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08.06.2016 | Zeitmanagement | Kolumne | Onlineartikel

Die-Vier-Stunden-Woche oder weniger arbeiten ist mehr

Autor:
Boris Gloger
4 Min. Lesedauer

In seinem Bestseller "The 4-Hour Workweek" behauptet Autor und Unternehmer Timothy Ferris, jeder könne in vier Stunden pro Woche genauso produktiv sein, wie die restliche Arbeitswelt in 40. Man kann das als utopisches Wunschdenken sehen. Oder aber als Weckruf, den auslaugenden Status Quo in der Bürowelt endlich ernsthaft zu hinterfragen.

Unser Arbeitsalltag ist standardisiert und ritualisiert: Hypnotisiert vom ständigen Läuten des Telefons, schleppen wir uns von Termin zu Termin und prüfen zwischen Tür und Angel unsere Outlook-Postfächer. Währenddessen stapeln sich die Aufgaben des Tagesgeschäfts auf dem Schreibtisch immer höher. Doch mit dem eingefahrenen Arbeitsrhythmus der Vergangenheit werden wir die Zukunft der Arbeit nicht bewältigen können. Neue Kommunikationsformen und Geschäftsmodelle der Digitalisierung zwingen ganze Firmen dazu, ihren (Zeit-)Managementansatz zu überdenken, um nicht auf einen kollektiven Burnout zuzusteuern.

Die klassischen Arbeitszeitmodelle bröckeln

Netflix-Mitarbeiter dürfen so viel Urlaub nehmen, wie sie möchten. Microsoft setzt genau wie IBM auf Vertrauensarbeitszeit und richtet seine Büros so flexibel ein, dass jeder Mitarbeiter arbeiten kann, wo immer er will. Diese Unternehmen sind auf dem richtigen Weg und bereits Vorreiter des neuen Modells. Dennoch ist das erst der halbe Weg; das Modell ist noch nicht zu Ende gedacht.

Wir müssen lernen, viel weniger, aber dafür fokussierter zu arbeiten. Wir alle müssen anfangen, weniger zu tun, um mehr zu liefern. Nur so bleiben wir dauerhaft leistungsstark, kreativ und ausgeglichen. Wir müssen uns gesund arbeiten – leichter gesagt als getan, oder?

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Auf den ersten Blick schon, doch nicht, wenn wir uns an die wenden, die bereits vor vielen Jahrzehnten wussten, wie kreatives Arbeiten aussieht. Die großen Denker und Dichter wie Asimov, Einstein, Freud und Goethe haben es vorgemacht: Sie schrieben beziehungsweise arbeiteten teils gerade mal drei Stunden am Tag oder nahmen sich bewusst Auszeiten von mehreren Monaten im Jahr. Hier knüpfen auch Ferris und die vier-Stunden-Woche an: Wer auf seinen Körper hört und sich regelmäßig Auszeiten gönnt, ist nicht faul, sondern effektiv. Denn wer genügend Erholungsphasen in den Arbeitsalltag integriert, zwingt sich gleichzeitig dazu, Produktivitätskiller auszusortieren.

Die Kunst, Nein zu sagen

Wir alle minimieren die Anwesenheit im Büro und steigern damit die eigene Performance – für viele noch ein schöner Tagtraum, dabei reichen für die Umsetzung im ersten Schritt schon kleine Veränderungen aus: Hinterfragen Sie kritisch Ihre Meetings und streichen Sie alle unnötigen Zeitfresser. Bei E-Mails funktioniert das gleiche Prinzip: Checken Sie das Postfach beispielsweise nur noch zwei Mal am Tag und aktivieren Sie dauerhaft einen Abwesenheitsassistenten mit dem Hinweis, dass eingehende Nachrichten unregelmäßig beantwortet werden.

Die selektive Ignoranz erfordert Mut, wirkt aber Wunder bei der Effizienz. Nicht umsonst landen Meetings laut einer Untersuchung des Software-Anbieters Officetime.net auf Platz fünf der größten Arbeitszeitkiller, ganz oben steht die E-Mail-Flut. Schon nach kurzer Zeit wird sich Ihre Produktivität steigern, sodass auch Kollegen und Vorgesetzte schnell ihre Skepsis ablegen werden.

Eine der erfolgreichsten Unternehmensberatungen als Vorbild

Ein Experiment der Harvard Business School in Boston zeigt: Kluges Zeitmanagement führt zu mehr Zufriedenheit und einer gesteigerten Produktivität im Job. Consultants der Boston Consulting Group (BCG) wurden im Zeitraum von 2006-2009 auf die Probe gestellt: Die Teilnehmer des Experiments bekamen jeweils einen Tag in der Woche frei, in dieser Zeit durften sie keine Mails checken oder berufliche Telefonate führen.

Die Qualität der Kundenprojekte litt nicht. Anfangs hatten die Probanden Sorge, durch die Fehlzeiten ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. Das Gegenteil trat ein: Sie waren ausgeglichener und hatten dadurch das Gefühl, den Kunden bessere Ergebnisse liefern zu können. Im Unternehmen erfolgte ein tiefgreifender Wandel: Nach dem Experiment legte die BCG viel mehr Gewicht auf effiziente Arbeitsprozesse – der Schlüssel zum Erfolg für Unternehmen im digitalen Zeitalter.

Weniger arbeiten, mehr leisten

Die Generation Y und ihre Nachfolger werden schon bald mit dem derzeitigen Arbeitsrhythmus brechen und die 40-Stunden Woche begraben. Kindern der Babyboomer ist eine zufriedenstellende Work-Life-Balance wichtiger als ein mühsamer Aufstieg der Karriereleiter. Sie sind dabei in einer guten Position, ihre Vorstellungen auch durchzusetzen: Bei einer derzeitigen Geburtenrate von 1,36 in Deutschland wächst der Wert der Arbeitskraft – nämlich ihrer Arbeitskraft – ins Gigantische.

Selbstbestimmt Urlaub nehmen, Arbeitszeit verkürzen, nebenbei Geld verdienen – mag sein, dass wir mit solchen Modellen noch ganz am Anfang stehen. Es muss nicht gleich die radikale vier-Stunden-Woche sein, doch ich glaube: Der Trend ist unumkehrbar. In Zukunft werden wir besser und zugleich weniger arbeiten.

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