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Über dieses Buch

​Die digitale Transformation ist aus der aktuellen Wirtschaftspolitik nicht mehr wegzudenken. Breitbandausbau, 5G-Netz, Wandel des Schulunterrichts und das „Internet der Dinge“ sind nur ein paar Beispiele aus einer Gruppe von Themen, die eng mit der Digitalisierung verflochten sind. Gleichermaßen besteht bisher wenig Zweifel daran, dass die Anforderungen an die Kompetenzen und Ausbildung der Beschäftigten steigen werden. Bei all dem ist in der Debatte nicht immer ersichtlich, dass es sich bei diesen Formationen um ein ganzes Bündel von Entwicklungen handelt. Viele von ihnen – etwa das Internet als Kommunikations- und Vertriebskanal und der Aufstieg von Daten zur ökonomischen Ressource – stellen zweifellos neue Phänomene dar.

Gleichzeitig sind diese aktuellen Vorgänge mit sehr alten Prozessen verwoben. Die wissensbasierte Wirtschaft, die herausragende Rolle von Forschung und Entwicklung, die Verschiebung der Wertschöpfung in Richtung Dienstleistung und das steigende Anforderungsniveau an die Beschäftigten sind Phänomene, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts nachweisen lassen und das wirtschaftliche Gesicht der industrialisierten Staaten seit langem formen. Diese Vermischung von Neuem und Altem, die mit Macht die entwickelten Volkswirtschaften herausfordert und – so jedenfalls die immer wieder zu hörende Befürchtung – kaum einen Stein auf dem anderen lassen wird, verkompliziert die Debatte. Im vorliegenden Band werden erstmals Perspektiven der Wirtschaftsgeschichte, der Soziologie, der Wirtschaftswissenschaften und des Maschinenbaus zusammengebracht, um dieser Frage nachzugehen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Wissen, Wissensbasierte Ökonomie, Wissensgesellschaft: Einleitung

Zusammenfassung
Deutschland und Europa sehen sich durch einen globalen Innovationswettbewerb herausgefordert, der mit hoher Schlagkraft von US-amerikanischen Unternehmen und chinesischen (Staats-)konzernen in Zukunftsmärkten wie z. B. dem „mobile-supercomputing“, der künstlichen Intelligenz, der Robotik und autonomen Systemen vorangetrieben wird. Möglicherweise bedarf es erheblicher wirtschaftspolitischer Anstrengungen, um die notwendige Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in politischen, sozialen und rechtlichen Systemen gilt es darüber hinaus, unter Wahrung demokratischer Werte, Persönlichkeitsrechte und sozialstaatlicher Prinzipien eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu entwickeln, die die Stärken Deutschlands und Europas nutzt und weiterentwickelt.
Yaman Kouli, Peter Pawlowsky, Markus Hertwig

Cliometrics and the Evolution of Human Capital

Abstract
Human capital has been seen to be a key factor for current and future economic growth. In a broader sense, it appears that we are moving towards a knowledge economy driven by human capital, technological progress and digitalization. However, although this evolution may be a new trend, similar developments have occurred in history before. In line with this reasoning, the scholarly field of cliometrics has received ever more attention during the last years. In consequence, this paper presents the foundations of cliometrics, and provides insights into the basic conceptual framework and evolution of human capital during the last centuries.
Claude Diebolt, Roger Fouquet, Ralph Hippe

Reines Wasser – die wissenschaftliche Genese und ökonomische Realisierung von Umkehrosmose-Filtrationstechnologien. Eine historische Fallanalyse

Zusammenfassung
Ziel des Beitrages ist, anhand des Beispiels der Mikrofiltrationstechnologie die Genese von einer Hochtechnologie zu einer Alltagstechnologie über die im Markt erfolgreichen Artefakte und deren Rückwirkung auf die sie produzierenden Unternehmen nachzuzeichnen. Dabei handelt es sich um ein zunächst für die Raumfahrt entwickeltes Verfahren, das mutatis mutandis seinen Weg in den zivilen Markt fand. Ermöglicht wurde diese Diffusion nicht durch die chemische Industrie oder die akademische Forschung, aus deren Grundlagenforschung und Produktentwicklung gegen Ende der 1960er Jahre ein marktfähiges Produkt entstanden war.
Thomas Schuetz

Die unsichtbare Volkswirtschaft. Die Verhandlungen um eine Schweizer Produktionsstatistik 1920–1982

Zusammenfassung
Die Schweiz passte ihre nationale Buchhaltung vergleichsweise spät an internationale Standards an, als sie 1997 die europäische Version des System of National Accounts einführte. Grund für die verzögerte Übernahme des standardisierten Kontensystems war neben Problemen bei der einkommens- und ausgabenseitigen Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) das Fehlen einer amtlichen Produktionsstatistik zur Bestimmung des BIP nach Entstehungsart. Diese wurde erst zum Ende der 1970er Jahren eingeführt, als die Wirtschaft nach rund sechzig Jahren ihren Widerstand gegen eine obligatorische Auskunftspflicht zur industriellen und gewerblichen Produktion aufgab. Die späte Einführung einer amtlichen Produktionsstatistik in der Schweiz wurde bislang in der impliziten Perspektive einer verhinderten Modernisierung historiografisch erforscht. Die Frage aber, wie eine obligatorische Erhebung von produktionsstatistischen Daten letztlich durchgesetzt werden konnte und welche Rolle die Wissenschaft dabei spielte, fand bislang wenig Beachtung. Eine Analyse der Verhandlungen der Wirtschaftswissenschaften, der Bundesbehörden und der Wirtschaft zur Einführung einer Produktionsstatistik einerseits und der Beteiligung namhafter Schweizer Unternehmer an der Gründung des Instituts für Wirtschaftsforschung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule andererseits zeigt, dass die Akzeptanz einer obligatorischen Produktionsstatistik in einem diskontinuierlichen und normativen Anpassungsprozess erfolgte. Im Zuge dieses Prozesses etablierten sich die Exponenten der Wirtschaftswissenschaften zunehmend als Autorität in der Deutung der Wirtschaftslage, während das Argument, dass eine statistische Durchleuchtung der Volkswirtschaft auch betriebswirtschaftlich von Nutzen sein konnte, von den Unternehmen immer stärker akzeptiert wurde.
Marion Ronca

Wissensintensive Wertschöpfung in Ostdeutschland: Herausforderndes Umfeld für Ansiedlungen, hervorragende Bedingungen für Ausgründungen aus der Wissenschaft

Zusammenfassung
Die Arbeitsproduktivität in den Neuen Bundesländern (NBL) liegt unter dem Niveau der westdeutschen Bundesländer. Die sinkende Gründungsdynamik, die sich in Deutschland feststellen lässt, ist für die nachhaltige Entwicklung und die Stabilität der Region besonders problematisch. Die NBL weisen dennoch positive Rahmenbedingungen als Standort für Gründungen aus, besonders dank der belastbaren technisch-wissenschaftlichen Infrastruktur. Unternehmungen, die wissensintensiv auf „materiellen“ Technologien basieren, würden somit eine besondere Chance für Ostdeutschland bieten – auch in Anbetracht von konkurrierenden Orten in Ost- oder Süd-Europa. Ansiedlungen von Unternehmen stärken die Produktivität und unterstützen das lokale Unternehmertum durch Wissens- und Technologietransfer (Spillovers); Somit würden die in den NBL verfügbare breite und anerkannte Wissensbasis und die qualifizierten Arbeitskräfte von technologiebasierten, wissensintensiven Ansiedlungen und Gründungen effektiv profitieren. Neben Instrumenten, die den Erhalt der wirtschaftlichen Aktivitäten unterstützen, sollten neue Maßnahmen die Entwicklung der lokalen Wissensökonomie stützen, zum Beispiel durch die Angliederung an bereits bestehenden Wertschöpfungsketten oder durch den Ausbau der Kollaborationsmöglichkeiten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Thorsten Posselt, Riad Bourayou

Von der Idee zum Algorithmus. Entwicklung und Charakteristika des Transnationalen Innovationssystems Israels

Zusamenfassung
Neben den USA ist Israel eines der wichtigsten Entwicklungszentren für zivil und militärisch genutzte Hochtechnologie. Ob einst in der Landwirtschaft, später vor allem in der Informationstechnik und militärischen Sicherheitstechnologie, insbesondere in der Optoelektronik, dann in den Bereichen Water technology, Clean technology, Biotechnology, Medical Technology und Nanotechnology, und heute in der Cyber Security und nicht zuletzt in der AI: Der Staat als Institution verfolgt nicht erst seit solch einschneidenden Zäsuren wie dem Crash der dot.com-Blase im Jahre 2000 oder dem Ruf von Regierungen und Unternehmern nach mehr Instrumentarien zur Erhöhung der Cyber Security eine Wirtschaftspolitik, der sowohl das Primat der Sicherheit als auch eine Technologiestrategie auf der Basis Schumpeter’scher Innovationsauffassung zugrunde liegen. Schon seit Jahrzehnten setzen die Regierungen jeglicher politischer Richtung auf eine Knowledge based economy, auf Wissen in der Wirtschaft, auf die modernste Technologie als Export- und Wirtschaftsmotor. Hochtechnologie (Hightech) ist der Basisfaktor des Wirtschaftswachstums und der technologischen Wettbewerbsfähigkeit Israels, allerdings auch mit ambivalenten Auswirkungen in der Volkswirtschafts- und Sozialstruktur des Landes.
Sabine Hofmann

Digitalisierung der Wissensgesellschaft. Paradoxien des technologischen Wandels im Zeitalter von Crowdsourcing und Industrie 4.0

Zusammenfassung
Der Beitrag geht der Frage nach, welchen Stellenwert die fortschreitende Digitalisierung für die (Weiter-)Entwicklung einer Wissensgesellschaft und einer wissensbasierten Ökonomie besitzt. In jüngeren Debatten wird davon ausgegangen, dass die Digitalisierung eine neue Qualität von „Wissen“ erfordert und so dem Wissen in allen Bereichen des Sozialen, insbesondere aber in der Wirtschafts- und Arbeitswelt, eine größere Bedeutung zukommen wird. Gleichzeitig sind jedoch Entwicklungen evident, die diesen Annahmen widersprechen. Der zunehmenden Wissensbasierung stehen Tendenzen gegenüber, die die soziale Aneignung, Weiterentwicklung und Nutzung von Wissen eher behindern als fördern. Solche „Paradoxien“ werden anhand einiger Beispiele aufgezeigt und illustriert.
Die gegenwärtige digitale Transformation ist ein multidimensionales, vielschichtiges Phänomen, das ähnlich wie die Diagnosen zur postindustriellen, Wissens- oder Informationsgesellschaft nur in ihrer Einbettung in einen Prozess des gesellschaftlichen Wandels begriffen werden kann. Es wird argumentiert, dass sich die Effekte der Digitalisierung ohne notwendige Differenzierungen kaum realistisch einschätzen lassen. Zunächst werden daher zwei große Bereiche unterschieden, auf denen die Digitalisierung der Wirtschafts- und Arbeitswelt voranschreitet: Dies ist erstens die Digitalisierung traditioneller Wirtschaftssektoren (z. B. in Form von Industrie 4.0); zweitens geht es um die Emergenz der sog. „Plattformökonomie“ und dortige marktvermittelte Dienstleistungen. Es wird die These vertreten, dass die Ausweitung IT-bezogener Sektoren, die eine zunehmende Wissensbasierung implizieren, mit Sogeffekten auf andere, weniger wissensintensive Sektoren einhergeht. Die Wirkungen der Digitalisierung sind nicht einheitlich, sondern eher durch Ungleichzeitigkeit und Ambivalenz charakterisiert: So hebt die Digitalisierung professionalisierte und technisch qualifizierte Berufsbilder hervor, befördert aber gleichzeitig – in Spielarten des Clickwork und der Offline-Arbeit von Lieferdiensten – die De-Qualifizierung von Berufsbildern. Zwar werden frühere Offline-Tätigkeiten teil-digitalisiert, die Spielräume und Chancen, Wissen zu generieren und anzueignen werden jedoch durch die Intensivierung von Arbeit, den Wandel der Kontrollformen, schwindende Partizipationschancen und (betriebliche) Qualifikationsmöglichkeiten eingeschränkt.
Politische und verbandliche Regulierung ist gefordert, um den negativen Folgewirkungen der digitalen Transformation entgegenzutreten. Sie wird aber durch spezifische Charakteristika der Digitalisierung selbst erschwert: Bei zahlreichen Digitalisierungsspielarten handelt es sich um vergleichsweise junge Phänomene, die in ihren Auswirkungen noch schwer zu überschauen sind; digitale Techniken und Organisationsmodelle weisen eine enorme Wandlungsdynamik auf; und letztlich ist die Digitalisierung in vielen Feldern transnational strukturiert, was eine Regulierung jenseits des Nationalstaats unausweichlich macht. Eine Herausforderung besteht darin, Regulierungen zu entwickeln und durchzusetzen, die die positiven Aspekte der Digitalisierung befördern und auf diesem Wege das emanzipatorische Potenzial der Wissensgesellschaft aktivieren.
Markus Hertwig

Industrie 4.0 in der industriellen Praxis

Zusammenfassung
Durch die zunehmende Verschmelzung zwischen realer Produktionswelt und der virtuellen IT-Welt, einhergehend mit den jetzt verfügbaren Möglichkeiten in diesem Bereich, erlebt gerade die produzierende Industrie einen enormen Wandel. Getragen durch politische Rahmenbedingungen sowie neue Anforderungen aus dem Markt, können sich kleine bis hin zu großen Unternehmen diesem Wandel nicht mehr verwehren. Doch was bedeutet dies gerade für kleinere und mittlere Unternehmen und was bedeutet dies für die Mitarbeiter und die Anforderungen an diese? Diesen Fragen, unter dem Aspekt von neuen Rahmenbedingungen, erläutert der Beitrag und zeigt Chancen und Risiken auf, die die Digitalisierung, gerade für produzierende Unternehmen, mit sich bringt. Den Abschluss bildet ein Praxisbeispiel aus dem Maschinenbau. Dabei wird der Wandel der Werkzeugmaschine als Kernkomponente moderner Produktionstechnik dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf den Daten, als Enabler für Werkschöpfung und Innovationen durch Industrie 4.0.
Philipp Klimant

Traditionsunternehmen in der Digitalisierung – Wie kann der Transformationsprozess erfolgreich gemeistert werden?

Zusammenfassung
Die digitale Transformation wirkt sich auf jedes Unternehmen aus. Einige Unternehmen wurden mit digitalen Geschäftsmodellen gegründet, andere basieren auf analogen Technologien. Um ihren Fortbestand zu sichern, scheint die Transformation der Geschäftsmodelle unerlässlich. In diesem Beitrag wird der digitale Transformationsprozess eines Traditionsunternehmens im Hinblick auf dessen Geschäftsmodell untersucht. Die Analyse wird von einem analytischen Rahmen geleitet, der auf Konzepten der Transformation und Geschäftsmodellen basiert. Darauf aufbauend wird eine Untersuchung in Form einer Fallstudie vorgenommen. Dabei wurden Ergebnisse über die Treiber und die Motive der digitalen Transformation sowie die Nutzung digitaler Werkzeuge generiert. Hierbei wurde deutlich, dass die unternehmensspezifische Gestaltung digitaler Transformationsprozesse ein zentraler Faktor in einer wissensbasierten Ökonomie ist.
Katja Werner, Stephanie Tietz, Julia Breßler, Peter Pawlowsky

Wissensbasierte Wirtschaft im Angesicht der Digitalisierung – eine Annäherung

Zusammenfassung
Die Schaffung einer florierenden, wissensbasierten Wirtschaft ist zentrales Ziel praktisch jeder Regierung. Diese Politik basiert meist auf der Annahme, die wissensbasierte Wirtschaft sei ein revolutionäres, neues Phänomen, dessen Anfänge in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen. Der Beitrag stellt diese Annahme infrage und argumentiert, dass Wissen schon immer ein prägendes Element von Volkswirtschaften war. Die Frage ist daher nicht, ob eine Wirtschaft wissensbasiert ist, sondern auf welche Weise Wissen in den Produktionsprozess eingeführt wird. An dieser Stelle entfaltet die digitale Transformation ihre Wucht.
Yaman Kouli
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