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11.09.2018 | Wirtschaftsprüfung | Im Fokus | Onlineartikel

Hohe Prüfungsqualität schützt Wirtschaftsprüfer bei Bilanzskandalen

Autor:
Sylvia Meier

Regelmäßig berichten Medien über Bilanzskandale und suchen nach möglichen Schuldigen. Immer wieder geraten dabei auch die Wirtschaftsprüfer in die öffentliche Diskussion. Sie müssen sich daher bei ihrem Job besonders absichern.

In den vergangenen Monaten häuften sich Berichten über den Bilanzskandal des internationalen Möbelunternehmens Steinhoff. Das Unternehmen wird heute hauptsächlich von Südafrika aus geführt, hat seine Wurzeln jedoch in Niedersachsen. Es ist sowohl in Südafrika als auch in Frankfurt börsennotiert und punktete in der Vergangenheit vor allem mit seinem straffen Expansionskurs bei den Investoren. Im Dezember 2017 wurden schließlich Unregelmäßigkeiten in der Bilanz von Steinhoff bekannt. Es folgte ein Absturz des Aktienkurses. Das Unternehmen geriet in eine schwere Krise. Medien berichteten, dass mehrere Banken, unter anderem auch in Deutschland, Kreditausfälle in Höhe von Hunderten Millionen Euro hinnehmen müssten. Anlegeranwälte sahen Verstöße gegen die Kapitalmarktvorschriften und legten in Südafrika eine Sammelklage ein. Mit Bekanntwerden der Unregelmäßgkeiten in der Bilanz reichte CEO Markus Jooste seinen Rücktritt ein. Nun stellte sich der ehemalige Unternehmenschef den Fragen des südafrikanischen Parlaments und erklärte, dass die Schuld nicht bei ihm liege. Er machte vielmehr Wirtschaftsprüfer und Geschäftspartner für die Krisensituation verantwortlich.

Bilanzskandale haben schwerwiegende Folgen

Der Fall Steinhoff zeigt, wie Unternehmen durch solche Bilanzskandale straucheln und im Ernstfall sogar in den Ruin getrieben werden. Ihre Reputation leidet und Kursverluste zwingen die betroffene Firma am Ende in die Knie. Und sie kosten Spitzenmanager durchaus den Job, auch wenn sich diese Jahre oder gar Jahrzehnte für ihren Betrieb eingesetzt haben. Das Beispiel macht zudem deutlich, dass sich Wirtschaftsprüfer ausreichend absichern müssen, um nicht in den Verdacht zu geraten, in den Bilanzskandal verwickelt zu sein. Das ist vor allem dann ausschlaggebend, wenn etwa bei einem groß angelegten Betrug der Wirtschaftsprüfer möglicherweise falsche Daten für seine Prüfung erhalten hat, aufgrund derer es zu einer Falschaussage in der Bilanz kommt. 

 

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Definitions

Die Darstellung eines Abschlusses zeichnet sich durch bestimmte Aussagen aus, die sich zum Beispiel auf den "Bestand" von Forderungen oder auf die "Vollständigkeit" von Rückstellungen beziehen können. Diese Aussagen verwendet der Prüfer, um die verschiedenen Arten von möglichen Fehlaussagen in Erwägung zu ziehen.


Nicht hinter jeder fehlerhaften Bilanz steckt Vorsatz

Doch nicht jeder bilanzielle Fehler beinhaltet zugleich einen Vorsatz. Ein Blick in das deutsche Steuerrecht und dessen flankierende Regelungen zeigt, wie komplex viele Sachverhalte und ihre Beurteilung sein können. Ein Unternehmen kann also auch unbeabsichtigt zum rechtlich falschen Ergebnis kommen. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Bilanz bewusst "aufgehübscht" und damit rechtswidrig gehandelt wird. Springer-Autor Werner Krommes erklärt in seinem Kommentar "International Standards on Auditing" (Seite 2): "Gestützt auf seine Kenntnisse über das Unternehmen und im vollen Bewusstsein der Problematik von "fraud and error" muss der Abschlussprüfer eine Vorstellung darüber gewinnen, ob ein Risiko für eine wesentliche Fehlaussage ("the risk that the financial statements are materially misstated prior to audit") besteht und welche Bilanzpositionen anfällig dafür sind, falsch dargestellt zu werden." Für kapitalmarktorientierte Unternehmen dürften hier übrigens auch die Prüfungsschwerpunkte der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) interessant sein. Diese geben ein Indiz, wo besonders häufig Schwächen in der Rechnungslegung aufgedeckt werden.

Der International Standard on Auditing (ISA) 315 befasst sich mit der Frage, wann ein Irrtum vorliegt und wann es sich um einen Betrug handelt. Dieser ISA-Standard unterstützt einen risikoorientierten Prüfungsprozess, bei dem Fehlerrisiken identifiziert und beurteilt werden. Springer-Autor Philipp E. Zaeh führt in seinem Buchkapitel "Abschlussprüfung 2.0" aus (Seite 452): "Jahresabschlussprüfung ist eine enge Verbindung zwischen den identifizierten Risiken einerseits und den einzusetzenden Prüfungshandlungen andererseits." Dabei verdeutlicht der Autor, dass der risikoorientierte Prüfungsansatz sich im Hinblick auf die Digitalisierung zudem noch einmal stark verändern wird. 

Qualität der Prüfungen muss stimmen

Außerdem sieht Zaeh durch Internationalisierungstrends und den steigenden Wettbewerbsdruck große Herausforderungen auf die Wirtschaftsprüfung zukommen. Die Branche muss also viele Entwicklungen stemmen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Qualität der Prüfungen stimmt und diese effizient durchgeführt werden. Dies allein schon aus dem Interesse, bei einem möglichen Betrug nicht selbst in Verantwortung genommen zu werden. Schließlich, so führt Werner Krommes aus: "Mit der Annahme eines Auftrages übernimmt der Abschlussprüfer die Verantwortung für eine gewissenhafte Prüfung. Voraussetzung für einen Bestätigungs- oder Versagungsvermerk muss dann schließlich die Überzeugung sein, dass seine Aussage zuverlässig ist." Dieser Verantwortung muss der Prüfer gerecht werden.

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