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04.05.2018 | Working Capital Management | Im Fokus | Onlineartikel

Onlinehandel bindet immer mehr Kapital

Autor:
Sylvia Meier

Viele große Einzelhändler haben Probleme mit dem Working Capital Management. Vor allem im Internethandel wird Liquidität in Milliardenhöhe nicht freigesetzt und das Kapital zu lange gebunden. 

Immer mehr Menschen bestellen ihre Einkäufe im Internet. Das verschafft dem Onlinehandel einen anhaltenden Boom. Doch aufgrund dieser Entwicklung wird das Working Capital Management immer komplexer. Die aktuelle Studie "Cash for Change – Working Capital in the DACH Retail Sector" der Beratungsgesellschaft PwC zeigt, dass führende Einzelhändler ihren Umsatz 2016 um acht Prozent steigern konnten, vor allem durch den Verkauf im Internet.

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Working Capital Management

(Strategische Managementkonzepte)

Das Management von Working Capital fokussiert sich auf den Teil des Umlaufvermögens, der durch verzinsliches Kapital finanziert werden muss. Dabei setzt sich das Working Capital aus Vorräten, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstigen Vermögenswerten des Umlaufvermögens abzüglich kurzfristiger Fremdmitteln zusammen.


Dabei locken die Händler ihre Kunden online mit großzügigen Zahlungsbedingungen, unterschiedlichen Bezahlmöglichkeiten und attraktiven Rückgabeoptionen. Ein typisches Beispiel: Schuhe oder Kleider werden in verschiedenen Größen bestellt, anprobiert und was nicht passt oder gefällt geht zurück an den Versender. Das Ergebnis: Auch wenn innerhalb der Lieferketten alles glatt läuft, müssen die Unternehmen immer länger warten, bis die Kunden zufriedengestellt sind und sie schließlich ihr Geld bekommen. Doch nur über diesen Service bleiben die Händler wettbewerbsfähig. Dennoch muss dieser Prozess finanziert werden. Aber wie?

Liquiditätspotenzial in Milliardenhöhe

Besonders wichtig wäre es, dass gerade diese Unternehmen Potenziale zur Liquiditätsverbesserung im Bereich des Working Capitals ausschöpfen. Die Analyse von PwC zeigt, dass dies oft noch nicht der Fall ist. Laut der Studie könnten die 40 analysierten Unternehmen ein Liquiditätspotenzial von 8,6 Milliarden Euro freisetzen, wenn sie ihre Working-Capital-Situation nachhaltig verbessern. Die Kapitalbindungsdauer ist in den vergangenen fünf Jahren um elf Tage gestiegen. Große Unterschiede zeigen sich bei der Performance der Unternehmen: So lag das Nettoumlaufvermögen im Schnitt bei 60 Tagen, doch die Top-Performer erreichten einen Wert von 16 Tagen. Diese großen Unterschiede machen nachdenklich. Offensichtlich schöpfen einige Firmen Potenziale aus, die andere Unternehmen scheinbar nicht nutzen. Fairerweise sei hier darauf hingewiesen, dass natürlich auch entscheidend ist, was verkauft wird. Lebensmittelhändler weisen bessere Werte aus als Sportartikelhersteller.

Hohe Lagerkosten

Ein großer Belastungsfaktor im Onlinehandel sind die hohen Lagerkosten. Denn die Unternehmen müssen einen umfangreichen Warenbestand bereithalten. Wer im Internet bestellt, will nicht lange auf sein Paket warten. So waren 2016 rund 26 Milliarden Euro allein in den Lagerbeständen gebunden. Und viele Firmen gewährten den Kunden zusätzlich ein Rückgaberecht bei bestellten Waren von bis zu 100 Tagen. Auch das verschlechtert die Working-Capital-Bilanz.

Bessere Performance durch Optimierung des Working Capitals

Die Springer-Autoren Bernd Heesen und Oliver Moser bringen es in ihrem Buchkapitel "(Net-)Working Capital" (Seite 2) prägnant auf den Punkt: "Je geringer die Vorräte, je früher Forderungen eingehen und je später Eingangsrechnungen bezahlt werden, desto besser und höher ist die vorhandene Liquidität." In dem Beitrag "Working Capital Management gefangen in der Zinsfalle?" betonen die Autoren Hendrik Vater und Heinz-Jürgen Klepzig, dass langfristig erfolgreiche Verbesserungen des Working Capitals entscheidenden Einfluss auf die Performance eines Unternehmens haben, aber auch einschneidende strukturelle Maßnahmen und die Bereitschaft zu Veränderungen in den Köpfen der Mitarbeiter haben: "Erfolgreiches Prozess-Management erfordert ein stetiges Hinterfragen der eigenen Prozess-Performance sowie Änderungen und Feinadjustierungen. Es ist damit eher Daueraufgabe als kurzfristige Lösung." 

Es ist also nicht damit getan, eine kurzfristige Maßnahme zur Optimierung umzusetzen und die Zahlen danach wieder beiseite zu legen. Unternehmen müssen kontinuierlich Working Capital Management betreiben. Wie eine Optimierung aussehen kann zeigen die Springer-Autoren Bernd Heesen und Oliver Moser anhand eines Beispielfalls oder auch die Springer-Autoren Markus Rupp und Fabian Egger in ihrem Kapitel "Working Capital Management am Beispiel Emmi". 

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

(Net) Working Capital

Quelle:
Working Capital Management

01.11.2017 | Unternehmenssteuerung | Ausgabe 8/2017

Working Capital Management gefangen in der Zinsfalle?

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