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2024 | Buch

Wissensmanagement in modernen Organisationen

Impulse aus der Forschung und Erkenntnisse aus der Praxis

herausgegeben von: Florian Offergelt, Sebastian Hofreiter, Thomas Steiner

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Wissen ist einer der zentralen Erfolgsfaktoren für Organisationen. Insbesondere die Digitalisierung hat den Prozess der Wissensgenerierung sowie die Weitergabe von Wissen in Unternehmen massiv verändert. Dieses Fachbuch gibt Einblick in das Management von Wissen in modernen Organisationen, die mit der Anpassung an die neue Arbeitswelt konfrontiert sind und einen bestmöglichen Einsatz von Wissen suchen.
Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen diskutieren auf Basis neuster Forschungserkenntnisse sowie eigener Praxiserfahrungen unterschiedliche Gesichtspunkte des Wissensmanagements und geben Empfehlungen, wie dieses in modernen Organisationen behandelt werden sollte. Ein Buch für Verantwortliche in Unternehmen, die Inspiration für die Gestaltung von Wissensprozessen im eigenen Unternehmen suchen.
Der Inhalt• Wissen, dessen Bedeutung und Austausch in Organisationen • Verzerrungen in der Bewertung, Verarbeitung und Weitergabe von Wissen• Weitergabe und Zurückhaltung von Wissen: Treiber und Hindernisse• Vorteile, Nachteile, Motive und Lösungen für Knowledge Hiding • Die Rolle von Wissen in Kreativitäts- und Innovationsprozessen• Wissen und Antifragilität• Rolle von KI bei der Wissensvermittlung• Berichte und Impulse aus der Praxis


Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Informationen, Daten, Wissen – die Bedeutung von Wissen in modernen Organisationen
Zusammenfassung
Dieses Buch beleuchtet die entscheidende Rolle des Wissensmanagements in modernen Organisationen. Im Mittelpunkt steht die These, dass Wissen für Organisationen in Situationen von Risiko und knappen Ressourcen nicht nur als Selbstzweck, sondern als strategische Komponente unverzichtbar ist. Wir betrachten Organisationen als „Entscheidungsfabriken“, in denen Daten, Informationen und schließlich Wissen kombiniert werden, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Das Buch beleuchtet, wie das Wissensmanagement von Organisationen in den vergangenen Jahren beispielsweise durch digitale Entwicklungen und dynamische Karrierepfade zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Ziel ist es, ein Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Wissen zu schaffen. Dazu werden sowohl theoretische Grundlagen als auch konkrete Unternehmensbeispiele vorgestellt, die praktische Impulse vermitteln. Das Buch ist wie folgt aufgebaut: Es beginnt mit der Bedeutung der Organisationsdiagnose, gefolgt von Beiträgen zu Themen Wissensweitergabe, Kreativität und Innovation, dem bewussten Zurückhalten von Wissen und der Rolle der Künstlichen Intelligenz im Wissensmanagement. Im zweiten Teil des Buches stehen Praxisbeispiele im Mittelpunkt. Diese reichen von Start-ups bis zu etablierten Unternehmen und behandeln Themen wie den Einfluss von KI auf den Wissenstransfer und den Wissensweitergabeprozess im Nachfolgemanagement. Dieses Buch ist eine wesentliche Ressource für Führungskräfte und wissenschaftlich interessierte Praktiker*innen, die die Bedeutung von Wissen in der heutigen Geschäfts- und Organisationslandschaft verstehen und den gewinnbringenden Vorteil guten Wissensmanagements nutzen möchten. Es bietet tiefe Einblicke und praktische Strategien für effektives Wissensmanagement, um Organisationen erfolgreich durch eine sich ständig verändernde Welt zu navigieren.
Florian Offergelt, Sebastian Hofreiter, Thomas Steiner

Impulse aus der Forschung

Frontmatter
2. Wissensmanagement in Organisationen: Diagnose des Status quo und Gestaltung des Umgangs mit Wissen
Zusammenfassung
Eine Organisationsdiagnose im Bereich Wissensmanagement ist von großer Bedeutung, um das komplexe und einzigartige Wissen einer Organisation und ihrer Mitglieder zu erfassen und effektive Maßnahmen zur Verbesserung des Umgangs mit diesem Wissen zu implementieren. Gutes Wissensmanagement bietet viele Vorteile, wie etwa bessere Entscheidungsfindung, Effizienzsteigerung und verbesserte Zusammenarbeit, während unzureichendes Wissensmanagement zu Fehlern, Wissensverlust und schlechter Zusammenarbeit führt. Eine fundierte Organisationsdiagnose im Wissensmanagement erfordert die Erhebung des aktuellen Status quo, die Identifikation von vorhandenem Wissen und Prozessen sowie die Berücksichtigung des Nachfolgemanagements, um Wissensabfluss zu vermeiden. Dieses Kapitel erläutert das Vorgehen und die relevantesten Punkte einer Organisationsdiagnose mit Fokus auf das Wissensmanagement und liefert Rahmenlinien und Prinzipien für das Wissensmanagement.
Florian Offergelt, Sebastian Hofreiter, Thomas Steiner
3. Treiber und Barrieren der Wissensweitergabe in Organisationen: eine Darstellung und Abgrenzung bekannter Phänomene
Zusammenfassung
Wissensmanagement ist eines der wichtigsten Managementthemen, mit denen der Erfolg oder Misserfolg von Projekten, Teams oder ganzen Organisationen einhergehen kann. Schlechtes Wissensmanagement verursacht in Unternehmen weltweit jährlich Milliarden an Kosten und führt zum Verlust zahlreicher Mitarbeitender und Fachkräfte. Dieser Beitrag betrachtet ausgewählte Treiber und Barrieren der Wissensweitergabe und gibt einen Einblick in deren aktuellen Stand der Forschung. Als bekannter und positiver Treiber wird das Phänomen des Knowledge Sharing (Weitergabe und Teilen von Wissen) genauer betrachtet. Auf Seite der Barrieren beschäftigt sich der Beitrag mit zwei in der Praxis noch unbekannten Phänomenen des destruktiven Wissensmanagements, dem Knowledge Hiding (das absichtliche Zurückhalten von angefragtem Wissen) und der Knowledge Sabotage (Wissenssabotage – das bewusste Bereitstellen von falschen oder gefälschten Informationen). Neben neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft wird auch ein in der Praxis weit verbreitetes Missverständnis hinsichtlich des Wissensmanagements in Organisationen ausgeräumt. Abschließend werden verschiedenen Handlungsempfehlungen und Maßnahmen präsentiert, die Organisationen und Führungskräften dabei helfen können, ihr Wissensmanagement zu verbessern.
Florian Offergelt
4. Wann ist zu wenig zu viel? Die Rolle von Wissen in Kreativitätsprozessen
Zusammenfassung
Kreativität ist ein komplexes Konstrukt, das sowohl Originalität als auch Effektivität erfordert. Ebenso komplex ist der Einfluss von Wissen auf den kreativen Prozess. Allgemeines Wissen und spezifisches Fachwissen spielen je nach Kreativitätsbereich eine unterschiedliche Rolle. Beim kreativen Denken beispielsweise kann bereichsspezifisches Wissen helfen, nützliche Ideen zu generieren, während indirektes, bereichsübergreifendes Wissen zu originelleren Ideen führen kann. Generell fördert der Wissensaustausch innerhalb von Teams und Organisationen die Kreativität, muss aber in Menge und Art richtig dosiert werden. Ein umfassendes Wissensmanagement ist daher wichtig für die Maximierung des kreativen Potenzials, wobei immer das Ziel des kreativen Prozesses (z. B. die Generierung neuer Ideen), das Umfeld und die Zusammensetzung des Teams zu berücksichtigen sind.
Sebastian Hofreiter
5. Sei schlau, stell dich dumm? Über die Vor- und Nachteile des Verbergens von Wissen im Arbeitsleben
Zusammenfassung
Um auf ständige Veränderungen und immer neue Krisen reagieren zu können, müssen sich Organisationen darauf verlassen, dass ihre Mitarbeitenden ihr Wissen austauschen und nicht zurückhalten. Jedoch verbergen Mitarbeitende immer wieder bewusst ihr Wissen voreinander, ein Phänomen, das als Knowledge Hiding bezeichnet wird. In einer Arbeitswelt, in der „Wissen gleich Macht“ ist, hat Knowledge Hiding weitreichende negative Konsequenzen, sowohl für Organisationen als auch für einzelne Mitarbeitende, die ihr Wissen verbergen oder vor denen Wissen verborgen wird. Dennoch ist Knowledge Hiding kein seltenes Phänomen, was nahelegt, dass Knowledge Hiding zumindest in bestimmten Situationen auch Vorteile für die verbergende Person mit sich bringen oder schlicht eine Notwendigkeit darstellen kann. Dieser Beitrag bietet eine Übersicht über Forschungserkenntnisse zu den Vor- und Nachteilen von Knowledge Hiding und zeigt auf, dass den (kurzfristigen) Vorteilen von Knowledge Hiding mehr Beachtung geschenkt werden muss, um langfristige negative Konsequenzen vermeiden zu können.
Laura Venz
6. Unlocking the Non-sharing Behavior of Knowledge: A Case of SKARP (Sharing Knowledge and Research as Pleasure)
Abstract
Despite the importance of fostering knowledge-sharing among employees, its effectiveness is frequently contingent on dispositional values, employee relations, group characteristics, and organizational culture. In this instance, I discuss a case of SKARP (Sharing Knowledge and Research with Pleasure), set in the context of academics, which is propelled by a group of individuals who share knowledge unconditionally, resulting in greater outcomes for individuals.
Amitabh Anand
7. Verzerrungen in der Bewertung, Verarbeitung und Weitergabe von Wissen
Zusammenfassung
Menschen haben evolutionär das Bedürfnis, Kontrolle und Vorhersagbarkeit über sich selbst und ihre Umwelt zu erlangen, um auf absehbare Ereignisse gut vorbereitet zu sein. Der Erwerb von Wissen ist eine Möglichkeit, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Das Gefühl von subjektiver Ungewissheit wird deshalb als aversiv erlebt. Evolutionär haben sich aber auch Mechanismen verzerrter Bewertung, Verarbeitung und Weitergabe entwickelt, die eher das subjektive Gefühl von Kontrolle verbessern, als dass sie zu wirklichem Wissen beitragen. Das vorliegende Kapitel befasst sich daher mit Motiven zum Erwerb von verzerrtem Wissen. Es bietet Erklärungen für die Selektion einseitiger oder selbstwertdienlicher Inhalte in der Informationsverarbeitung durch Zwei-Prozess-Theorien. Es werden verzerrte Bewertungen des eigenen Kenntnisstandes dargestellt. Ein weiterer Fokus dieses Kapitels liegt zudem auf der Beschreibung von Effekten bei der Weitergabe von Wissen. Es werden Fehleinschätzungen auch in der Bewertung des Kenntnisstandes von Gesprächspartnern erläutert und auf selbstbeschränkende normative Phänomene der Wissensvermittlung wie dem Hidden Profile bei Gruppenentscheidungen eingegangen.
Roland Quabis
8. „Ich hatte gute Gründe dafür!“ Motive für Knowledge Hidding in Organisationen
Zusammenfassung
Die negativen Auswirkungen von Knowledge Hiding sind vielfach beschrieben. Wir wissen jedoch wenig darüber, warum Mitarbeitende ihr Wissen bewusst und absichtlich vor ihren Kolleg*innen verbergen. Doch nur, wenn wir die Gründe besser verstehen, kann Knowledge Hiding wirkungsvoll verhindert werden. Dieser Forschungsbeitrag liefert neue Einblicke in die Gründe für das Zurückhalten von Wissen. Wir beschreiben zwölf Gründe für Knowledge Hiding, die sich grob in drei Kategorien einordnen lassen: kalkulatorische Motive, normative Motive und reaktive Motive. Im Gegensatz zur bisherigen Diskussion, die den „Täter“ als misstrauisch und egoistisch beschreibt, haben Organisationsklima, soziale Normen und in der Organisation geprägte Überzeugungen über Wissen eine große Wichtigkeit. Wir beschreiben die besondere Rolle der Führungskraft bei der Entstehung von Knowledge Hiding und wie sie Knowledge Hiding wirkungsvoll verhindern kann.
Kristin Knipfer, Sebastian Mangold
9. Die Dualität von Kundenwissen
Zusammenfassung
Kundenwissen ist ein Begriff, welcher in der Literatur in verschiedenen Kontexten und Definitionen verwendet wird. Dieser Beitrag schlägt das Modell Dualität von Kundenwissen vor. Das Modell wird anhand von bestehender Literatur abgeleitet und beleuchtet Kundenwissen aus zwei Perspektiven: (1) Wissen über KundInnen, welches inhärent in Unternehmen ist und (2) konsumrelevantes Wissen, welches inhärent in KundInnen ist. Sowohl für Unternehmen als auch für KundInnen bedeutet Wissen im Konsumkontext enorme Vorteile. Zudem wird das duale Modell im Bereich der Konsumentenpsychologie anhand von Heuristiken dargestellt. So werden beispielsweise vermeintlich rationale Kaufentscheidungen nicht rein über einen objektiven Wissensstand evaluiert, sondern sind oft durch subjektive Biases verzerrt. Zusätzlich zu theoretischen Grundlagen wird auch auf Beispiele aus der Praxis eingegangen.
Lukas Stein, Moritz Steinwender
10. Relationale Modelle und Wissensaustausch in Organisationen
Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag hat zum Ziel, die sozial-kognitiven Grundlagen von Wissensaustausch am Arbeitsplatz aus dem Blickwinkel der Theorie der relationalen Modelle (Fiske, 1992) zu beleuchten. Hierzu wird zunächst Fiskes Theorie der relationalen Modelle und ihre Bedeutung für kooperatives Verhalten am Arbeitsplatz vorgestellt. Im Anschluss werden verschiedene Effekte von relationalen Modellen auf das Teilen und auch auf das intentionale Verbergen von Wissen am Arbeitsplatz auf theoretischer Ebene skizziert und vor dem Hintergrund erster empirischer Ergebnisse diskutiert. Hierbei wird einerseits auf Haupteffekte der verschiedenen relationalen Modelle auf Wissensaustausch am Arbeitsplatz eingegangen, andererseits auf die Effekte, die ein Fit (vs. Misfit) von relationalen Modellen bei Interaktionspartnern auf das Teilen und Verbergen von Wissen haben kann. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf zukünftige Forschung und Empfehlungen, wie sich ein Verständnis der kognitiven Grundlagen sozialer Interaktion nutzen lässt, um Wissensaustausch in Organisationen zu fördern.
Johannes F. W. Arendt
11. Wissen in unsicheren Zeiten – von Antifragilität profitieren
Zusammenfassung
Die Welt, in der Organisationen in der Moderne operieren, hat sich aufgrund verschiedener Faktoren deutlich gewandelt, wenn man in der Historie zurückblickt. Es waren einst mechanische Errungenschaften, die Mobilität, Produktion und den gesellschaftlichen Fortschritt beschleunigt haben. Heute sind es Technologisierung und Digitalisierung, welche maßgeblich die Entwicklungen innerhalb und außerhalb von Unternehmen vorantreiben. Dies geschieht in immer schnelleren und kürzeren Zyklen, sodass lange Planungsphasen die erfolgreiche Ideenumsetzung beschränken, da sich in dieser Zeit neue Entwicklungen und Bedingungen herausbilden.
Außerdem kommen aufgrund der Globalisierung, der nationalen wie multinationalen Herausforderungen und politischer Entwicklungen weitere Stressoren für Organisationen hinzu, die sich als Krisen begreifen lassen. Solch eine Umwelt ist geprägt durch Unsicherheit und fordert von sozialen Systemen, so wie es Organisationen nun einmal sind, erhebliche Anpassungsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft ab. Gelingt es nicht, dies zu meistern, so kann es negative Konsequenzen hervorrufen, welche bis zum organisationalen Niedergang reichen.
Jetzt könnte man mit bloßem Blick auf die Umwelt und der innewohnenden Unsicherheit den Eindruck gewinnen, dass diese vor allem negativ zu deuten sind. Nassim N. Taleb (2012) stellt diesem Gedanken jedoch mit Antifragilität ein Konzept entgegen, welches in solchen Szenarien in der Lage ist, sich positiv zu entwickeln. Antifragile Systeme können von Unsicherheit, Ungewissheit und Zufälligkeit profitieren. Hohe Inflationsraten, Fachkräftemangel oder Verwerfungen in den internationalen Lieferketten sind auch für Organisationen erhebliche Stressoren, jedoch können sie durch gewisse Strukturen, Prozesse, Denk- und Handlungsweisen davon profitieren.
Dieser Beitrag wird sich mit Faktoren beschäftigen, welche die Fähigkeit der Anpassung und Veränderung in modernen Organisationen beeinflussen. In diesem Kontext wird die Rolle von Wissen und Digitalisierung als Katalysator behandelt. Daneben liefern wir praxisnahe Impulse für Entscheiderinnen und Entscheider, um Antifragilität in ihren eigenen Organisationen zu fördern.
Thomas H. Steiner, Christian Hager
12. Menschliche und künstliche Intelligenz im Wissensmanagement: eine Reflexion auf Basis von Daten, Information, Wissen und Weisheit
Zusammenfassung
Digital verfügbares Wissen erfordert den Prozess des Wissensmanagements digital auszurichten. Eine solitäre Betrachtung von menschlichem Wissen und Wissen einer künstlichen Intelligenz reduziert die Möglichkeiten, die eine effektive Nutzung von Wissen mit sich bringen kann. Menschliche Intelligenz hat dabei noch einen hohen Stellenwert, wobei künstliche Intelligenz ein potenziell geeignetes Werkzeug zur digitalen Optimierung ist. In diesem Buchkapitel werden das Zusammenspiel zwischen Menschen und Maschine im Rahmen des Wissensmanagements beleuchtet, Möglichkeiten aufgezeigt sowie Chancen und Risiken der Interaktion betrachtet. Zentrale Begriffe wie Daten, Information, Wissen, Weisheit dienen als Strukturierungshilfe. Die Quantität der Daten kann von einer künstlichen Intelligenz verarbeitet werden, wohingegen sie den Menschen überfordern kann. In den Kontext gebracht und kategorisiert, wird eine Datenbasis zu einer Information. Die Verarbeitung ist eine Chance, dass menschliche und künstliche Intelligenzen wertschöpfend kooperieren. Bei Weisheit werden über Muster und Zusammenhänge hinaus Handlungsprinzipien entwickelt, die eine Handlungsorientierung im Gegensatz zu Wissen integrieren. Künstliche Intelligenzen können den Rahmen für Weisheit beim Menschen gestalten, jedoch kann künstlichen Intelligenzen keine Weisheit zugesprochen werden. Wir beleuchten darüber hinaus die ethischen und moralischen Faktoren im Wissensmanagement, die es bei einer Zusammenarbeit von Menschen und künstlichen Intelligenzen zu beachten gilt. Klassische Wissensmanagementsysteme, die von Menschen verwaltet werden, können sich im Rahmen der Entwicklung künstlicher Intelligenzen als hinfällig gestalten. Unser Ziel ist es aufzuzeigen, dass Wissensmanagement von Menschen und künstlichen Intelligenzen durchaus genutzt werden kann, um eine effektive und zukunftsorientierte Informationsverarbeitung zu ermöglichen.
Sabrina Renz, Jeanette Kalimeris, Matthias Spörrle

Erkenntnisse aus der Praxis

Frontmatter
13. Influencing for Good – Generieren und Evaluieren von Wissen durch einen kreativen und kollaborativen Produktentwicklungsansatz
Zusammenfassung
Die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels, die stetig voranschreitende Digitalisierung sowie die finanziellen Auswirkungen der rasant ansteigenden Inflation stellen Organisationen vor große Herausforderungen. Zur Bearbeitung dieser Herausforderungen ist es wichtig, dass der Mensch und die akute Veränderung seiner Lebensbedürfnisse, ausgelöst durch die oben genannten Ereignisse, im Mittelpunkt stehen. Im vorliegenden praxisnahen Beitrag wird aufgezeigt, wie zukunftsfähige Geschäftsmodelle durch kreative Wissensvermittlung und gezielte Kundenintegration bereits während des Produktentwicklungsprozesses durch eine methodische Rekombination der Design-Thinking-Methode und des Co-Design-Prozesses entstehen können.
Bertram List
14. Wissensweitergabe in einer stark wachsenden Organisation – die ZAWI-Treuhand Steuerberatungsgesellschaft als Praxisbeispiel
Zusammenfassung
Die ZAWI-Treuhand Steuerberatungsgesellschaft ist eine mittelständische Steuerkanzlei mit ihrem Hauptstandort in Rain am Lech und einer Niederlassung in Neuburg an der Donau.
Von anfänglich drei Mitarbeitern hat sich die ZAWI-Treuhand Steuerberatungsgesellschaft zu einer der modernsten und wachstumsstärksten Steuerkanzleien in der Region mit über 70 Mitarbeitern entwickelt.
Zunächst stellen wir unser Verhaltensleitbild vor, welches die Leitlinien unserer Steuerkanzlei vorgibt. Unsere Mitarbeiter werden hierdurch in ihrem rechtlichen und ethischen Umgang miteinander unterstützt. Unsere gemeinsamen Werte, an denen sich unsere Mitarbeiter orientieren, stellen zudem einen zentralen Erfolgsfaktor für die Wissensweitergabe in unserer Kanzlei dar.
Ferner beleuchten wir in unserem Beitrag, wie wir als stark wachsende Organisation eine effiziente und kontinuierliche Wissensweitergabe umsetzen. Hierzu geben wir praxisrelevante Einblicke in unsere bereits implementierten Maßnahmen. Ebenso zeigen wir weitere Konzepte und Ziele auf, die wir aufgrund unseres enormen Wachstums in Zukunft verfolgen.
Sascha Kapfer, Jennifer Heckl, Verena Sailer
15. Was macht erfolgreiches Verhalten in Firmen aus? Wie mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) implizite Verhaltensweisen messbar und nutzbar gemacht werden
Zusammenfassung
Mehr als 100.000 € werden im Schnitt in Weiterbildungen für Vertriebsmitarbeiter im Hightechbereich investiert (Attia et al., 2021). Die Schulungsmaßnahmen umfassen neben Produktschulungen auch nichttechnische, z. B. zwischenmenschliche Fähigkeiten. Das Ziel der meisten Schulungen ist ähnlich: Wissen vermitteln und Fähigkeiten auf- oder ausbauen. Die Wissensinhalte werden dabei oft von Experten oder Mitarbeitern gemeinsam erarbeitet, um anschließend in Trainingskonzepte übersetzt zu werden. Während die zu lernenden Inhalte meist klar und logisch zu beschreiben sind, besteht die Herausforderung zum einen in der Erfassung und Weitergabe des Expertenwissens in klare messbare Einheiten und zum anderen in der Beurteilung des wiedergegebenen Wissens der Lernenden. In anderen Worten: Das, was für Experten intuitiv, implizit und schwer artikulierbar erscheint, in transferierbares und greifbares Wissen zu verwandeln, um den Lernenden bestmögliches Feedback auf Basis seines gezeigten Verhaltens zu geben.
Das skizzierte Beispiel bezieht sich nicht nur auf den Bereich Vertrieb. Auch im allgemeinen Kundenumgang kann die Leistung z. B. darin bestehen, erfolgreich mit verschiedenen Kundentypen oder im Management mit Mitarbeitern unterschiedlicher Kulturen (interkulturelle Kommunikation) zu kommunizieren.
In Summe ist die Weitergabe gleich aus mehreren Perspektiven problematisch. Implizites oder taktiles Wissen ist kaum dokumentierbar und somit schwer vermittelbar. Des Weiteren wird für die Vermittlung des Wissens immer der Experte selbst benötigt, was eine Skalierung erschwert und bei Verlassen des Unternehmens einen Wissensabfluss darstellt.
Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) ermöglichen dabei einen neuen Ansatz: Das Expertenwissen wird durch Beobachtung erfasst, verarbeitet und anhand des zu lernenden Wissens abgeglichen. Anstatt den Experten zu fragen, wie er beispielsweise eine Verhandlung führen würde, beobachtet man einfach das gezeigte Verhalten. Anschließend wird dieses dokumentiert, interpretiert und kann als Maßstab für alle Lernenden herangezogen werden. Da es oft mehrere Wege zum Ziel gibt, kann man damit sogar das „beste“ Verhalten aller Experten erfassen und den Lernenden mitgeben. Der Vorteil darin liegt, dass Expertenwissen hochskalierbar in die gesamte Organisation getragen werden kann und jeder individuelle Lerner die Möglichkeit hat, sein Wissen in Echtzeit abzugleichen, um schnellere Lernerfolge zu erzielen und damit besser und effizienter zu werden.
Im Folgenden wird detaillierter auf die Relevanz, die Machbarkeit und die konkrete Durchführung anhand eines Praxisbeispiels eingegangen. Der Leser erfährt, was bereits heute möglich ist und in Zukunft bald verfügbar sein wird.
Christoph Hohenberger
16. Nachfolge und Wissensweitergabe in Familienunternehmen – ein persönlicher Erfahrungsbericht
Zusammenfassung
Der Beitrag beschäftigt sich mit Familienunternehmen und deren besonderer Dynamik zwischen Familie, Unternehmen und Eigentum. Der Autor reflektiert aus eigener Erfahrung, wie ein Familienunternehmen das Leben und die Identität eines Nachfolgers prägt. Es wird betont, wie wichtig das Verständnis des „Warum“ im Unternehmertum ist und wie dies die Motivation und Innovation beeinflusst. Der Erfahrungsbericht reflektiert die Wichtigkeit einer offenen Kommunikation, um ungelöste emotionale Fragen zu klären und Konflikte in der Nachfolge und Wissensweitergabe zu vermeiden.
David Bircks
Metadaten
Titel
Wissensmanagement in modernen Organisationen
herausgegeben von
Florian Offergelt
Sebastian Hofreiter
Thomas Steiner
Copyright-Jahr
2024
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-68383-5
Print ISBN
978-3-662-68382-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-68383-5

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