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05.06.2020 | Zahlungsverkehr | Infografik | Onlineartikel

Corona treibt Wunsch nach kontaktlosem Bezahlen an

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Die Corona-Krise hat dem kontaktlosen Bezahlen im Supermarkt oder im Restaurant einen kräftigen Auftrieb gegeben. Immer mehr Menschen wünschen sich deshalb weitere Möglichkeiten, um an der Kasse per Smartphone oder Karte ihre Rechnung zu begleichen.

Geld stinkt nicht. Aber es könnte mit Viren verseucht sein. So nutzen immer weniger Verbraucher Scheine oder Münzen, wenn sie im Einzelhandel bezahlen wollen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage, die im April 2020 unter mehr als 1.000 Menschen ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt wurde. Der zufolge versuchen aktuell 75 Prozent der Kunden, die Verwendung von Bargeld zu vermeiden. Unter allen Befragten wünschen sich 71 Prozent sogar weitere Möglichkeiten, um kontaktlos bezahlen zu können. 

"Es gibt kaum ein Verhaltensmuster, das durch Corona ähnlich stark verändert wurde wie das Bezahlen an der Kasse", eräutert Bitkom-Chef Achim Berg das Ergebnis. Das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder Smartphone sei nicht nur hygienisch, sondern zudem schnell und sicher. 

Kontaktloses Zahlen ist keine Altersfrage

Interessant: Der Wunsch nach kontaktlosem Bezahlformen ist offenbar unabhängig vom Alter der Befragten. So sind 76 Prozent der 16- bis 29-Jährigen, 72 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 75 Prozent der 50- bis 64-Jährigen für eine entsprechende Ausweitung. Auch unter den Senioren ab 65 Jahren wünscht sich eine Mehrheit von 62 Prozent mehr kontaktlose Bezahlmöglichkeiten. 

Demgegenüber sind auch alle Altersgruppe skeptischer im Hinblick auf die Nutzung von Bargeld: 84 Prozent der 16- bis 29-Jährigen versuchen dies zu vermeiden. Unter den 30- bis 49-Jährigen sind es 76 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen 75 Prozent. Und selbst unter den Älteren ab 65 Jahren, die als besonders bargeldaffin gelten, ist die Zurückhaltung gegenüber Scheinen und Münzen derzeit mit 68 Prozent groß. Dennoch plädiert Bitkom-Chef Berg für die Wahlfreiheit des Kunden, welche Bezahlmöglichkeit er nutzen möchte.

Bargeld wird vor allem gehortet

Denn obwohl der Zuspruch zu kontaktlosem Bezahlen deutlich gestiegen ist, hat das Bargeld offenbar nicht an Reiz verloren. Nur lassen es die Deutschen laut einer Analyse von Barkow Consulting im Auftrag der ING Deutschland lieber zuhause im Schrank liegen. Dieser Studie zufolge hat der Bargeldumlauf im März 2020 zugenommen. In der gesamten Eurozone betrug das Plus acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von diesem entfallen laut Studie rund 20 Prozent oder sechs Milliarden Euro allein auf deutsche Privathaushalte. Schon Ende 2019 hatten deutsche Verbraucher insgesamt 253 Milliarden Euro mangels rentabler Anlagealternativen in Form von Bargeld zuhause gehortet. 

Für Bargeld sprechen indessen auch psychologische Aspekte: "Bargeld ist wie Drogen oder Essen. Im Hirn sind Areale ausgebildet, die auf den Geldreiz ansprechen. Sehen wir Geld, wird ein Belohnungszentrum aktiviert. Das ist wie bei einer Sucht", erläutert die Wirtschaftspsychologin Julia Pitters. Die Professorin der IUBH Internationalen Hochschule hat herausgefunden, dass das greifbare Geld einen Besitztumseffekt erzeugt. "Das wissen wir aus Studien und Fokusgruppen. Bei Bargeld weiß ich, was ich habe, das ist haptisch greifbar. Bei einer Kreditkarte, übrigens ähnlich wie bei Fremdwährung im Urlaub, ist das Bezahlen abstrakter – es schmerzt nicht so sehr, etwas auszugeben", sagt die Forscherin.

Für Pitters liegt der Pluspunkt elektronischer Zahlungsmittel in der Sicherheit. "Ich muss mein Geld nicht zuhause lagern. Und wenn mir die Karte gestohlen wird, kann ich sie sperren." Dagegen stehe allerdings die Angst vor dem Verlust oder dem Missbrauch von Daten. 

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