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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

15. Zusammenfassung

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Zusammenfassung

Der erfolgreiche Kapitalismus scheint nun auf eine neue Ebene überzuspringen: Die von den Unternehmen heute nicht genutzten Fähigkeiten und Motivationen der Mitarbeiter, Kunden und sonstiger Interessierter – ihr ‚kognitiver Surplus‘ also –, sowie die nach Umsetzungen suchende ethische Plentitude gebildeter und tatendurstiger Individuen, genährt durch eine weitgehende materielle Absicherung sowie eine ‚Überedukation‘ breiter Schichten, organisierten sich zu Beginn des neuen Jahrtausends völlig neu. Mehr noch: Diese neuen Peer-to-Peer Organisationsformen waren zum Teil derart produktiv und innovativ, dass traditionelle Unternehmen und politische Organisationen diese kooptierten und – das ist die eigentliche Pointe – sich dabei wissentlich oder unwissentlich ebenfalls transformierten. Sowohl die neuen politischen als auch die wirtschaftlichen Kooperationsformen blieben von ihren Auswirkungen allerdings insofern beschränkt, als dass diese auf der Flucht entstandenen Modelle zunehmend ökonomisiert und politisch entschärft von traditionellen Organisationen kooptiert wurden. Ein wichtiger Nebeneffekt der neuen Plattformorganisationen war allerdings, dass große Massen von Daten aggregiert wurden, welche dem ‚alten‘ Projekt der Künstlichen Intelligenz bzw. des Maschinellen Lernens neuen Schub verleihen konnten. Damit sind nun die Voraussetzungen für eine ‚zweite Welle‘ des Auszugs aus der Hierarchie gegeben: Dieser Exodus wird diesmal vom Unternehmen ausdrücklich gewünscht, weil die Automatisierung weniger – zumindest aber andere – menschliche Mitarbeit erfordert. Diese anstehende, schrittweise vorsichgehende Transformation in Richtung automatisierter Produktions- und wohl auch Governanceprozesse, kann nun auf einige der Organisationsformen und Erfahrungen der P2P-Welt zurückgreifen, um den wachsenden kognitiven Surplus einer sinnvollen Verwendung zuzuführen.
Fußnoten
1
So beschrieb etwa Wallerstein eine Meinungshaltung innerhalb des ‚Davos-Lagers‘ der etablierten politischen Eliten wie folgt: „There is [a] group who feel that repression can never work over the long term. They favour the di Lampedusa strategy of changing everything so that nothing changes. They talk about meritocracy, green capitalism, more equity, more diversity, and an open hand to the rebellious-all in the spirit of heading a system premised on relative democracy and relative equality.“ (Wallerstein 2013: 33)
 
Metadaten
Titel
Zusammenfassung
verfasst von
Ayad Al-Ani
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37947-6_15

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