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12-05-2021 | Elektromobilität | Nachricht | Article

Finnland startet mit nationaler Batteriestrategie durch

Author:
Michael Reichenbach
6 min reading time

Finnland will ab 2035 kohlenstoffneutral sein. Dazu hat es eine nationale Batteriestrategie zur Förderung der Elektromobilität ins Leben gerufen, die internationale Firmen wie BASF und Sandvik einbindet.

Das Land der tausend Seen sei das einzige Land der Welt, das die gesamte Batterie-Wertschöpfungskette von den Mineralien bis zum Recycling beherrsche. "Der Aufbau einer nachhaltigen, zirkulären, grünen Batteriewirtschaft unterstützt unser Ziel einer Null-Kohlenstoff-Gesellschaft in Finnland und wird durch die fortgesetzte langfristige und enge Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor erreicht", sagte sagt Ilkka Homanen, Leiter des Bereichs "Smart Mobility and Batteries from Finland" von der Innovationsförderung Business Finland im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz am 11. Mai 2021. Denn in der Elektromobilität ist die Rolle von Batterien unweigerlich wichtig geworden. Dies führt zum Entstehen von neuen Wertschöpfungsketten im europäischen Markt. Denn dieser Kontinent muss – im Gegenzug zu den asiatischen Aktivitäten –, wenn auch verspätet, dringend auf die ständig wachsende Nachfrage nach Batterien und Elektrofahrzeugen reagieren.

Als Teil des Prozesses, bis 2035 kohlenstoffneutral zu werden, hat Finnland im Januar 2021 als eines der ersten Länder der Welt eine nationale Batteriestrategie veröffentlicht, die Wege aufzeigt, wie sich das nördliche Land zu einem wettbewerbsfähigen, kompetenten und nachhaltigen Akteur in der internationalen Batterieindustrie entwickeln kann. Die Eckpfeiler der Strategie sind die Verfügbarkeit und die Verarbeitung von Rohstoffen, starke Produktions- und Forschungsaktivitäten für die Entwicklung von Batteriematerialien sowie große Expertise in Batterierecycling und Digitalisierung.

"Finnland verfügt nicht nur über alle wichtigen Mineralien für Batterien, sondern auch über eine herausragende Kompetenz in Forschung und Produktion. Wir sind daher bereit, eine bedeutende Rolle beim Aufbau der kompletten Wertschöpfungskette für Batterien zu spielen", stellte Mika Lintilä, Wirtschaftsminister von Finnland fest. "Wir sind bestrebt, einen Dialog mit anderen Ländern über […] die Entwicklung einer nachhaltigen Batterieindustrie aufzubauen. Verantwortungsvoller Betrieb, Rückverfolgbarkeit, Sicherheit und Kohlenstoffneutralität sind Leitprinzipien für den finnischen Batteriesektor – von den Mineralien bis zum Recycling."

Nachhaltige und grüne Batteriewirtschaft

Finnische Unternehmen bieten schon heute wettbewerbsfähige Konzepte und große Expertise in Sachen Chemie, Verarbeitung, Technik und Energie. "Der Aufbau eines nachhaltigen, zirkulären, grünen Batterie-Ökosystems unterstützt unser Ziel einer Null-Kohlenstoff-Gesellschaft und wird durch die fortgesetzte langfristige und enge Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor erreicht", betont Homanen. Dafür böte Finnland attraktive Investitionsmöglichkeiten. Das Land sei bekannt für seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte, seine zuverlässige Infrastruktur und seine transparente und stabile Gesellschaft. Zu den jüngsten Investitionsnachrichten im Energiesektor gehöre das Werk für nachhaltige Batteriematerialien von Johnson Matthey in Vaasa, aber auch die Entscheidung der australischen Unternehmen Critical Metals und Neometals, eine Rückgewinnungs- und Produktionsanlage für Vanadium in Pori zu bauen.

Eines der Schlüsselelemente einer nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Batteriewirtschaft ist das Recycling. Finnland wurde ausgewählt, um die Forschung der europäischen Batterieindustrie zu diesem Thema zu koordinieren. "Wir sind bekannt für qualitativ hochwertige Forschung und beschäftigen uns ständig mit neuen Themen, eines der jüngsten ist zum Beispiel die Ökobilanzierung des Batterierecyclings. Das Hauptziel all unserer Forschung ist es, Wege zu finden, einen möglichst großen Anteil der Batteriematerialien auf wirtschaftlich sinnvolle Weise in die Batterieproduktion zurückzuführen. Es ist wichtig, sowohl den Primärprozess als auch den Sekundärprozess zu verstehen, um die Veredelungskette vollständig zu optimieren", sagte Mari Lundström, Metallurgie-Professorin an der Aalto-Universität in Helsinki. Derzeit ist sie Leiterin des 22 Millionen Euro teuren Batteriemetall-Forschungsprogramms BATCircle sowie Vorsitzende der Plattform "Batteries Europe ETIP (WG2): Raw Materials and Recycling" der Europäischen Kommission.

BASF baut Kathoden-Anlage in Harjavalta

Finnland ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen der Boden alle wichtigen Mineralien enthält, die zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien benötigt werden: Kobalt, Nickel, Lithium und Graphit. Die BASF konzentriert sich auf aktive Kathodenmaterialien, die für die Batterieproduktion benötigt werden, was einer der größten Wachstumsbereiche des Chemiemarktes ist. Das Unternehmen baut parallel zu einer Fabrik im ostdeutschen Schwarzheide seine erste europäische Produktionsstätte für Batteriematerialien in Harjavalta (Finnland) auf.

"Unser Ziel bei BASF ist es, ein weltweit marktführender Anbieter von Kathodenmaterialien mit dem besten Nachhaltigkeits- und CO2-Fußabdruck zu werden. Wir glauben, dass die lokale Produktion und der lokale Anteil an Batteriematerialien der Schlüssel für eine belastbare und nachhaltige Lieferkette sind. Das ist einer der Gründe, warum wir uns entschieden haben, unser Werk für aktive Kathodenvorläufer-Materialien in Finnland anzusiedeln. Außerdem verfügt Finnland über die erforderlichen Rohstoffe und das technische Know-how, das für einen erfolgreichen Betrieb erforderlich ist", sagte Tor Stendahl, Country Manager Finland sowie General Manager Nordic Battery Materials & Metal Services bei der BASF.

Kreislaufführung der Wertstoffe bei Fortum

Der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen verlangt eine Kreislaufführung der verwendeten Stoffe, jedoch auch eine hohe Materialeffizienz unter Einsatz von erneuerbaren Energien. Fortum mit Sitz im finnischen Espoo sichere einen schnellen und zuverlässigen Übergang zu einer kohlenstoffneutralen Wirtschaft zu, indem es Kunden mit nachhaltigen Lösungen versorgt. Das halbstaatliche Unternehmen verbessere die Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge. Die Recyclinglösung mache über 80 % der Batterie wiederverwertbar. Das Verfahren löse die Nachhaltigkeitslücke, indem es auf die Notwendigkeit verzichtet, Nickel, Kobalt, Lithium und andere seltene Metalle geologisch abzubauen.

"Der wachsende Bedarf an Batterien verbraucht enorme Mengen an seltenen Metallen. Gehen uns diese knappen Stoffe aus, können wir uns von der weiteren Elektrifizierung verabschieden. Als Pioniere der Elektrifizierung auf Basis erneuerbarer Energien ist das für uns eine Herausforderung, die wir lösen müssen. Wir brauchen einen effizienten Lebenszyklus für Lithium-Ionen-Batterien. Deshalb hat Fortum Lösungen für jede Phase des Lebenszyklus entwickelt, den Großteil der in Batterien verwendeten Materialien zu recyceln und für die Herstellung neuer Batterien zu verwenden", konstatiert Tero Holländer, Leiter von BL Batteries bei Fortum.

Elektrifizierung von Bergbaumaschinen

Die Elektrifizierung ist eine der Schlüssellösungen, um Bergbauunternehmen auf der ganzen Welt einen nachhaltigeren Betrieb im Mineralienabbau zu ermöglichen. Dabei erlaubt die Beseitigung von Abgasemissionen unter Tage ein sauberes Arbeiten für die Bergleute, während gleichzeitig die Belüftungs- und Kraftstoffkosten gesenkt werden, die bis zu 50 % der Gesamtbetriebskosten ausmachen können. Sandvik unterstützt diesen Übergang mit seinen hochautomatisierten und elektrifizierten Bergbaumaschinen. Bis Ende 2021 wird eine neue Fahrzeugreihe eingeführt, die ein komplettes Sortiment an batteriebetriebenen und untertägigen Bohranwendungen umfasst.

Dr. Jani Vilenius, Director Technology Development and Services bei Sandvik Mining and Rock Solutions, führt Folgendes dazu aus: "Die Elektrifizierung ist das Herzstück, um den Bergbau nachhaltiger und effizienter zu machen, und Finnland ist der Vorreiter hier. Sandvik verfügt über langjährige Erfahrung und eine starke Erfolgsbilanz bei der Elektrifizierung. Unser Ziel ist es, die Einführung vollelektrischer Lösungen anzustoßen, die sowohl erhebliche wirtschaftliche als auch Sicherheits-, Umwelt- und gesundheitliche Vorteile bieten. Wir haben den ehrgeizigen Plan, den Markt mit unserem Angebot an elektrischen Batterien anzuführen".

Von Bodenschätzen bis Forschungs-Know-how

Somit verfügt Finnland über viele Schlüsselfaktoren, um den Weg in eine nachhaltige Zukunft durch Batterien und Elektromobilität anzuführen. Das nördlichste EU-Land bietet Bodenschätze der seltenen Metalle, Innovationen, Hightech-Produktionsbetriebe und Forschungs-Know-how. Diese Komponenten dienen als Mehrwert für eine nachhaltige und europäische Batteriewirtschaft mit globaler Vernetzung.

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