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21.08.2019 | Wissensmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Wissen in der VUCA-Welt managen

Autor:
Klaus Kissel

Wissensinseln in der Organisation sind ein großes unternehmerisches Risiko. Doch wie kann Erfahrungswissen in der von rascher Veränderung geprägten VUCA-Welt weitergegeben werden? Ein Lösungsansatz von Gastautor Klaus Kissel.

Seit es Menschen gibt, erfolgte die Wissensweitergabe in mehr oder minder strukturierter Form. Doch die Wissensvermittlung wurde noch nicht als ein Managementprozess verstanden, der systematisch und zielorientiert gestaltet werden sollte. Dieses Bewusstsein entwickelte sich erst im Laufe der Industrialisierung. Dabei gewann auch die Frage an Relevanz, wie die Wissensbasis von Organisationen nicht nur gewahrt bleibt, sondern sich auch so erneuert, dass das Unternehmen auch mittel- und langfristig erfolgreich ist.

Empfehlung der Redaktion

08.05.2018 | Einführung | Ausgabe 4/2018

Wissen 4.0 – Wissensmanagement im digitalen Wandel

Der Beitrag gibt einen grundlegenden Einblick in die Veränderungen des Wissensmanagements im Zeitalter der Digitalisierung. Aus historischer Perspektive wird die Entwicklung zur "Wissensgesellschaft 4.0§ dargestellt und aufgezeigt, was dies für das zukünftige Wissensmanagement bedeutet. 

Herausforderung: Vermittlung von Erfahrungswissen

Zwei Begriffe, die der Chemiker und Philosoph Michael Polanyi prägte, wurden dabei relevant: explizites und implizites Wissen. Unter dem Begriff 'explizites Wissen' wird das Wissen subsummiert, das man unter anderem mittels Sprache, Schrift, Zeichnungen und Bildern eindeutig kodifizieren und dokumentieren kann: Faktenwissen, in Form von Berichten, Büchern, Arbeitsanweisungen oder Zeichnungen.

Der Begriff 'implizites Wissen' bezieht sich auf das Wissen, das oft als Erfahrungswissen bezeichnet wird. Dieses Wissen, meint das Können einer Person oder Organisation. Dieses Know-how lässt sich aber nicht oder nur schwer kodifizieren, dokumentieren und somit an andere Personen weitergeben. Typische Beispiele für implizites Wissen im betrieblichen Kontext sind,

  • wenn ein erfahrener Verkäufer intuitiv spürt, wie er sich bei gewissen Kunden taktisch verhalten muss, damit er einen Auftrag erhält, oder 
  • wenn einem Manager sein Bauchgefühl sagt, obwohl alle Fakten dagegen sprechen, sollte eine Chance genutzt werden, um langfristig erfolgreich zu sein

Implizites Wissen ist mit Einstellungen verknüpft

Beide Formen des Wissens sind für den Erfolg eines Unternehmens wichtig, wobei die Vermittlung impliziten Wissen komplexer ist. Seine Weitergabe setzt voraus, dass es gezielt externalisiert wird wie etwa durch die systematische Befragung der Wissensträger oder eine Analyse ihres Tuns, so dass es dokumentiert werden kann. Dafür sind dialogische Verfahren wie zum Beispiel Coaching- und Mentoring-Programme hilfreich. 

Implizites Wissen ist außer mit Erfahrungen auch mit teils durch sie bewirkte Einstellungen und Überzeugungen verknüpft. Deshalb ist bei den Personen, die sich dieses Wissen internalisieren möchten, nicht selten auch eine Einstellungs- und Verhaltensänderung nötig. Sonst entfaltet es keine Wirkung. Auch deshalb ist seine Weitergabe oft nur in dialogischen Verfahren möglich. 

Komplexität der Digitalisierung erfordert anderes Wissensmanagement

Im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung ist Arbeit komplexer geworden. Deshalb müssen Unternehmen der Vermittlung impliziten Wissens eine größere Bedeutung beimessen, wenn sie vermeiden möchten, dass in ihrer Organisation immer mehr Wissensinseln entstehen, die letztlich 

  • die hierarchie- und bereichsübergreifende oder gar unternehmensübergreifende Team- und Projektarbeit erschweren und 
  • den erforderlichen Strukturen, um schnell und flexibel beziehungsweise agil auf neue Herausforderungen zu reagieren, im Wege stehen. 

Doch das explizite Wissen veraltet in der VUCA-Welt rascher als in der Vergangenheit. Deswegen taugen alte Erfolgsrezepte für externalisiertes Wissen oft nicht mehr. Zwar lässt sich heute das explizite Wissen, da es häufig elektronisch gespeichert ist, einfacher als früher aktualisieren und organisationsweit verbreiten. Ungeachtet dessen müssen Organisationen es fortlaufend aktualisieren. Wissensmanagement ist daher ein fortlaufendes Projekt. 

Das Wissensmanagement der Vergangenheit konzentrierte sich in weitgehend stabilem Umfeld auf das Bewirtschaften vorhandenen Wissens mit starkem Fokus auf dessen Dokumentation. Das Wissensmanagement der Zukunft dagegen wird die Handlungsfähigkeit von agilen Organisationen in einer hyperkompetitiven "VUCA"-Umwelt (volatile, uncertain, complex, ambiguous) unterstützen müssen. 

So sehen es Klaus North und Ronald Maier in dem Artikel "Wissen 4.0 – Wissensmanagement im digitalen Wandel". Das Wissensmanagement müsse dem Konzept der Beidhändigkeit, der Ambidexterity folgen und sowohl aus operativer Perspektive die optimale Nutzung von Wissen für das aktuelle Geschäft sicherstellen als auch aus strategischer Perspektive das Wissen und die Lernfähigkeit für das zukünftige Geschäft entwickeln, schreiben sie auf Seite 672.

Wissensmanagement im digitalen Zeitalter - ein fortlaufenden Projekt

Daher überdenken viele Unternehmen ihr tradiertes Wissensmanagement und passen es an die Anforderungen im digitalen Zeitalter mit folgenden Leitfragen an:

  • Wie erfolgt Wissensmanagement aktuell?
  • Entspricht dies noch den Erfordernissen im digitalen Zeitalter?
  • Lassen sich die Unternehmensziele damit erreichen?
  • Wo besteht Änderungsbedarf?

Hierauf aufbauend stellen sich dann Fragen, die mit der Auftragsklärung zusammenhängen, wie:

  • Welches Wissen wird gebraucht und sollte deshalb kontinuierlich ausgebaut werden?
  • Handelt es sich hierbei um explizites oder implizites Wissen?
  • Wer sind die relevanten Wissensträger?

Sind diese Aspekte vorläufig geklärt, stellen sich Fragen wie:

  • Welche Ressourcen (Zeit, Geld, Verfahren) stehen zur Wissensidentifikation, -dokumentation, -verteilung und -weiterentwicklung zur Verfügung beziehungsweise welcher Ressourcen sind nötig? 
  • Welche strukturellen, kulturellen und motivationaler Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung, damit in der Organisation ein fluider bereichs- und funktionsübergreifender Wissensmarkt entsteht?

Auch beim Wissensmanagement Agilität bewahren

Wurden diese Leitfragen beantwortet, können erste Versuchsballons in einem iterativen Prozess gestartet werden, in den Reflexionsschleifen eingebaut sind, da die Unternehmen beziehungsweise Projektteams hierbei oft Neuland betreten. Nicht nur, weil ihnen die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie neue Möglichkeiten der Wissensidentifikation, -speicherung und -verbreitung zur Verfügung stellt. 

Mindestens ebenso relevant ist es, im Prozess- beziehungsweise Projektverlauf regelmäßig zu überprüfen: 

  • Erhebt die Organisation überhaupt das erfolgsrelevante Wissen, das gebraucht wird?
  • Konnten die relevanten Wissensträger als Mitstreiter für einen fluiden Wissensmarkt gewonnen werden?
  • Gelangt das erhobene Wissen auch zu den Mitarbeitern, die es für ihre Arbeit brauchen, und wird es von ihnen effektiv genutzt?

Diese Fragen gilt es sich im Projektverlauf immer wieder zu stellen, damit das übergeordnete Ziel erreicht wird: das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wissensmanagement (Einführung)

(Strategische Managementkonzepte)
Quelle:
Top 100 Management Tools

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wissensmanagement

Open Access, Social Networks, E-Collaboration
Quelle:
Handbuch Online-Kommunikation

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