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2023 | Buch

Zeitenwende

Wie die IT unsere Welt verändert

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Über dieses Buch

Die moderne Informationstechnologie durchdringt und verändert unsere Welt – weit mehr und intensiver, als die meisten von uns ahnen. Das Buch beschreibt ihre Entstehung, ihre Geschichte, ihre wesentlichen Treiber und welche herausragende Bedeutung die neue Weltmacht IT für unser soziales, wirtschaftliches und politisches Leben erlangt hat. Es bietet dem Leser auf interessante, allgemeinverständliche und ausgewogene Weise Orientierung zu einem komplexen Thema, das unsere Gegenwart und Zukunft wesentlich prägt. Es zeigt die großen Entwicklungslinien und erklärt dabei auch, was es etwa mit Künstlicher Intelligenz, Algorithmen oder Blockchains auf sich hat.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Jenseits von Technik. Unser neues Leben mit IT
Zusammenfassung
Digitalisierung ist weit mehr als der Aufbau technischer Infrastruktur und die Automatisierung von Prozessen. Sie ist auch ein großes soziales Experiment, das Menschen in das Zeitalter der „Postsozialität“ führt, in dem persönliche Interaktion zunehmend durch Interaktion mit Computern und über Computer ersetzt wird. Das Ergebnis ist eine Art zweite Sozialisation. Sie vollzieht sich schleichend durch unsere Teilnahme an sozialen Netzwerken, aber auch im Arbeitsleben oder im politischen Verhalten, in unserer Art der Informationsbeschaffung bis hin zu unserem Umgang mit Liebe und Sex. Unsere Wahrnehmung der Welt wird durch Digitalisierung beeinflusst, in vielen Bereichen sogar geprägt. Diese Vorgänge und ihre Mechanismen werden anhand von praktischen Beispielen beschrieben und die Kernbegriffe der ihnen zugrunde liegenden Techniken, wie z. B. künstliche Intelligenz, lernende Maschinen und Big Data, erläutert.
Jürgen Müller
Kapitel 2. Amerikas Dominanz und Europas Chancen
Zusammenfassung
Die moderne IT ist ein Kind des Krieges – sowohl des „heißen“ in der Zeit von 1939 bis 1945 wie auch des „kalten“, der sich daran nahtlos anschloss. Staatliche und wissenschaftliche Förderung gab es in unterschiedlichem Maß auf beiden Seiten des Atlantiks, mit langfristiger Wirkung waren sie aber nur in den Vereinigten Staaten. In Europa gab es vor allem in Großbritannien und Deutschland gute Ansätze, sie blieben aber weitgehend ungenutzt. Am großen Systemgegner, der Sowjetunion, ging die Entwicklung der IT im Vergleich dazu nahezu vollständig vorbei. Mangelndes Engagement der Regierungen und der Wissenschaft im Europa der Nachkriegszeit, besonders aber das Fehlen einer gezielten Kommerzialisierung der Branche, wie sie in den USA üblich war, haben zur heutigen, weltweiten Dominanz amerikanischer IT-Unternehmen geführt. Das Unverständnis der Politik in Europa für die strategische Bedeutung der „Computerei“ zeigt sich in seinen Folgen bis heute.
Jürgen Müller
Kapitel 3. Der Aufstieg der IT zur Weltmacht
Zusammenfassung
Die sich seit den 1970er Jahren exponentiell beschleunigende Expansion der IT in alle Bereiche von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft geht wesentlich darauf zurück, dass sie sukzessive aus ihrer Welt der Großrechner hinausgewachsen ist. So wurde sie für die breite Masse der Bevölkerung und Unternehmen aller Größenordnungen nicht nur erschwinglich, sondern auch praktikabel und beherrschbar. Beispielhaft für diesen Prozess stehen Unternehmen wie Atari, Commodore, IBM, Apple und Microsoft, die immer kleinere, letztlich miniaturisierte Rechner produzierten und eine neue Kultur der Branche etablierten. Sie führte weg von den ergrauten Herren im dunklen Anzug und langwierigen Entscheidungsprozessen in Großunternehmen hin zu weiblichen und männlichen Jungunternehmern, ausgestattet mit reichlich Erfindungsgeist, Risikobereitschaft und entsprechendem Venture Capital. Damit und mit der Entstehung des Internets in Amerika und der Erfindung des World Wide Web am CERN in der Schweiz entstand eine globale IT-Infrastruktur, die als „Weltcomputer“ alles verändert und die IT zu einem dominanten Faktor in Wirtschaft, Politik und sozialem Leben gemacht hat.
Jürgen Müller
Kapitel 4. Die Transformation der Wirtschaft
Zusammenfassung
Unsere Wirtschaft vollzieht einen Paradigmenwechsel. Er wird charakterisiert durch Leitbegriffe wie Industrie 4.0, Plattformökonomie, den Übergang von der Automatisierung von Prozessen zum Einsatz von entscheidungsbefähigten Maschinen und Blockchains. Die IT definiert als Kernbestandteil dieser Transformation nahezu alle Prozesse und Abläufe neu: wie wir Dinge tun, wie wir an Problemlösungen herangehen und wie Wertschöpfung stattfindet. Traditionelle Grenzen zwischen Branchen werden verwischt, einzelne Unternehmen wachsen, legt man traditionelle Maßstäbe an, in sehr kurzer Zeit vom Start-up zum Global Player heran. Schlagkräftige Innovation ist längst kein Privileg der Großen mehr. Traditionskonzerne werden vor die Wahl gestellt, sich entweder grundlegend zu verändern oder zu verschwinden. Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Kryptographische Blockchain-Technologien rütteln an hergebrachten Währungssystemen. In ihrer Wirkung gehen sie aber weit über das Krypto-Geld hinaus. Sie beschleunigen die Dezentralisierung der Wirtschaft und stellen traditionelle Intermediäre, zentrale Dienstleister, protokollierende Instanzen und regulatorische „Watch Dogs“ vor neue Herausforderungen.
Jürgen Müller
Kapitel 5. IT als Politik mit anderen Mitteln
Zusammenfassung
Die IT nimmt in der politischen Auseinandersetzung innerhalb von Staaten, aber auch und vor allem auf der internationalen Bühne, eine herausragende Rolle ein. Der Cyber War ist zur unterschwelligen Alltäglichkeit geworden, dient aber auch als bewusste Zwischenstufe im Eskalationsprozess von Konflikten. Digitale Infrastrukturen sind gleichzeitig Mittel und vulnerable Ziele der Auseinandersetzung.  Der Krieg in der Ukraine hat auf staatlich und privat organisierte „IT Armeen“ katalytisch gewirkt und sie deutlich sichtbar gemacht. Wahlen werden durch externe und interne Kräfte manipuliert, inadäquate Schlammschlachten im Netz bringen die Betreiber von sozialen Plattformen in die unerwünschte Rolle politischer Akteure. Subtiler vollzieht sich das digitale Wettrüsten, das auf die Stärkung defensiver wie offensiver Fähigkeiten im Cyber War abzielt. Die systemische Auseinandersetzung zwischen dem Westen und vor allem China zeigt sich deutlich im Kampf um die High Tech Dominanz und  im Streben nach Unabhängigkeit bei der Produktion von Halbleitern. Die Vergabe von staatlichen IT Subventionen, gesetzliche Restriktionen für unternehmerische Investitionsentscheidungen sowie Chinas „Repatriierung“ seiner  Tech-Unternehmen von den amerikanischen Börsen zurück ins eigene Land sind weitere Ausdrucksformen dieses Kampfes. Die Entflechtung der Welt auf ökonomischem und politischem Gebiet ist eine sehr bedenkliche Folge davon. Dem Weltcomputer „Internet“ droht die Fragmentierung in Einflusszonen, ein Eiserner Vorhang 2.0 entsteht. Das mit seinen historischen Vorläufern bis ins 19. Jahrhundert  zurückreichende, weltumspannende Netz von Glasfaserkabeln, durch das die Datenströme der Welt fließen, ist zum Objekt der Auseinandersetzung geworden.
Jürgen Müller
Kapitel 6. New Hackonomy – Die andere Plattformökonomie
Zusammenfassung
Hacking ist zu einer Schattenwirtschaft mit globalem Effekt geworden. Staatliche und nicht-staatliche Akteure machen es sich zunutze, der einstige Computer-Nerd im Kapuzenpullover war gestern, die Branche hat sich erheblich professionalisiert. Geschäftsmodelle und Organisationsformen der legalen Wirtschaft werden in die Welt des Cyber Crime übertragen. Dessen Aktivitäten nehmen vielfältige Formen an. Sie reichen von traditionellen Methoden des Betrugs und Geldraubs sowie der Spionage, Sabotage und Erpressung bis hin zu neueren Formen wie Cyber-Söldnertum und Crime-as-a-Service. Krypto-Währungen erweisen sich sowohl als tragende Säulen der New Hackonomy wie auch als Objekte ihrer Attacken. Aktivisten aller Couleur haben Hacking als Werkzeug zum Bau einer besseren Welt entdeckt und damit in unterschiedlichem Maße Erfolg. Hacking erweist sich zudem mehr und mehr auch als eine Gefahr für unser privates Wohnumfeld, sodass jeder auch dort unmittelbar davon betroffen sein kann.
Jürgen Müller
Kapitel 7. Im Kellergewölbe des Internets
Zusammenfassung
Das Dark Web hat einen schlechten Ruf – zu Recht, aber auch zu Unrecht. Es repräsentiert eine von drei Schichten des Internets und entstammt ursprünglich den Fluren des United States Naval Research Laboratory (NRL) in Washington D.C. Quasi als unerwünschte Nebenwirkung und konträr zu den Intentionen seiner Erschaffer, entwickelte es sich zum universell genutzten „Kellergewölbe“ für Kriminelle unterschiedlichster Art. Mit ihnen wird es in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu ausschließlich in Verbindung gebracht. Dass es aber auch ein Forum für freie Meinungsäußerung für Dissidenten, politisch Verfolgte und Whistleblower geworden ist, fällt dabei unter den Tisch. Die im NRL entwickelte Technik namens „Onion Routing“ bietet besonderen Schutz vor Rückverfolgung, verbunden mit einer deutlich besseren Anonymität, als sie im „normalen“ Internet zu erzielen sind. Das macht das Dark Web für sehr heterogene Nutzergruppen so attraktiv und für Strafverfolger so schwierig. Wer sich als „Normalbürger“ dort hinein begibt, sollte aufgrund vielfältiger Risiken genau wissen, was er tut.
Jürgen Müller
Kapitel 8. Digitale Grenzverschiebung
Zusammenfassung
Die Grenzen der IT werden sich deutlich erweitern und sich in den nächsten 20 Jahren in Richtung von „noch mehr Partizipation“ und „noch mehr Nutzen für alle“ verschieben. Beispielhaft für ihre Zukunft stehen die hier ausgewählten Themen Metaverse, das Web 3.0 in Form eines dezentralen Internets der Blockchains und die neue IT-gesteuerte Mobilität. „Quantum Computing“, das Rechnen mit Quanten, wird Wissenschaft und Unternehmen geradezu revolutionäre und sehr viel weitreichendere Möglichkeiten der Problemlösung eröffnen, als sie uns heute zur Verfügung stehen. Diese Innovationen werden einen erheblichen Einfluss auf unseren technischen und wirtschaftlichen Fortschritt haben. Sie sind heute bereits klar erkennbar, obwohl sie erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Ihr Erfolg ist nicht garantiert und ihr weiterer Fortgang noch mit technischen und ökonomischen Unsicherheiten behaftet. Die notwendige staatliche Regulierung des Unvorhersehbaren wird eine intensivere Kooperation mit der Privatwirtschaft und der Wissenschaft erfordern, sofern der Staat nicht wie in der Vergangenheit der technischen Entwicklung hinterherlaufen will.
Jürgen Müller
Backmatter
Metadaten
Titel
Zeitenwende
verfasst von
Jürgen Müller
Copyright-Jahr
2023
Electronic ISBN
978-3-658-41860-1
Print ISBN
978-3-658-41859-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-41860-1