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27.03.2018 | Wirtschaftsrecht | Im Fokus | Onlineartikel

Der Weg in die Insolvenz ist oft ein schleichender Prozess

Autor:
Sylvia Meier

Die Gründe, warum ein Unternehmen zahlungsunfähig wird, sind vielfältig. Doch selten kommt eine Krise aus dem Nichts. Viele Anzeichen werden vom Management lange nicht wahrgenommen.

Das Jahr 2017 war für die Automobilbranche kein einfaches Jahr: Der Dieselskandal dominierte die Medien und machte sich für viele Kfz-Gewerbebetriebe bemerkbar. Der Wirtschaftsinformationsdienstleister Creditreform stellte aktuell fest, dass es 2017 9,6 Prozent mehr Insolvenzen im Kfz-Handel gab als noch im Vorjahr. Der Grund liegt laut Creditreform auch in der Angst der Verbraucher vor Fahrverboten. Viele Kfz-Händler sind hoch verschuldet – bei fast jedem vierten der Unternehmen (23,6 Prozent) erreicht die Eigenkapitalquote nicht einmal zehn Prozent. Es verwundert daher nicht, dass immer mehr Händler aufgeben.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Insolvenzverfahren und Sanierung

Ziel dieses essentials ist, einen Überblick zum Thema Compliance in der Unternehmenskrise zu geben. Entgegen einer leider häufig verbreiteten Meinung bedeutet die Einleitung eines Insolvenzverfahrens mitnichten immer den Verlust der Kontrolle über das Unternehmen und das Ende des Geschäftsbetriebs durch bloße Versilberung der Vermögenswerte.


Laut Creditreform ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen insgesamt in Deutschland im Jahr 2017 um gut sechs Prozent zurück. Ein Trend, den auch der Dienstleister Crif Bürgel in seiner Studie "Firmeninsolvenzen 2017" bestätigt: 20.276 Unternehmen mussten in die Insolvenz gehen, damit sind die Firmeninsolvenzen 2017 um 6,9 Prozent zurückgegangen (Vergleich zum Vorjahr: 21.789 Firmeninsolvenzen). 2003 gab es mit 39.320 Insolvenzen noch fast doppelt so viele Firmenpleiten. Laut Ingrid Riehl, Geschäftsführerin von Crif Bürgel, profitieren Firmen in Deutschland von guten Rahmenbedingungen durch eine stabile Konjunktur, günstigen Finanzierungsbedingungen und einem erneut starken Export. Allerdings wird befürchtet, dass im Jahr 2018 die Anzahl der Firmeninsolvenzen deutlich steigen wird. Die Springer-Autoren Bernd Heesen und Vinzenth Wieser-Linhart erklären in ihrem Buchkapitel "Insolvenzrecht kompakt" (Seite 1): 

Jedes Unternehmen ist (unternehmerischem) Risiko ausgesetzt, und generell kann auch jedes Unternehmen in Schieflage geraten oder insolvent werden."

Dominoeffekte durch Forderungsausfälle 

Trotz guter Konjunktur sollten sich Unternehmen deshalb nicht in falscher Sicherheit wiegen. Immer mehr Firmen zeigen sich finanzschwach und auch eine mögliche Zinswende sorgt für Unsicherheiten. Zudem muss beachtet werden, dass eine Insolvenz nicht nur die betroffene Firma selbst trifft. Wenn ein Geschäftskunde seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann, geraten auch andere Beteiligte schnell an den Rand der finanziellen Belastbarkeit. 2017 lagen die Forderungsausfälle je Insolvenz bei durchschnittlich 1,5 Millionen Euro.

Crifbürgel zeigt, dass vor allem Unternehmen in der Logistikbranche, dem Baugewerbe, der Dienstleistungsbranche und dem Handel sich besonders insolvenzgefährdet gezeigt haben. Zudem ist rund die Hälfte der finanziellen Niedergänge bei Unternehmen zu verzeichnen, die weniger als zehn Jahre am Markt und damit noch relativ jung sind.

Häufige Insolvenzursachen

Die Ursachen bei jungen Unternehmen sind laut der Analyse vor allem in 

  • schwierigen Finanzierungsbedingungen,
  • Marktveränderungen, 
  • strategischen Fehlentscheidungen und 
  • mangelnder fachlicher Kompetenz zu suchen. 

Als allgemeine Hauptgründe allgemein stellt Crifbürgel

  • Ausbleiben neuer Aufträge bzw. Stornierung oder die Verschiebung bereits erteilter Aufträge,
  • Dominoeffekte durch zahlungsunfähige Firmen,
  • Fehler im Management,
  • fehlende Unternehmensplanung,
  • kein Controlling oder ein unzureichendes oder fehlendes Debitorenmanagement fest.

Diese Einschätzung teilt auch Springer-Autor Jürgen Staab in seinem Buchkapitel "Insolvenzursachen". Hier werden ebenfalls fehlendes Controlling, Finanzierungslücken und unzureichendes Debitorenmanagement als wichtigste Insolvenzursachen genannt. Diese Insolvenzursachen sind durchaus vermeidbar. Hier sollten vor allem gefährdete Unternehmen dringend nachsteuern. Denn wenn ein Management seine eigenen Finanzen nicht kennt und Unternehmensplanung nicht stattfindet, ist eine Unternehmenskrise bis hin zur Insolvenz keine Überraschung.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Insolvenzrecht kompakt

Quelle:
Basiswissen Insolvenz

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