktes (BIP) zwischen dem Jahresende 2019 und dem zweiten Quartal 2020 um 9,5 Prozent erwartet. Der bislang stärkste Quartalseinbruch während der Finanzkrise 2008 belief sich auf acht Prozent. In Deutschland fällt das Wirtschaftswachstum laut McKinsey-Analyse um 8,5 Prozent, kann sich aber bis Ende 2020, spätestens Anfang 2021 auf Vorkriseniveau erholt haben. Drastischer fallen die Einbrüche nach Einschätzung der Wirtschaftsexperten aus, wenn nach einer schnellen Rückkehr zur Normalität die Neuinfektionen wieder steigen und wiederholte Shutdowns die Wirtschaft weiter schwächen. Die Folgen beschreibt Szenario A1: In der Eurozone soll der Quartalseinbruch (Q2) 12,2 Prozent betragen, in Deutschland sogar 12,8 Prozent. Mit einer Regeneration wäre erst bis Mitte 2023 zu rechnen, zahlreiche Insolvenzen und negative Auswirkungen auf Lieferketten sind unter anderem das Resultat zu erwarten.

Nachfrageschock infolge von Covid-19

Die Bundesrepublik hat einen der größten Rettungsschirme weltweit aufgespannt. Dennoch erwarten die Experten von McKinsey, dass neun von 27 Industriebranchen im zweiten Quartal des laufenden Jahres in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, ausgelöst unter anderem durch Nachfrageschocks. Am stärksten betroffen sind das Hotel-und Gaststättengewerbe, die Luftfracht sowie die Kultur- und Unterhaltungsindustrie. Sie müssen mit Nachfrageeinbußen um bis zu 95 Prozent und Liquiditätsengpässen rechnen. Letzteres trifft auch die Metallindustrie. Wenig Nachfrageverluste scheinen derzeit noch die Versicherungen, die Baubranche, Banken und Immobilien verkraften zu müssen.

Nachfrageschock auf deutsche Branchen durch Corona-Krise 

Einbrüche in Prozent

  • Kultur, Unterhaltung und freie Kunstschaffende

95

  • Hotel- und Gaststätten

95

  • Luftfracht

90

  • Produktion und Bergbau

45

  • Handel (inklusive Autoverkäufe)

45

  • Textilindustrie

37

  • Gesundheit und Sozialwesen

35

  • Metallindustrie

31

  • Versicherungen

5

  • Bau

4

  • Banken und Immobilien

2

Covid-10 crisis' economic impact on Germany, McKinsey

Wie können Unternehmen sicher durch die Krise navigieren, was braucht es um den Weg zur Normalität vorzubereiten? McKinsey schlägt in seinem Covid-19-Briefing vom 30. März einen fünf-stufigen Fahrplan vor:

  1. Entschlossenheit: Alle unmittelbaren Herausforderungen angehen (Belegschaft, Kunden, Technologie, Geschäftspartner).
  2. Resilienz: Kurzfristige finanzielle Herausforderungen angehen, flexibles Handeln bei Shutdowns und wirtschaftlichen Folgewirkungen.
  3. Rückkehr: Fahrplan erstellen, um so schnell wie möglich zum Tagesgeschäft zurückkehren zu können.
  4. Neuentwurf: Was wird das "neue Normal" sein und wie wird das Unternehmen darauf antworten.
  5. Reform: Klären, wie sich das regulatorische Umfeld und der Wettbewerb verändern werden.

Corona-Krise als Chance verstehen

Progressive Unternehmen, das hat eine US-Studie aus dem Vergleich von Unternehmenszahlen aus den vorangegangenen vier Wirtschaftskrisen (zwischen 1980  und 2010) ermittelt, schaffen es mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 37 Prozent eine extern verursachte Krise gestärkt zu bewältigen.

Wie Springer-Autor Hanno Goffin erklärt, gelangen der Analyse Roaring Out of Recession (2010) zufolge neun Prozent von 4.700 börsennotierten Unternehmen aus der Krise an die Spitze. Was progressiv agierende Unternehmen besser machen, als ihre Wettbewerber, die  mit pragmatischen (Erfolgswahrscheinlichkeit 29 Prozent), expansiven (Erfolgswahrscheinlichkeit 26 Prozent) oder präventiven Maßnahmen (Erfolgswahrscheinlichkeit 21 Prozent) auf die Krise reagieren, erklärt er mit der konsequenten Ausrichtung auf eine progressive Doppelstrategie. Und die folge dem Prinzip, nicht auf erste, sondern letzte Dinge entlang des Weges schauen. Weniger philosophisch ausgedrückt bedeutet das (Seite 58): 

  • Kostensenkungen durch eine höhere Effizienz und nicht durch übermäßigen Stellenabbau,
  • gleichzeitig mehr als der Wettbewerb in Forschung, Entwicklung, Marketing und Anlagen investierten.

"Progressive Unternehmen nutzen Krisen, um neue Märkte zu entwickeln und neue Vermögenswerte günstig zu kaufen", schreibt Goffin (Seite 59). Nach Covid-19 werde die Wirtschaft digitaler und regionaler, prognostizieren die Experten von McKinsey. Es scheint nun an der Zeit die Chancen digitaler Technologien und nachhaltiger, verträglicher Produktions- und Lieferformen zu ergreifen und in mutige Konzept umzuwandeln. Zurück zu "normal" wird nur den wenigsten gelingen, ein "neues Normal" muss jetzt an den Start gebracht werden.

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