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Wallets werden zur digitalen Schaltzentrale

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Digitale Wallets prägen den Alltag vieler, vor allem junger Menschen. Derzeit dominieren vor allem US-Bigtechs. Doch die Ansprüche der Nutzer steigen - auch im Hinblick auf Sicherheit und Transparenz. Hier können Banken und Sparkassen punkten.

Wallets entscheiden über die Kundenschnittstelle der Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Cofinpro-Studie.


Acht von zehn deutschen Verbrauchern (83 Prozent) verwenden bereits mindestens eine digitale Geldbörse - etwa für Online-Zahlungen, im stationären Handel oder für Geldtransfers. Das hat eine Online-Befragung von gut 1.000 Personen ab 18 Jahren im Auftrag der Beratungsgesellschaft Cofinpro ergeben. Das Angebot an Wallets dominieren derzeit US-amerikanische Bigtechs. Ihre große Verbreitung in Europa verdanken Anbieter wie Paypal oder Google einem frühen Markteintritt. 

Nutzererwartungen steigen stetig

Sie starten schlank mit einem eingeschränkten Angebot und erweitern iterativ. Genau so entwickelt sich auch die Erwartungshaltung der Kunden an ihre Wallets. Längst geht es um mehr als Bezahlen oder Geldtransfers an Freunde. Services wie digitale Ausweise, ÖPNV-Tickets oder Versicherungsnachweise zu integrieren steht weit oben auf der Wunschliste. Die Wallet wird digitale Schaltzentrale des Alltags. Wer sie kontrolliert, begleitet seine Kunden nahtlos durch den Tag", heißt es in der Studie.

Bereits im vergangenen Jahr nutzte der US-Riese Paypal die Öffnung der Schnittstelle für kontaktlose Funktechnologie (NFC) auf iOS durch den europäischen Digital Markets Act für sein "Tap to Pay"-Angebot an der Ladenkasse - dem Point of Sale. Dabei profitiert der Zahlungsdienstleister in Deutschland vor allem von der großen Kundenbasis. "Zudem investiert Paypal gezielt in neue Funktionen wie Ratenzahlung To Go und Cashback, um sich von Bezahllösungen wie Apple und Google Pay abzuheben", erklärte Accenture-Experte Markus Bender im Gespräch mit Springerprofessional.de im Juni 2025.

"Kundenschnittstelle der Zukunft"

"Wallets entscheiden über die Kundenschnittstelle der Zukunft", betont Joachim Butterweck, Director bei Cofinpro. Ihm zufolge stehen heimische Banken aber nicht auf verlorenem Posten: Ihr Vorteil ist das gewachsene Vertrauen der Kunden. "80 Prozent der Befragten vertrauen ihrer Hausbank beim Umgang mit sensiblen Daten. Technologiekonzernen vertrauen hingegen nur 35 Prozent." Mit dem wachsenden Serviceumfang und steigenden monatlichen Transaktionsvolumina verstärken sich zudem die Erwartungen an eine Wallet - insbesondere an Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Transparenz. 

Allerdings nutzen bislang 71 Prozent der Befragten Paypal als Wallet-Lösung. Apple Pay, Google Pay und vergleichbare Lösungen liegen zusammen bei rund 40 Prozent. Fast die Hälfte der unter 35-Jährigen nutzt Apple oder Google Pay bereits regelmäßig im Alltag und setzt damit Maßstäbe für künftige Erwartungen an digitale Finanzservices.

Wallets als digitale Alltagsplattform

Und die gehen deutlich über das reine Bezahlen hinaus: 42 Prozent möchten digitale Ausweise in ihrer Wallet, 39 Prozent wünschen sich Bonus- und Loyalty-Programme und 37 Prozent die Integration der Gesundheitskarte oder des Impfpasses. Damit entwickeln sich Wallets zu einer digitalen Alltagsplattform, die unterschiedliche Lebensbereiche miteinander verknüpft.

"Wer die Wallet kontrolliert, begleitet seine Kunden vom Bezahlen über Mobilität bis hin zu Behördengängen", bringt es Butterweck auf den Punkt. Banken bräuchten eine strategische Weichenstellung "für ihre langfristige Relevanz". 

Große Wechselbereitschaft zur Hausbank-Wallet

Denn immerhin würden 62 Prozent der Befragten ein entsprechendes Digitalangebot ihrer Hausbank nutzen, sofern dies über erweiterte Funktionen verfügt. In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei über 75 Prozent. "Wallets sind damit nicht nur ein Instrument zur Kundenbindung, sondern auch ein potenzieller Hebel für die Neukundengewinnung", betont de Cofinpro-Experte. "Ob Banken dieses Potenzial realisieren, hängt davon ab, wie konsequent sie Wallets aus Kundensicht denken." 

Sicherheits- und Datenschutzaspekte stehen dabei im Vordergrund: 70 Prozent der Studienteilnehmenden wünschen sich eine schnelle Sperrmöglichkeit bei Geräteverlust, 66 Prozent legen Wert auf eine Datenspeicherung innerhalb Europas. "Genau hier können regulierte Finanzinstitute ihre Stärken ausspielen", so Butterweck.

Sicherheit und Komfort in den Fokus rücken

Allerdings seien die Zeitfenster für die digitale Transformation eng, warnt Bankmagazin-Chefredakteurin Bianca Baulig: "Banken und Sparkassen, die jetzt investieren, positionieren sich strategisch als Innovationsführer und vertrauenswürdiger Partner im digitalen Alltag ihrer Kundinnen und Kunden." Viele Institute modernisierten ihre Kernbanksysteme modular mit neuen Wallet-Strategien. "Sicherheit und Komfort sollten im Fokus stehen. Digitale Identitäten ermöglichen dabei die sichere Authentifizierung."

Wero ist strategisch wichtig

Vor diesem Hintergrund seien Konto-zu-Konto-Zahlungen oder eine eigene europäische Wallet-Lösung wie Wero für Banken strategisch wichtig. Zu diesem Schluss kommt Springer-Autorin Silke Finken in ihrem Buch "Embedded Finance". Das gelte auch angesichts der geopolitischen Bedeutung des Zahlungsverkehrs und der starken Marktpräsenz von amerikanischen Systemen und Lösungen. 

"In Zukunft wird die - auch immer industrieübergreifendere und über Standardisierung hinausgehende - Kooperations- und Anschlussfähigkeit im Payment und Banking wesentlicher Erfolgsfaktor sein, um attraktive Nutzenbündel zu schnüren und ein überzeugendes Werteversprechen für Nutzerinnen und Nutzer zu gestalten", zitiert die Professorin von der International School of Management (ISM) Christian Schollmeyer, Leiter Emerging Payments des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). 

Europäische Initiative für europäisches Zahlungsökosystem

Anfang Februar haben der neue Bezahldienst Wero und vier weitere europäische Zahlungsanbieter eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, bis 2027 eine interoperable Infrastruktur für grenzüberschreitende Zahlungen zu schaffen. Die Initiative, an der Bancomat, Bizum, Sibs/MB Wax und Vipps Mobile Pay beteiligt will damit die "strategische Autonomie Europas im Zahlungsverkehr" stärken und eine schnelle Alternative zu außereuropäischen Dienstleistern anbieten. 

Technischer Hub soll nationale Lösungen verbinden

Kern des Projekts ist ein zentraler technischer Hub, über den internationale Lösungen miteinander verbunden werden sollen. Bei der Einführung werde die Initiative 13 europäische Länder umfassen und zusammen rund 330 Millionen Einwohner vertreten, teilt die European Payments Initiative (EPI) mit. "Die Koalition ist offen für alle europäischen Länder - einschließlich der Schweiz und anderer Nicht-Euro-Märkte", heißt es. Länder ohne nationale Lösung können eine der im Rahmen der Initiative verfügbaren Lösungen implementieren.

"Durch die Interoperabilität mit unseren Partnern legen wir den Grundstein für ein echtes europäisches Zahlungsökosystem. Wir bauen auf bestehende Lösungen auf, die bereits im Einsatz sind und denen Nutzer vertrauen", betont EPI-CEO Martina Weimert. 2026 starten grenzüberschreitende Peer-to-Peer-Zahlungen. 2027 folgt die Einführung von E-Commerce- und Zahlungsterminal-Transaktionen. 

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