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Über dieses Buch

Im medialen Zeitalter sieht sich jeder Einzelne tagtäglich mit einer Flut an Informationen konfrontiert. Neben Nachrichten, die im Minutentakt unsere Bildschirme füllen, prasseln Kommentare, Verschwörungsmythen und Fake News auf uns ein. Zwischen wahnhaften, aufgehetzten Diskursen und verlässlichen Informationen zu unterscheiden, ist eine der Herausforderungen im sogenannten postfaktischen Zeitalter. Der Wahrheitsbegriff scheint aufgeweicht: es zählen Meinungen statt Fakten, Gefühle statt Evidenz, Gerüchte statt Beweise. Die Herausforderungen, die sich durch die Verbreitung von Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien für die Wissenschaftskommunikation – nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie – ergeben, stehen Im Mittelpunkt dieses Buches.
Beiträge verschiedener Fachgebiete von Psychologie und Gesundheitswissenschaften über Philosophie und Geschichte bis hin zu Naturwissenschaften beleuchten, wie sich Mythen im Alltag manifestieren, wie sich Verschwörungserzählungen ausbreiten und welche Kontroversen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu Problemen für die öffentliche Kommunikation führen.
Mit Beiträgen von Sebastian Bartoschek, Anna Beniermann, Fabian Chmielewski, Katrin Götz-Votteler, Simone Hespers, Uwe P. Kanning, Sina Klaß, Claus Oberhauser, Jan Skudlarek, Meinald T. Thielsch und Ines Welzenbach-Vogel.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Sphären der Wahrheit – Ein Plädoyer für Bescheidenheit

Zusammenfassung
Vielleicht besteht die gefährlichste Illusion darin, ohne Illusionen zu sein, sich als nüchterner Realist wahrzunehmen, der die Welt und die Menschen aus einer objektiven Vogelperspektive betrachtet und als kritischer Geist hinter den Vorhang des menschlichen Schauspiels zu schauen vermag und sich nun als Nüchterngebliebener unter Ideologieberauschten sieht.
Fabian Chmielewski

Mythen der Alltagspsychologie – Was Menschen über Forschungsergebnisse der Psychologie zu wissen glauben

Zusammenfassung
Als vor mehr als 140 Jahren Wilhelm Wundt an der Universität Leipzig das weltweit erste psychologische Forschungslabor gründete, war dies so etwas wie die Geburtsstunde einer neuen Wissenschaft. Die moderne akademische Psychologie wollte sich loslösen von ihren philosophischen Wurzeln. Sie wollte das menschliche Verhalten und Erleben nach dem Vorbild der Naturwissenschaften erforschen.
Uwe Peter Kanning, Meinald T. Thielsch

„Verschwörungstheorie“. Genealogie eines problematischen Begriffs

Zusammenfassung
Was haben eigentlich die sogenannte „lab leak theory“ und QAnon miteinander zu tun? Wenn man ehrlich ist, gibt es kaum Gemeinsamkeiten, bis auf die öffentlich zur Schau gestellte Unterstützung durch den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Donald Trump und deren mediale Präsenz während der Coronapandemie. Dies ist ein wichtiges Problem hinsichtlich der Erforschung von „Verschwörungstheorien“: Was meinen wir, wenn wir den Begriff Verschwörungstheorie verwenden und warum fallen so unterschiedliche Phänomene unter den Sammelbegriff?
Claus Oberhauser

Gesundheitspsychologische Überlegungen zu Fake News und Verschwörungserzählungen

Zusammenfassung
Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. So verhält es sich nicht nur – wie in Dürrenmatts literarischem Werk Die Physiker dargestellt – mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und ihren Auswirkungen, sondern auch mit ihren absoluten Antagonisten, den Verschwörungserzählungen und Fake News.
Sina Klaß, Sebastian Bartoschek

Wissenschaftskommunikation und öffentliche Meinungsbildung am Beispiel der Coronapandemie

Zusammenfassung
Seit Anfang 2020 ist kaum ein Thema so präsent in den deutschen Medien wie Corona. Auf den ersten Blick ist bemerkenswert, dass es sich um ein sehr spezielles Themenfeld aus dem medizinischen Sektor handelt, mit dem sich üblicherweise nur wenige Nichtvirolog*innen befassen.
Katrin Götz-Votteler, Simone Hespers

Die „Plandemie“: Verschwörungserzählungen und Wahrheitsprobleme in der Coronapandemie

Zusammenfassung
Bei einem Fotovergleich, bei wessen Amtseinführung mehr Menschen anwesend waren, verteidigte die damalige Regierungsberaterin von Donald Trump, Kellyanne Conway, die Aussage, Trump habe mehr Publikum angezogen als Obama. Da staunten Wissenschaftler, da staunten Philosophen, im Prinzip staunte die ganze Weltöffentlichkeit nicht schlecht – offenkundig war das Gegenteil der Fall. Bei Trump war, für jeden erkennbar, gähnende Leere dort zu sehen, wo Obama seinerzeit Menschenmassen versammelt hatte.
Jan Skudlarek

Kontroversen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft: Argumentationen von Kreationisten, Impfgegnerinnen, Klimawandelskeptikern und Gentechnikgegnerinnen

Zusammenfassung
Im März 2019 forderten über 26.000 Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ihrer Unterschrift eine evidenzbasierte Klimapolitik und stellten sich damit hinter die größte globale Jugendbewegung des 21. Jahrhunderts, die Fridays for Future (Reinhardt, 2019). Die daraus entstandene Initiative Scientists for Future fand weltweit weitere Unterstützung und treibt evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation zu Nachhaltigkeit und Zukunftssicherung voran. Gleichzeitig werden die Einflüsse des Menschen auf die Erwärmung des Klimas von Teilen der Bevölkerung angezweifelt und es ist die Rede von einer ungerechtfertigten „Klimahysterie“ (Brunnengräber, 2018).
Anna Beniermann

Gefilterte Ansichten – Zur Rolle von Filterblasen und Echokammern bei der Nutzung, Verarbeitung und Aneignung von Fake News und Verschwörungstheorien

Zusammenfassung
Fake News und Verschwörungstheorien sind an sich keine neuen Phänomene: Falschinformationen, beispielsweise in Form von Zeitungsenten, sind schon lange Teil der Mediengeschichte (vgl. Hill, 2018), und Verschwörungstheorien, insbesondere solche mit antisemitischem Hintergrund, existieren bereits seit Jahrhunderten (Wetzel, 2018, S. 22). Neu an beiden Phänomenen ist allerdings, dass sie über digitale Medien und hierbei vorrangig über soziale Medien wie Facebook, Twitter und YouTube verbreitet werden (Schmitt et al., 2017; Schneider et al., 2020). Diese Form der Verbreitung umgeht die Gatekeeper-Funktion des professionellen Journalismus (z. B. Tageszeitungen, öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern; Kohring & Zimmermann, 2018) und trägt dazu bei, dass sich Fake News und Verschwörungstheorien 1) deutlich schneller verbreiten und dabei 2) eine deutlich größere Reichweite erzielen können (Schneider et al., 2020).
Ines Clara Welzenbach-Vogel
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