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Visionen und Ideen zur Mobilität von morgen

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Autor: Prof. Dr. Gerhard Willi Reiff, KST-Motorenversuch

Ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Vielfalt der Antriebskonzepte – den grünen Verbrennungsmotor eingeschlossen. Aus der Reihe "Macher der Mobilität. Visionen und Ideen zur Mobilität von morgen".

Prof. Dr. Gerhard Willi Reiff, KST-Motorenversuch


Unsere Vorfahren um die 1900er Wende standen schon einmal vor der Frage, ob der Elektroantrieb oder der Kolbenmotor der insgesamt wirtschaftlichere Antrieb ist. Das Ergebnis kennen wir alle und es stellt sich die Frage welche technischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen sich seither verändert haben. Wenn wir ganz ehrlich sind – eigentlich keine wesentlichen.

Über Generationen hat sich in Europa eine Industrie etabliert, die maßgeblich zum Wohlstand der Nationen beigetragen hat. Und nun lassen wir uns alle gemeinsam verunsichern durch inakzeptable Themen wie Dieselgate und vergessen oder trauen uns nicht weiter an unseren Stärken zu arbeiten. Angestachelt von womöglich schon überholten asiatischen Strategien suchen wir nun den Erfolg in der reinen Elektromobilität. Wenn man Informationen aus Fernost auswertet, kommen durchaus Aussagen wie – "wir können unser Glück über die Dummheit der Europäer nicht fassen" zu Tage. Jedem Managementtrainee wird beigebracht, dass man besser seine Stärken stärkt als seine Schwächen versucht auszumerzen. Wir versuchen gerade unsere Schwäche in der E-Mobilität zur Stärke zu machen – ob das funktioniert? 

Grüner Wasserstoff als Basis

Inzwischen vorliegende ganzheitliche "well to wheel"-Betrachtungen unter Einbeziehung der notwendigen CO2-Aufwendungen zum Aufbau der Kapazitäten für circa 85 Millionen Einheiten Fuel cell- oder Batterieantriebsstränge und der Betankungsinfrastruktur kommen zum Schluss, dass sich die einzelnen Antriebsarten bezüglich CO2-Footprint nicht signifikant unterscheiden. Wir sollten uns also eher darauf konzentrieren, wie wir in genügender Menge an grüne Energiespeicher kommen, die rund ums Jahr zur Verfügung stehen. Wasserstoff und/oder Synfuel im Sonnengürtel der Erde produziert, scheint hier als ein richtiger Ansatz, der mit Macht vorangetrieben werden muss. Und jetzt kommt wieder der hocheffiziente Kolbenmotor ins Spiel. Sowohl in der Form des Wasserstoffverbrenners für Nutzfahrzeuge, als auch mit Synfuel-Beimischungen für die Bestandsflotte liegt uns das CO2-Einsparpotenzial quasi vor den Füßen.

Wir haben bei KST-Motorenversuch mit Kooperationspartnern in den letzten zwei Jahren umfangreiche Versuche mit Kraftstoffbeimischungen (innerhalb der Norm EN590) an kleineren Nutzfahrzeugdieselmotoren durchgeführt, die zeigen, dass die etablierte Flotte mindestens 30 Prozent Zumischung von grünem Synfuel technisch verträgt bei gleichbleibenden oder sogar besseren Emissionen und nur minimal höherem Verbrauch, abhängig vom Energieinhalt der eingesetzten Beimischungen. Warum wird das in der Gesetzgebung nicht unterstützt und gefördert? Mühsam ringt man sich auf europäischer Ebene zur Förderung von E-Fuels im Luftfahrtbereich (SAF) durch. Ein guter Anfang, aber zum Anschub von kostengünstige Produktionsverfahren brauchen wir größere Nachfragemengen – also warum nicht die Gesetzeslage so ändern, dass die grüne Beimischung CO2-wirksam anerkannt wird?

China wendet sich von reiner E-Mobilität ab

Tatsächlich sehen wir als Entwicklungsdienstleister immer weniger neue Themen im Verbrennungsmotor, die zum Test anstehen. Das lässt den Schluss zu, dass die Weiterentwicklung des Verbrenners bei den OEMs massiv zurückgeht. Wir geben also eine Stärke unserer Industrie auf, weil es im Moment am Kapitalmarkt nicht opportun ist Geld in den Verbrenner zu investieren. Wissen die Analysten, die das beurteilen, dass China aktuell massiv in die Entwicklung des Verbrennungsmotors investiert? Wollen wir uns aus Angst vor schlechter Presse unseren Vorsprung in unserer ureigenen Kompetenz abnehmen lassen? Die Universitäten und Hochschulen melden bereits einen deutlichen Rückgang der Studierendenzahlen in den Verbrennungsmotor-nahen Fächern und die verbliebenen Teilnehmer kommen oft aus nichteuropäischen Ländern.

Natürlich gibt es sinnvolle Märkte für die E-Mobilität, die wir auch bei KST-Motorenversuch massiv in der Entwicklung unterstützen. Aber macht es nicht Sinn technologieoffen für den Elektroantrieb, den Wasserstoff-betriebenen Verbrennungsmotor sowie die Brennstoffzelle zu sein und vor allem im Bestand grünen synthetischen Kraftstoff beizumischen? Damit könnten wir unsere über Generationen erarbeiteten Kompetenzen erhalten, verbessern und unseren Nachwuchs für die Mobilität insgesamt und an den Hochschulen auch für den Verbrennungsmotor der Zukunft begeistern.

Dieser Essay ist Teil der Reihe "Macher der Mobilität. Visionen und Ideen zur Mobilität von morgen", die 2021 als ATZextra-Buch erscheinen wird. Herausragende Köpfe der Branche beantworten darin die Frage: "Wie gestalten Sie die Zukunft?" Die Beiträge werden visionäre Ausblicke, nachhaltige Konzepte und innovative Entwicklungen führender Expertinnen und Experten zur Mobilität von morgen behandeln. Die Bandbreite reicht von der gesamten Fahrzeug- und Antriebsentwicklung bis hin zu neuen Geschäftsmodellen und Mobilitätskonzepten. 
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    Prof. Dr. Gerhard Willi Reiff, KST-Motorenversuch/© Springer Fachmedien Wiesbaden, AVL List GmbH/© AVL List GmbH, dSpace, BorgWarner, Smalley, FEV, Xometry Europe GmbH/© Xometry Europe GmbH, The MathWorks Deutschland GmbH/© The MathWorks Deutschland GmbH, HORIBA/© HORIBA, Outokumpu/© Outokumpu, Gentex GmbH/© Gentex GmbH, Ansys, Yokogawa GmbH/© Yokogawa GmbH, Softing Automotive Electronics GmbH/© Softing Automotive Electronics GmbH, measX GmbH & Co. KG, Hirose Electric GmbH/© Hirose Electric GmbH