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22.04.2013 | Wirtschaftsrecht | Interview | Onlineartikel

Kennt Ihre Kanzlei den Grundsatz "Client first"?

Autor:
Sylvia Meier
3:30 Min. Lesedauer

Auch Kanzleien mussten sich strategisch neu ausrichten um den Mandantenbedürfnisse gerecht zu werden. Claudia Schieblon beschreibt in einem Interview, wodurch sich ein ein modernes Kanzleimanagement heute auszeichnet.

Springer für Professionals: Frau Schieblon, das Management von Kanzleien hat sich verändert. Was zeichnet ein modernes Kanzleimanagement heute aus?

C. Schieblon: In einer Kanzlei, egal ob sie groß oder klein ist, gibt es heute eine klare Aufgabenverteilung. Dabei konzentriert sich der Anwalt auf seine Kernkompetenzen und gibt Fachaufgaben und –verantwortung an seine Mitarbeiter ab, die im Bereich Finanzen, Office Management, Marketing etc. für ihn arbeiten. In größeren Einheiten gibt es zentrale und dezentrale Managementteams, die die Organisation lenken und die Einhaltung der strategischen Ziele forcieren. Kern einer Kanzlei ist immer die Partnerversammlung, die die Ausrichtung und die Strategie der Kanzlei festlegt und das Management-Team einsetzt.

Die wichtigsten Aufgaben des Kanzleimanagements sind die Beobachtung des Markts und das Erkennen von neuen Beratungsfeldern, die in das Portfolio der Kanzlei passen. Nur so kann sich die Kanzlei in dem immer stärker werdenden Wettbewerb auf Dauer behaupten.

Was sind Managing Partner? Welche Aufgaben erfüllen sie?

Managing Partner sind Partner, die von der Partnerversammlung gewählt sind und sich, meist neben ihrer anwaltlichen Arbeit, um die vielfältigen organisatorischen Aufgaben der Kanzlei kümmern. Sie repräsentieren die Kanzlei nach außen und gewinnen neue Partner. Managing Partner bereiten Partnerversammlung vor, in denen die strategischen Fragen der Kanzlei diskutiert und festgelegt werden. Sie haben „das Ohr am Markt“ um neue Chancen für die Kanzlei frühzeitig zu erkennen. Last but not least genießen sie das Vertrauen der Partner und sind Ansprechpartner für deren kleinen und großen Sorgen, bei denen sie ausgleichend und vermittelnd wirken. Managing Partner einer Kanzlei zu sein ist – fachlich wie menschlich – wirklich eine Mammutaufgabe.

In Ihrem Buch "Kanzleimanagement in der Praxis" wird ausgeführt, dass eine strategische Ausrichtung einer Kanzlei entscheidend für dauerhafte Mandantenbeziehungen ist. Warum?

Eine Kanzlei, die ein klares Profil und eine stringente Ausrichtung hat, hat deutliche Vorteile: Sie gewinnt und bindet leichter kompetente Anwälte, die sich mit der Kanzlei und deren Arbeit identifizieren. Mandanten schätzen eine klare Ausrichtung, da sie die Kanzlei dadurch besser von Wettbewerbern unterscheiden können und deren Expertise wesentlich tiefer ist.
Die Strategie kann sich auf bestimmte Rechtsgebiete, Märkte oder Unternehmen beziehen und leitet sich von den Kompetenzen und Zielen der Kanzlei ab.

Wie sieht Ihrer Ansicht nach die Realität in der Praxis aus? Ausgehend vom Grundsatz "Client First": Kennen Kanzleien tatsächlich die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Mandanten? Und falls nein, wie können diese ermittelt werden?

Kanzleien kennen in der Regel ihre Mandanten durch die enge und meiste langjährige Zusammenarbeit als juristische Berater sehr gut. Gute Anwälte informieren sich auch über das Arbeitsumfeld und den Markt der Mandanten. Sie haben also Kenntnisse über das fachliche und wirtschaftliche Umfeld, jedoch werden oft andere wichtige Aspekte ausgeblendet, wie deren Erwartungen an Service und Zusammenarbeit. Wichtig wären regelmäßige Mandantengespräche und –befragungen. Meiner Ansicht nach sollten diese von Dritten, also nicht vom Anwalt selbst, geführt werden, sondern durch andere Partner, die eigenen Business Development-Fachkräfte oder ein externes Unternehmen.

Wie wichtig ist Business Networking für Kanzleien?

Business Networking ist gerade in einem Peoples‘ Business wie dem der Kanzleien extrem wichtig. Es sollte nicht nur in Richtung von Mandanten und potentiellen Mandanten betrieben werden, sondern auch bei Kollegen anderer Kanzleien (Stichwort „Referenzmandante“), Journalisten und anderen wichtigen Multiplikatoren.

Wie sieht erfolgreiches Business Networking aus?

Business Networking folgt bestimmten Regeln und ist für jedermann erlernbar. Wichtig ist dabei das Bewußtsein, zu Geben und zu Nehmen, also dem anderen gut zuzuhören genauso wie auch einige interessante Einblicke in die eigene Arbeit zu geben. Das Gegenüber spürt auch ob man echtes Interesse an ihm bzw. an seinen Gesprächsthemen hat. Auch sollten die Beziehungen nachhaltig sein, d.h. daß man Absprachen einhält oder fortführende Kontaktangebote macht ohne dabei aufdringlich zu werden.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2013 | OriginalPaper | Buchkapitel

Management in Kanzleien

Quelle:
Kanzleimanagement in der Praxis

2013 | OriginalPaper | Buchkapitel

Erfolgreiches Business Networking

Quelle:
Kanzleimanagement in der Praxis

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