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29.08.2018 | Wirtschaftsrecht | Nachricht | Onlineartikel

Schiedsgerichte sollen bei Managerhaftung entscheiden

Autor:
Meris Neininger

Streitigkeiten mit Versicherern um die Organhaftung von leitenden Managern sollen künftig vor ein Schiedsgericht, um jahrelange Gerichtsprozesse zu vermeiden. Dieses soll die oft komplexen D&O-Fälle in weniger als zwölf Monaten klären.

Immer wieder ziehen Skandale in der deutschen Wirtschaft Marathonprozesse mit der Assekuranz wegen der Haftung der beteiligten Manager nach sich. Im Fall der schwarzen Kassen von Siemens vergingen drei Jahre, ehe das Unternehmen Schadensersatz von den Managerhaftpflichtversicherern bekam und neun Jahre, bis der Streit um Ersatzzahlungen mit den verantwortlichen Managern beendet war. Bei Volkswagen haben die Verhandlungen um Schadensersatz noch nicht einmal begonnen, obwohl die Abgas-Affäre bereits seit 2015 schwelt.

Prozesse im Mittelstand dauern oft drei Jahre und mehr

Im Mittelstand dauern Prozesse im Schnitt dreieinhalb Jahre
"Ähnlich sieht es bei weniger prominenten Managerhaftpflichtfällen aus", weiß Marcel Armon, Geschäftsführer des auf Directors and Officers (D&O)-Versicherungen spezialisierten Maklerhauses Howden Germany. "Im Mittelstand dauert es im Schnitt dreieinhalb Jahre, bei Großunternehmen fünf bis sieben Jahre, bis ein solcher Schadensfall abgehakt ist." Folglich bleiben die betroffenen Unternehmen, deren Gesellschafter oder Aktionäre oft jahrelang auf millionenschweren Vermögensschäden sitzen.

Jetzt sollen neue, auf die Anforderungen von Managerhaftungsfällen speziell angepasste Schiedsregeln dazu beitragen, bei den Streitfällen in weniger als zwölf Monaten zu einer Entscheidung zu kommen. Die Idee: Als Alternative zu den staatlichen Gerichten können Manager und Unternehmen ihren D&O-Streitfall schneller, kostengünstiger und reputationsschonend von einem spezialisierten Schiedsgericht rechtskräftig klären lassen. "Wir verhandeln alles in nur einer statt wie bisher in zwei Instanzen und können dadurch die Kosten für Rechtsanwälte, Gutachter und Gerichte senken", betont der Initiator und Rechtsanwalt Michael Hendricks. Schnellere Prozesse könnten zudem dazu beitragen, das Defizit in der D&O-Versicherung insgesamt zu lindern. Denn die Branche hat wegen der wachsenden Flut an Mangerhaftungsfällen im Mittelstand und milliardenschweren Haftungsszenarien à la VW zu kämpfen. 

Versicherungsbranche ist aufgeschlossen

Ex-Richter, Hochschullehrer und Spitzenanwälte mit dabei
Gemeinsam mit der Rechtsexpertin Beata Drenker von Howden Germany hat der Düsseldorfer Rechtsanwalt und D&O-Pionier Hendricks diverse Mitstreiter für seine Idee gewonnen, darunter mehr als ein Dutzend Ex-Richter, Hochschullehrer und Spitzenanwälte aus den Feldern Managerhaftung und D&O-Versicherungsrecht sowie die Schiedsgerichtsinstitution Arias Deutschland. Diese ist bereits für Schiedsverfahren in der Erst- und Rückversicherung zuständig.

Auch die Versicherungsbranche scheint dem neuem D&O-Schiedsverfahren positiv gegenüberzustehen. "In einzelnen Schadensfällen können wir schon heute in Abstimmung mit den Versicherern Managern den Weg des Schiedsverfahrens ermöglichen", sagt Howden-Chef Marcel Armon: "Die Verhandlungen darüber, dass unsere Partner aus der Versicherungswirtschaft den versicherten Managern unserer Kunden generell den schiedsgerichtlichen Weg einräumen, laufen bereits".

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