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11.01.2019 | Wirtschaftsrecht | Infografik | Onlineartikel

Jeder zehnte Betriebsrat wird behindert

Autor:
Andrea Amerland

Betriebsräten in Deutschland weht mitunter ein rauer Wind entgegen. Ihre Arbeit wird vom Management blockiert und das Verhältnis zur Geschäftsleitung ist nicht immer gut. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Befragung.

Betriebsräte sollen in deutschen Unternehmen die Interessen der Mitarbeiter vertreten und haben daher hierzulande vom Gesetzgeber bestimmt Mitbestimmungsrechte erhalten, die im Betriebsverfassungsrecht (BetrVG) verankert sind. Doch in der Realität können sie diese nicht immer wahrnehmen. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach sehen sich rund zehn Prozent der befragten Betriebsräte häufig von der Unternehmensspitze behindert. 40 Prozent erleben manchmal Blockaden und fünf Prozent bewerten die Zusammenarbeit mit dem Management sogar mit der Note "mangelhaft". Doch immerhin knapp 60 Prozent der befragten Betriebsräte bezeichnen ihr Verhältnis zur Chefetage als "gut".

Vertrauensvolle Zusammenarbeit von Arbeitgeber und Betriebsrat? 

In den Unternehmen, in denen Betriebsräte dem Management schlechte Noten geben, "darf bezweifelt werden, ob damit noch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist", wie sie das Betriebsverfassungsrecht fordert, kommentiert WSI-Forscher Helge Baumann die Studienergebnisse. Konflikte sind hier wohl an der Tagesordnung. Dabei sind Arbeitgeber und Betriebsrat nach § 2 Abs. 1 BetrVG zur Kooperation zum Wohl der Arbeitnehmer und des Betriebs verpflichtet.

Laut Analyse ist der Umgang zwischen der Führungsriege und der Arbeitnehmervertretung in Unternehmen ohne Tarifvertrag besonders schlecht. 18 Prozent der Betriebsräte sprechen hier von einem "ausreichenden" oder "mangelhaften" Arbeitsverhältnis. Dort, wo hingegen für die Vergütung ein Tarifvertrag gilt, sagen das nur elf Prozent der Betriebsräte. 

Zu den Hauptaufgaben des Betriebsrats gehören laut Umfrage Arbeitsschutz und Gesundheit (80 Prozent). Dabei gehe es aktuell häufig auch um psychische Belastungen durch Arbeitsverdichtung und zu geringe Ressourcen. Aber auch die Arbeitszeit spielt mit Überstunden und flexibleren Arbeitszeiten eine große Rolle in der Betriebsratsarbeit.

Für die Studie wurden 2017 telefonische Interviews mit Betriebsräten aus rund 2.400 Betrieben der Privatwirtschaft geführt. Jeweils ein Vertreter pro Betrieb stand den Interviewern von Infas in Bonn Rede und Antwort. Bei der Betriebsrätestudie 2017 handelt es sich um die dritte Erhebungswelle eines so genannten Betriebsrätepanels, welches im Jahr 2015 erstmals durchgeführt wurde. 

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