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Über dieses Buch

Dieses Buch liefert eine Grundlage für empirische Untersuchungen von Finanzmärkten ohne Rückgriff auf das Effizienzkonstrukt. Dazu analysiert der Autor Probleme von Effizienzmarkthypothese und Behavioral Finance. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Konzeption von Zusammenhängen zwischen Individualverhalten und Marktverhalten. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Zusammenhängen wird durch den erkenntnistheoretisch problematischen individuellen Rationalitätsbegriff verhindert. Dadurch werden die unterschiedlichen Einflüsse heterogener Investorengruppen auf die Marktpreisentwicklung nicht berücksichtigt. Auf Basis dieser Kritik leitet der Autor Ansatzpunkte für die Verbesserung von Finanzmarktmodellen ab und legt eine neu ausgearbeitete Investorentypologie vor. Die Typologie kommt ohne den finanzwirtschaftlichen Rationalitätsbegriff aus und ermöglicht so die Bildung differenzierter Hypothesen über Zusammenhänge zwischen Strategien der Marktteilnehmer und Marktpreisentwicklungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Dieses Buch behandelt Probleme der Effizienzmarkthypothese und der Behavioral Finance bei der Modellierung von Finanzmärkten. Im Vordergrund steht hierbei der Zusammenhang zwischen Individualverhalten und Marktverhalten (das Aggregationsproblem). Mithilfe der Schlussfolgerungen aus der erkenntnistheoretischen Kritik in den Kap. 2 bis 5 und einem kurzen Exkurs über agentenbasierte Modelle in Kap. 6 wird in Kap. 7 eine neue Investorentypologie entwickelt. Diese Investorentypologie zeigt den Zusammenhang zwischen Individualverhalten und Marktverhalten auf und ermöglicht so die Formulierung von Hypothesen über Finanzmarkentwicklungen.
Gerald Janous

Kapitel 2. Individuelle Rationalität als Bedingung für kollektive Rationalität (Effizienz) von Finanzmärkten

Zusammenfassung
Ausgehend von der Definition der Effizienzmarkthypothese durch Fama (1970) wird argumentiert, dass das ökonomische Modell – obwohl es die Marktentwicklungen als Ganzes betrachtet – die Annahme (eines Anteils) rationaler Marktteilnehmer benötigt. Die „Struktur“ des Marktes (per „unsichtbarer Hand“) alleine genügt nicht, um Effizienz zu gewährleisten; das heißt Rationalität muss auch auf individueller Ebene vorhanden sein. Da der notwendige Anteil rationaler Marktteilnehmer zur Gewährleistung von Effizienz im ökonomischen Modell nicht näher spezifiziert wird, werden Ergebnisse aus Aktienmarktexperimenten und Aktienmarktsimulationen zur Beurteilung dieser Frage herangezogen. In diesem Untersuchungskontext ist das ökonomische Rationalitätskonzept operationalisierbar. Bei diesen Experimenten zeigt sich, dass auch ein größerer Anteil rationaler Investoren nur teilweise Effizienz gewährleisten kann.
Gerald Janous

Kapitel 3. Der Rationalitätsbegriff im Kontext der Effizienzmarkthypothese und seine Probleme

Zusammenfassung
Auf Basis der gängigen Definition und Operationalisierung des Rationalitätsbegriffes entstehen Probleme für das ökonomische Finanzmarktmodell. Ein rationaler Investor sollte sich entsprechend der Effizienzmarkthypothese bei der Bewertung von Finanzanlagen an den ökonomischen Bewertungsmodellen orientieren und dadurch zu einer „wahren“ Bewertung gelangen. Diese (hypothetische) Vorgehensweise der rationalen Investoren führt modellintern zu Widersprüchen zwischen Markteffizienz und individueller Rationalität. Die Übertragbarkeit des Modells auf die Realität leidet unter der Anforderung an die rationalen Investoren, die Zukunft in probabilistischer Form (objektiv, in perfekter Voraussicht) darstellen zu können. Ein solches Verständnis von Rationalität impliziert, dass rationale Investoren über die Fähigkeit verfügen, mithilfe des Prinzips der Induktion zu gesicherten Erkenntnissen zu gelangen.
Gerald Janous

Kapitel 4. Die Effizienzmarkthypothese als instrumentalistisches Marktmodell

Zusammenfassung
Zu Beginn wird die instrumentalistische Denkweise in der Ökonomie, wie sie von Milton Friedman begründet wurde, vorgestellt. Anschließend wird der Begriff der Viabilität aus dem radikalen Konstruktivismus nach Glasersfeld entlehnt, um Aussagen über den Zweck instrumentalistischer Modellbildung in der Wissenschaft zu tätigen. Die instrumentalistische Rechtfertigung der Effizienzmarkthypothese wird daraufhin überprüft: Es wird gezeigt, dass die Effizienzmarkthypothese auch auf Basis einer instrumentalistischen Sichtweise verworfen werden müsste, da sie das Viabilitätskriterium nicht erfüllt. Mithilfe des Konzepts der nichttrivialen Maschine von Heinz von Foerster wird eine instrumentalistische Alternativerklärung für die Unprognostizierbarkeit von Kursverläufen angeboten.
Gerald Janous

Kapitel 5. Individuelles Investorenverhalten und Marktmodellierung in der Behavioral-Finance-Forschung

Zusammenfassung
Die Behavioral-Finance-Forschung legt ihren Schwerpunkt auf die Erforschung des individuellen Investorenverhaltens. Die dabei entdeckten Effekte lassen sich jedoch nur schwer zu Modellen des Marktverhaltens aggregieren. Deshalb beruhen behaviorale Marktmodelle häufig auf vereinfachenden Annahmen wie dem repräsentativen Investor oder systematischen Abweichungen von einem rationalen Standard. Dadurch ist die Behavioral-Finance-Forschung methodisch und begrifflich an die Effizienzmarkthypothese gekoppelt; die Probleme des kritisierten Rationalitätsbegriffs fließen in die Modellbildung mit ein und beschränken den Anwendungsbereich von Behavioral-Finance-Modellen. Das Investor-Sentiment-Modell von Baker und Wurgler wählt einen anderen Zugang: Das Aggregationsproblem wird vermieden, indem das Marktverhalten ohne Rückgriff auf individuelle Verhaltensweisen analysiert wird. Dies führt zu Interpretationsproblemen der vorliegenden Daten.
Gerald Janous

Kapitel 6. Exkurs: Agentenbasierte Finanzmarktmodelle

Zusammenfassung
Agentenbasierte Finanzmarktmodelle weisen eine große Vielfalt unterschiedlichster Investorenstrategien auf. Da die Marktentwicklung in agentenbasierten Modellen von der Zusammensetzung der verwendeten Strategien abhängt, stellt sich die Frage, wie mithilfe dieses Forschungszuganges generalisierbare Erkenntnisse entstehen können. Es wird vorgeschlagen, dass die Vielzahl der möglichen Verhaltensweisen und Strategien aus den unterschiedlichen theoretischen Ansätzen im Rahmen einer Typologie möglicher Verhaltensweisen der Investoren gebündelt wird.
Gerald Janous

Kapitel 7. Entwicklung einer Investorentypologie zur Charakterisierung von Marktentwicklungen

Zusammenfassung
Auf Basis der theoretischen Erörterungen werden drei grundlegende Dimensionen des Investorenverhaltens identifiziert. Die jeweiligen Extrempole der Investorendimensionen werden beschrieben und diskutiert, welche Marktentwicklungstendenzen vom jeweiligen Investorentyp ausgehen. Darüber hinaus werden Hypothesen zur Erklärung der (Un)prognostizierbarkeit von Marktentwicklungen, zum Verständnis von „Excess Volatility“, zur Beschreibung unterschiedlicher Ursachen von Marktkrisen und zur Gewinnung von Ansatzpunkten für Marktregulierungsmaßnahmen mithilfe der neuen Investorentypologie formuliert.
Gerald Janous

Kapitel 8. Conclusio

Zusammenfassung
Zu Beginn werden die Hauptkritikpunkte an den Finanzmarktmodellen aus Ökonomie und Behavioral Finance zusammengefasst. Die wesentlichen Erkenntnisse, die sich aus den Kritikpunkten ableiten lassen, werden in Form von Grundsätzen für die Bildung von neuen Finanzmarktmodellen formuliert. Anschließend werden die wichtigsten Aspekte der neuen Investorentypologie als logisches Resultat dieser Grundsätze überblicksmäßig dargestellt. Zuletzt wird das Potenzial der Investorentypologie als theoretischer Ansatz zur Erklärung von Finanzmarktentwicklungen anhand einer kurzen Zusammenstellung aller zuvor entwickelten Hypothesen demonstriert.
Gerald Janous
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