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01.03.2017 | Wirtschaftspolitik | Kommentar | Onlineartikel

Weshalb ein Politik-Stil à la Trump scheitern wird

Autor:
Andreas Nölting

Donald Trump denkt wirtschaftspolitisch wie ein Hotelier und schießt wie Wyatt Earp. Heraus kommt dabei ein Casino-Business, durch das irreparable Schäden für die Weltwirtschaft drohen. Aber vielleicht nicht mehr lange, kommentiert Andreas Nölting.

Der bisherige Immobilien-Tycoon und neue US-Präsident Donald Trump hat ein eigenartiges Verständnis von Führung und Wirtschaftspolitik. Über Twitter verbreitet er nächtlich seine ökonomischen Eingebungen, jagt gestandenen Konzernlenkern mit unkontrollierten Ausfällen Sorge um die weltweite Stabilität ein und setzt ausländischen Konkurrenten wie Wyatt Earp die Pistole auf die Brust. So maßregelte er kürzlich BMW, auf den Bau des  Automobilwerkes in Mexico zu verzichten und drohte den Bayern (die auch in den USA produzieren) unverhohlen: "Wenn sie in Mexiko eine Fabrik bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen“. 

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Donald Trump hat die Welt in den ersten Tagen seiner Amtszeit, als noch unklar war, was er von den Ankündigungen des Wahlkampfes wirklich umsetzen würde, in eine Phase größter Irritation gestürzt. Nichts scheint mehr Bestand zu haben, weder Handelsabkommen noch politische oder militärische Bündnisse.


Der amerikanische Starökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps hat für diese Art von brutaler Politik deutliche Worte. Er fühle sich erinnert an "Wirtschaftspolitik in Zeiten des Faschismus", sagte Phelps kürzlich dem "Spiegel": "Der Anführer kontrolliert die Volkswirtschaft und sagt den Unternehmen, wo es langgeht." Eine solche Befehls-Wirtschaft droht nun den USA. Das kann nicht gut für die Weltwirtschaft sein. Denn ein Politik-Stil à la Trump steht den Gesetzen der Wissens- und Internetwelt diametral entgegen. Internetfirmen denken nicht in nationalen, protektionistischen oder ethnischen Kategorien und wollen sich schon gar nicht von Regierungen erpressen lassen.    

Trumps Tabubrüche irritieren Manager

Seit Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt worden ist, sind die Konzernlenker in aller Welt aufgeschreckt, doch leider noch meist noch stumm. Der unübliche Politikstil, sein ständiger Bruch von Tabus wie das Aussperren bestimmter Medien, der rassistische Einreisebann gegen Muslime aus sieben Nationen, das irre Festhalten am Bau der Mauer zu Mexiko und vor allem seine unausgegorenen wirtschaftspolitischen Ideen machen die Manager zunehmend nervös. Wirtschaft ist eben zur Hälfte Psychologie. Unberechenbare Akteure in Schlüsselstellungen trüben da die Stimmung. Zwar laufen die Börsen noch erstaunlich gut. Die Anleger reagierten anfangs euphorisch auf Trumps Versprechen von Steuersenkungen und Deregulierungen in der Umwelt- und Gesundheitspolitik.

Doch die Freude der Börsianer über Trumps Politik-Stil könnte vorschnell gewesen sein. Die  Stabilität an den Finanz- und Weltmärkten ist bedroht. Denn Trumps tumber Nationalismus ("America First") und die Abschottung des US-Marktes durch hohe Einfuhrsteuern bedroht den Welthandel. Amerikas Handelspartner werden keine andere Wahl haben, als mit ähnlichen Maßnahmen zu reagieren. Der dann drohende Handelskrieg würde das Ende der Globalisierung einläuten und damit das ökonomische Fundament der Weltwirtschaft einreißen. Dabei hat die internationale Arbeitsteilung viele positive Effekte. Sie nützt auch den schwächeren Staaten dieser Welt, die durch spezielle und günstige Services Einnahmen erzielen, ihre Wirtschaften modernisieren und so wachsen können. 

Trump wird nie Ökonom

Mit seinem Politik-Stil wird Trump scheitern. Denn die erratischen und destruktiven Dekrete von Trump bedrohen die Erfolge der Globalisierung. Seine Politik schadet ebenso den Interessen der Amerikaner und der Prosperität der US-Volkswirtschaft. Ob sich Trump und seine Berater dieser Risiken bewusst sind, das ist fraglich. Eines aber ist klar: Trump ist und wird nie ein Ökonom. Er denkt wie ein Hotelier in simplen betriebswirtschaftlichen Kategorien. Er sieht die US-Wirtschaft wie ein Casino-Business, das er über den Stellhebel Preis (Steuern, Zölle, Lohnkosten) steuern und unbeliebte Gäste aussperren kann. Dass die US-Volkswirtschaft allerdings Teil der Weltwirtschaft ist, in der andere ökonomische Gesetze gelten als in Las Vegas, das ist dem US-Präsidenten egal. Bleibt zu hoffen, dass Trump in seiner Amtszeit (wer weiß wie lange noch) keine irreparable Schäden für die Weltwirtschaft anrichtet.

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