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About this book

Die Governance von Raum, Natur, Umwelt und Kultur ist von unterschiedlichen Landschaftsbildern und Verständnissen von Landschaft geprägt. So haben Bürger*innen, Grundbesitzer*innen, Landschaftsarchitekt*innen, Landbewirtschafter*innen, Naturschützer*innen, Raumplaner*innen, Touristiker*innen eine Reihe von durchaus verschiedenen Lesarten von Landschaft: Natur- oder Kulturlandschaft, genutzte oder verwilderte Landschaft, Landschaft als Privat- oder Gemeinschaftsgut, Landschaft als Schutzgut oder Ressource, Landschaft als physischer Raum oder gesellschaftliches Konstrukt und andere. Die Beiträge in diesem Band machen deutlich, wie vielschichtig sich Landschaftsbilder und Landschaftsverständnisse heute erweisen und wie mannigfaltig die methodischen Entwicklungen und Projekte sind, mit denen wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis der Governance-Prozesse eingebracht werden.

Table of Contents

Frontmatter

Landschaftsbilder und Landschaftsverständnisse in Politik und Praxis – eine Einleitung

Zusammenfassung
Landschaft hat große, jedoch oft zu wenig explizit untersuchte sowie beachtete Relevanz in Politik und Praxis der räumlichen Planung wie auch des Umweltmanagements. Dieser Band bietet kritische Reflexion der Verschiedenheit von Landschaftsbildern und Landschaftsverständnissen. Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, Definitionen und Ansätze zu vereinheitlichen. Im Gegenteil möchte dieser Band dazu beitragen, dass die vielfältigen Bilder und Verständnisse von Landschaft in Wissenschaften weiter vertieft, sowie zunehmend in Politik und Praxis erkannt, gewürdigt und kompetent in Governance-Prozess einbezogen werden.
Gisela Kangler, Markus Schaffert, Cormac Walsh

Landschaftsbilder und Deutungsmuster von Wildnis und dynamischer Natur – Analysen heterogener Naturschutzpolitik

Frontmatter

Wildnisauffassungen in der aktuellen Politik und das unterschätzte Potenzial der Fließgewässer

Zusammenfassung
Wildnis und Wildniserlebnis in Deutschland häufiger zu ermöglichen wurde vor über zehn Jahren in der Nationalen Biodiversitätsstrategie als Vision formuliert. Für Wildnisgebiete wurde als Ziel festgelegt, bis zum Jahr 2020 den Anteil von 2 % der Landesfläche Deutschlands zu erreichen. Der Frage, warum dieses Ziel voraussichtlich nicht erreicht wird, geht dieser Beitrag mit folgender These nach: Die gesellschaftliche Vieldeutigkeit von Wildnis wird nur teilweise thematisiert und findet nicht genügend stringente Beachtung in den praktischen Konzepten. Mit einem diskursanalytischen Ansatz unter heuristischer Verwendung von Ernst Cassirers Raumtheorie wird die Pluralität an Auffassungen und Bewertungen aufgezeigt, die im Spannungsfeld Wildnis wesentliche Diskursstränge prägen. Es zeigt sich am Beispiel Fließgewässer, dass auch relativ kleinflächige Gebiete gesellschaftlich als Wildnis entdeckt, erlebt und ambivalent wertgeschätzt oder abgelehnt werden. Dieses Wildnispotenzial wird in der Praxis aktuell unterschätzt.
Gisela Kangler

Zwischen ‚Ruhe‘ und ‚Unberührtheit‘: Landschaftsbilder am Wattenmeer im internationalen Vergleich

Zusammenfassung
Entlang der Wattenmeerküste von Den Helder in den Niederlanden bis nach Blavands Huk in Süddänemark herrschen unterschiedliche Verständnisse von Landschaft und Natur vor, welche die Naturschutzpolitik und -praxis auf regionaler Ebene maßgeblich prägen. Seit fast vierzig Jahren wird das Wattenmeer von den Anrainerstaaten Deutschland, Dänemark und den Niederlanden als grenzüberschreitendes Ökosystem von internationaler Bedeutung geschützt. So weit wie möglich soll die freie Entwicklung der Natur gewährleistet werden. Ungeachtet der engen Zusammenarbeit einer Vielzahl von Wissenschaftler*innen, von zuständigen Behörden und Vertreter*innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf der trilateralen Ebene befinden sich jedoch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Natur und Landschaft in den drei Ländern. Einerseits wird die Ursprünglichkeit der Natur geschützt, andererseits die Offenheit der Landschaft und die Dunkelheit des Nachthimmels über dem Wattenmeer. Mal wird das Zusammenspiel zwischen natürlichen und kulturellen Werten betont, mal die Unberührtheit der Natur und das Minimieren menschlicher Einflüsse jeglicher Art. In diesem Beitrag werden die national bedingt unterschiedlichen Landschaftsbilder und deren Auswirkungen auf den Naturschutz und das Küstenmanagement erläutert. Der Vergleich beruht auf interpretativer Policy-Analyse und tiefgehenden qualitativen Interviews mit relevanten Akteuren und Stakeholdern in den drei Ländern. Die vergleichende Analyse zeigt vor allem, dass der Naturschutz und das Landschaftsmanagement, auch in Zeiten des engen internationalen Austausches und des transnationalen Policy-Makings, weiterhin national und regional eingebettet bleiben und als kulturell-situierte Praktiken verstanden werden sollen.
Cormac Walsh

Umstrittene Landschaften und Infrastrukturentwicklungen – Analysen rohstoff- und energiewirtschaftlich geprägter Handlungsräume

Frontmatter

Umstrittene Landschaften – Konflikte um Vorhaben der Rohstoffgewinnung in Deutschland

Zusammenfassung
In unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten ist eine Zunahme bürgerschaftlichen Engagements zu beobachten, wobei verschiedentlich eine kritische Positionierung gegenüber Veränderungen der physischen Grundlagen von Landschaft erfolgt. Einen Kontext, der bislang in der wissenschaftlichen Debatte eher eine randständige Rolle einnahm und in diesem Artikel in den Fokus gerückt wird, stellen Areale der Gewinnung mineralischer Rohstoffe in Deutschland dar, die sich als ‚umstrittene Landschaften‘ deuten lassen. Vor dem Hintergrund von Vorhaben der Gesteinsindustrie werden konvergierende und divergierende Interessenlagen von Politik, Planung und Bürger*innen ausgeleuchtet. Dabei wird herausgestellt, wie Landschaft gedeutet und welche Bedeutung ihr beigemessen wird. Gerade Politik und Planung finden sich in einem wachsenden Spannungsfeld zwischen verschiedenen Zielsetzungen wieder, die sich um ‚Landschaft‘ als zentrale Referenz formieren.
Hannah Kindler, Florian Weber

Place-making in Handlungsräumen der Energiewende – Energielandschaftsgestaltung und Entwicklung des Energielandschaftsverständnisses in Bioenergie-Regionen

Zusammenfassung
Die Energiewende hat zu einer Dezentralisierung der Energieinfrastrukturen und damit zu einem Landschaftswandel geführt, der mit Akzeptanzproblemen verbunden ist. Im Beitrag wird thematisiert, inwieweit Handlungsräume der Energiewende durch intendiertes place-making zu einer regional angepassten Entwicklung erneuerbarer Energien beitragen können. Am Beispiel von Bioenergie-Regionen und Bioenergiedörfern werden Place-making-Strategien dargestellt, die sich auf die physisch-materielle Energielandschaftsgestaltung, auf die symbolische Inwertsetzung von Energielandschaft sowie auf die Entwicklung des Energielandschaftsverständnisses richten und auf diese Weise zur Herausbildung von place attachment und place identity in Bezug auf Energielandschaften beitragen. Abschließend werden Schlussfolgerungen hinsichtlich der Möglichkeiten von Handlungsräumen der Energiewende in Bezug auf die Gestaltung der Energielandschaft und die Entwicklung des Energielandschaftsverständnisses gezogen.
Andreas Röhring

Bemessung und Bewertung von Landschaftsbildern und -leistungen – Partizipative und transdisziplinäre Ansätze

Frontmatter

Partizipatives Kartieren von kulturlandschaftlichen Besonderheiten als Beitrag für einen transdisziplinären Place-Branding-Prozess in der Metropolregion Hamburg

Zusammenfassung
Das transdisziplinäre Verbundprojekt Regiobranding untersucht Kulturlandschaften innerhalb der Metropolregion Hamburg nach deren Charakteristika. Das Wissen um kulturlandschaftliche Besonderheiten wird in einen raumbezogenen Markenbildungsprozess eingebracht, der nachhaltig identitätsstiftend und imagefördernd wirken soll. Eine von mehreren im Projekt verfolgten Herangehensweisen zur Identifizierung von kulturlandschaftlichen Besonderheiten ist die Quantifizierung von Landschaftselementen mittels Geoinformationssystemen. Untersuchungen, die auf die physische Beschaffenheit des Raumes fokussieren, führen jedoch mitunter zu Schlüssen, die durch die Landschaftsnutzer, beispielsweise die lokale Bevölkerung, nicht geteilt werden. Aufgrund dessen wurden zusätzlich Daten auf Workshops erhoben, in deren Rahmen lokale Akteure kulturlandschaftliche Besonderheiten gemäß ihrer Einschätzung kartierten. Diese partizipative Form der Geodatenerfassung wurde als zentrales Element innerhalb von Gruppeninterviews eingesetzt, in denen – die Kartierung ergänzend – weiterführende Informationen über die jeweiligen Kulturlandschaften generiert wurden. Auf diese Weise wurden Mehrwerte für einen transdisziplinären Place-Branding-Prozess geschaffen, wie dieser Beitrag anhand der Untersuchungsregionen Steinburger Elbmarschen und Lübeck-Nordwestmecklenburg zeigt.
Markus Schaffert, Thorsten Becker, Fabian Caesar Wenger

Bundesweite empirie- und modellgestützte Bewertung von Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes

Zusammenfassung
Derzeit fehlt es an Daten zur Bewertung von Eingriffen in das Landschaftsbild durch den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland, die auf einer homogenen Methodik und einheitlichen Datengrundlage basieren und alle im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) genannten Bewertungskriterien abbilden. Der folgende Beitrag behandelt einen GIS-basierten Ansatz der Landschaftsbildbewertung, der auf Basis empirischer Daten eine statistische Modellierung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes erstellt. Die Modelle basieren auf Bewertungen von über 800 Landschaftsfotos durch über 3500 Personen in einer Onlineumfrage. Die Modellgüte (Bestimmtheitsmaß R2) der drei linearen Regressionsmodelle liegt zwischen 64 und 65 %. Jedes der drei Modelle wurde flächendeckend angewendet. Die Ergebnisdarstellung erfolgt in bundesweiten Karten, von denen die Karte zur Schönheit des Landschaftsbildes hier stellvertretend vorgestellt wird. Die statistischen Modelle werden untereinander verglichen. Neben grundlegenden gemeinsamen Bewertungsfaktoren wie dem Hemerobiegrad, dem Wald- und Gewässeranteil sowie der Ausprägung des Reliefs wird deutlich, dass die in § 1 BNatSchG genannten Kriterien zur Landschaftsbildbewertung (Vielfalt, Eigenart und Schönheit) sich durch jeweils spezifische Berechnungsfaktoren zusammensetzen.
Silvio Hildebrandt, Michael Roth, Hans-Georg Schwarz-von Raumer, Frank Roser

Wie fördern Landschaften das Wohlbefinden der Menschen? Erkenntnisse transdisziplinärer Forschungsprojekte aus der Schweiz

Zusammenfassung
Natur und Landschaft können aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden. Das Spektrum reicht von der biozentrischen Perspektive des Eigenwerts aller Tiere und Pflanzen bis zur anthropozentrischen Sichtweise auf den Nutzen von Natur und Landschaft für das menschliche Wohlbefinden. Ausgehend von der Situation in der Schweiz wird in diesem Beitrag aufgezeigt, dass die Natur- und Landschaftspraxis diese vielfältigen Sichtweisen nutzen kann, um unterschiedliche Akteursgruppen anzusprechen. Anhand von zwei transdisziplinären Forschungsprojekten wird dargelegt, wie mit dem Ansatz der Landschaftsleistungen das Bewusstsein für Zusammenhänge zwischen Landschaften und dem menschlichen Wohlbefinden geweckt werden kann. Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung braucht es einen starken Einbezug der verschiedenen Landschaftsakteure aus Behörden, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Roger Keller, Norman Backhaus
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