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02.07.2018 | Wirtschaftsprüfung | Im Fokus | Onlineartikel

Die Abschlussprüfung steht vor der digitalen Revolution

Autor:
Sylvia Meier

In vielen Unternehmen wurden Digitalisierungsprojekte in der Finanzabteilung gestartet. Doch diese neuen Prozesse wirken sich dann auch auf die Abschlussprüfung aus. Was ist zu erwarten? 

Viele Prozesse in der Finanzabteilung sollen standardisiert und automatisiert werden. Eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft PwC zeigt beispielsweise, dass die Umfrageteilnehmer neue Technologien vor allem bei

  • der Belegerkennung (22 Prozent),
  • dem direkten Datenaustausch mit Kunden und Lieferanten (20 Prozent),
  • dem Zahlungsverkehr (19 Prozent) und
  • dem Ersatz von Excel-Spreadsheets

zur Anwendung kommen sollen. Doch wie wirkt sich die Digitalisierung des Finanzbereichs im nächsten Schritt auf die Abschlussprüfung aus? 

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Abschlussprüfung – Relevante Perspektiven

Folgendes Kapitel behandelt den Zweck und die Relevanz der Jahresabschlussprüfung, geht auf das Thema Kosten der Prüfung ein und verweist auf die wichtigsten Normen im Zusammenhang mit der Jahresabschlusserstellung und der Jahresabschlussprüfung.


Springer-Autor Philipp E. Zaeh beobachtet eine Vielzahl von Herausforderungen für den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer, vor allem durch die Digitalisierung und veränderte Rahmenbedingungen. In seinem Buchkapitel "Abschlussprüfung 2.0" erklärt er auf Seite 442: "Zum einen sind der Prüfungsansatz und die anzuwendenden Prüfungstechniken auf die zunehmend digitalisierten und automatisierten Geschäftsprozesse der zu prüfenden Unternehmen auszurichten. Ferner steigt aufgrund einer wachsenden Anzahl an Manipulationen von Jahresabschlüssen auch die Komplexität der Abschlussprüfung, insbesondere im Hinblick auf die Beurteilung der Qualität und Integrität des Managements."

Massiver Wandel wird erwartet 

Für die PwC-Studie wurden Ende 2017 die Entscheider aus dem Finanz- und Rechnungswesen von 76 mittelständischen Unternehmen befragt. 84 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen mit massiven Veränderungen in der Abschlussprüfung. 70 Prozent erwarten, dass der Automatisierungsgrad in der Abschlussprüfung infolge der Digitalisierung bis 2022 zwischen 10 und 40 Prozent liegen wird. Rüdiger Loitz, Leiter des Bereichs Capital Markets & Accounting Advisory Services bei PwC Deutschland, stellt fest: 

Unternehmen, die die Transformation meistern, können aus der Abschlussprüfung neuen Mehrwert generieren." 

Der Mehrwert liegt laut dem Studienergebnis beispielsweise in KPI-Analysen zu einzelnen Geschäftsprozessen. Unternehmen versprechen sich viel im Bereich der Datenanalysen. Wenn bereits neue Technologien zum Einsatz kommen, dann vor allem für die Analysen von Konten im Hauptbuch, von Nebenbüchern und von Systemeinstellungen. Potenziale sieht PwC außerdem für die Berichterstattung und Dokumentation. Die Befragten sehen vor allem Veränderungen bei der Abschlussprüfung für die Prüfung von IT-Systemen. Diese Auffassung teilt auch Philipp Zaeh (Seite 451): "In einem digitalisierten und massiv dezentralisierten IT-Umfeld muss der Wirtschaftsprüfer jenseits des IKS sämtliche betrieblichen Digitalisierungsprozesse auf Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit prüfen, was ebenfalls zu einem überproportional hohen Aufwand an Systemprüfungen führen wird."

Künstliche Intelligenz bietet Potenzial in der Abschlussprüfung 

Zaeh weist darauf hin, dass sich das Rollenbild des Wirtschaftsprüfers massiv verändern wird und neue Technologien, wie Blockchain oder Methoden der künstlichen Intelligenz eine große Bedeutung bekommen werden. Das spiegelt sich auch in den Studienergebnissen wieder. So sehen die Befragten vor allem folgende Anwendungsbereiche künstlicher Intelligenz:

  • Aufzeigen von Anomalien im Buchungsstoff (34 Prozent)
  • Aufzeigen von Prozessschwächen (25 Prozent)
  • Simulation zur Prüfung von Schätzungen und Prognoserechnungen (19 Prozent)

Die Beziehung zwischen Unternehmen und Wirtschaftsprüfer

Die Bereitschaft von Unternehmen, ihren Wirtschaftsprüfer auf die Reise in die digitale Welt mitzunehmen, ist groß. 70 Prozent der Entscheider würden ihrem Wirtschaftsprüfer Daten aus dem Rechnungswesen für Analysezwecke überlassen, 33 Prozent davon sogar ohne Einschränkung. 81 Prozent würden Tests neuer Prozesse und Technologien im eigenen Finanz- und Rechnungswesen erlauben, wenn dies zu einer Optimierung der Abschlussprüfung führen würde. Bisher sind Wirtschaftsprüfer regelmäßig in den Unternehmen vor Ort anzutreffen, wenn eine Abschlussprüfung ansteht. Doch auch hier rechnen viele Entscheider bereits kurzfristig mit Veränderungen: Nur 57 Prozent gehen davon aus, dass in fünf Jahren die Abschlussprüfung noch vor Ort stattfinden wird. Wirtschaftsprüfer müssen sich also auf neue Methoden, neue Aufgaben und komplett neue Rahmenbedingungen einstellen.

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