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Über dieses Buch

Auf der Klimakonferenz in Kyoto hatten sich 1997 rund 170 Staaten im Grundsatz auf eine Senkung der globalen Treibhausgasemissionen verständigt. Als ein mögliches Instrument zur Erreichung dieses Ziels wird seither auch der weltweite Handel mit Umweltzertifikaten diskutiert. Umweltzertifikate verbriefen einem Unternehmen oder Staat das Recht, innerhalb eines festgelegten Zeitraums eine bestimmte Schadstoffmenge zu emittieren. Bleibt die tat­ sächliche Emission unter dem zulässigen Wert, so können die nicht benötigten Zertifikate verkauft werden. Auf diese Weise läßt sich erreichen, daß Emissionen jeweils dort vermieden werden, wo es am kostengünstigsten ist. Dies nutzt nicht nur der Umwelt, sondern auch den betroffenen Unternehmen, weil sie auf diese Weise günstiger abschneiden, als wenn sie vom Staat alle pauschal zu gleich großen Einsparschritten gezwungen würden. Auf der 5. Klimakonferenz der UN, die im vergangenen Jahr in Bonn stattfand, hat die inter­ nationale Staatengemeinschaft allerdings noch keine Einigung erzielen können, wie ein globaler Emissionsrechtehandel bei Treibhausgasen ablaufen soll. Während etwa von der EU gefordert wurde, jeweils die Hälfte der beschlossenen Emissionsverringerung im eigenen Lande zu realisieren und nur die andere Hälfte zum grenzüberschreitenden Handel freizu­ geben, wird vor allem auf amerikanischer Seite die Position vertreten, daß sich die Vorteile des Zertifikatehandels nur bei einer generellen Anwendung nutzen lassen. Neben solchen grundsätzlichen Differenzen zwischen den einzelnen Industrieländern sowie zwischen Indu­ strie- und Entwicklungsländern sind auf dem Klimagipfel in Bonn aber auch noch weitere Fragen offen geblieben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

1. Einleitung

Zusammenfassung
Parallel zur wirtschaftlichen Globalisierung des letzten Jahrzehnts hat eine solche Globalisierung auch im Bereich der Ökologie stattgefunden. Waren es anfangs noch eher lokale Umweltprobleme höher entwickelter Industrienationen wie die Gewässerverschmutzung oder die Frage der Müllentsorgung, die im Zentrum des öffentlichen Interesses standen, ist dies mittlerweile vor allem der Erhalt der sogenannten „global commons“.1 Neben dem Schutz der Ozonschicht zählt zu diesen globalen Umweltgütern in erster Linie der mit dem Begriff des „Treibhauseffektes“ verknüpfte Klimaschutz. Grundlegend für die Erwartung eines Anstiegs der weltweiten Durchschnittstemperatur ist die Erkenntnis, daß die Konzentration verschiedener Spurengase in der Atmosphäre seit dem Beginn der Industrialisierung ansteigt. Spätestens seit Mitte diesen Jahrhunderts sind dabei die sogenannten „anthropogenen“ — d. h. menschengemachten — Ursachen gegenüber den natürlichen in den Vordergrund getreten.2 Der Mensch trägt dabei in erster Linie durch die Verbrennung fossiler Energieträger und die Abholzung von Wäldern zur erhöhten Spurengaskonzentration und zu der dadurch zu erwartenden Temperaturänderung bei. Problematisch ist dies vor allem deshalb, weil die globale Erwärmung in vergleichsweise kurzen Zeiträumen vonstatten geht und damit die Anpassungsfähigkeit der meisten Ökosysteme überlastet wird. Als Folge des Treibhauseffektes wird unter anderem mit einem Anstieg des Meeresspiegels, einer Verschiebung der Klimazonen und einer Zunahme extremer Wetterereignisse wie Hurricans oder Trockenheiten gerechnet.
Petra Kreis-Hoyer

Die Kosten-Nutzen-Analyse der Klimapolitik

Frontmatter

2. Der Nutzen der Klimapolitik

Zusammenfassung
Der Nutzen einer Klimapolitik entsteht dadurch, daß der Einsatz umweltpolitischer Instrumente die Schäden, die sich aus einer unbegrenzten Entwicklung des Treibhauseffektes ergeben würden, reduziert. Um diesen Nutzen zu quantifizieren ist es deshalb notwendig, sich zuerst ein Bild von der Entwicklung ohne klimapolitische Maßnahmen zu machen. Dazu werden im folgenden die Ursachen des Treibhauseffektes und die aus einer unbeeinflußten Emissionsentwicklung resultierenden Klimaänderungen analysiert. Diesem „Referenzpfad“ wird die durch entsprechende Eingriffe erreichbare Emissions- bzw. Konzentrationsentwicklung gegenüberstellt. Die Schäden des Treibhauseffektes, die sich durch eine verringerte Temperaturänderung vermeiden lassen, stellen dann den Nutzen der Klimapolitik dar. Dabei wird aus analytischen Gründen die Frage der monetären Bewertung getrennt von der rein quantitativen Erfassung der Folgen untersucht. Abbildung 2-1 verdeutlicht dieses Vorgehen graphisch.
Petra Kreis-Hoyer

3. Die Kosten der Klimapolitik

Zusammenfassung
Um die Kosten der Klimapolitik abschätzen zu können, werden im folgenden zuerst die unterschiedlichen Potentiale denkbarer Vermeidungsoptionen dargestellt. Als Ansatzpunkte klimapolitischer Maßnahmen stehen dabei grundsätzlich alle Stufen im „Entstehungsprozeß“ des Treibhauseffektes zur Verfügung. Der Zielsetzung der Arbeit entsprechend, liegt wiederum ein Schwerpunkt der Betrachtung auf der Herausarbeitung regionaler Unterschiede bei den Einsatzmöglichkeiten der Vermeidungsoptionen.
Petra Kreis-Hoyer

4. Vergleich der Nutzen und Kosten der Klimapolitik

Zusammenfassung
In den beiden vorangegangenen Kapiteln wurde versucht, eine Aussage über den Nutzen bzw. die Kosten, die in Entwicklungsländern und in Industrieländern im Zusammenhang mit einer Bekämpfung des Treibhauseffektes anfallen, zu treffen. Beide Kategorien umfassen dabei in erster Linie in der Zukunft auftretende Effekte der heutigen Politikentscheidungen. Vor allem auf der Nutzenseite würden die Schäden aufgrund einer unterlassenen Klimapolitik möglicherweise erst in mehreren Jahrzehnten spürbar. Auch wenn bei den Vermeidungskosten in den ersten Jahren wahrscheinlich noch Reduzierungspotentiale mit relativ geringen Kosten realisierbar sind (insbesondere No-regret-Maßnahmen), fallen die Aufwendungen insgesamt doch deutlich früher an als die sich aus der Klimapolitik ergebenden Nutzen.1 Im Rahmen der Entscheidung über eine Bekämpfung des Treibhauseffektes ist deshalb die Wahl der Diskontierungsrate von noch größerer Bedeutung als sie es schon in herkömmlichen finanzwissenschaftlichen Kosten-Nutzen-Analysen ist.2 Im folgenden Abschnitt 4.1 werden deshalb mehrere denkbare Konzepte der Diskontierung kritisch beleuchtet. Anschließend gibt Abschnitt 4.2 einen Überblick über die Ergebnisse ausgewählter Kosten-Nutzen-Analysen. Das Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse, die sich aus den Überlegungen des Teils A für den Fortgang der Arbeit ableiten lassen.
Petra Kreis-Hoyer

Das internationale Zertifikatesystem

Frontmatter

5. Grundlagen der Zertifikatelösung

Zusammenfassung
Geht man vom Ergebnis des Teils A dieser Arbeit aus, wonach eine internationale Klimapolitik zur Eindämmung des Treibhauseffektes einen positiven Barwert hat, stellt sich als nächstes die Frage nach einem geeigneten Instrument für diese Umweltpolitik. Aus ökonomischen Gesichtspunkten muß die Eindämmung der Klimaveränderung so instrumentalisiert werden, daß die knappen Ressourcen effizient eingesetzt werden. Ein Instrument, das dieser Anforderung genügt, ist das in dieser Arbeit präferierte Zertifikatesystem.
Petra Kreis-Hoyer

6. Ausgestaltung eines internationalen Zertifikatesystems

Zusammenfassung
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit vier wesentlichen Aspekten der Ausgestaltung internationaler Zertifikate. Neben der Frage nach den einbezogenen Treibhausgasen sowie der Berücksichtigung der Senken wird dabei die Ebene der Zertifikatepflicht, die Höhe des Zertifikateangebotes sowie die zeitliche Ausgestaltung der Lizenzen behandelt. In allen vier Abschnitten geht es dabei nicht nur darum, die theoretisch effiziente Lösung zu ermitteln. Vielmehr ist das Ziel dieses Kapitels die Herausarbeitung einer pragmatischen Lösung, die auf der Basis der tatsächlichen Verhandlungssituation sowohl politisch durchsetzbar als auch unter Transaktionskostengesichtspunkten vertretbar erscheint. Zu diesem Zweck werden die jeweils denkbaren Ausprägungen der vier untersuchten Aspekte sowohl bezüglich ihrer Effizienz als auch in Hinblick auf die damit verbundenen Transaktionskosten miteinander verglichen.
Petra Kreis-Hoyer

7. Kooperationsanreize im Zertifikatesystem

Zusammenfassung
Bereits die allgemeinen Ausführungen des Kapitels 5 haben gezeigt, daß die Anzahl der am Zertifikatesystem teilnehmenden Länder eine — wenn nicht sogar die — kritische Größe für den Erfolg des Klimaabkommens darstellt. Sowohl die ökologische Treffsicherheit als auch die statische und dynamische Effizienz des Systems steigen mit wachsender Teilnehmerzahl. Dies gilt um so mehr, je eher mit Leakage-Effekten zu rechnen ist und je größer die Vermeidungskostenunterschiede der beteiligten Länder ausfallen.
Petra Kreis-Hoyer

8. Die Stabilität des Zertifikatesystems

Zusammenfassung
In diesem Kapitel sollen die Verhandlungen über ein internationales Zertifikatesystem als sogenanntes „Superspiel“, d. h. als ein wiederholter Prozeß dargestellt werden, in dem sich die Teilnehmerländer in jeder Periode neu zwischen kooperativem und nichtkooperativem Verhalten entscheiden. Gäbe es bei diesem Spiel einen vorgegebenen Zeithorizont, entsprächen die Ergebnisse genau denen des einstufigen Spieles aus Kapitel 7.1 Da internationale Abkommen aber eher als ein unendlich wiederholter Prozeß beschrieben werden können, bringt diese Ausweitung wesentliche neue Erkenntnisse.
Petra Kreis-Hoyer

9. Polit-ökonomische Aspekte des Zertifikatesystems

Zusammenfassung
Bisher wurde unterstellt, daß auf Staatenebene getroffene Entscheidungen die Präferenzen der Bewohner des jeweiligen Landes repräsentieren. Tatsächlich ist die Entscheidungsfindung im politischen Prozeß aber wesentlich komplizierter.1 Zwar muß jede politische Führungsstruktur — als ein System expliziter oder impliziter Vereinbarungen zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft — stabil im Sinne sich selbst durchsetzender Verträge sein, daraus ergeben sich aber nicht automatisch auch effiziente Ergebnisse.2 Im folgenden werden deshalb die Entscheidungsprozesse unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme miteinander verglichen, um daraus Aussagen über die politische Durchsetzbarkeit internationaler Zertifikate abzuleiten. Im Gegensatz zu den Überlegungen des Abschnittes 5.2.6 steht dabei nicht mehr die Frage nach der Instrumentenwahl im Zentrum des Interesses. Vielmehr sollen zusätzliche Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welchen Einfluß die national unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen auf die grundsätzliche Entscheidung für oder gegen die Teilnahme an einem internationalen Zertifikatesystem haben.
Petra Kreis-Hoyer

10. Schlußbetrachtung

Zusammenfassung
Die Bekämpfung des Treibhauseffektes ist eine der vorrangigsten ökologischen Aufgaben, mit denen sich die internationale Staatengemeinschaft zur Zeit konfrontiert sieht. Die Verhandlungen über Form und Umfang der zu ergreifenden Klimaschutzmaßnahmen sind durch sehr unterschiedliche nationale Interessen gekennzeichnet.
Petra Kreis-Hoyer

Backmatter

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