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10.05.2022 | Wirtschaftspolitik | Infografik | Online-Artikel

Gasembargo könnte Wirtschaftsschock auslösen

verfasst von: Andrea Amerland

2 Min. Lesedauer
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Die Europäische Union will einen Öl- und Gasimportstopp aus Russland. Doch ein sofortiges Embargo von russischem Erdgas hätte ähnliche Folgen für die deutsche Wirtschaft wie die Finanzkrise der Nullerjahre oder die Corona-Pandemie, zeigt die Analyse eines Ökonomen.

Die Prognosen, was wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland für Deutschland bedeuten könnten, werden immer düsterer. Kurz nach dem Überfall auf die Ukraine gingen Forscher vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) noch davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandprodukt (BIP) darunter nur mit einem Rückgang von 0,5 bis allerhöchstens drei Prozent leide. Dann legte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in Düsseldorf nach und prognostizierte, die deutsche Wirtschaft werde um sechs Prozent schrumpfen. 

Nun kommt Tom Krebs von der Universität Mannheim in seiner aktuellen Studie für das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zu einer noch schlechteren Einschätzung. Der Forscher beschreibt darin Schritt für Schritt, wie sich abrupt fehlende Gaslieferungen durch ein EU-Embargo oder einen Lieferstopp Russlands in deutschen Unternehmen auswirken. Der wahrscheinlichste Fall ist für Krebs, dass das Wirtschaftswachstum um fünf bis sechs Prozent einbricht.

32 Prozent Erdgasimporte fehlen

Grundlage der Berechnungen des VWL-Professors ist ein hypothetischer Stopp der Gasimporte ab Anfang Mai 2022, der mindestens ein Jahr andauert. Dadurch fielen nach Einschätzung der Bundesregierung etwa 32 Prozent des hierzulande benötigten Erdgases weg, die ersetzt werden müssten. 

Die fehlenden Importe würden nach Krebs Einschätzung die Produktion in Deutschland in den ersten zwölf Monaten um 114 bis 286 Milliarden Euro einbrechen lassen. Das entspräche einem Verlust von rund drei bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Größte Wirtschaftskrise seit Zweitem Weltkrieg

"Große Teile der deutschen Industrie sind nach zwei Jahren Corona-Krise, globalen Lieferkettenproblemen und klimapolitischen Transformationsdruck geschwächt, so dass eine energiepolitische Schocktherapie dazu führen könnte, dass auch Unternehmen mit an sich tragfähigem Geschäftsmodell in die Insolvenz gehen oder ihre Produktion ins (nicht-europäische) Ausland verlegen würden", schreibt Krebs in der Studienzusammenfassung. 

Als Konsequenz dieses Wirtschaftseinbruchs fürchtet der Ökonom, dass auch der Konsum sinkt, weil die Bürger verunsichert sind und auf Grund der noch mal teureren Energie die Kaufkraft fehle. Diese Entwicklungen schlagen in Krebs Szenario beim BIP zusätzlich negativ mit zwei bis vier Prozent zu Buche. Käme es zum Schlimmsten, bräche die deutsche Wirtschaft zweistellig ein - und damit stärker als durch die Corona- oder Finanzkrise. Das wäre hierzulande die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

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