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2009 | Buch

Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung

Beiträge aus Wissenschaft und Praxis

herausgegeben von: Reinhold Popp, Elmar Schüll

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

Buchreihe : Zukunft und Forschung

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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Philosophie und Geschichte der Zukunftsforschung

Frontmatter
Verkaufte Zukunft
Strategien und Inhalte der kommerziellen „Trendforscher“

Eine kursorische Analyse von Zeitungen und Zeitschriften über die Gesellschaft der Zukunft fördert eine Reihe erstaunlicher Schöpfungen zu Tage: Die Arbeitswelt von morgen sei, folgt man dem meistzitierten und nach eigener Aussage „renommiertesten“ Trendforscher, dem Frontmann eines von ihm gegründeten „Zukunftsinstituts“, Matthias Horx, charakterisiert von Groundworkern, High Skill Workers, Hobbyworkern und Teleworkern, Freeployees und Selbstpreneuren. In einer Studie für den Beate-Uhse-Konzern über die vorgeblichen Sex-Styles 2010 identifizierte Horx unter anderem die Pleasure Parents, Cool Cats oder Sex Gourmets. Für andere Zeitschriften werden ja nach Bedarf Glücksstrateginnen und Tiger Ladies oder Silver Grannys aufs soziologische Tapet gebracht. In der „aktuellen Männerstudie“ des „Zukunftsinstituts“ treten Health-Hedonisten und Self-Designer neben Work-Life- Venturists und Every-Day-Managern auf. Die Typologie der „Lebensstile 2020“ setzt sich aus weiteren seltsamen Avataren zusammen, die CommuniTeens heißen oder Inbetweens, Young Globalists, Silverpreneure oder Greyhopper. Die Leser stoßen auf Latte-Macchiato-, VIB- oder Netzwerk-Familien, auf die Trends zum Downaging oder zur Opalution, zur Bike Mania und zu Creative Hubs … insgesamt also auf eine unglaubliche und von keiner kontextuellen Logik gezähmte, von keinem sinnvollen Bezugsrahmen geordnete Ansammlung von Feuilletonismen. Dass all diese Typologien in Konkurrenz zu hundert anderen aus anderen Marktforschungsabteilungen oder Forschungseinrichtungen stehen, dass selbst die kommerzielle Marktforschung sich in ihren neuesten methodologischen Offenbarungen gegenüber einem solchen Konstruktivismus höchst skeptisch zeigt (Koschnick 2006), beeindruckt die Produzenten dieser Trend-Soziologismen in keiner Weise: Sie erklären schlicht die Verkäuflichkeit und die publizistische Verbreitung zu Belegen der Validität ihrer Befunde.

Holger Rust
Zukunft neu denken

Traum. Ahnung. Vorstellung. Idee: Wünsche und Visionen von einer besseren Zukunft gibt es in der gesamten Menschheitsgeschichte. Dahinter verbirgt sich die uralte Sehnsucht nach dem guten Leben, aber auch der Wunsch, dem kommenden Leben einen tieferen Sinn zu geben und nicht nur blindlings in den Tag hineinzuleben. Wer in die Zukunft sehen oder gar „die Zukunft voraussagen will, muss möglichst viel vom Gegenwärtigen und Vergangenen wissen“ (Gehmacher 1968 , S. 63). Erst danach lassen sich Berechnungen anstellen und kreative Zukunftsideen und Visionen entwickeln. Die Träume von gestern und die Visionen von morgen liegen nicht weit auseinander – ganz im Goethe'schen Sinne, wonach der Mensch nur deshalb träume, damit er nicht aufhöre zu sehen: Zukunfts-Träume sind eine Art Fern-Sehen.

Horst W. Opaschowski
Wovon ist die Zukunftsforschung eine Wissenschaft?

Mit den Bezeichnungen für Forschungsrichtungen ist häufig ein Hinweis auf den Gegenstandsbereich der jeweiligen Forschung verbunden: Technikforschung erstreckt sich auf Technik, Hirnforschung auf das Gehirn, Verkehrsforschung auf alles, was zum Verkehr hinzugehört oder Klimaforschung eben auf das Klima, seine Veränderungen, die involvierten Kausalketten etc. So gesehen erscheint die Frage nach dem Gegenstandsbereich der Zukunftsforschung müßig: der Gegenstand der Zukunftsforschung kann nur die Zukunft sein, Zukunftsforschung erforscht die Zukunft. Soweit nicht überraschend – und sogar zutreffend. Aber in einem anderen Sinne als wahrscheinlich von Vielen zunächst vermutet und vielleicht für sie überraschend. Genau diesen „anderen Sinn“ gilt es in diesem Beitrag herauszuarbeiten.

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Armin Grunwald
Gedanken zur Wahrnehmung der Zukunft

Technischer Fortschritt beeinflusst mit beschleunigter Dynamik nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern zunehmend auch unsere Lebenswelt. Somit betrifft er alle Mitglieder unserer Gesellschaft, auch diejenigen, die sich mit den sich rasant entwickelnden Informationstechnologien nicht auseinandersetzen wollen oder können. Die immer rascheren Veränderungen überfordern uns mit unseren auf statischem Denken beruhenden Rezepten. Wir denken meist quasistatisch und in linearen Kausalitäten. Wir können leichter in Wirkungsketten als in Wirkungsnetzen denken. Wir sind kaum in der Lage, die vernetzte Dynamik komplexer Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft zu erfassen (Dörner 1989 , Jischa 2008 , Ludwig 2001 , Vester 1999). Die Situation, in der sich moderne, hoch entwickelte Gesellschaften befinden, haben Lübbe und Popper prägnant formuliert.

Michael F. Jischa
Zukunftsentwicklung aus postmoderner Perspektive

Wohl seit der Mensch über die Differenzierung der Zeitdimension in Form von Vergangenheit und Gedächtnis, Gegenwart und Bewusstsein, Zukunft und Ungewissheit verfügt, hat er versucht, die Ungewissheit der Zukunft zu reduzieren. Dies in den vormodernen Zeiten durch zwei unterschiedliche Ansätze:

a)

Generierung von Wissen über den Zukunftsverlauf. Dazu musste er jeweils eine valide Annahme treffen über einen Zusammenhang zwischen Phänomenen, die er mit seinen Sinnen oder deren im weitesten Sinne technischen Verlängerungen wahrnehmen konnte, und dem anzunehmenden Verlauf von Zukunft. Dies waren meist recht handfeste und eindimensionale Annahmen: Die Astrologie geht von einer Korrespondenz des Laufs der Gestirne und der Ereignisse auf der Erde aus (hinter der in der Regel ein beide gleichermaßen regulierender göttlicher Wille steckt), die antiken Orakel gingen davon aus, dass sich die ohnehin sich ständig in die Welt einmischenden Götter in den unterschiedlichsten Phänomenen offenbaren.

b)

Abwertung der Ungewissheit der weltlichen Zukunft durch Verlagerung der Heilserwartung in eine jenseitige Zukunft, wie dies die Kulturreligionen taten. Der konkrete Verlauf der Zukunft war dann nicht mehr so wichtig.

Gernot Wersig
Kunst und Kultur im Horizont von Nachhaltigkeit und Zukunftsforschung1

Rolf Kreibich hat das große Verdienst, die Zukunftsforschung methodisch und strategisch auf eine verbreiterte Grundlage gestellt zu haben. Damit wird eine Neuausrichtung möglich, die für die Entwicklung nachhaltiger Lebens- und Gesellschaftsverhältnisse von erheblicher Bedeutung ist. Gleichzeitig hat das von Rolf Kreibich geleitete Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) mit seiner großen Realitätsnähe die gegenwärtige Umstrukturierung des technischindustriellen Fortschritts in Richtung Nachhaltigkeit wesentlich mitbestimmt. Das alles soll eingangs nachdrücklich und dankbar hervorgehoben werden, wenn wir hier – angeleitet durch die programmatischen Stichworte Kunst und Kultur – auf bestimmte methodische und inhaltliche Defizite hinarbeiten.

Günter Altner
Zukunftsgestaltung
Ein philosophischer Essay

Die Ausrichtung auf Zukunft, überhaupt die Entdeckung der Zeitdimensionen (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), hängen aufs Innigste mit dem zusammen, was der Mensch ist und wozu er sich gemacht hat. Aber selbst für ihn, den wir inzwischen als offenes, freies, entscheidendes Wesen erkannt haben, als „ersten Freigelassenen der Natur“, als Differenz- und Widerspruchswesen, der immer auf der Suche bleibt und nie zu seinem Ende, seiner endgültigen Identität kommt, war die Wichtigkeit der Zeitdimensionen nicht immer gleich stark ausgeprägt. Gesellschaftsformen, die versuchten, sich eher an Natur und Umgebung anzupassen, sich in Nischen einzurichten, um dort zu überleben, hatten wenig Veränderungsbedürfnis und keine Gedanken an eine nach vorne unendlich sich öffnende Zukunft. Ihr Weltbild war eher zyklisch; sie hatten Freude und Genuss an der ewigen Wiederkehr des Gleichen und schützten und feierten sie.

Peter Heintel
Visionen einer besseren Welt

An den Anfang möchte ich ein Zitat von Stanislaw Lem stellen: „Die Menschen werden trotz aller Enttäuschungen, Niederlagen und tragischen Irrtümer eine bessere Welt bauen. Wenn dieser Gedanke nicht der Leitfaden unseres Handelns wäre, würden wir den Glauben an den Menschen und seine Möglichkeiten verlieren, und dann, mein Freund, wäre es besser, nicht zu leben.“

Herbert W. Franke
Evolutionäre Zukunftsforschung
Ein Denkanstoß

Die hier von mir als Denkanstoß entworfene

evolutionäre Zukunftsforschung

impliziert, dass weit über die wissenschaftlichen, ökonomischen und politischen Interessenlagen hinaus die längst überfällige

nachhaltige Gestaltung

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der Gesellschaft unter Einbeziehung zukunftsforscherischen Wissens

von möglichst vielen Menschen

vorangetrieben werden sollte. Aus diesem Grund ist es meines Erachtens erforderlich, in die Konzepte und Methoden der Zukunftsforschung neue Wahrnehmungsweisen und erweiterte Betätigungsfelder aufzunehmen. Das Hauptaugenmerk evolutionärer Zukunftsforschung sollte darauf gerichtet sein, dass möglichst jede zukunftsforscherische Expertise, jedes Szenario, jedes Projekt u. Ä. sowie das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Wirken von Institutionen und Einzelpersonen aus dem Bereich der Zukunftsforschung sich dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet fühlt. Des Weiteren sollte

evolutionäre Zukunftsgestaltung

auf möglichst vielen gesellschaftlichen Ebenen sowie in den Wissenschaften und in allen Bereichen wirtschaftlichen Handelns betrieben werden.

Werner Mittelstaedt

Methodologie und Methodik der Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung

Frontmatter
Partizipative Zukunftsforschung in der Praxisfalle?
Zukünfte wissenschaftlich erforschen – Zukunft partizipativ gestalten

Im Gegensatz zu ihrer Aktualität in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist die Frage nach der Methodologie und Methodik der partizipativen Sozialforschung

1

im Allgemeinen bzw. der partizipativen Z

ukunfts

forschung im Besonderen sicherlich kein Modethema des sozialwissenschaftlichen Diskurses mehr.

Reinhold Popp
Virtuelle Geschichte und Zukunftsszenarien
Zum Gedankenexperiment in Zukunftsforschung und Geschichtswissenschaft

Im Jahr 1857 veröffentlicht der französische neukantianische Philosoph Charles Renouvier (1815-1903) ein Buch unter dem barocken Titel „

Uchronie. L'Utopie dans l'Historie. Esquisse historique apocryphe de développement de la civilisation européenne tel q'il n'a pas été, tel q'il aurait pu être

“, zu deutsch : „Uchronie. Die Utopie in der Geschichte. Apokryphe historische Skizze der Entwicklung der europäischen Zivilisation, so wie sie nicht gewesen ist, so wie sie hätte sein können“. Das schwergewichtige Werk ist eine Pionierleistung. Mit ihm fügt Renouvier dem utopischen Denken eine neue Dimension hinzu (Renouvier 1988).

1

Karlheinz Steinmüller
Kontingenz und zyklische Zukunftsbetrachtung
Klimawandel, Umweltmentalitäten und die Geschichte einer Erregung

„Da Zukunft in der Zukunft liegt, bleibt sie uns prinzipiell verschlossen“, mit dieser einfachen und klaren Aussage benennt der Philosoph Konrad Paul Liessman (2007 , S. 15) die epistemologischen und phänomenologischen Schwierigkeiten derer, die sich mit dem beschäftigen, was jenseits des Gegenwärtigen liegt. Dennoch sprechen heute so viele über die Zukunft und meinen, ein sicheres Wissen über dieselbe zu haben. Das liegt zu einem Großteil an der spezifisch zukunftsoffenen Verfassung moderner Gesellschaften. Doch soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklungen sind nicht prognostizierbar. Sie unterliegen kontingenten Eintrittswahrscheinlichkeiten und führen zu Verunsicherung den eigenen Entscheidungen und Handlungen gegenüber. Gerade deshalb besteht ein starkes Bedürfnis nach Vorausschau, die zumindest bei der Zieldefinition und prospektiven Orientierung hilft.

Eckard Minx, Ingo Kollosche
Zukunftsbilder in der Organisation
Wie, wo und wann kommt Zukunft in Organisationen vor? Ein Vorschlag für eine Topographie der Zukunftsbilder in Organisationen*

In Unternehmen und anderen Organisationen geht es oft um die Zukunft, in den übergreifenden und grundlegenden strategischen Prozessen und Entscheidungen allemal. Aber auch in Routinesituationen und in den alltäglichen Operationen spielt die Zukunft oft direkt oder indirekt eine große Rolle: Erfolgsaussichten müssen beurteilt werden. Arbeitsverträge werden abgeschlossen, Entwicklungspläne werden vereinbart. Teams und Abteilungen werden aufgestellt, Produktionsanlagen werden erneuert. Presse, Analysten oder die Kredit gebende Hausbank wollen etwas über die Aussichten für das Neue Jahr wissen.

Christian Neuhaus
Foresight, Technologiefrüherkennung und Technikfolgenabsch ätzung
Instrumente für ein zukunftsorientiertes Technologiemanagement

Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Zukunftsforschung erscheint vor dem Hintergrund immer komplexer werdender Ansprüche an Entscheider in Wirtschaft und Staat sowie wegen des wachsenden Legitimationsbedarfs dort getroffener Entscheidungen dringend erforderlich. Der wachsende Bedarf an Entscheidungshilfen in Wirtschaft und Staat macht transparente und klar definierte Instrumente und Methoden der Zukunftsforschung notwendig. Zukunftsforschung, wie sie im Rahmen dieses Artikels verstanden wird, bedient sich eines Werkzeugkoffers an Prospektionsmethoden. Auf eine historische Reflexion der Zukunftsforschung wird hier bewusst verzichtet, sie kann anderenorts nachgelesen werden (z. B. Steinmüller 2000).

Axel Zweck
Delphi-Befragungen in der Zukunftsforschung

Zukunftsforschung und Vorausschau beschäftigen sich mit dem systematischen Blick in die Zukunft, um Schlussfolgerungen für die Gegenwart ziehen zu können. Hierzu können Befragungen, insbesondere in der Bewertungsphase neuer Ideen oder abzuschätzender Zukunftsrichtungen, einen wertvollen Beitrag leisten. Befragungen basieren auf den Meinungen von Personen – und oft bilden Meinungen eine der wenigen Bewertungsgrundlagen, die wir in der Zukunftsforschung haben.

Kerstin Cuhls
Zur Forschungslogik explorativer und normativer Zukunftsforschung

Menschliches Handeln ist in aller Regel auf die Zukunft ausgerichtet, und wo immer im Alltag etwas gefragt, probiert, geplant und entworfen wird, findet eine intuitive und naive Form von Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung statt. Bei der Planung des Wochenendausflugs wird die Wetterprognose berücksichtigt, man schließt Versicherungen ab, um sich gegen zukünftige Risiken und Gefahren ökonomisch abzusichern, und einem Heiratsantrag gehen in der Regel mehr oder weniger realistische Entwürfe einer gemeinsamen Zukunft voraus.

Elmar Schüll
Für eine Subjektorientierung in der Zukunftsforschung

Dass es in der Zukunftsforschung auch um die Entwicklung von gestaltbaren Zukünften und nicht allein um die Vorhersage unabänderbarer Entwicklungen geht, ist heute bei den wissenschaftlichen Zukunftsforschern einhellige Meinung. Auch lässt sich feststellen, dass sich der Fokus häufig auf Beschreibungen gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer, technologischer, ökologischer oder bildungsbezogener Zukunftsszenarien richtet, oftmals findet sich auch eine Kombination der einzelnen Themenfelder. Allen Bereichen ist gemein, dass Entwicklungen in ihnen als veränderbar verstanden und kommuniziert werden: Durch den handelnden Menschen entsteht die Möglichkeit der Beeinflussung zukünftiger Zustände, und mehrere Zukünfte werden ermöglicht. So sprechen Zukunftsforscher vom Menschen als „Gestalter der Zukunft” (Kreibich 2006 , S. 5), der in einer „Arena der Möglichkeiten“ (Graf 2003 , S. 356) gestaltend agiert.

Lars Gerhold
„Schwache Signale“ in Unternehmen: Irrtümer, Irritationen und Innovationen

Unternehmen sehen sich nach wie vor mit einem Umfeld konfrontiert, das sich durch eine stetig wachsende Dynamik und Komplexität beschreiben lässt. Drucker (1969) hat bereits in den 1960er Jahren von dem „Age of Discontinuity“, einem Zeitalter, das durch Diskontinuitäten geprägt ist, gesprochen.

Jan Oliver Schwarz
Integriertes Technologie-Roadmapping
Ein Instrument zur Nachhaltigkeitsorientierung von Unternehmen und Verbänden in frühen Innovationsphasen

Angesichts der gestiegenen Dynamik und Komplexität der Umfeldbedingungen für Unternehmen kommen der Früherkennung und dem Monitoring technologischer, wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen immer größere Bedeutung für den Innovationserfolg zu.

Siegfried Behrendt
Zukunftswerkstätten
Über Chancen demokratischer Zukunftsgestaltung

Vieles kam Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zusammen, was das Entstehen des Problemlösungsverfahrens „Zukunftswerkstatt“ begünstigte. Zum einen war da der Bestsellerautor Robert Jungk – vor allem durch sein Buch „Die Zukunft hat schon begonnen“ bekannt geworden (Jungk 1957). Er erkannte, dass das Schreiben von Büchern und das Halten von Vorträgen nicht ausreichten, um die sich abzeichnenden Bedrohungen von Mensch und Natur zu bewältigen. Konsequenterweise sah er praktisches Handeln aus der Mitte der Gesellschaft heraus neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit als notwendig an. Zum anderen entwickelte sich in dieser Zeit eine Aufbruchsstimmung mit politischen Demonstrationen und dem Infragestellen der dominierenden Autoritäten durch die Studentenbewegung und die außerparlamentarische Opposition, durch Bürgerinitiativen und Parteineuorientierungen. Dieses Fragen und Drängen nach Neuerungen wurde schließlich vom damaligen SPD-Vorsitzenden und Bundeskanzler Willy Brandt öffentlichkeitswirksam so ausgedrückt: „Mehr Demokratie wagen“.

Norbert R. Müllert
Corporate Foresight
Praxis und Perspektiven

Seit etwas mehr als zehn Jahren zeigt sich vor allem in Großunternehmen eine Entwicklung zum Aufbau eigener Kapazitäten zur systematischen Beschäftigung mit mittel- bis langfristigen Zukunftsentwicklungen. Zwar galt es von jeher als erstrebenswert, mit Hilfe von Informationen über mögliche zukünftige Entwicklungen Wissensvorsprünge vor Wettbewerbern zu erlangen sowie die eigenen Strategien und Investitionsentscheidungen gegenüber Unwägbarkeiten und Risiken abzusichern. Dementsprechend weit reichen auch die Wurzeln der Corporate Foresight zurück, genauer gesagt bis ins Jahr 1946, als im kalifornischen Menlo Park das Stanford Research Institute (SRI) mit dem Ziel gegründet wurde, Prognosen zu entwickeln, und zwei Jahre später die gemeinnützige RAND Corporation um den Begründer der Szenariomethode, Hermann Kahn, ins Leben gerufen wurde .

1

Richtig „Bewegung“ in die unternehmensbezogene Zukunftsvorausschau – in dem Sinne, dass die systematische Beschäftigung mit Zukunftsfragen auch organisatorisch und methodisch stärker in den Unternehmen verankert wurde – kam jedoch erst Mitte der 1990er Jahre. Mit dem Siegeszug der wirtschaftlichen Globalisierung und des Internets, den politischen Umbrüchen nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Ende des Warschauer Paktes sowie den wissenschaftlichen Durchbrüchen in den Nano-, Bio-, Gen- und Informationstechnologien hatte sich das Unternehmensumfeld in kurzer Zeit radikal gewandelt. Turbulente Märkte, unsichere gesellschaftliche Entwicklungen, eine rasante Informationszunahme und sich beschleunigende Innovationszyklen ließen den Bedarf an Orientierungswissen in Unternehmen enorm ansteigen. Die wachsenden Unsicherheiten an allen Fronten bildeten den Humus, auf dem sich „Corporate Foresight“-Aktivitäten verstärkt entwickeln konnten. Dies allerdings, wie noch zu zeigen sein wird, mit ganz unterschiedlichen organisatorischen und methodischen Zugängen und Durchdringungsraten.

Klaus Burmeister, Beate Schulz-Montag
Zirkuläre, kooperative Entscheidungsvorbereitung für mittelfristige Planungsvorhaben

Mit unsicherem und unvollständigem Wissen aus vielen Möglichkeiten eine Auswahl zu treffen, ist eine große Chance und zugleich eine große Verantwortung, insbesondere wenn mit dieser Entscheidung weitreichende Konsequenzen verbunden sind. Strategische und mittelfristige Entscheidungen sind charakteristische Beispiele für diese Herausforderung. Es wird ein Instrumentarium vorgestellt, das geeignet ist, derartige Entscheidungen vorzubereiten und nachzuverfolgen. In einem rekursiven Prozess generativen Wissens werden erprobte Methoden der Zukunftsforschung kombiniert, die in ihrer Summe als „diskursives Expertensystem“ bezeichnet werden können. Aufbereitete Daten des Wissbaren und eine klar beschriebene Fragestellung sind hierzu eine wichtige Ausgangsbasis. In einer kleinen Gruppe ausgewählter Teilnehmer werden Erfahrungswissen und Intuition ausgetauscht und entfaltet. Im zirkulären, kooperativen Dialog entsteht über das Wissen der Einzelnen hinaus neues „Mehrwissen“, das bisherige Entscheidungsgrundlagen erweitert. Ausgangsoffen bleibt dieser wissensgenerierende Prozess dadurch, dass die Entscheidungen selber erst zu einem späteren Zeitpunkt und von einem anderen Personenkreis getroffen werden. Ein kontinuierlicher Abgleich zwischen Planungsannahmen und den tatsächlichen Entwicklungen stabilisiert die Umsetzungsplanung. Dieses Monitoring liefert frühzeitig Hinweise, in welchen Bereichen aus welchen Gründen Planungsrevisionen entwickelt werden sollten.

Gereon Klein

Ausgewählte Fragen der Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung

Frontmatter

Mobilität und Verkehr

Spotlights – Zukünfte in Mobilitätsroutinen

Was verbindet Mobilitätsforschung und Zukunftsforschung? Wo sind Schnittstellen ihres wissenschaftlichen Interesses? Diesen Fragen geht der folgende Beitrag in einer Form nach, die dem Anlass entsprechen soll. Der Anlass, Rolf Kreibich zu seinem 70. Geburtstag zu ehren, erfordert zweierlei: Bescheidenheit der Autorin angesichts der wissenschaftlichen Lebensleistung des Adressaten und Verzicht auf weit ausholende Theorie-Entwürfe, die dem Empfänger nur ein paar mehr Eulen nach Athen nachsenden würden.

Christine Ahrend
Mobilität, Verkehr, Zukunftsforschung

Gleich in mehrfacher Weise hängen Mobilität, Verkehr und Zukunftsforschung zusammen. Bevor dieses Dreiecksverhältnis näher in den Blick kommt, ist zu klären, was „Mobilität“ und „Verkehr“ ausmacht und was sie unterscheidet. Im Alltagsgebrauch werden beide Begriffe meistens synonym verwendet. Seit einigen Jahren macht die Mobilität dabei das Rennen, weil dieser Begriff modern und unverbraucht daherkommt und rundum positiv besetzt ist. Gegen Mobilität kann eigentlich niemand etwas haben. Verkehr hingegen macht auch Lärm und Dreck und stockt ärgerlicherweise manchmal sogar. Mobilität wird hier nicht alltagssprachlich, sondern analytisch verstanden als Möglichkeit zur Bewegung. Verkehr ist folglich die Realisation von Mobilität (vgl. Canzler, Knie 1998). Diese Unterscheidung ist keineswegs trivial, denn man kann prinzipiell über viele Möglichkeiten zur Bewegung verfügen, ohne sie jedoch zu nutzen und damit Verkehr zu produzieren. Umgekehrt kann jemand durchaus einen hohen Verkehrsaufwand betreiben, aber nur wenige Optionen in seiner Bewegungswahl haben. Pendler zum Beispiel sind oft täglich lange und über weite Strecken unterwegs, haben aber weniger Handlungsoptionen als diejenigen, die ihren Alltag nahräumlich organisieren können. Jedoch ist das Verhältnis zwischen Mobilität und Verkehr höchst knifflig, weil Mobilität auch eine mentale Qualität hat: Geistige Mobilität hat mit Bildung, Intelligenz und Phantasie zu tun, aber auch mit gegebenen und finanzierbaren Verkehrsangeboten. „Reisen bildet“ ist nicht nur ein bildungsbürgerlicher Leitspruch, diese Aussage ist auch empirisch hinreichend belegt. Verkehrsangebote, z. B. eine hohe Verfügbarkeit über Autos, wie sie in den früh industrialisierten Ländern verbreitet sind, erhöhen auch den individuellen Möglichkeitsraum, weil sie Aktivitäten und Handlungsoptionen denkbar werden lassen, die ohne diese Angebote gar nicht vorhanden oder einer kleinen vermögenden Oberschicht vorbehalten wären. Moderne demokratische Gesellschaften sind daher mobile Gesellschaften im Sinne ausgeweiteter individueller Möglichkeitsräume. Vor allem die Globalisierung bietet neue Möglichkeitsräume für mehr Menschen als je zuvor. Werden die vermehrten Handlungsoptionen auch genutzt, entsteht zusätzlicher Verkehr. Insofern sind moderne differenzierte Gesellschaften tendenziell verkehrsreiche Gesellschaften, wobei noch nichts darüber gesagt ist, in welchem Maße die verschiedenen Verkehrsmittel daran beteiligt sind. Ohne Zweifel spielt das Auto jedoch eine zentrale Rolle, weil es als Technik der Selbstbeweglichkeit den größten Souveränitätsgewinn verspricht.

Weert Canzler
Die automobile Wende
Analyse einer Innovationslandschaft

Wir wollen uns einem Problemfeld widmen, mit dem sich auch Rolf Kreibich immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven auseinandergesetzt hat (Kreibich u. Nolte 1996 ; Kreibich 1998 ; Kreibich 2006 , Kreibich 2008) und das deshalb auch in dieser Festschrift, etwa in den Beiträgen von Christine Ahrend und Weert Canzler, diskutiert wird, nämlich das Problem einer zukunftsfähigen (Auto-)Mobilität.

Meinolf Dierkes, Lutz Marz, Thomas Aigle

Globalisierung und Regionalisierung

Zukunftsforschung und -gestaltung
Anmerkungen aus interkultureller Perspektive

Globales Denken ist ein integraler Bestandteil einer wissenschaftlich fundierten Zukunftsforschung, da sie auf einem ganzheitlichen Ansatz basiert. Und so heißt es auch im Vorwort des jüngsten Berichts des Millennium Projects der United Nations University: „The purpose of futures research is to systematically explore, create, and test both possible and desirable futures to improve decisions. Decision making is affected by globalization; hence, global futures research will be needed to inform decisions made by individuals, groups, and institutions“ (Glenn et al.

2007

). Allerdings folgt aus dieser globalen Ausrichtung auch eine Berücksichtigung interkultureller Aspekte, seien dies nun Übereinstimmungen oder Unterschiede, bei der zukunftsforscherischen Arbeit.

Edgar Göll
Regionen und ihr Blick in die Zukunft
Die Entwicklung der Zukunftsvorausschau auf der regionalen Ebene am Beispiel der Regio Bodensee

Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Regionen sieht sich heute mit neuartigen Herausforderungen konfrontiert. Die europäische Integration und Erweiterung und ihre Einbettung in globalisierte Wirtschafts- und Entscheidungszusammenhänge führen zu ökonomischen Restrukturierungs- und Verlagerungsprozessen. Als Wirtschaftsstandorte stehen Regionen zueinander immer stärker in Konkurrenz um mobile und immobile Ressourcen. Regionen sind in zunehmendem Maße mit intra-industriellen Handelsbeziehungen und einer internationalen Vernetzung bereits auf der Ebene der Produktion konfrontiert. Es gibt eine ganze Reihe schnell wachsender Märkte, die durch das globale Informations- und Kommunikationsnetzwerk zusammengehalten werden. Hinzu kommt der enorme Einfluss der Finanzmärkte. Zu diesen ökonomischen Rahmenbedingungen gesellen sich neue Herausforderungen im sozialen und ökologischen Bereich (demografischer Wandel, Migration, soziale und regionale Kohäsion, Klimawandel etc.). Es besteht heute Einigkeit darin, dass Regionen und Standorte sich in dieser sich permanent und schnell verändernden Welt nur dann positiv entwickeln können, wenn sie sich als eine „Lernende Organisation“ verstehen und aufgrund ihrer Lernfähigkeit in der Lage sind, sich immer wieder von neuem an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

Roland Scherer, Manfred Walser
Globalisierung 1968 – 2008 – 2048
Eine neue Regionalisierung

In einer globalen Perspektive werden drei Fragen behandelt:

Bringen die nächsten vierzig Jahre eine Fortsetzung des gegenwärtigen Globalisierungsformats, seiner Politiken, Proportionen und Strukturmerkmale?

Bringen die nächsten vierzig Jahre ähnlich viele Veränderungen wie die letzten vierzig Jahre oder ist mit einer qualitativ erhöhten Veränderungsgeschwindigkeit mit steigendem Anpassungsdruck zu rechnen?

Sind die Anpassungspolitiken und -mechanismen, die in den letzten vierzig Jahren zu stabilen Entwicklungspfaden geführt haben, auch für die nächsten vierzig Jahre tragfähig?

Jürgen Kunze
Zeit der Zuspitzung: Gewalt oder Nachhaltigkeit

Das 21. Jahrhundert wird entweder ein

Jahrhundert der Nachhaltigkeit

, das ökonomische Innovationskraft mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit verbindet. Oder es wird ein

Jahrhundert entfesselter Gewalt

, geprägt von sozialer Ausgrenzung, wachsender Ungleichheit und verschärften Verteilungskonflikten. Unter dem Druck wuchernder Metropolen, zerfallender Gesellschaften, einer drohenden Klimakatastrophe, explodierender Ölpreise, globaler Kriminalität, ungleicher Konkurrenz und sozialer Ungerechtigkeit wissen wir zwar sehr viel über drohende Gefahren, aber im Labyrinth der Gegenwart fehlt die Orientierung, wie ein friedliches und gutes Leben verwirklicht werden kann.

Michael Müller
Zukünftige Geopolitik1
Ein Essay

Geopolitik

wurde früher als Begriff von „Globalen Spielern“ wie großen Nationalstaaten (z. B. United Kingdom) oder Groß-Mächten (wie z. B. die UdSSR) als weltweite wirtschaftliche, politische und militärische Aktivität definiert, ist heute jedoch „so“ nicht mehr länger haltbar. Vielen Begriffen wie z. B. „Entwicklung“ oder „Sicherheit“ etc. ergeht es ähnlich.

Peter H. Mettler
Zukunftsfähigkeit als partizipative Gestaltungsaufgabe
Zur Rolle von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft

„Vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen des globalen Wandels ist in Wissenschaft und Forschung weithin anerkannt, dass das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung unter den gegebenen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen die plausibelste Zukunftsvision ist“

(Kreibich 2005 , S. 6). Kreibich hält dabei fest, dass das „Zukunftskonzept Nachhaltigkeit“ bereits auf einer breiten gesellschaftlichen Zustimmung aufbauen kann, und er beschreibt das

„Prinzip Nachhaltigkeit

[…]

als Such- und Optimierungsprozess mit den visionären Zielen ‚ Zukunftsfähigkeit für die jetzt lebende und die nachfolgenden Generationen’ sowie ‚ Schaffung und Sicherung einer angemessenen Lebensqualität für alle auf der Erde lebenden Menschen’. Auch wenn diese Zielperspektiven sehr allgemein und nicht vollständig und eindeutig bestimmbar sind, so sind sie aber keineswegs beliebig. Ebenso wenig beliebig ist der Suchprozess selbst, der ja bisher schon zu einer beachtlichen Konkretisierung und Operationalisierung geführt hat“

(Kreibich 2005 , S. 9; vgl. auch Kreibich 2006c , S. 12). Es geht also darum, einem normativ stark „aufgeladenen“ Leitbild durch gesellschaftliche Aushandlungsprozesse Gestalt und Bestimmtheit zu geben und so letztlich die breite Umsetzung dieses Leitbildes zu ermöglichen. Als Beispiel führt Kreibich lokale und regionale Agenda 21-Prozesse

1

an, die auf dem Grundgedanken der partizipativen Zukunftsgestaltung beruhen und die versuchen, eine zukunftsfähige Entwicklung anzustreben.

Thomas Haderlapp, Rita Trattnigg

Wissenschaft und Bildung

Quartäre Evolutionsphase Wissensgesellschaft

Ökonomische Evolutionstheorien haben eine lange Tradition. Allen ist der Grundgedanke gemeinsam, dass wirtschaftliche Entwicklung ein dynamischer Prozess ist, welcher sich in einer Folge von Entwicklungsphasen abspielt, die jeweils durch ganz bestimmte charakteristische Merkmale gekennzeichnet sind. Im Vordergrund stehen dabei die induktiven Ansätze, welche von der historischen Beobachtung realer Wachstumsvorgänge ausgehen und versuchen, darin Regelmäßigkeiten bzw. „Gesetzmäßigkeiten“ im Entwicklungsverlauf zu ermitteln, die sich verallgemeinern lassen und daher auch eine gewisse Zukunftsperspektive ermöglichen. Die entsprechenden Theorien verstehen die wirtschaftliche Entwicklung als eine Folge verschiedener Zustände des Wirtschaftssystems, und zwar, dass die späteren Zustände mit einer gewissen Zwangsläufigkeit aus den früheren hervorgehen. Zugleich wird unterstrichen, dass sich die einzelnen Phasen nicht überspringen lassen, außer auf Kosten schwerer sozialer und politischer Erschütterungen oder Wachstumsstörungen.

Hans Georg Graf
Information und Sinn
Bildungsgesellschaft als Zukunft der „Wissensgesellschaft“

„Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war“, pflegen Spötter zu sagen. Man fühlt sich versucht, ihnen Recht zu geben, wenn man sich vergegenwärtigt, wie all das in den Hintergrund getreten ist, was vor bald vier Jahrzehnten über mögliche und wünschbare Zukünfte gedacht und geschrieben worden ist (z. B. Flechtheim 1972). Damals wurden weitgreifende Visionen entworfen und mit der optimistischen Erwartung verbunden, dass, nach Karl Marx, „die Menschen ihre eigene Geschichte machen“ können (Marx 1852 , S. 115). Freilich hatte man die Fortsetzung des Zitates vernachlässigt; denn die Menschen machen ihre eigene Geschichte „[…] nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen“. Diese Umstände aber, in Gestalt individueller Triebmuster und Vorurteile sowie nationalstaatlicher und kapitalistischer Eigensinnigkeiten, waren offensichtlich stärker als die Zukunftsideen aufgeklärter Futurologen. Die Ziele umwelt- und menschengerechter Technisierung, umfassender Demokratisierung und allseitiger Pazifizierung scheinen heute ebenso weit entfernt wie vor Jahrzehnten.

Günter Ropohl
Hochschule@zukunft 2030
Ergebnisse einer Delphi-Studie

Hochschulen gehören zu den zentralen Institutionen der Infrastruktur moderner Gesellschaften. Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft steigt ihre Bedeutung, und gleichzeitig steigen die Ansprüche, die an sie gestellt werden. Hochschulen sollen als Innovationsmotor dienen und so die Grundlage für ökonomische Dynamik legen, sie sollen soziale Inklusion durch Zugänge zum Arbeitsmarkt herstellen, als Zentren regionaler Entwicklung dienen und als Forschungseinrichtungen Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen in Bezug auf den Klimawandel, die Zukunft der Arbeit und die globale Sicherheit finden.

Jan Gregersen
Strategien des lebenslangen Lernens
Zur bildungspolitischen Unterfütterung der Rentenreformen

Die OECD hat Deutschland schlechte Noten für sein Bildungssystem ausgestellt. Die Erzieherinnen seien zu schlecht ausgebildet, es würden – vor allem in Westdeutschland – zu wenige Kinderkrippenplätze angeboten, das Schulsystem sei zu selektiv und es würden zu wenig Akademiker ausgebildet. Vor allem der Ausbau der Vorschulerziehung, die Verbesserung der Ausbildung der Erzieherinnen, die nicht ohne Folgen für die Bezahlung bleiben kann, und die Erhöhung der Zahl der Hochschulabsolventen werden selbst bei Ausschöpfung aller Effizienzreserven nicht ohne zusätzliche Mittel zu bewältigen sein (Expertenkommission Finanzierung lebenslangen Lernens 2004 , Kapitel 2.2).

Gerhard Bosch

Ökonomie, Ökologie, Soziale Gerechtigkeit

Neuausrichtung des technischen Fortschritts

Der technische Fortschritt der vergangenen 200 Jahre war in der Hauptsache durch die Erhöhung der Arbeitsproduktivität gekennzeichnet. In den Industrieländern ist ungefähr eine Verzwanzigfachung geschafft worden, in einigen Branchen mehr, in anderen weniger. Eine phantastische Leistung von vielen Millionen von Einzelnen. Unter diesen ragen die großen Erfinder und Unternehmer heraus, wie Thomas Alva Edison, Justus von Liebig, Rudolf Diesel, Henry Ford, Bill Gates.

Ernst Ulrich von Weizsäcker
Die Funktionen von Wissenschaft und Politik in der Weltgesellschaft – auf der Grundlage des Konzepts der Nachhaltigkeit und des Rechts auf menschliche Sicherheit
Ein Essay

Forschung über die Zukunft über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten unterliegt einer besonderen, nicht ausschließbaren Verifikation: Es lässt sich nach einiger Zeit feststellen, ob Prognosen eingetreten sind oder welche Konsequenzen das Befolgen oder Missachten von Handlungsempfehlungen hatte. Rolf Kreibich kann sich dieser kritischen Verifikation seiner Forschungsarbeit und seiner zumeist politischen Handlungsempfehlungen schon lange nicht mehr entziehen. Das gilt für einzelne Projekte oder Studien seiner Arbeit, das gilt noch mehr für die großen Linien, an denen er sich durch die Jahrzehnte orientiert hat.

Christoph Zöpel
Demografische Modellrechnungen
Fakten und Interpretationsspielräume

Seit Beginn des neuen Jahrtausends nimmt die Debatte über die negativen Folgen der demografischen Entwicklung in Deutschland einen immer größeren Raum ein.

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Die Stichworte, die in diesem Zusammenhang genannt werden, sind Bevölkerungsschwund, Überalterung, Greisenrepublik oder Krieg der Generationen. Da die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter immer mehr zurückgehe, während die Gruppe der Älteren und Hochbetagten gleichzeitig deutlich zunehme, sei die Zukunft unserer Volkswirtschaft von Grund auf gefährdet. Angesichts einer derart bedrohlichen Perspektive sei der allgemeine Wohlstand nur dann aufrechtzuerhalten, wenn grundlegende Einschnitte in die sozialen Sicherungssysteme stattfänden. Ganz in diesem Sinne heißt es auf der Homepage des Bundesministeriums des Inneren: „Der demographische Wandel ist eine der größten Herausforderungen für die Zukunft unseres Landes. Als Herausforderung erweist sich dabei weniger der langfristige Bevölkerungsrückgang in Deutschland – nach den neuesten Bevölkerungsvorausberechnungen von derzeit 82 Mio. auf eine Größenordnung zwischen 74 und 69 Mio. Menschen im Jahre 2050 –, sondern vielmehr die zunehmende Alterung der Bevölkerung, die unsere sozialen Sicherungssysteme in Schwierigkeiten bringt und nach langfristigen Anpassungsstrategien verlangt“ (BMI 2008). Ähnlich argumentierte Franz Müntefering, seinerzeit Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, im Sommer 2003 auf einer Betriebsrätekonferenz: „Wir Sozialdemokraten haben in der Vergangenheit die drohende Überalterung unserer Gesellschaft verschlafen. Jetzt sind wir aufgewacht. Unsere Antwort heißt: Agenda 2010! Die Demografie macht den Umbau unserer Sozialsysteme zwingend notwendig“ (zit. n. Verdi 2003 , S. 1). Mit gleicher Stoßrichtung, aber deutlich schlichter und betont hausbacken formulierte Müntefering, damals Bundesminister für Arbeit und Soziales, seine Position am 2. Dezember 2005: „Es geht nämlich nicht, dass wir sieben, acht Jahre länger leben als die Menschen, die 1950, 1960 vergleichbar alt waren, aber fünf Jahre weniger als damals arbeiten. Um zu wissen, dass das nicht hinhauen kann, braucht man keine Mathematik, dafür reicht die Volksschule im Sauerland. Man muss hier irgendetwas tun.“

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Eine solch simple Relation von demografischen und volkswirtschaftlichen Bezugsgrößen dürfte für viele Menschen auf den ersten Blick klar und einleuchtend wirken und bei manch einem gar den Eindruck grandioser Einfachheit erzeugen. Dass auf diese Weise wesentliche Zusammenhänge ausgeklammert und verschleiert werden, soll im Folgenden gezeigt werden. Nachdem wir zunächst noch einmal auf die aktuellen Debatten eingehen, werden wir uns im Anschluss daran den Ergebnissen der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes (Statistisches Bundesamt 2003a) zuwenden, die eine Modellrechnung bis ins Jahr 2050 darstellt.

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Dabei soll die Frage untersucht werden, wie weit deren Ergebnisse tatsächlich Anlass zu Panik und Dramatisierung bieten. Abschließend geht es dann um die Frage, welche Konsequenzen es für die Volkswirtschaft mit sich bringen würde, wenn die Voraussagen wirklich zutreffen würden.

Gerd Bosbach, Klaus Bingler
Sicherheitsrisiko Klimawandel
Konfliktkonstellationen und Szenarien des WBGU

Als der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) sein neues Hauptgutachten zum Zusammenhang von Klimawandel und Sicherheit konzipierte (WBGU 2008), stand er vor der großen Schwierigkeit, relativ verlässliche naturwissenschaftliche Aussagen über die zukünftige Klimaentwicklung mit höchst unsicheren Aussagen zu möglichen sozioökonomischen Entwicklungen zu verknüpfen. Die grundlegenden Verschiebungen auf der internationalen Ebene – z. B. der Übergang einer kolonial geprägten Welt zum UN-Prinzip „one country – one vote“ oder der Wandel vom Kalten Krieg zu einer unipolaren Weltordnung mit einer rasanten Globalisierung der Märkte – beinhalten einen höheren Grad an Unvorhersehbarkeit als das Klima- oder Energiesystem. Als besondere Herausforderung der Themenstellung kommen die zu betrachtenden Zeitskalen hinzu: Um sozioökonomische Verwerfungen und eine daraus folgende mögliche Gefährdung der internationalen Sicherheit ab 2025 bis 2040 zu vermeiden, muss bereits in den nächsten zehn bis 15 Jahren eine ambitionierte Klimapolitik betrieben werden. Damit sind Zeiträume zu betrachten, die zu politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Dynamiken keine seriösen Prognosen zulassen.

Carsten Loose, Meinhard Schulz-Baldes
Integriertes Risikomanagement als Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung

Risiken beruhen auf dem Spannungsverhältnis zwischen unabwendbarem Schicksal und Eigenverantwortung. Erst wenn die Zukunft als vom Menschen zumindest teilweise beeinflussbar angesehen wird, ist es möglich, Gefahren zu vermeiden oder deren Konsequenzen zu mildern (Ewald 1993), das heißt die Beschäftigung mit Risiko setzt ein Mindestmaß an Gestaltbarkeit der Zukunft und damit der Vermeidbarkeit von unerwünschten Ereignissen durch Vorsorge voraus.

Ortwin Renn
„Soziale Nachhaltigkeit“ – Konzeptionelle Perspektiven

Die Karriere des Begriffs und politischen Konzepts der Nachhaltigkeit hat vor allem damit zu tun, dass die

ungeplanten

oder

nicht bedachten

oder

in Kauf genommenen, nicht selten katastrophischen Folgen

zweckrational geplanten Handelns in Natur und Gesellschaft nicht mehr unbeachtet bleiben können. Angesichts dieser Folgen in Umwelt und Gesellschaft wird seit dem Kommissionsbericht von Gro Brundtland an die Vereinten Nationen von 1987 (WCED 1987 ; siehe auch UN 1992) in der internationalen politischen Arena die Gleichberechtigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension von Nachhaltigkeit hervorgehoben. Aus einem theoretisch-analytischen Blickwinkel wird demgegenüber die konfliktive Spannung zwischen und innerhalb dieser Dimensionen deutlich (so auch Littig u. Grießler 2005). Rolf Kreibich hat Technikfolgenforschung in den Mittelpunkt seines Interesses gestellt und im Rahmen des Wissenschaftlichen Beirats des IZT schon früh eine Debatte über Sinn und Problematik des Konzepts sozialer Nachhaltigkeit in Gang gesetzt. Die folgenden Überlegungen sind davon angeregt worden. Dabei gehe ich zunächst auf die verschiedenen Bedeutungen von sozialer Nachhaltigkeit ein, versuche dann eine integrative Betrachtung unter dem Gesichtspunkt von Ressourcenschonung und erprobe diese schließlich im Zusammenhang mit neuen Trends in der Arbeitswelt.

Eva Senghaas-Knobloch
New Approaches in European Energy Foresight

In the field of energy it is beyond dispute that long-term strategic planning is a strict necessity. Consequently scenario planning is a well established tool employed in the energy sector. The “grandfathers of scenario planning”, Shell, have been active in this field for 40 years.

Wolfram Jörβ, Timon Wehnert
Ökologische Ökonomie – Zukunftsforschung1

Die Ökologische Ökonomie ist vielleicht die wichtigste ökonomische Teildisziplin, die, transdisziplinär orientiert, eine Nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt ihrer Analysen stellt. Ihr Gegenstand ist also neben den Gegenwartsproblemen ganz wesentlich die Frage, wie künftige Generationen menschenwürdig auf der Erde leben können. Hierbei geht es in der Ökologischen Ökonomie nicht nur um die wissenschaftliche Analyse, sondern immer auch um die bewusste Gestaltung künftiger Entwicklungen (so wie es bei der Zukunftsforschung – wie ich sie verstehe – immer auch um Zukunfts

gestaltung

geht). Was liegt also näher, als den Geburtstag des „jungen Zukunftsforschers “

Rolf Kreibich

zu nutzen, um die Interdependenzen zwischen Zukunftsforschung und Ökologischer Ökonomie zu beleuchten. Hierbei wollen wir uns nicht anmaßen,

die

ukunftsforschung und

die

Ökologische Ökonomie zu untersuchen; vielmehr sollen die zentralen Aussagen von Rolf Kreibich über die Zukunftsforschung den Kernaussagen der Ökologischen Ökonomie gegenübergestellt werden. Hierzu skizzieren wir die Entwicklung der Zukunftsforschung und erläutern dann die Kernaussagen der Ökologischen Ökonomie, um abschließend beide zu vergleichen. Da dem ökonomisch nicht geschulten Leser viele Begriffe und Zusammenhänge unbekannt sein dürften, habe ich die zentralen ökonomischen Grundlagen in grau unterlegten Kästen zusammengefasst. Ökonomische Begriffe, die hier nicht erläutert werden, finden sich im Internet unter

http://www.holgerrogall.de/glossar.htm

Holger Rogall
Governanceprobleme der Zukunftsforschung
Die internationale Klimapolitik als Beispiel

Die akademische und politische Anerkennung der Zukunftsforschung als eine seriöse wissenschaftliche Disziplin lässt in Deutschland immer noch auf sich warten. An den Hochschulen nur über einzelne Forscher verankert, fristet sie ihr kärgliches Dasein in der deutschen Wissenschaftslandschaft außerhalb des etablierten Universitätsbetriebs und muss sich der Besetzung des Themas durch Scharlatane modischer Trendforschung, die die Nachfrage des Publikums nach zukünftigen Gewissheiten und aktuellen Diagnosen zu befriedigen wissen, erwehren. So ist die deutsche Zukunftsforschung trotz der vielen Anstöße, die sie von Rolf Kreibich, dem dieser Band gewidmet ist, erfahren hat, immer noch auf der Suche nach einem „Geschäftsmodell“, das ihr den Platz in unserer bisher nicht zukunftsfähigen Gesellschaft sichert (vgl. Kreibich 2006).

Georg Simonis
Zukünftige Positionierung der globalen Umweltpolitik
Zur Errichtung einer Weltumweltorganisation

Rolf Kreibich hat sich in all seinen Zukunftsstudien nie nur auf technische Innovationen beschränkt, soziale und institutionelle Innovationen waren ihm immer auch wichtig #x2013; und gelegentlich standen sie sogar im Fokus seiner Arbeit. So hoffe ich denn, dass mein Beitrag über eine notwendige institutionelle Innovation auf der globalen Ebene sein Interesse findet – und als passendes Geschenk zum 70. Geburtstag akzeptiert wird.

Udo Ernst Simonis
Umweltinnovation als Megatrend

Der jetzige Boom an öko-effizienten Innovationen hat einen langen Vorlauf. Das japanische Industrieministerium (MITI) entwickelte schon 1974 ein Wirtschaftskonzept, das wissensintensiven, umwelt- und ressourcenschonenden Produktionen große Bedeutung beimaß (MITI 1974). Hauff und Scharpf nahmen hierauf Bezug und empfahlen 1975 eine innovationsorientierte Industriepolitik, die auch den „neuen Markt“ ressourcen- und umweltschonender Technologien in den Blick nimmt (Hauff u. Scharpf 1975 , S. 115-119, vgl. Jänicke 1978 , S. 31 ff.). Umweltökonomen betonten gleichzeitig, dass Umweltpolitik letztlich auf technischen Wandel setzen müsse (Kneese u. Schulze 1975). Ashford vom amerikanischen MIT entdeckte schon 1979 – lange vor seinem Harvard-Kollegen Porter (1991 , Porter u. van der Linde 1995) – innovationsfördernde Wirkungen staatlicher Umweltregulierungen (Ashford et al. 1985 ; vgl. Ashford 2005). In Deutschland wurden seit den 1980er Jahren (Huber 1982) Gedanken zu einer Ökologisierung des technischen Fortschritts entwickelt. In dieser Zeit entstand auch die Vorstellung einer „Energiewende“: einer Energieversorgung jenseits von Öl und Atomenergie (Krause et al. 1980). Das Konzept der ökologischen Modernisierung, das die gemeinsamen Schnittmengen von Ökonomie und Ökologie hervorhebt (Jänicke 1984 ; Hauff 1985), und die Formel des „greening of industry“ kennzeichnen in unterschiedlicher Semantik den weiteren Fortgang dieser Innovationsdebatte (SRU 2008 ; Jänicke 2008). Rolf Kreibich hat mit seinem Buch über die Wissenschaftsgesellschaft (Kreibich 1986) und seinen Arbeiten zu Energie, Umwelt und Zukunftstechnik an dem hier skizzierten Diskurs wesentlichen Anteil gehabt.

Martin Jänicke
Renewable energy is the future

Ignoring the possibilities of renewable energies was one of the greatest failures of the 20

th

century. At the same time, one of the biggest problems of the last century was the worldwide orgy of energy consumption that accompanied it and that resulted in humanity using twice as much energy between 1950 and 2000 as in all previous history.

Hermann Scheer
Nachhaltigkeit zwischen Rhetorik und Realität – der versprochene Paradigmenwechsel lässt auf sich warten
Eine exemplarische Analyse zu den Themenbereichen Wirtschaftswachstum, Ressourcenverbrauch und Klimawandel

„Das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung ist das plausibelste Zukunftskonzept, weil es auf die großen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zukunftsfähige und realistische Antworten gibt, auch im Hinblick auf umsetzbare Strategien und Maßnahmen. Es ist realistisch und machbar, weil es viele Gewinner und nur wenige Verlierer hat und auf einen hohen gesellschaftlichen Konsens aufbauen kann.“ So Rolf Kreibich vor fast zehn Jahren bei einer Tagung der Gesellschaft „Chancengleichheit“ in Potsdam (Kreibich 1999 , o. S.).

Alfred Auer, Hans Holzinger, Walter Spielmann
Indikatoren nachhaltiger Entwicklung für die Bundesrepublik Deutschland
Zwischenbilanz einer Wanderung zwischen Theorie und Praxis

Zukunftsfähigkeit, dauerhaft umweltgerechte Entwicklung, Nachhaltigkeit – wie auch immer der Begriff des „sustainable development“ ins Deutsche übersetzt wird, auf einer abstrakten Ebene ist dieses politische Leitbild weitgehend konsensfähig geworden. Die Begriffe sind positiv besetzt; wer sie einfordert, dem ist Zustimmung sicher. Dies gilt zum Beispiel für die Definition der Brundtland-Kommission, die nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung beschreibt, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Übersetzung in Hauff 1987, S. 46).

Hans Diefenbacher
Backmatter
Metadaten
Titel
Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung
herausgegeben von
Reinhold Popp
Elmar Schüll
Copyright-Jahr
2009
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-540-78564-4
Print ISBN
978-3-540-78563-7
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-540-78564-4

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