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Über dieses Buch

Kristin Nicolaus erarbeitet in diesem Buch eine diskursdemokratische Perspektive auf Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen (PES). Sie rückt die Kommunikationen und Möglichkeiten der Partizipation in den Mittelpunkt und analysiert – mittels qualitativer Inhaltsanalyse – 18 Entstehungsprozesse von PES in Deutschland und Großbritannien. Aus der empirischen Untersuchung ergeben sich Erkenntnisse, die bisher kaum Beachtung fanden und Aussagen darüber treffen, wie vielfältig PES zustande kommen und welchen Einfluss die jeweiligen Kontexte darauf nehmen. Die gewonnenen Einsichten setzen sich von bisher vorherrschenden Funktionslogiken ab und erweitern so das Bild von Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

„Ökonomen schlagen Alarm […]“, das „Bienensterben vernichtet bis zu 300 Milliarden Euro“ (Maaß und Wüpper 2013). Diese oder ähnliche Ausrufe erscheinen inzwischen gar nicht mehr so fremd. Dass sich die Natur augenscheinlich auch in Geldwerten verstehen lässt, hat längst Einzug in öffentliche Debatten gehalten. Mit einer Kosten-Nutzen-Rechnung wird die Beziehung zwischen Mensch und Natur verdeutlicht: Gehen Eigenschaften der natürlichen Umwelt verloren, die wir nutzen, bedeutet das einen Verlust, der sich meist nicht anderweitig ausgleichen lässt. Vor diesem Hintergrund haben ÖkonomInnen die Chance ergriffen, die „neue“ Beziehung zur Natur Wirklichkeit werden zu lassen. Und zwar nicht nur als Illustration einer Wertschätzung, sondern als Güter, die in Märkten gehandelt werden. Diese Ausgangssituation habe ich zum Anlass genommen, tiefer in die Thematik von Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen einzutauchen und ihre theoretische Fundierung, sowie ihre Praxis besser zu verstehen.
Kristin Nicolaus

Kapitel 2. Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen – eine Diskussion im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik

In Kapitel 2 erörtere ich zunächst die Spannungsverhältnisse, die mit Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen einhergehen. Jedoch würde eine Diskussion, die ausschließlich wissenschaftliche Perspektiven berücksichtigt, dem Sachverhalt zu wenig Rechnung tragen, agiert die Wissenschaft doch auch nicht losgelöst vom Welt- und Politikgeschehen. Das Kapitel versucht also den Kern der Diskussion zu erfassen. Dafür wird zunächst der Frage nachgegangen, in welchem Verhältnis marktorientierte Strategien zur umweltpolitischen Steuerung stehen und inwieweit sich das Konzept der Ökosystemdienstleistungen und Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen als Umsetzungsstrategie in diese Entwicklungen einpassen. Dabei wird ein Gegenspiel deutlich. Es betrifft nicht nur das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Praxis, sondern insbesondere die unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen und ihre Uneinigkeit darüber, was Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen eigentlich sind. Die beiden wesentlichen Positionen dieses Streitgesprächs, die der Umweltökonomie und die der Ökologischen Ökonomie, werden in diesem Kapitel herausgearbeitet.
Kristin Nicolaus

Kapitel 3. Ein diskursdemokratischer Blick auf Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen

Kapitel 3 entfaltet eine dritte mögliche Sicht auf Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen, nämlich eine diskursdemokratische Perspektive. Dabei gehe ich zunächst der Frage nach, warum es die bisherigen Kritiken am neoklassisch-ökonomischen Modell nicht geschafft haben, in eine ganzheitliche Alternative überführt zu werden, obgleich sie wichtige Probleme aufgreifen. Ich stelle deshalb den zuvor ausgearbeiteten Perspektiven der Umweltökonomie und der Ökologischen Ökonomie die diskursdemokratische Sicht auf Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen entgegen. Die Theorie deliberativer Demokratie ermöglicht Fragestellungen, für welche die Ökonomietheorie keine Antworten liefern kann, eben weil sie einen anderen Fokus setzt. Dazu gehören Fragen wie: Unter welchen Bedingungen kommen PES-Projekte eigentlich zustande? Welche gesellschaftlichen Akteure programmieren und diskutieren deren Entwicklungsprozesse? Gibt es darin Raum für einen Austausch auf Augenhöhe? Wie werden Handlungsänderungen begründet oder legitimiert?
Kristin Nicolaus

Kapitel 4. Prozesse anhand deliberativer Kriterien bewerten: Vom Forschungsstand zum eigenen Untersuchungsdesign

Um Fragen nach diskursiven Elementen und ihrer Bedeutung in PES-Gestaltungsprozessen beantworten zu können, gilt es zunächst, sich der methodischen Herausforderung zu stellen, die anspruchsvollen theoretischen Ausführungen in eine empirische Analyse zu überführen (vgl. Bächtiger und Wyss 2013; Habermas 2008). Vor dem Hintergrund der theoretischen Ausarbeitung fasst Kapitel 4 deshalb zunächst den Forschungsstand des methodischen Vorgehens der empirischen Deliberationsforschung zusammen. Darauf aufbauend wird das eigene Forschungsdesign erläutert und der empirische Erhebungsrahmen abgesteckt, der die Auswahl der 18 Fälle in Deutschland und Großbritannien begründet und detailliert erklärt, was in den Fokus der Betrachtung rückt.
Kristin Nicolaus

Kapitel 5. Ausprägungen von Kommunikation und Beteiligung in den untersuchten PES-Gestaltungsprozessen

Kapitel 5 umfasst den ersten Analyseteil der Forschungsarbeit, in dem es darum geht zu beschreiben, wie Entwicklungsprozesse von PES-Projekten ausgestaltet sind und inwieweit sie an das deliberative Ideal anschließen oder von ihm abweichen. Dabei ist es für die Arbeit weniger entscheidend alle Einzelaspekte der Theorie in den Fallbeispielen zu identifizieren. Vielmehr dient die Theorie als Grundlage, den Blick auf die Fälle zu schärfen. Nach der methodischen Erläuterung der Operationalisierung der Theorie für die Empirie folgen die Beschreibungen der einzelnen Fälle, die mittels strukturierender Inhaltsanalyse (vgl. Mayring 2010: 92 ff.) auf Grundlage theoriegeleiteter Kategorien untersucht wurden. Sie reflektieren wertend die diskursive Qualität der einzelnen Gestaltungsverfahren. Die Ergebnisse sind im Anschluss zusammengefasst und verdeutlichen die Variabilität, mit der Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen auf den Weg gebracht werden.
Kristin Nicolaus

Kapitel 6. Die Kontexte der Ausgestaltungsformen von Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen

Die Bandbreite der Ausprägungen von Kommunikation und Beteiligung reflektiert die Vielfalt von PES-Projekten. Was lässt sich daraus lernen? Die empirische Forschung hat sich bereits auf den Weg gemacht, Partizipation und Deliberation im Hinblick auf ihre Erfolge zu untersuchen.
Es geht in dem zweiten Teil der Analyse jedoch nicht darum, die Möglichkeit des deliberativen Ideals zu stützen, sondern die Ursachen zu untersuchen, die begründen, warum Partizipation und Kommunikation in der einen oder anderen Art und Weise stattfindet. Dafür habe ich die Verteilung der Verfügungsrechte, Die Ziele und Motive der projekttragenden Akteure, bestehende Konfliktpotenziale betrachtet und die Konstellationen im Hinblick auf ihre Verknüpfung nicht-staatlicher und staatlicher Akteure verschiedener politischer Ebenen untersucht. Die Kernaussagen dieser Analyse sind in vier zentralen Thesen verdichtet.
Kristin Nicolaus

Kapitel 7. Resümee und Ausblick

Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen werden in der vorliegenden Arbeit im Spannungsverhältnis von Marktmechanismen und Argumentationsprozessen verortet. Es ist ein etwas anderer, kritischer Blick auf die Thematik. Er zeigt nämlich sehr deutlich, dass sich die Praxis von PES nicht in das enge Korsett eines Marktmechanismus pressen lässt (vgl. dazu auch Gómez-Baggethun und Muradian 2015: 220; Vatn 2015) und betont die Bedeutsamkeit des kommunikativen Austausches in den Ausgestaltungsprozessen. Dabei ist die Idee, unser Handeln auch konsequenter auf dessen Umweltauswirkungen zu beziehen, doch eine erstrebenswerte Bemühung als Reaktion auf die Umweltkrise. Wo liegt demnach das Problem? Kapitel 7 fasst rückblickend neu Erkanntes zusammen und gibt einen Ausblick auf eine mögliche Richtung für die Weiterverfolgung des Themas.
Kristin Nicolaus

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