Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Lisa Marie Gadatsch liefert mit dieser Künstlermonographie eine erste umfassende Studie des filmischen Gesamtwerks der indisch-amerikanischen Regisseurin Mira Nair. Nairs Filme changieren zwischen Arthousekino, Hollywood und Weltkino und reflektieren den vielschichtigen kulturellen Hintergrund der Ausnahmeregisseurin. Die Autorin stellt die kulturellen Kontraste, Referenzen und Ambivalenzen als integralen Bestandteil Nairs postkolonialer Filmkunst heraus und erkennt in ihrem Kino eine transkulturelle Filmpoesie, die paradigmatisch für eine Generation junger und global inspirierter Filmschaffender ist.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
So begründete Mira Nair in einem Interview Anfang der neunziger Jahre ihre Motivation, Filme zu machen. Damals hatte sie gerade ihren zweiten Spielfilm abgedreht. Heute umspannt ihr Werk fünfzehn Spielfilme und fünf Dokumentationen. Einige davon sind Kurz- oder Episodenfilme, die zum Großteil für die Kinoleinwand, vereinzelt aber auch für das Fernsehen produziert worden sind. Nairs Erfolgsgeschichte begann im Jahr 1988, als ihr erster Spielfilm Salaam Bombay! auf den Filmfestspielen in Cannes enthusiastisch gefeiert wurde. Seitdem hat sie zahlreiche Preise gewonnen und wurde mit verschiedenen Auszeichnungen bedacht. Zuletzt war es der Padma Bhushan Award, Indiens dritthöchster Zivilorden, der ihr im Jahr 2012 für ihre Verdienste um das indische Kino verliehen wurde.
Lisa Marie Gadatsch

2. Zur Biografie

Zusammenfassung
Mira Nair wurde 1957, in dem Jahr, in dem die indische Nation zehn Jahre Unabhängigkeit feierte, in Bhubaneshwar, der Provinzhauptstadt Orissas, in eine Punjabi-Familie hinein geboren. Der ostindische Staat ist bekannt für seine unberührten, idyllischen Naturlandschaften und für seine zahlreichen antiken Tempelbauten, deren eindrucksvolle Schönheit man in Nairs Kama Sutra (1996) bewundern kann. Tatsächlich wurde der Film in dieser Gegend gedreht. Orissa ist zudem ein relativ gering besiedeltes Land. Die Regisseurin beschreibt ihren Geburtsort als klein und ruhig, was sie stets dazu angeregt hätte, von der großen, weiten Welt zu träumen: „I grew up in a very small town which is remote even by Indian standards. I always dreamed of the world. I read a lot and wrote quite a bit.“ Abgesehen von dem Zeitraum zwischen ihrem zwölften und ihrem vierzehnten Lebensjahr, in dem ihr Vater beruflich nach Neu Delhi versetzt wurde, verbrachte sie hier ihre gesamte Kindheit und Jugend.
Lisa Marie Gadatsch

3. Die Filmemacherin Mira Nair

Zusammenfassung
Wie kam Mira Nair zum professionellen Filmemachen? Welchen Einflüssen war sie innerhalb ihrer Entwicklung ausgesetzt und in welchem intellektuellen und kulturellen Kontext stand und steht sie? Bevor ihre Filme analysiert werden, sollen diese Fragen im Mittelpunkt stehen. Zunächst scheint ihre Begegnung mit Film zufällig: „(…) I stumbled into the next best thing, and at that college it was documentary filmmaking.“, berichtet sie im Interview mit Cole und Dale. Doch dann habe sie schnell gemerkt, dass sich im Filmemachen all ihre Leidenschaften vereinen: „Right away I thought that it seemed to be a marriage of all my interests (…).“ Zum Ende ihres Studiums, erinnert sich die Regisseurin im Interview auf dem Bonusmaterial der DVD zu So far from India, seien ihr Dokumentarfilme als ein „Amalgam“ all dessen erschienen, was sie interessierte: Es sei eine wunderbare Möglichkeit, das Leben in all seinen Facetten abzubilden. „Recording the truth of life“, nennt sie diesen Vorgang an dieser Stelle.
Lisa Marie Gadatsch

4. Frühe Dokumentarfilme

Zusammenfassung
Mira Nair drehte ihren knapp zwanzig Minuten langen Diplomfilm in Old Delhi, der muslimisch geprägten Altstadt Neu Delhis. Inhalt des Films sind ihre eigenen Beobachtungen: Während sie selbst die Kamera führt, wandelt sie durch die belebten Straßen, engen Gassen und Hinterhöfe dieses Stadtteils, über Gemüse-, Hühner- und Trödelmärkte bis sie schließlich zur Jama Masjid gelangt, der monumentalen Moschee im Zentrum von Old Delhi. Diese wurde 1644 von Shah Jahan erbaut, einem Großmogul, der auch für die Errichtung des Taj Mahals verantwortlich war. Sie überragt den Stadtteil um etwa zehn Meter Höhe und ist von einer riesigen Freifläche umgeben, auf der sich tausende Gläubige zum Gebet versammeln können. So geschieht es auch in einer Szene in Nairs Film. Die junge Regisseurin verbrachte insgesamt sechs Wochen an dem Ort, um ihre Aufnahmen zu machen. Sie war nicht nur für die Kamera, sondern auch für den Schnitt und die Produktion verantwortlich. Mitch Epstein assistierte ihr bei der Kamera und war für den Ton zuständig.
Lisa Marie Gadatsch

5. Spielfilme

Zusammenfassung
Salaam Bombay! erzählt die Geschichte von Krishna (Shafiq Syed), einem Jungen, der auf den Straßen von Mumbai lebt. Zunächst beginnt der Film jedoch mit einer kurzen Episode, die Krishna bei seiner Arbeit im Zirkus in der Provinz zeigt. Während er von dem Zirkusdirektor in ein nahegelegenes Dorf geschickt wird, um Tabak zu besorgen, reist die Zirkusmannschaft ohne ihn weiter. Er wird einfach vergessen. Später im Film wird man aus Krishnas Erzählungen erfahren, wie er überhaupt beim Zirkus gelandet ist: Zu Unrecht eines Diebstahls an seinem Bruder beschuldigt, schickte ihn die Mutter von Zuhause fort und erlaubte ihm erst zurückzukehren, wenn er das fehlende Geld wieder aufgetrieben hat. In einer weiten, leeren Landschaft allein gelassen, macht sich Krishna auf den Weg zu dem nächstgelegenen Bahnhof.
Lisa Marie Gadatsch

6. Späte Kurz- und Dokumentarfilme

Zusammenfassung
Im Haus des südafrikanischen Ehepaars Gillian (Jennifer Steyn) und Howard (Russel Savadier) in Johannesburg herrschen Hektik und Aufbruchstimmung. Gemeinsam mit der Hausangestellten Gladys (Dolly Rathebe) und Umzugsarbeitern, allesamt aus der schwarzen Bevölkerung, werden Wert- und Erinnerungsgegenstände verpackt. Die Familie, die zur weißen Bevölkerung gehört, ist offenbar sehr reich. Ihr Haus ist ein gut gesichertes Anwesen, zu dem man über einen langen Kiesweg gelangt. Es ist umgeben von einem idyllischen Garten, aber auch von hohen Mauern und Stacheldraht. Das Ehepaar lebt hier mit ihrem Sohn Matthew (Dylan Aspeling) sowie mit Großmutter Joyce (Bess Finney). Trotz der Mauern fühlt sich die Familie in ihrem Haus nicht mehr sicher. Grund ist die veränderte politische Lage in ihrem Land: Gerade erst wurde Apartheidgegner Chris Hani erschossen und die Wut der schwarzen Bevölkerung darüber entlädt sich in heftigen Protesten.
Lisa Marie Gadatsch

7. Resümee

Zusammenfassung
Die Analyse der Filme Mira Nairs zeigt ihre einzigartige Kunst, Geschichten zu erzählen und zu inszenieren. Deutlich wird, dass sie dabei über vielfältige Quellen und Wurzeln verfügt, dass sie mehrere Heimaten hat und dass die Einflüsse auf ihr Werk entsprechend vielschichtig sind. Ihre Kindheit und Jugend in Indien, ihre eigene familiäre Situation ebenso wie die gesellschaftlichen Strukturen in diesem Land, zu denen das enge Zusammenleben der Menschen sowie die Koexistenz von Tradition und Moderne gehören, die Geschichte Indiens, seine Mythen, seine Festkultur und seine Musik, das indische Theater und in besonderer Weise auch indische Filme finden Eingang in Nairs Geschichten, Themen und Motive.
Lisa Marie Gadatsch

Backmatter

Weitere Informationen