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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung: Integration, Zivilgesellschaft und Sozialkapital

Einleitung: Integration, Zivilgesellschaft und Sozialkapital

Zusammenfassung
Zivilgesellschaft und Sozialkapital werden als zentral für die soziale und politische Integration moderner Gesellschaften betrachtet. Neue soziale Ungleichheiten und wachsende kulturelle Unterschiede führen zu Integrations-problemen, die durch zivilgesellschaftliches Engagement und die Bildung von Sozialkapital gelöst werden sollen. Doch hat Zivilgesellschaft an sich einen integrierenden Charakter und ist Sozialkapital tatsächlich ein Garant für eine gut funktionierende Demokratie?
Brigitte Geiβel, Kristine Kern, Ansgar Klein, Maria Berger

Der Beitrag der Zivilgesellschaft zur politischen und sozialen Integration

Frontmatter

Einleitung: Arbeiten am Konzept Zivilgesellschaft

Zusammenfassung
Der Begriff Zivilgesellschaft hat seit den siebziger Jahren diverse Diskurse politischer Akteure geprägt (Klein 2001) und wird mittlerweile weltweit verwendet. Die damit verbundenen Forschungskonzepte sind zumeist normativ geprägt und in der deskriptiv-analytischen Operationalisierung uneindeutig. Arbeiten am Konzept Zivilgesellschaft bedeutet daher insbesondere die wissenschaftliche Verständigung auf sinnvolle analytische Operationarisierungen des vieldeutigen und schillernden Begriffs (Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen 2003; Gosewinkel/Rucht/van den Daele/Kocka 2004).
Ansgar Klein

Zivilgesellschaft und Staat in der Demokratie

Zusammenfassung
Der Begriff der Zivilgesellschaft hat in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Zunächst wurde er im westlichen Kontext vor allem von politisch links orientierten Denkern zur Bezeichnung des radikal-demokratischen Projekts der Ausweitung von politischen Partizipationsmöglichkeiten und im Kontext der Diskussionen osteuropäischer Intellektueller als normativ und utopisch angereicherter Begriff zur Kennzeichnung der Zielvorstellungen von oppositionellen Gruppierungen in ihrem Streben nach Emanzipation der unterdrückten Gesellschaft von allen obrigkeitlichen Reglementierungen gebraucht. Inzwischen wird er auch von Vertretern des Kommunitarismus benutzt, um republikanische Tugenden wie bürgerschaftliches Engagement, individuelle Verantwortungsübernahme, Gemeinwohlorientierung oder Toleranz einzuklagen. Ebenso verwenden ihn heute aber auch konservativ eingestellte Intellektuelle, die den Begriff einsetzen, um gegen den allgemeinen Werteverfall Front zu machen. Er hat auf diese Weise eine Bedeutungsvielfalt erlangt, die seine analytische Gebrauchsfähigkeit stark einschränkt.
Detlef Pollack

Die dunklen Seiten der Zivilgesellschaft Grenzen einer zivilgesellschaftlichen Fundierung von Demokratie

Zusammenfassung
Seit Robert Putnams Italien-Studie „Making Democracy Work“ (1993) ist ein verstärktes Interesse an den gesellschaftlichen Bedingungen für die Funktionsfähigkeit liberaler Demokratien zu beobachten. Im Zentrum steht dabei jene Sphäre „Jenseits von Markt und Staat“, die mit solch unterschiedlichen Konzepten wie „Zivilgesellschaft“, „Bürgergesellschaft“, „Netzwerkgesell-schaft“ oder „Dritter Sektor“ beschrieben wird. Social capital — Sozialkapital bzw. Sozialvermögen — ist dabei zu einem Schlüsselbegriff avanciert, der in unterschiedlichen Operationalisierungen in die historische und empirische Forschung Einzug gehalten hat.2 Die emphatische Wiederentdeckung Tocquevilles für die politische Theorie weist in die gleiche Richtung (Wolin 2001). Die einfache Botschaft lautet: „Tocqueville was right: Democratic government is strengthened, not weakened, when it faces a vigorous civil society.“ (Putnam 1993: 182)
Roland Roth

Kommunen in Ostdeutschland Der schwierige Weg zur Bürgerkommune

Zusammenfassung
Spätestens seit Alexis de Tocquevilles epochemachendem Werk „ Über die Demokratie in Amerika“ wissen wir, dass die Gemeinden einer der ausgezeichneten Orte bürgerlich-ziviler Freiheit sind. So „ruht“ nicht nur die „Kraft der freien Völker in der Gemeinde“, sondern es gilt — zumindest für Tocqueville — darüber hinaus auch, dass „ein Volk“ insgesamt den „Geist der Freiheit“ ohne Gemeindeinstitutionen gar nicht besitzen kann (Tocqueville 1985: 52). Sieht man sich Tocquevilles Ausführungen etwas näher an, wird jedoch schnell eine gewisse Ambivalenz, ja ein irritierendes Problem sichtbar, auf das jüngst William Galston hingewiesen hat (Galston 2000: 68). Denn einerseits fungiert jener kommunale Geist der Freiheit als Bollwerk und Schutzwehr gegen die hegemonialen und begehrlichen Durchgriffsambitionen zentralstaatlicher Gesetzesmacht und institutionalisierter Steuerungskompetenz. Andererseits scheinen es für einen der Ahnherren zivilgesellschaftlicher Reflexionen paradoxerweise gerade jene Gesetze zu sein, die den Geist der Freiheit überhaupt erst erzeugen (Tocqueville 1985: 51). Tocqueville formuliert damit ein Problem, das nicht nur bereits in der Hochrenaissance bei Donato Giannotti oder Francesco Giucciardini virulent gewesen war, sondern das auch Benjamin Barber, Ralf Dahrendorf und Jürgen Habermas gleichermaßen umtreibt: Kann ein (zugegeben etwas euphorisch betitelter) zivilgesellschaftlicher „Geist der Freiheit“ institutionell-rechtlich und damit auch politisch (mit)geschaffen, erzeugt oder insinuiert werden, oder liegt er nahezu mysteriös, opak und unplanbar jeglichen politisch-zivilen Institutionalisierungen voraus und zugrunde?1
Alexander Thumfart

Notwendige Illusionen Zur Rolle der Zivilgesellschaftsnorm in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit

Zusammenfassung
„Wandel durch Annäherung“ lautete ein berühmtes Konzept aus der Zeit der west-östlichen Entspannungspolitik. Die politische Hypothese war damals, dass eine diplomatische Annäherung von Staaten mit entgegengesetzten politischen Ordnungen zur behutsamen Öffnung bisher geschlossener Gesellschaften und damit zu ihrem friedlichen Wandel beitragen könnte. Im Zuge der neueren Globalisierungsdiskussion ist man nun der umgekehrten Hypothese einer „Annäherung durch Wandel“ nachgegangen, die sich wie folgt formulieren lässt: Der globale Wandel von politischen Ordnungen (durch Demokratisierung, Marktöffnung usw.) und objektiven Problemlagen (neue Bedrohungen usw.) begünstigt eine Annäherung und Integration unterschiedlicher, bisher ausschließlich national gebundener Gesellschaften und Öffentlichkeiten. Um dieser hoffnungsvollen Konvergenzperspektive Ausdruck zu verleihen, ist in den vergangenen Jahren der ohnehin theoretisch kaum gehärtete Begriff der Zivilgesellschaft durch „conceptual stretching“ (Sartori 1970) auf immer neue Kontexte angewendet worden.
Volker Heins

Soziales Kapital: Garant für politische Integration?

Frontmatter

Einleitung: Sozialkapital im demokratischen Prozess Theorieangebote und empirische Befunde

Zusammenfassung
Die weltweite Ausbreitung von Demokratie wurde und wird begleitet von erheblichen Zweifeln an den real existierenden demokratischen Ordnungen (z.B. Kaase/Newton 1995; Norris 1999; Dalton 2002; Putnam/Pharr/Dalton 2000). Bei weitgehender Akzeptanz von Demokratie als bester Regierungs-form sehen sich das politische Personal wie die politischen Institutionen zunehmend mit Misstrauen und Kritik konfrontiert. Als Lösung aus Unzufriedenheit und Entfremdung erscheinen seit einigen Jahren Begriffe wie „Zivilgesellschaft“ oder „soziales Kapital“ am demokratisch-politischen Horizont. Robert D. Putnam, der soziales Kapital mit Hufe der Begriffe Vertrauen, Netzwerke und Reziprozitätsnormen definiert, hatte Anfang der neunziger Jahre aufgezeigt, dass in den von ihm untersuchten italienischen „regional governments“ das Sozialkapital „makes democracy work“. Inspiriert von diesen Ergebnissen entwickelte sich vielfach eine — fälschlicherweise implizit oder explizit dem Putnam’schen Konzept unterstellte — Sozialkapital-Euphorie und „Sozialkapital-Romantik“. Durch den Aufbau von sozialem Kapital könnten, so die Hoffnung, politische Unzufriedenheit und Entfremdung abgebaut und die Performanz der Regierungen verbessert werden. Überspitzt formuliert: Soziales Kapital gewährleiste gut funktionierende Demokratien mit aktiven, zufriedenen und vertrauenden Demokraten.
Brigitte Geißel

Sozialkapital, Netzwerke und Demokratie

Zusammenfassung
In den letzten Jahren hat die Diskussion über soziales Kapital, die sich zuvor vor allem auf die USA konzentrierte, in Europa stark an Bedeutung gewonnen. Ausgelöst wurde die kontroverse Debatte durch Robert Putnam (1995a, 1995b, 2000) und seine provokante These von der Erosion des Sozialkapitals in den USA und den daraus resultierenden Folgen für die amerikanische Demokratie. Zwischenzeitlich sind zahlreiche Länderstudien sowie einige international vergleichende Arbeiten entstanden, die Aufschluss darüber geben wollen, ob es sich bei der Entwicklung in den USA um einen weltweiten Trend oder lediglich um eine zusätzliche Variante des „American Exceptionalism“ handelt.1 Zudem wurde der Forschungsansatz auf andere Politikebenen ausgedehnt und beispielsweise auf die amerikanischen Einzelstaaten oder die schweizerischen Kantone2 angewandt. Darüber hinaus sind in den letzten Jahren viele historisch angelegte Arbeiten hinzugekommen. Dadurch hat neben der räumlichen auch die zeitliche Dimension für diese Forschungsrichtung eine Aufwertung erfahren.3
Kristine Kern

Solidarität, Sozialkapital und Systemvertrauen Formen sozialer Integration

Zusammenfassung
Mit der Frage „Wie ist soziale Ordnung möglich?“ kommt Niklas Luhmann (1981) zufolge jene Problemstellung zur Sprache, durch die sich die Soziologie als wissenschaftliche Disziplin konstituiert; dabei zeichne sich jede wissenschaftliche Disziplin durch eine bestimmte und nur eine solche Problemstellung aus. Um welche Problem- und nicht bloß Fragestellung handelt es sich aber bei der Soziologie? Zur Beantwortung dieser Frage empfiehlt sich Georg Simmel. Denn Simmel (1958: 21ff.) hat dieser Problemstellung, für die Kants Frage „Wie ist Natur möglich?“ Vorbild war, zum ersten Mal gezielt Ausdruck verliehen.1
Kai-Uwe Hellmann

Determinanten sozialen Vertrauens Ein international vergleichender Theorientest

Zusammenfassung
„Vertrauen ist der Anfang von allem“, behauptet die Deutsche Bank in ihrer Werbung. Die Frage lässt sich auch umdrehen. Was ist eigentlich der Anfang von Vertrauen? Oder allgemeiner: Was sind die Determinanten von Vertrauen? Warum vertraut ein Teil der Bevölkerung seinen Mitbürgern, während ein anderer Teil — in den meisten Ländern übrigens der weitaus größere — sagt, man könne im Umgang mit anderen nicht vorsichtig genug sein? Welche individuellen Merkmale bestimmen Vertrauen, und welche Rolle spielt der gesellschaftliche Kontext? Dies sind die zentralen Fragen dieses Beitrags, die auf empirischer Grundlage beantwortet werden. Für sieben Gesellschaften, sechs europäische und eine nicht-europäische, wird mit Hilfe der Euromodul-Umfrage von 1999-2001 die Erklärungskraft verschiedener Theorien, worauf Vertrauen beruht, getestet. Ziel ist, innergesellschaftliche Unterschiede im interpersonalen Vertrauen zu erklären. Worin unterscheidet sich in verschiedenen Gesellschaften der Teil der Bevölkerung, der den Mitmenschen allgemein vertraut, von dem Teil, der misstraut? Nicht im Mittelpunkt soll hingegen die Frage stehen, warum sich die Gesellschaften in der Verbreitung von Vertrauen unterscheiden. Der Beitrag gliedert sich in vier Abschnitte: Im ersten Abschnitt wird der Vertrauensbegriff eingegrenzt und werden Theorien skizziert, die den Anspruch haben, die Herkunft von Vertrauen zu erklären (wenn auch nicht exklusiv). Im zweiten Abschnitt wird die Datenbasis vorgestellt und gezeigt, wie verbreitet Vertrauen in den sieben untersuchten Gesellschaften ist. Im dritten Abschnitt wird die Erklärungskraft der Theorien empirisch getestet. Im vierten Abschnitt werden wesentliche Punkte zusammengefasst und ein Ausblick gegeben, ob durch gesellschaftspolitische Maßnahmen mehr Vertrauen geschaffen werden kann.
Jan Delhey, Kenneth Newton

Motor der Demokratisierung oder der Exklusion? Zur Rolle und Bildung von Sozialkapital in Politiknetzwerken

Zusammenfassung
Das Konzept des Sozialkapitals — unter dem hier im Anschluss an die auf Coleman (1988) und Putnam (1993, 1995) zurückgehende Diskussion Netzwerkbeziehungen, generalisiertes Vertrauen in Bezug auf eine Gruppe sowie geteilte informelle Normen zusammengefasst werden sollen — wird in der politischen wie der politikwissenschaftlichen Diskussion unter zwei spannungsreichen Aspekten diskutiert: zum einen aus einer steuerungstheoretischen Perspektive — zumeist in Anlehnung an die Arbeiten von Putnam (2000) und Ostrom (2003) — als Erklärungsfaktor für die Leistungsfähigkeit von institutionellen Arrangements (in einem weiten Sinne des Institutionenbegriffs). Dabei steht die These im Mittelpunkt, dass soziales Kapital die kollektive Handlungsund Problemlösungsfähigkeit erhöht. Zum anderen wird es — zumeist in Anlehnung an die Arbeiten von Bourdieu (1982, 1983) — unter dem demokratietheoretischen Aspekt als Erklärungsfaktor für den unterschiedlichen Einfluss verschiedener gesellschaftlicher Gruppen auf den Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung erörtert. Hier steht die Frage nach der Inklu-sions-oder Exklusionswirkung von sozialem Kapital im Vordergrund.
Peter H. Feindt

Ethnische Gemeinschaften: Brücken zur Integration oder Parallelgesellschaften?

Frontmatter

Einleitung: Ethnische Gemeinschaften als Integrationschance?

Zusammenfassung
Zentrales Thema des dritten und abschließenden Teils dieses Bandes ist die Funktion des ethnischen sozialen Kapitals und dessen Bedeutung für die Demokratie. Die Frage, ob soziales Kapital immer und in jeder Form eine gute Sache ist oder vielleicht auch dunkle Seiten kennt, ist in den ersten beiden Abschnitten schon ausführlich erörtert worden. In der Diskussion über die eventuellen dunklen Seiten des Sozialkapitals und deren Konsequenzen stellt das ethnische soziale Kapital ein sowohl wissenschaftlich als auch politisch überaus interessantes und relevantes Forschungsfeld dar.
Maria Berger

Zur Funktion ethnischer Vereinigungen Die Resonanz ethnischer Vereinigungen mit Integrations- oder Segregationszielen: Reflexionen zur Hypothesenbildung

Zusammenfassung
Die Leitfrage der Buches gilt dem Beitrag, den zivilgesellschaftliche Akteure zur sozialen und politischen Integration/Reintegration der Bevölkerung leisten können, genauer der Frage, in welcher Beziehung jene Mobilisierung sozialen Kapitals, die in freiwilligen Vereinigungen stattfindet, zu den politischen Prozessen der Demokratie steht. Ergänzt und fördert die Mobilisierung sozialen Kapitals die Funktionsfähigkeit der Demokratie und wird sie sogar zur immer wichtigeren Voraussetzung? Oder birgt diese Mobilisierung eher das Risiko einer Beeinträchtigung und Behinderung der Integrationskraft der Demokratie? Man kann diese allgemeine Frage gut am Beispiel derjenigen Vereinigungen analysieren, die auf spezifisch ethnischer Zusammengehörigkeit aufbauen. Sind solche ethnischen Vereinigungen „Brücken zur Integration“ oder begünstigen sie fragmentierte „Parallelgesellschaften“? Diese Frage ist in Bezug auf die Bedingungen pluriethnischer Koexistenz auch in Europa von höchst aktueller Bedeutung.
Jürgen Fijalkowski

Ethnische Vereine in der Selbst- und Fremdbewertung Plädoyer für einen relationalen Sozialkapital-Ansatz

Zusammenfassung
Seit Mitte der neunziger Jahre erlebt das Konzept „Sozialkapital“ einen ungeahnten Boom. Studien und Kommentare schreiben der Förderung von Sozialkapital eine solidaritäts- und demokratiefördernde Kraft zu. Es scheint, dass Sozialkapital zu einer zentralen Hoffnungsformel in der Integrations- und Zivilgesellschaftsforschung geworden ist. Allerdings sind empirische Studien zum Thema Migration und Sozialkapital bisher noch kaum vorhanden.
Valentin Rauer

Fördert die Partizipation in ethnischen Vereinen die politische Integration im Aufnahmeland? Theoretische Perspektiven und empirische Evidenzen

Zusammenfassung
Die Bilder, die in den Medien zum Thema Einwanderer und Politik vermittelt werden, sind vielfältig und reichen von im Schutz von Moscheeverein und Grundgesetz lebenden „Politextremisten“ (SPIEGEL 48/98) bis hin zum rechtlich geknebelten Ausländer, der „links und stumm“ (Die Zeit 39/94) das politische Geschehen verfolgt. Auch wenn man die weitere Diskussion des Realitätsgehalts dieser Bilder einmal der öffentlichen Debatte überlässt und sich mit dem bescheideneren Ziel zufrieden gibt, die Grundmuster der politischen Partizipation von Einwanderern in Deutschland zu beschreiben, zeigt sich schnell ein eklatanter Mangel an verlässlichen Informationen. Sind Ausländer besonders politisch oder besonders unpolitisch eingestellt? Unterscheiden sie sich in ihren politischen Verhaltensweisen überhaupt so sehr von den Deutschen? Und wenn ja, reflektieren diese Unterschiede eher die institutionellen Bedingungen im Aufnahmeland wie z.B. ihr fehlendes Wahlrecht, ihre individuellen Merkmale wie z.B. ihr niedrigeres Bildungsniveau, oder Gruppenmerkmale wie z.B. den Grad der Enklavenbildung? Selbst diese einfachen Fragen sind bislang weitgehend offen und es liegen nur beschränkt Daten vor, anhand derer eine Klärung erfolgen könnte.
Claudia Diehl

Integration durch die Hintertür Ethnisches Sozialkapital und politische Partizipation von Migranten in Berlin

Zusammenfassung
In diesem Beitrag geht es um die politische Partizipation von Migranten in Berlin. In der Gastarbeiter-Ära, in der Zuwanderer als temporäre Arbeitsmigranten angesehen wurden und sich oft auch selbst so wahrnahmen, stand der sozioökonomische Aspekt des Integrationsprozesses im Vordergrund. Nun, da aus den Einwanderern Mitbürger auf Dauer geworden sind und ihre Angehörigen der zweiten und dritten Generation immer sichtbarer und zahlreicher werden, kann die Frage nach der politischen Rolle von Migranten nicht länger übergangen werden. Von einem normativen Standpunkt aus ist es für demokratische Gesellschaften unmöglich zu tolerieren, dass große Teile der Bevölkerung von demokratischen Rechten ausgeschlossen werden und sich nicht am politischen Leben beteiligen. Ein Blick auf die realen Fakten zeigt, dass die Migranten selbst nicht passiv geblieben sind und sich zu einer immer stärker wahrnehmbaren Gruppe in öffentlichen Debatten und politischen Auseinandersetzungen entwickelt haben.1
Maria Berger, Christian Galonska, Ruud Koopmans

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