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About this book

Nanotechnologie, synthetische Biologie, Wiedererweckung ausgestorbener Arten und Geoengineering – werden Menschen die Natur in Zukunft mit solchen Methoden grundlegend umgestalten? Man könnte es sich vorstellen.

Auf der Erde gibt es keinen von Menschen unberührten Ort mehr – das hat wohl jeder schon einmal gehört. Aber die Bedeutung dieser Tatsache erschöpft sich nicht in Statistiken, die Gletscherschmelze und Artensterben dokumentieren. Vielmehr kennzeichnet sie den Beginn einer neuen Epoche der Erdgeschichte. Und das Auffälligste an diesem Synthetischen Zeitalter, so Christopher Preston, sind nicht nur die Auswirkungen des Menschen als solche, sondern die Veränderungen, die wir von nun an gezielt und absichtlich herbeiführen werden. Neue Technologien werden uns die Macht verleihen, viele grundlegende Abläufe der Natur selbst in die Hand zu nehmen. Damit verlassen wir nicht nur das Holozän und treten ins Anthropozän ein; wir lassen auch eine Zeit hinter uns, in der globaler Wandel nicht nur die unbeabsichtigte Folge einer ungezügelten Industrialisierung ist. Mit einer von Ingenieuren und Technikern gestalteten Welt beginnt das erste Synthetische Zeitalter unseres Planeten.

Preston beschreibt eine Reihe von Technologien, die den „Stoffwechsel“ der Erde umgestalten werden: Nanotechnologie gibt den natürlichen Formen der Materie eine neue Struktur; „molekulare Produktion“ eröffnet unzählige neue Anwendungsmöglichkeiten; synthetische Biologie erlaubt es uns, Genome nicht nur zu lesen, sondern auch aufzubauen; „biologische Mini-Maschinen“ überflügeln die Evolution; Arten werden umgesiedelt und wieder zum Leben erweckt; und mit Geoengineering kann man die Sonnenstrahlung mit Vulkandunst abschirmen, die Temperaturen auf der Erde durch hellere Wolken senken und mit künstlichen Bäumen, die Kohlenstoff aus Wind gewinnen, das CO2 aus der Atmosphäre beseitigen.

Was bedeutet es, wenn Menschen die Erde nicht nur verwalten, sondern auch grundlegend umgestalten? Und wem sollten wir vertrauen, wenn es darum geht, über die Umrisse unserer synthetischen Zukunft zu entscheiden? Solche Fragen sind zu wichtig, als dass man sie den Ingenieuren überlassen sollte.

Table of Contents

Frontmatter

Kapitel 1. Materie, neu gestaltet

Zusammenfassung
Angesehene historische Gestalten wie Benjamin Franklin, Karl Marx und Hannah Arendt haben vorgeschlagen, den Homo sapiens (den „weisen Hominiden“) lieber als Homo Faber („bauenden“ oder „Werkzeuge herstellenden Hominiden“) zu bezeichnen. Unser Hang, Dinge zu konstruieren – von den Pyramiden über Einkaufszentren bis zum batteriebetriebenen Tesla –, gehört zu unseren wichtigsten Eigenschaften. Man kann sogar behaupten, er sei das Wesentliche, das uns zu Menschen macht.
Christopher J. Preston

Kapitel 2. Atome in neuen Positionen

Zusammenfassung
Neues Materialverhalten, das im Nanomaßstab möglich wird, ist nur ein Teil des Nanotechnologietraumes. Feynman entwickelte 1959 in seinem Vortrag eine weitere Vision für die Nanotechnologie, die weit über die einfache Entdeckung nützlicher Materialeigenschaften hinausging. Er prophezeite den Menschen eine große Zukunft, in der man Atome und Moleküle mit speziell entwickelten Werkzeugen in eine sorgfältig vorherbestimmte Anordnung bringen kann. Der weitsichtige Physiker erkannte damit ein wichtiges Prinzip: Wenn man Atome neu anordnen kann, indem man nach ihnen greift und sie hin und her bewegt, sollte es möglich sein, Atom für Atom praktisch alles aufzubauen, was man haben möchte. Atome könnten als das grundlegendste Baumaterial dienen. Diese Vision von der Nanotechnologie bezeichnete er als molekulare Produktion.
Christopher J. Preston

Kapitel 3. DNA auf Bestellung

Zusammenfassung
Vor knapp zwei Jahrzehnten – das neue Jahrtausend war erst sechs Monate alt – feierte man auf der ganzen Welt die Nachricht, dass das menschliche Genom kartiert worden war. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz gaben der US-Präsident Bill Clinton und der britische Premierminister Tony Blair bekannt, ein staatlich-privates Gemeinschaftsunternehmen habe Erfolg gehabt: Man hatte den Entwurf einer Sequenz aller Sprossen der wunderschönen menschlichen DNA-Doppelhelixleiter erstellt.
Christopher J. Preston

Kapitel 4. Künstliche Lebewesen

Zusammenfassung
Die jüngsten Fortschritte der synthetischen Biologie wurden in Form einer Reihe kleiner Schritte erzielt. Bevor man den Versuch unternahm, einen vollständigen Organismus von Grund auf neu zu erschaffen, wurden Ketten nützlicher Gensequenzen entwickelt. Eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zu einem ausschließlich synthetischen Mikroorganismus ist ein Organismus mit längeren DNA-Abschnitten, die im Labor genau nach Plan aufgebaut wurden. Wenn man das richtig macht, kann man solche Abschnitte in einen Wirtsorganismus einschleusen, wo sie dann eine nützliche Funktion erfüllen. Das bisher bemerkenswerteste Beispiel war die Konstruktion eines biologischen Systems, das einen lebenswichtigen Vorläufer des Malariamedikaments Artemisinin produziert.
Christopher J. Preston

Kapitel 5. Ökosysteme nach Maß

Zusammenfassung
Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte Umweltschutz ein ganz einfaches Ziel. Es ging darum, die Natur zu schützen. Das Wort Natur stand für alles, was nicht menschlich war – für den üppig grünen Bereich, der unabhängig vom Einfluss der Zivilisation überdauert hatte. Die Natur arbeitete definitionsgemäß von selbst und selbstständig. Ihre Fähigkeit, sich selbst zu organisieren und Varianten hervorzubringen, verlieh ihr in den Augen vieler Menschen eine Bedeutung, die nahezu an eine Art Heiligkeit grenzte. Je weniger die Natur von der Tätigkeit der Menschen abhängig war, desto natürlicher und wertvoller schien sie zu sein.
Christopher J. Preston

Kapitel 6. Wiederansiedelung und Wiederbelebung von Arten

Zusammenfassung
Wenn man die alte Vorstellung von der Harmonie einer unberührten Natur aufgibt, ist der Weg für eine Form des Umweltschutzes frei, die erheblich stärker auf Eingriffe setzt. Schon bisher haben die Menschen an einer planlosen Gestaltung der Natur mitgewirkt. An die gleiche Aufgabe könnten sie ohne Weiteres auch umsichtiger und gezielter herangehen. Nach Ansicht von Paul Crutzen müssen die Menschen entscheiden, was Natur ist und sein sollte. Manche Ökologen sind nur allzu gern bereit, diese Gelegenheit beim Schopf zu packen.
Christopher J. Preston

Kapitel 7. Die evolutionäre Kraft der Städte

Zusammenfassung
Nanotechnologie, synthetische Biologie, unterstützte Migration und Wiederauferstehung verschwundener Arten – sie alle werden wohl der natürlichen Ordnung der Dinge auf immer tieferen Ebenen die Entwürfe der Menschen aufzwingen. Die genannten Technologien sind besonders augenfällige Beispiele für das, was ein synthetisches Zeitalter mit sich bringen könnte. Sie greifen tief in den Stoffwechsel unseres Planeten ein und gestalten seine Funktionen in erheblichem Umfang entsprechend unserer Planung neu. Solche rasch wachsenden Möglichkeiten, die Natur auf einer ganz grundsätzlichen Ebene umzugestalten, legen uns eine neue Macht in die Hände und verlangen „eine außergewöhnliche Verschiebung der Wahrnehmung“, wie die australische Wissenschaftsautorin Gaia Vince es formulierte.
Christopher J. Preston

Kapitel 8. Die Sonne abschirmen

Zusammenfassung
Spätestens seit dem Augenblick an, als der frühere US-Vizepräsident Al Gore mit einem Laserpointer auf dem Podium stand, auf alberne Grafiken zeigte und ein wenig hölzern den Kommentar zu seinem 2006 erschienenen Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit sprach, war allgemein klar, dass der Klimawandel die Menschheit vor ein gewaltiges wirtschaftliches und moralisches Dilemma stellt. Wenn Menschen das Klima verändern, in dem sie leben, spielt sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Weltveränderung ab. Jeder Zentimeter unserer Welt wandelt sich. Der Himmel über uns ist nicht mehr einfach „der Wohnort der Götter“, sondern er wird zu unserem Produkt. Und wenn sich das Klima ändert, ändert sich alles.
Christopher J. Preston

Kapitel 9. Die Atmosphäre, neu gemischt

Zusammenfassung
Im Zusammenhang mit dem Geoengineering richtete sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zum größten Teil auf die recht beunruhigende Aussicht, Säure in der Stratosphäre zu versprühen. Bei Wissenschaftlern findet aber auch eine andere Form des Solarstrahlungsmanagements (solar radiation management) großes Interesse. Dabei steigert man die Helligkeit der Wolken über dem Meer, um so die von den Ozeanen absorbierte Wärmemenge zu verringern.
Christopher J. Preston

Kapitel 10. Die synthetische Menschheit

Zusammenfassung
Das synthetische Zeitalter wird sich von allen anderen Epochen der Erdgeschichte dadurch unterscheiden, dass Planung und Bestrebungen der Menschen über viele Grundfunktionen unseres Planeten bestimmen. Hier und da werden sich solche Planungen locker davon leiten lassen, wie die Erde selbst die Dinge während des Holozäns und in früheren Epochen bewerkstelligt hat. In anderen Fällen wird die Menschheit sich auf einen ganz neuen Weg begeben, weil sie entschlossen ist, die Welt so umzugestalten, dass die Vorgaben der Natur verbessert werden. „Herauszufinden, ob wir die Evolution in der Gestaltung überflügeln können, ist eine großartige Herausforderung“, sagt George Whitesides im Zusammenhang mit den Aussichten der synthetischen Biologie.1 Das Bestreben, die Natur von der Ebene der Atome bis hinauf in die Atmosphäre zu „überflügeln“, wird zu einem Planeten führen, der uns immer weniger vertraut ist.
Christopher J. Preston

Kapitel 11. Der Augenblick des Übergangs

Zusammenfassung
Dass das Interesse an einer Vorstellung vom Epochenwechsel in jüngster Zeit so explosionsartig zugenommen hat, lässt sich recht exakt mit dem Erscheinen eines einzigen Aufsatzes festmachen. Mit dem Namen Paul Crutzen verband man bereits den Nobelpreis, als er im Jahr 2000 zusammen mit dem Meeresökologen Eugene Stoermer erstmals die Behauptung aufstellte, der Einfluss der Menschen führe insgesamt zu einem Ende des Holozän. Crutzen und Stoermer gingen der Frage nach, in welchem Ausmaß Menschen die Erde mit ihren biologischen und geophysikalischen Systemen verändert haben, und gelangten zu dem Schluss: „Uns erscheint es mehr als angemessen, auf die zentrale Rolle der Menschheit in Geologie und Ökologie hinzuweisen, indem wir vorschlagen, für die derzeitige geologische Epoche den Begriff ‚Anthropozän‘ zu verwenden.“1
Christopher J. Preston

Backmatter

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