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26.02.2018 | Wirtschaftspolitik | Im Fokus | Onlineartikel

Made in China: Von der Masse zur Klasse

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Billig, doch "good enough"   mit diesem wenig schmeichelhaften Image haben chinesische Produkte im Ausland zu kämpfen. Die Qualitätsoffensive "Made in China 2025" will das ändern . Für deutsche Unternehmen ist das Herausforderung und Chance zugleich.

Qualität trägt das Siegel "Made in Germany". Quantität wird hingen von China aus auf globale Märkte geworfen. Die Gütezeichen der beiden Länder könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihr Image ebenfalls. Doch China will der Welt nicht länger nur als flinke Werkbank dienen. Die im Jahr 2015 von der chinesischen Regierung ausgerufene Strategie "Made in China 2025" soll den Weg ebnen für Spitzentechnik, entwickelt und produziert in China. 

Schnell, billig, viel soll ersetzt werden durch Innovation, Effizienz und Qualität. Dieser Imagewechsel und seine ehrgeizigen Ziele sind für deutsche Unternehmen sowohl Herausforderung als auch Chance. Schließlich geht es bei der Modernisierung der chinesischen Wirtschaft darum, Innovationen im Bereich der Schlüsseltechnologien Automatisierung und Digitalisierung zu forcieren. Und Vorbild dafür ist die deutsche Industrie 4.0. 

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Ist "Made in China" nur ein Klischee?

Dieses Jahr soll ein gemeinsamer deutsch-chinesischer Forschungsfonds starten, ab 2020 mit bis zu vier Millionen Euro auf beiden Seiten ausgestattet. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert so die Zusammenarbeit auf den Gebieten Innovation, Wissenschaft und Forschung sowie die Entwicklung von gemeinsamen Normen und Standards. Gemeinsame Themen sind neben der Elektromobilität und Industrie 4.0, Energietechnik und sauberes Wasser. China wird als Forschungs- und Innovationspartner etabliert. Doch wie nimmt die deutsche Öffentlichkeit das Wirtschaftsverhältnis der Exportmächte wahr? Leben die Klischees vom Billigland China in den Köpfen weiter? Um dem nachzugehen, befragte die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) mit dem Marktforschungsinstitut Innofact mehr als 1.010 repräsentativ ausgewählte Verbraucher zwischen 18 und 69 Jahren zu den Produktkennzeichnungen "Made in Germany" und "Made in China". 

Das Meinungsbild zeigt, der Wirtschaftsstandort China wird von 82 Prozent der Befragten noch immer als Konkurrent der heimischen Wirtschaft gesehen. Gleichzeitig ist sich über die Hälfte (54 Prozent), dass sich aus dieser Konkurrenz neue Schübe für den deutschen Markt und die Innovationskraft seiner Unternehmen generieren lassen. In den Bereichen Digitalisierung und Informationstechnologie sowie bei der Elektromobilität hat China nach Ansicht der Befragten die Nase vorn. Deutschland dagegen wird als Vorreiter in Forschung und Entwicklung, beim Maschinen- und Anlagenbau sowie der Infrastruktur gesehen. Dass China in den kommenden 20 Jahren seine Qualitätsstandards optimieren wird, meinen 75 Prozent der Befragten und jeder zweite (51 Prozent) glaubt an das Weiterentwicklungspotential deutscher Gütesiegel. 

Qualität vor Quantität braucht Innovation

Sollen aus den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen Synergien geschaffen und die Marken "Made in Germany" und "Made in China" am Weltmarkt gefestigt werden, fordern Experten der DGQ gemeinsame Normen und Standards als verlässlichen Rahmen für Qualität, Nachhaltigkeit und die zunehmend verflochtenen Wertschöpfungsketten der Unternehmen beider Länder. Deutsche Unternehmen und die deutsche Regierung sind dann verpflichtet, eine führende Rolle beim Entwickeln der Qualitätsstandards einzunehmen. Das fordern 36 Prozent. Nur zehn Prozent sehen China und die chinesische Regierung in der alleinigen Verantwortung. Doch wie innovativ ist China bei Licht betrachtet eigentlich? 

Die fünf Leitlinien des Masterplans "Made in China 2025" lauten innovationsgetriebene Entwicklung, Qualität vor Quantität, grüne Entwicklung, strukturelle Optimierung und Talentförderung. Die deutsche Industrie 4.0, die in China ein Synonym ist für deutsche Qualitätsarbeit und "Made in Germany", ist als Partner für den chinesischem Masterplan wie gemacht, meinen die Springer-Autoren Shubin Tian und Zhi Pan, "denn hier ist die Fertigungsindustrie groß, in Deutschland hingegen stark" (Seite 102). Allerdings sei ein chinesischer "Abklatsch" der deutschen Industrie 4.0 nicht zu durchsetzbar. Es fehle das tragfähige technologische Fundament der deutschen Industrie, weshalb die chinesische Nation noch in den Kinderschuhen von Industrie 2.0 und 3.0 stecke. 

Innovation verträgt weder Inselbildung noch Leuchtturmprojekte

"Weder sind die Vorstöße einzelner Firmen in die Industrie 4.0 repräsentativ für chinesische Unternehmen, noch sind es kleine Fabriken, die schlechte Imitationen westlicher Konsumgüter herstellen", formuliert Springer-Autor Christian Göbel die Qualitätsunterschiede der Innovationskultur und Innovationssysteme in China verglichen mit Deutschland (Seite 62). Innovation werde in China nicht als Prozess verstanden, der Kreativität und Fehlerwahrscheinlichkeiten zulässt, sondern als Top-down Angelegenheit zwischen Regierung und Unternehmen. 

Der Autor kritisiert, dass das chinesische Innovationssystem im gleichen Maße auf Leuchtturmprojekte setzt, wie das Hochschulwesen nicht von seiner Inselbildung für eine privilegierte Elite ablässt. Chinesische Innovationsfähigkeit hänge nicht davon ab, "ob beispielsweise Huawei und Midea die weltweite Revolution in Industrie 4.0 anführen werden". Zu beobachten sei vor allem, "ob Chinas kleine und mittlere Unternehmen in puncto Produktionsbedingungen, Effizienz und Vernetzung zu den Innovationsleuchttürmen aufschließen, ob sich Qualität und Zugang zu Bildung auch in armen Provinzen verbessern". (Seite 73-74)

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