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31.07.2019 | Wirtschaftspolitik | Infografik | Onlineartikel

Deutsche Wirtschaft ist Frühindikator für globale Rezession

Autor:
Andrea Amerland

Die exportorientierte Wirtschaft ist global stark vernetzt. Schwächelt hierzulande die Konjunktur, kündigt das einen globalen Trend an, meinen die Volkswirte von Euler Hermes und haben dafür ein Berechnungsmodell entwickelt.

"Keine andere große Exportnation hat mehr Handelspartner als Deutschland und ist mehr vom globalen Handel abhängig. Diese Offenheit im Handel ist Fluch und Segen zugleich", sagt Van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Durch die Größe des Exportsektors, die Offenheit bei Waren und die starke Diversifizierung bei Geschäftspartnern und Branchen spüre Deutschland globale Entwicklungen in der Regel schneller als andere Volkswirtschaften. Schließlich belief sich der Außenhandelsanteil der Bundesrepublik 2018 auf 87 Prozent.

Der Kreditversicherer hat diesen Umstand zum Anlass genommen, ein Berechnungsmodell zu entwickeln, dass die Dynamik des Welthandels auf Grundlage deutscher Wirtschaftsindikatoren messen soll. Dieser sogenannte "German Global Trade Momentum" (GGTM) berücksichtigt zwei deutsche Indikatoren, die besonders Rückschlüsse auf die Entwicklung des Welthandels zulassen. Es handelt sich dabei um Neuaufträge und die Exporterwartungen des Münchener Ifo-Instituts im verarbeitenden Gewerbe.

Q/Q-Wachstum kündigt Handelsrezession an 

Auf Grundlage dieser Faktoren kommen die Euler Hermes- und Allianzexperten in einer Studie zu dem Ergebnis, dass sich die Handelsrezession im zweiten Quartal 2019 (-0,8% q/q) fortsetzen wird. Quartal für Quartal (Q/Q) ist dabei ein Maß, dass eine Investition oder das Wachstum eines Unternehmens von einem Quartal zum nächsten misst. Q/Q-Wachstum wird aber nicht nur eingesetzt, um das Wachstum von Gewinnen oder Einnahmen eines Unternehmens zu vergleichen,  sondern auch, um Veränderungen der Geldmenge, des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder anderer wirtschaftlicher Messungen zu beschreiben.

Nach Ansicht der Euler Hermes- und Allianzexperten kann die Situation der stark exportorientierten deutsche Wirtschaft als Frühindikator für die Weltwirtschaft gelten. Daher stimmt das aktuelle deutsche Q/Q-Wachstum die Volkswirte bedenklich. Derzeit liegen laut Studie die Ifo-Exporterwartungen im verarbeitenden Gewerbe auf einem Siebenjahrestief. Die Neuaufträge im verarbeitenden Gewerbe haben den niedrigtsen Stand seit fast zehn Jahren erreicht.

Als Gründe für diesen Negativtrend nennt die Studie globale Unsicherheiten wie den Handelskonflikt zwischen den USA und China, den Brexit, aber auch die für Deutschland spezifische Krise der Autoindustrie. Wenn nicht bald eine Besserung eintrete, werde der Welthandel für das Gesamtjahr 2019 einen Rückgang verzeichnen. Das wäre der erste seit der großen Finanzkrise 2007/2008.

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