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Über dieses Buch

Für Studenten ist der Einstieg in die Wirtschaftswissenschaften oft schwierig, weil auf den ersten Blick kein eindeutiger Studenten der Ökonomie haben gerade zu Beginn ihres Studiums Schwierigkeiten, weil auf den ersten Blick weder ein eindeutiger Untersuchungsgegenstand noch eine allgemein akzeptierte Struktur der Wirtschaftswissenschaften erkennbar ist. Dieses Buch erhellt den Hintergrund: es beschreibt das System der Wirtschaftswissenschaften - das tatsächlich keine in sich geschlossene Theorie darstellt - als ein Konglomerat verschiedener Ansätze, Theorien und Anschauungen. Die wichtigsten von ihnen werden je einzeln näher erläutert und in ihren jeweiligen Entstehungskontext gestellt. Bewusst hebt sich diese Darstellung von einer chronologischen bzw. rein historischen Rekonstruktion ab. Vielmehr erhält der Leser ein Paradigmen-Schema an die Hand, das ihm hilft, sich im Gestrüpp widersprüchlicher Terminologien und Lehrmeinungen zurecht zu finden, die Grenzen ökonomischer Theorien zu erkennen und kritisch zu beurteilen und zu verstehen, weshalb ökonomische Aussagen manchmal schwer zu deuten sind. Die 2. Auflage ergänzt und vertieft diesen Ansatz insbesondere zu den Themen der Gerechtigkeit und der Arbeit. Neu ist auch ein Gastbeitrag des „Netzwerks für plurale Ökonomie e.V.“, der die in der Folge der Finanzkrise angestoßene Diskussion über die Grundlagen ökonomischen Denkens dokumentiert und reflektiert.

Kurz: Ein Buch, das jeder Erstsemesterstudent der Wirtschaftswissenschaften zum Studieneinstieg lesen sollte!

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Als ich begann, Wirtschaftswissenschaften zu studieren, war ich Arzt, hatte also das Medizinstudium bereits hinter mir. Daher hatte ich die – zugegebenermaßen naive – Erwartung, dass das Ökonomiestudium in etwa so verlaufen würde wie das Medizinstudium: dass ich also zunächst etwas über die Terminologie (die richtige Bezeichnung von Dingen und Vorgängen) lernen würde, dann darüber, woraus die Wirtschaft besteht und wie sie funktioniert, welche Störungen es gibt und wie man sie behandelt. All das, dachte ich, würde in einem in sich konsistenten Rahmen stattfinden. Es kam anders.
Christian Thielscher

2. Wirtschaft, Gerechtigkeit und Ethik

Zusammenfassung
Wie im ersten Kapitel gesehen, beziehen sich die ältesten Schriftzeugnisse zu wirtschaftlichen Themen auf die Verteilung von Gütern, insbesondere auf ihre gerechte Verteilung. In diesem Kapitel werden die Fragen von Wirtschaft, Gerechtigkeit und Ethik näher untersucht. Dazu wird
  • zunächst der Begriff der „Gerechtigkeit“ in seinem Zusammenhang mit „Wirtschaften“ in seiner historischen Entwicklung skizziert,
  • anschließend das Thema vergrößert, d. h. die Gerechtigkeit zur „Ethik“ erweitert, um
  • zuletzt das aktuelle Verständnis von „Wirtschaftsethik“ und verwandter Begriffe, z. B. „Corporate Social Responsibility“ zu besprechen.
Ich gehe dabei einen etwas ungewöhnlichen Weg, der aber den Vorteil hat, die Darstellung sehr anschaulich zu machen: ich entwickle diese Gedanken aus den antiken Autoren und skizziere, wie sie später weiter entfaltet wurden.
Christian Thielscher

3. Wirtschaft und Religion

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird das Verhältnis von Religion, Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften näher beleuchtet. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als ob in unserer weitgehend säkularisierten (weltlichen) Gesellschaft die Religion nur noch von marginaler Bedeutung wäre, erst recht im Hinblick auf ökonomische Vorgänge. Dieser Eindruck täuscht allerdings, wie sich im Verlauf des Kapitels zeigen wird; vorab mögen einige Stichworte als Belege dienen: religiöse Vorstellungen prägen nicht nur ganze Wirtschaftsstile (vgl. den „konfuzianischen“ Kapitalismus Asiens mit dem „calvinistischen“ der USA und der u. a. aus der christlichen Soziallehre entwickelten Sozialen Marktwirtschaft), sondern beeinflussen auch – vermittelt über theologisch beeinflusste Ethiken – das Handeln einzelner.
Christian Thielscher

4. Wirtschaften als „richtiges“ Handeln: Management

Zusammenfassung
In diesem Kapitel geht es um ein ebenfalls altes Paradigma der Wirtschaftswissenschaft, nämlich die Theorie vom „richtigen“ Handeln. Dabei wird das Wort „richtig“ hier verstanden im Sinne von „effizient“ bzw. „geeignet, ein bestimmtes, ökonomisch geprägtes Ziel zu erreichen“.
Dieses Ziel grenzt das Paradigma von der Ethik ab, die sich ja auch mit „richtigen“ Handeln beschäftigt, allerdings allgemeine Regeln dafür sucht, was richtig im Sinne von „gut“ ist. Bei der Ethik geht es also darum, was immer und unter allen Umständen „richtig“ ist, während die wirtschaftswissenschaftliche Theorie das richtige Handeln für ein vorgegebenes Ziel („10 % Umsatzsteigerung“) untersucht. Bei gemeinnützigen Organisationen, die einem moralischen Ziel verpflichtet sind (z. B. Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft), besteht eine Überlappung.
„Management“ kann sich dabei auf einzelne Unternehmen beziehen (in diesem Sinne wird das Wort meist verwendet), aber man kann natürlich auch ganze Staaten „managen“.
Christian Thielscher

5. Wirtschaft und Staat

Zusammenfassung
Das Nachdenken über „Wirtschaft“ kann sich auch beziehen auf die „Wirtschaft“ eines Staates. Es sind im Wesentlichen zwei Fragen, die in diesem Zusammenhang interessieren:
1.
Wie sieht die Wirtschaftsverfassung als Teil der Staatsverfassung aus?
Eine Verfassung regelt Grundlagen des Staatsaufbaus, das Verhältnis des Staates seinen Normunterworfenen gegenüber und deren wichtigste Rechte und Pflichten. Ein wesentlicher Teil dieser Regelungen betrifft wirtschaftliche Vorgänge (zur Diskussion des Begriffs „wirtschaftlich“ s. im Einleitungskapitel). Ein Beispiel ist die Wirtschaftsordnung: sollen wirtschaftliche Vorgänge zentral geplant werden (wie in der früheren DDR) oder den Marktkräften überlassen werden?
 
2.
Welche Aufgaben übernehmen der Staat und andere öffentliche Einrichtungen (z. B. die Sozialversicherung) und wie finanzieren sie sich? Je nach Verfassung können öffentliche Einrichtungen mehr oder weniger Aufgaben übernehmen; dafür benötigen sie finanzielle Mittel, die auf verschiedene Weise erhoben und unterschiedlich effizient eingesetzt werden können. Welche Vorgehensweise ist optimal? – Letzteres wird auch „Finanzwissenschaft“ genannt.
 
Christian Thielscher

6. Wirtschaftliche Techniken, Pragmatiken und Spezialanalysen

Zusammenfassung
Eine Wirtschaftslehre kann sich auch mit wirtschaftlichen Techniken und Pragmatiken beschäftigen. Unter diesen „Techniken“ werden hier Methoden und Instrumente verstanden, die spezifisch für die kaufmännische oder volkswirtschaftliche Tätigkeit entwickelt wurden, aber nicht in eine umfassende Theorie eingebettet sind, also z. B. kaufmännische Buchführung, Rechnungswesen, Investitionsrechnung, oder auch volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Pensionsberechnungen (Aktuarwissenschaft), usw. „Pragmatiken“ sind weitgehend theoriefreie Instrumente, z. B. Veröffentlichungen und Datensammlungen zu Börsenkursen. Spezialanalysen beziehen sich auf besondere Einzelthemen, z. B. die Finanzkrise, für die keine geeignete Basistheorie vorliegt.
Man kann sich fragen, ob sie nicht dem Paradigma des „richtigen Handelns“ angehören. Der Unterschied besteht einerseits darin, dass eine Managementlehre ja den Anspruch hat, eine Gesamttheorie anzubieten, was für die hier besprochenen Instrumente nicht gilt. Außerdem dient das „richtige Handeln“ eher der Zieldefinition und -erreichung, definiert also den (Gesamt-)Zweck (und, wie im PDCA-Zyklus, ein dazu gehörendes formales Vorgehen); die hier zusammengefaßten Techniken und Pragmatiken sind eher Mittel zum Zweck, also „Werkzeuge“. Ähnliches gilt z. B. für Techniken der Steuererhebung und -verwendung, soweit sie finanzwissenschaftlichen Zielen dienen.
Christian Thielscher

7. Ökonomische Klassik, Neoklassik und Makroökonomie

Zusammenfassung
In diesem Kapitel geht es um die einflussreichste Strömung der aktuellen Volkswirtschaftslehre, nämlich die „Neoklassik“. Studierenden der Wirtschaftswissenschaften begegnet sie insbesondere in der Form der „Mikroökonomik“, aber auch allen anderen „mikroökonomisch fundierten“ Zweigen der Wirtschaftswissenschaften. Zunächst werde ich erläutern, was unter „Klassik“ zu verstehen ist, anschließend wird die darauf ausbauende „Neoklassik“ vorgestellt und diskutiert. Die Makroökonomie schließt das Kapitel ab – sie wird manchmal als Fortsetzung der Neoklassik, manchmal als Gegenentwurf verstanden.
Christian Thielscher

8. Die historischen Schulen und die Neue Institutionenökonomie

Zusammenfassung
Die meisten Nationalökonomen bzw. volkswirtschaftlich tätigen Wissenschaftler rechnen sich heute dem neoklassischen Paradigma zu; daneben gab und gibt es aber auch Wissenschaftler, die versuchen, darüber hinaus zu gehen und die Schwächen der Neoklassik zu überwinden. Sie sind Gegenstand des folgenden Kapitels.
Christian Thielscher

9. Wirtschaftswissenschaften und Nachbardisziplinen

Zusammenfassung
Während in den letzten Kapiteln Paradigmen der Wirtschaftswissenschaften im engeren Sinne besprochen wurden, geht es in diesem Kapitel um Wissenschaften, die sich an der Grenze zwischen Ökonomie und anderen Wissenschaften befinden. Exemplarisch werden drei herausgegriffen: Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsinformatik – und ihre Logik im Vergleich mit der Logik der Ökonomie.
Christian Thielscher

10. Ausblick: Was zu verbessern wäre

Zusammenfassung
In den bisherigen Kapiteln wurden verschiedene wirtschaftswissenschaftliche Paradigmen besprochen, wie sie sich heute darstellen. Dabei konnte man bereits einige Probleme erkennen. Einige davon sind unlösbar, andere nicht; für sie wurden Lösungsansätze skizziert. In diesem, abschließenden Kapitel werden sie noch einmal kurz zusammengefasst.
Christian Thielscher

11. Gastbeitrag: Plurale Ökonomik – eine kurze Einführung

Zusammenfassung
Immer mehr Menschen fragen sich, ob die vorherrschende Wirtschaftswissenschaft Teil der Lösung oder nicht sogar ein Teil des Problems ist. Angesichts von Klimakrise, steigendem Ressourcenverbrauch und vertiefter globaler Ungleichheit, scheint die Fokussierung der sogenannten „Mainstream-“ oder „Standard-Ökonomik“ auf Wachstum, Marktfreiheiten und Effizienz zunehmend realitätsfern. Diese theoretische Verengung steht in eklatantem Widerspruch zu der Vielfalt an Forschungsparadigmen, welche die Wirtschaftswissenschaft in Gänze zu bieten hat. Das „Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese vielfältigen ökonomischen Ansätze im deutschsprachigen Raum zu fördern. Der Beitrag fasst die zentralen Kritikpunkte der Bewegung zusammen und zeigt neue Wege für eine zukunftsfähige Wirtschafswissenschaft auf.
Dominik Piétron, Laura Porak, Sebastian Thieme

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