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18.05.2017 | Zahlungsverkehr | Im Fokus | Onlineartikel

Peer-to-Peer-Zahlungen entwickeln sich weiter

Autor:
Barbara Bocks

Der Markt für onlinebasierte Zahlungsdienste in Deutschland bleibt stark umkämpft. Wie das Unternehmen Paydirekt zur Konkurrenz aufschließen will.

Peer-to-Peer-Zahlungen über Smartphones sind eine schnelle Art der Überweisung, und der Markt wächst. Laut dem Outlook Report "P2P Geldtransfers" von Statista beträgt das P2P-Transfervolumen 2017 in Deutschland etwa 3.357 Millionen Euro. Im Jahr 2021 soll laut Prognose ein Transaktionsvolumen von 7.354 Millionen Euro erreicht werden. Enthalten sind dabei internationale P2P-Geldtransfers oder Auslandsüberweisungen sowie P2P-Geldtransaktionen durch so genannte Online-Pure-Player, jeweils nach Zahlungsströmen ins Ausland. Nicht enthalten sind private P2P-Zahlungen von Mikro- und Kleinbeträgen im Inland. 

In einer aktuellen Umfrage des Instituts Censuswide im Auftrag des britischen Fintech-Unternehmens Azimo sagten beispielsweise 20 Prozent der Nutzer, dass sie durchschnittlich zwei Transaktionen pro Monat über P2P-Zahlungen anstoßen. Zwei Drittel der befragten Konsumenten gaben an, ihre Freunde und Bekannten für jede einzelne Überweisung nach deren Bankdaten zu fragen. Für die Umfrage wurden im März 2017 3.700 Personen unter anderem in Großbritannien und Deutschland befragt.

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Auch Paydirekt, der Anbieter des gleichnamigen Online-Bezahldienstes, der von den drei Säulen des deutschen Bankenmarktes gemeinsam entwickelt wurde, will künftig eine Peer-to-Peer-Funktion einführen. Das Unternehmen hat dafür im April 2017 grünes Licht vom Bundeskartellamt bekommen. Kunden können dann mithilfe ihrer Paydirekt-App an die in ihrem Handy gespeicherten Kontaktpersonen direkt Geld zahlen und müssen hierfür keine IBAN oder TAN mehr eingeben, heißt es seitens des Unternehmens. Nach einer Abstimmung mit den Gesellschaftern soll geklärt werden, "wann wir mit P2P live gehen", so Niklas Bartelt, Geschäftsführer Paydirekt. Damit holt das Unternehmen gegenüber den internationalen Wettbewerbern auf dem hiesigen Markt, wie beispielsweise Paypal auf, die diese Funktion schon länger anbieten.

Im April 2017 hat Paydirekt eigenen Angaben zufolge die Schwelle von einer Million registrierten Käufern überschritten, die "in mehr als 900 Online-Shops" über das System bezahlen können." Zum Vergleich: Paypal hat deutschlandweit laut eigenen Angaben knapp 18,9 Millionen aktive Nutzer. "Das Problem ist, dass wir als deutsche Kreditwirtschaft mit dem Ansatz Paydirekt sehr spät gekommen sind", gibt Ralf Fleischer, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München, im Titel-Interview der Bankmagazin-Ausgabe 09/2016 (Seite 21) zu.

Zahlreiche P2P-Anbieter in Deutschland

Neben Paypal konkurrieren mit Paydirekt im deutschen Markt noch weitere Mitbewerber. Darunter sind unter anderem Fintech-Unternehmen wie Lendstar, bekannt aus der TV-Start-up-Sendung "Höhle der Löwen", die mit der Solarisbank kooperieren. Oder auch Cringle, ein 2014 gegründetes Start-up der Technischen Universität Berlin und das 2015 in Hamburg gegründete Fintech Tabbt, das verschlüsselte Zahlungen und aufgeteilte Verrechnungen von Beträgen unter den Empfängern ohne Verknüpfung zu Bankkonten anbietet. Zudem gibt es weitere Eigenentwicklungen aus der Branche mit ähnlichen Dienstleistungsprofilen. So bietet beispielsweise die Sparkassengruppe ihren Kunden die Anwendung "Kwitt" an und die Volks- und Raiffeisenbanken die Anwendung "Geld senden und empfangen".

Auch im P2P-Banking, bei Peer-to-Peer-Krediten über Online-Kreditplattformen, sind die Bezahlwege jeweils hybrid. Charakteristisch für solche P2P-Märkte ist "eine stärkere bzw. sogar vollkommene Entkopplung von Unternehmen oder zentralen Plattformen". Sie entwickelten sich hin zu einer digitalen Wirtschaft, die sich vollkommen selbst organisiert, analysieren die Springer-Autoren Reiner Clement und Dirk Schreiber in ihrem Buchkapitel unter anderem mit Blick auf die Variante P2P-Banking.

Die stärksten Konkurrenten traditioneller Finanzdienstleister und die nächstliegendsten Verbündeten im digitalen Zahlungsverkehr für Kreditinstitute sind Digital-Konzerne wie Apple und Google, schreibt Bankmagazin-Autorin Anja Kühner in ihrem Beitrag "Ohne App geht nichts mehr“ in der aktuellen April-Ausgabe des Bankmagazins (Seite 26-27). Dabei hätten deren hauseigene Bezahlsysteme laut Kühner den deutschen Markt noch gar nicht erobern können. Doch "man sollte nie die Finanzmacht unterschätzen, die bei Konzernen wie Apple und Google dahintersteht", mahnt Laura Pfannemüller, verantwortlich für den Banking-Hub beim Beratungshaus Zeb.

Inlandsüberweisungen kostenfrei über Apps absenden

Auf dem gesamten europäischen Markt könnte die zweite EU-Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD 2), die kürzlich durch die European Banking Authority (EBA) veröffentlicht wurde, den Peer-to-Peer-Markt weiter beflügeln. Die Richtlinie erlaubt künftig unter anderem direkte Zahlungen von App zu App bis zu einem Betrag von knapp 30 Euro ohne eine starke Authentifizierung, also mit mindestens zwei voneinander unabhängigen Authentifizierungsmerkmalen. Das Telefon als Überweisungsmedium zu nutzen, hat auch internationale Relevanz für die Finanzbranche. Azimo, das sich auf internationale digitale Geldtransfer-Services spezialisiert hat, bietet mittlerweile neben kostenpflichtigen internationalen Peer-to-Peer-Überweisungen über das Handy auch Inlandsüberweisungen über die eigene App für Länder der Eurozone an. Der Nutzer muss lediglich die aktualisierte App herunterladen und den gewünschten Betrag entweder an eine Mobilfunknummer senden oder anfordern.

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