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15.10.2020 | Zahlungsverkehr | Infografik | Onlineartikel

Digitales Payment weiter auf dem Vormarsch

Autor:
Swantje Francke
3 Min. Lesedauer

Ist Bargeld bald Geschichte? Den Vormarsch bargeldloser Zahlungen hat die Corona-Pandemie zumindest weiter beflügelt. Doch mit dem rapiden Anstieg des Zahlungsvolumens steigen laut einer aktuellen Studie auch die Risiken.

Bargeldloses Bezahlen ist seit Jahren auf dem Vormarsch. Während die Corona-Pandemie viele Lebens- und Geschäftsbereiche hat erlahmen lassen, hat sie dem bargeldlosen Zahlen einen weiteren Wachstumsschub beschert. Wie aus dem diesjährigen World Payments Report 2020 des Beratungshauses Capgemini hervorgeht, stiegen diese Zahlungen von 2018 bis 2019 um 14 Prozent auf 708,5 Milliarden Transaktionen und erreichten damit die höchste Wachstumsrate der letzten zehn Jahre. Weiter geht die Studie davon aus, dass die Anzahl der bargeldlosen Transaktionen von 2019 bis 2023 weltweit durchschnittlich um zwölf Prozent zulegen wird.

Bargeldlose Zahlungen in Asien auf Höchststand

Als Spitzenreiter dieser Entwicklung identifiziert die Studie den asiatisch-pazifischen Raum: Dort belief sich die Zahl der bargeldlosen Transaktionen auf 243,6 Milliarden und übertraf mit einer Wachstumsrate von 24,7 Prozent sogar Europa und Nordamerika. Diesen Anstieg führen die Studienautoren auf die zunehmende Nutzung von Smartphones, den boomenden E-Commerce, die Einführung der digitalen Geldbörse (sogenannte Wallets) und Innovationen im Bereich Mobile-/QR-Code-Zahlungen zurück. Besonders China, Indien und andere asiatische Märkte in Südostasien trugen mit insgesamt 31,1 Prozent Wachstum zu dieser Entwicklung bei.

Mit dem Verzicht auf Bargeld gewinnen neue Bezahlungsdienste an Relevanz. Wie die Studienergebnisse zeigen, bedienen sich 30 Prozent der Verbraucher der Payment-Lösungen eines Bigtechs, also einer großen, multinationalen Technologiefirma wie Google, Amazon, Facebook, Apple oder Alibaba. 50 Prozent der Befragten nutzen bereits eine Challenger Bank, definiert als neu gegründete Banken, die über ein eigenes Kernbankensystem verfügen und in direktem Wettbewerb mit den alteingesessenen Banken stehen (NuBank, Chime und Monzo oder in Deutschland N26).

Wettbewerb unter Zahlungsverkehrsanbietern nimmt zu

Zudem gaben im April 2020 mehr als 38 Prozent der Verbraucher an, während des Corona-Lockdowns einen neuen Zahlungsanbieter aufgetan zu haben. Im Verlauf der Pandemie haben sich Internetbanking und direkte Kontoüberweisungen zu den bevorzugten Zahlungsmethoden entwickelt, gaben 68 Prozent der Teilnehmer der Verbraucherumfrage an. Am zweithäufigsten nutzen 64 Prozent der Befragten die kontaktlose (tap-to-pay) Kartenzahlung. Immerhin 48 Prozent bevorzugten digitale Geldbörsen (einschließlich QR-basierter Zahlungen).

Der Nutzung digitaler Geldbörsen prophezeit die Payment-Studie eine rasante Entwicklung in den kommenden Jahren: von 2,3 Milliarden Nutzern im Jahr 2019 auf vier Milliarden im Jahr 2024, was der Hälfte der Weltbevölkerung entspräche. Ähnlich hoch wird die Wachstumsrate unsichtbarer Zahlungen oder automatisierter Zahlungsprozesse eingeschätzt, wie sie in den Geschäften von Amazon Go und Uber zu finden sind. Zwischen 2017 und 2022 könnte diese Bezahlform eine durchschnittliche Wachstumsrate von 51 Prozent erreichen.

Innovationsdruck auf Zahlungsanbieter steigt

Mit steigendem Transaktionsvolumen und größerem Wettbewerb erhöhen sich die Risikofaktoren für Zahlungsverkehrsanbieter. Befragte Branchenexperten gaben an, dass sie Gefahren aus den Bereichen Cybersecurity (42 Prozent), Regulatorik (37 Prozent), Betrieb (35 Prozent) und Business (30 Prozent) ausgesetzt seien. Eine hohe Verwundbarkeit sehen 87 Prozent der Führungskräfte aus diesem Bereich durch Cyber-Angriffe, wie sie sich während des Corona-Lockdowns häuften. Um diesen Gefahren zu begegnen, bedienen sich Zahlungsverkehrsunternehmen vermehrt technologischer Mittel. Neben der Entwicklung interner Fähigkeiten streben 60 Prozent der Führungskräfte von Banken die Zusammenarbeit mit Dritten in der gesamten Wertschöpfungskette an.

"COVID-19 hat das Innovationstempo im Zahlungsverkehr beschleunigt. Mehr denn je müssen Dienstleister aus diesem Bereich Schnelligkeit, Bequemlichkeit und ein hervorragendes Kundenerlebnis von Anfang bis Ende in den Vordergrund stellen", fasst Christian Drevenstedt, Experte für den Zahlungsverkehr bei Capgemini in Deutschland zusammen. "Wir erleben derzeit, dass visionäre Banken und Zahlungsverkehrsunternehmen ihren Fokus auf die Technologietransformation legen und aktiv einen kollaborativen Ansatz verfolgen, indem sie sich mit agilen neuen Akteuren zusammenschließen, um flexiblere Organisationen zu schaffen."

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