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Über dieses Buch

Susan Pulham und Michael Deeken analysieren die Rationalität und mit ihr verbundene Einschränkungen am Beispiel von (privaten) Anlegern. Die AutorInnen geben zuerst einen Überblick über verschiedene Rationalitätsverständnisse in der soziologischen und wirtschaftswissenschaftlichen Literatur. Sodann untersuchen sie die Beziehungen zwischen Anlegern sowie weiteren Kapitalmarktakteuren und sprechen Handlungsempfehlungen aus.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Wenn wirtschaftswissenschaftlich geprägte Autoren das Thema Rationalität bzw. rationale Entscheidungen aufgreifen, muss geklärt werden, vor welchem Hintergrund dies geschieht. Schließlich ist der Rationalitätsbegriff deutlich älter als die Wirtschaftswissenschaften, denn noch vor hundert Jahren war die Betriebswirtschaftslehre keine eigene Wissenschaftsdisziplin. Erst die Bemühungen von Schmalenbach (1911) führten in einem ersten Schritt dazu, dass die so genannte „Privatwirtschaftslehre“ als „Kunstlehre“ anerkannt wurde. Hiermit wurde der Grundstein für ein Forschen im Spannungsfeld von Theorie und Praxis gelegt. Zunächst war der Nukleus die Professionalisierung des Rechnungswesens und der Buchführung. Doch schon bald folgten Anreicherungen aus anderen Wissenschaftsbereichen: Naheliegend war zunächst das Bemühen der Volkswirte, mit ihren mikroökonomischen Modellen zum Verhalten von Haushalten und Unternehmen die junge Disziplin der Betriebswirte zu substantiieren. Das „Operations Research“ lieferte Erkenntnisse für die Logistik von Unternehmen. Aus der „modernen“ Informatik flossen konkrete Anwendungen für komplexe Finanzierungsmodelle ein. Und auch die Sozialwissenschaften öffneten sich sukzessive für Analogien und Modellkonstruktionen, die für eine angewandte Betriebswirtschaftslehre entscheidend waren. Seitdem gibt es betriebswirtschaftliche Lehrstühle, die sich ihrerseits mit anderen Wissenschaftstraditionen so intensiv auseinandersetzten, dass sie einen Mehrwert für die eigene Forschung generieren konnten bzw. können. Rückblickend kann man diese Entwicklung auch eine Multiparadigma-Forschung nennen, welche die moderne Betriebswirtschaftslehre in ihrem Spannungsfeld von Theorie und Praxis zu erfassen mag.

Susan Pulham, Michael Deeken

2. Rationalitätsverständnisse

Mit dem Begriff Rationalität wird ein vernunftgeleitetes und an Zwecken ausgerichtetes Denken und Handeln bezeichnet. Der Begriff beinhaltet die intendierte Selektion von Alternativen aus Gründen, die als vernünftig gelten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Susan Pulham, Michael Deeken

3. Erkenntnisse zur eingeschränkten Rationalität von realen Anlegern

Im Vergleich zum Homo oeconomicus verhalten sich „echte“ Menschen anders. Einerseits verfolgen sie nicht nur ökonomische Ziele, sondern auch „weiche“ Ziele, die auf Wohlfühlen des Entscheiders abzielen. Diese Motive des menschlichen Handelns werden im ersten Abschnitt vorgestellt. Andererseits unterliegen Menschen kognitiven Verzerrungen, die nicht motivational begründet sind, sondern dazu dienen, auch unter Zeitdruck und bei hoher Komplexität der Entscheidungssituation schnell eine Entscheidung zu treffen. Die Heuristiken, die in solchen Fällen unbewusst angewendet werden, werden im zweiten Abschnitt näher erläutert. Der dritte Abschnitt widmet sich der „Prospect Theory“, einem Modellierungsansatz, der ein Kalkül entwickelt hat, das menschliches Bewerten und Auswählen unterschiedlicher Alternativen darstellt.

Susan Pulham, Michael Deeken

4. Bedeutung der eingeschränkten Rationalität von Anlegern für andere Kapitalmarktakteure

Wenn nun Anleger in dem in Kap. 3 dargestellten Sinne handeln bzw. entscheiden, so betrifft dies immer auch weitere Akteure am Kapitalmarkt. Es sollen in erster Linie die Betreuer von Wertpapiervermögen in die Analyse aufgenommen werden, aber auch die Produzenten von Wertpapierprodukten. Von Interesse ist hierbei, welche Auswirkungen die allgemein dargestellten, empirisch beobachtbaren Verhaltensanomalien auf andere Akteure als auf Privatanleger haben. Hierzu wird zunächst der klassische Wertpapier- bzw. Vermögensberater (4.1) betrachtet. Die Sichtweise wird eine andere, wenn man die Institution Bank, welche heutzutage eigentlich nur noch Produktgeber-Funktion übernimmt (4.2), charakterisiert. Zu differenzieren sind hiervon die Vermögensverwalter im angelsächsischen Sinne („private asset management“). Hier wird vor allem der Beratungs- und Betreuungsansatz zu betrachten sein (4.3). Und schließlich geht es auch um die so genannten Kapitalsammelstellen, welche Gelder der Anleger sammeln und kollektiv anlegen (4.4). Einerseits wird im Rahmen dieser Analyse betrachtet, für welche Irrationalitäten die einzelnen Kapitalmarktakteure selbst anfällig sind. Andererseits werden Besonderheiten im jeweiligen Umgang mit irrationalen (Privat-)Anlegern und hieraus folgende Handlungsempfehlungen aufgezeigt.

Susan Pulham, Michael Deeken

5. Zusammenfassung und Ausblick

Der vorliegende Beitrag liefert einen Überblick über die Rationalität von Anlageentscheidungen. Im ersten Kapitel wurde der Begriff der Rationalität näher erläutert. Ausgehend von soziologischen Begriffen wurden der wirtschaftswissenschaftliche Begriff des rationalen Entscheiders (des Homo oeconomicus) vorgestellt sowie neuere und realitätsnähere Verständnisse von Rationalität analysiert.

Susan Pulham, Michael Deeken

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