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23.11.2018 | Wissensmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Barcamps für die vitale Organisation

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

"No Spectators, only Participants", lautet das eiserne Barcamp-Prinzip. Das Konferenzformat fordert die Bereitschaft zu Eigeninitiative und selbstreguliertem Wissensaustausch. Wie Unternehmen davon profitieren können​​​​​​​

Knapp 180 Barcamps in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind auf der Übersichtsseite Barcamp-Liste für das Jahr 2018 aufgeführt. Das Angebot ist breit gefächert. Barcamper treffen sich zum Austausch über ihre Vision der fairen Stadt, sprechen über Literatur, Digitalisierung, die VUCA-WeltHR-Themen oder über Strategien und Denkmodelle in der Agentur der Zukunft. Seit dem ersten Barcamp, vom Web 2.0-Guru Tim O'Reilly 2003 in Kalifornien noch als "Foocamp" (Friends of O'Reilly) angekündigt und organisiert, findet die offene, hierarchiefreie "Unkonferenz" ihre Anhänger unter den Vordenkern, Kreativen und Digitalisierern weltweit. Zum Barcamp kommt, wer sich thematisch involviert fühlt und etwas beizutragen hat. 

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Veranstaltungsformate

21 Veranstaltungsformate von B wie Barcamp bis Z wie Zukunftskonferenz als Überblick und Einführung vorgestellt in Charakter, Ziel, Anwendung, Teilnehmerzahl, Dauer, Methode.

Konferenz außer Kontrolle

Auch Unternehmen wagen sich zusehends an den basisdemokratischen Austausch mit Mitarbeitern und Kunden heran und veranstalten Corporate oder Business Barcamps. Seit gut zehn Jahren lässt sich die Deutsche Telekom auf den "Kontrollierten Kontrollverlust" ein. Siemens wagte sich ebenfalls an ein themenoffenes Barcamp mit rund 100 Mitarbeitern (#siebar).  Unternehmen dient das Veranstaltungsformat als Ideengenerator und zum Wissensmanagement. Dafür müssen sie allerdings ein Risko eingehen: total loslassen. Jede Einflussnahme auf Tagesordnung und Agendasetting ist tabu. Sich hinsetzen und zuschauen was passiert - wie geht das und was bringt das?

Bestimmt ist nichts als Zeit und Raum

Beim Barcamp werden die Inhalte erst vor Ort von den Konferenzteilnehmern ausgemacht. In der Regel liegt ein grundsätzliches Thema oder Motto vor. Jedes Barcamp beginnt mit der Session-Planung. In einer gemeinsamen Vorstellungsrunde erklären die Teilnehmer ihre Veranstaltungsbeiträge (Workshops, Vorträge, Diskussionsrunden) und stimmen gemeinsam über die Zusammensetzung des Programms ab. Jeder hat nun die Gelegenheit, sich den Sessions seiner Wahl anzuschließen. Eine Session dauert zwischen 30 und 45 Minuten und beginnt mit einem Problem, zu dem sich im weiteren Verlauf ausgetauscht wird. Barcamps dauern ein bis zwei Tage, in den Sozialen Netzwerken werden der Verlauf und die Ergebnisse parallel diskutiert. 

Das Barcamp seid ihr

"Es geht darum, die Teilnehmer auf affektiv-emotionaler Ebene einzubinden und sie so zu motivieren bzw. zu aktivieren", schreibt Springer-Autorin Janine Klemmt über Barcamps und frühe partizipatorische Konferenzformate (Seite 96). Die dezentralisierte Interaktionsstruktur und die Selbstregulation im System Barcamp bescheren den Teilnehmern nach Ansicht der Autorin ein hohes Maß an Vitalität, wovon wiederum die Lern- und Veränderungsbereitschaft, das kollektive Wissen und die Vernetzung im Unternehmen beflügelt werden. In ihrem Buchkapitel "Partizipation zum Prinzip erhoben", beleuchten die Springer-Autoren Frank Feldmann und Kai-Uwe Hellmann den Wertekanon von Barcamps (Seite 32):

  • Diversität: Konformität und Anpassung kommen nicht zum Zuge
  • Egalität: Der Umgang ist ahierarchisch
  • Informalität: Persönlicher Umgangston, unvermitteltes Aufeinanderzugehen
  • Inklusivität: Jeder muss sich eingeladen fühlen
  • Kreativität: Hemmschwellen des Sagbaren werden gesenkt
  • Partizipation: Immer aktives Engagement der Teilnehmer
  • Selbstorganisation: "Ihr seid das Barcamp"

In Barcamps begegnen sich Mitarbeiter und Führungskräfte auf Augenhöhe. Gemeinsam generieren sich neue Ideen, werden kreativ und setzten sich mit strittigen Themen auseinander. Corporate Barcamps packen Mitarbeiter bei ihrer Eigenverantwortung. Denn wer sich dazu aufgerufen fühlt, aus den Fragen des Unternehmens eine Session auf die Barcamp-Agenda zu bringen, demonstriert damit seine Haltung und Verbundenheit zu eben diesen Angelegenheiten des Arbeitgebers. Ob Session-Owner oder Session-Teilnehmer, in Barcamps entscheiden die Mitarbeiter - und sonst niemand - wie sie sich einbringen und was sie erfahren wollen. 

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

05.02.2018 | Aktuelles | Ausgabe 1/2018

BarCamps und frühere partizipatorische Konferenzformate

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Partizipation zum Prinzip erhoben

Barcamps: ein vergleichsweise neues Veranstaltungsformat
Quelle:
Neue Konzepte für einprägsame Events

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Digitale, virtuelle und hybride Konferenzformate

Die Welt der DigitalisierungDigitalisierung in der Veranstaltungslandschaft
Quelle:
Praxishandbuch Kongress-, Tagungs- und Konferenzmanagement

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