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06.02.2019 | Wirtschaftsrecht | Nachricht | Onlineartikel

Versicherungsbranche hadert mit IDD-Umsetzung

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2 Min. Lesedauer

Mit der Insurance Distribution Directive (IDD) will die Europäische Union die Transparenz der Finanzmärkte verbessern und den Verbraucherschutz stärken. Allerdings tut sich die Assekuranz mit der Umsetzung schwer, so eine aktuelle Studie.

Die IDD setzt fest, wie Versicherungsvermittler im bestmöglichen Interesse der Kunden handeln sollen. Allerdings offenbart eine aktuelle Studie der Managementberatung 67 Rockwell, dass ein knappes Drittel (30 Prozent) der deutschen Versicherer offensichtlich signifikante Probleme mit der Umsetzung der Regelungen hat und daher möglicherweise rechtswidrig handelt. Die gemeinsam mit Matthias Beenken, Professor für Versicherungswirtschaft an der Fachhochschule Dortmund, und Maximilian Teichler, Rechtsanwalt in einer Kanzlei für Versicherungsmanagement, durchgeführte Studie belegt, dass der Anteil unter den Komposit-Versicherern, die verschiedene Sparten der Sach- und Unfallversicherungen betreiben, sogar bei bis zu 50 Prozent liegt.

"Es ist ausgesprochen bedenklich, dass es trotz erheblicher Investitionen in die Digitalisierung nur wenige deutsche Versicherer schaffen, ihren Kunden online eine vollständige und rechtskonforme Antragsstrecke bis zum Produktabschluss anzubieten", betont Tim Braasch, Studienleiter und Geschäftsführender Gesellschafter von 67 Rockwell. "Versicherer und Vermittler sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie sich unter Umständen serienmäßige Probleme ins Haus holen", warnt  Beenken. Deutsches und europäisches Recht stimme vor allem in Bezug auf die Frage-, Aufklärungs- und Beratungsanforderungen nicht überein. Das deutsche Recht vermenge diese Pflichten und erwecke den Eindruck, mit einem Beratungsverzicht entfiele auch die Frage- und die Aufklärungspflicht. Diese seien aber im europäischen Recht unverzichtbar. Sie werde dort als "Standards für den Vertrieb ohne Beratung" bezeichnet. Und diese lassen sich laut Teichler "mit einem durchaus vertretbaren Aufwand" regelkonform umsetzen. "Kunden treffen dann bewusstere Entscheidungen und sind enger an das Unternehmen gebunden."

Erforderliche Dokumentation schafft Rechtssicherheit

Die Versicherer nutzen laut Analyse eine Mischung aus Beratung und Beratungsverzicht.  Dem gegenüber steht der von den Vergleichsportalen gewählte Ansatz der Beratung ohne Beratungsverzicht. Hierbei verstünden beide Modelle den Begriff Beratung jedoch meist nur als Erfüllung der gesetzlichen Fragepflicht, nicht aber als Beratung im Sinne der IDD. "Häufig wird durch das Erstellen eines Beratungsprotokolls über die eigentlich fehlende Beratung hinweggetäuscht", so Braasch. "Nur die konsequente Orientierung an Artikel 20 IDD inklusive der obligatorischen Fragen nach Wünschen und Bedürfnissen des Kunden, dem Angebot eines dazu passenden Vertrages inklusive der Begründung sowie die erforderliche Dokumentation schaffen hier die dringend notwendige und gewünschte Rechtssicherheit - sowohl für Kunden als auch für Versicherungsunternehmen und Vermittler."

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