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21-05-2015 | Motorentechnik | Interview | Article

"Kraftstoffe haben entscheidenden Anteil an klimaneutraler Mobilität"

Author:
Christiane Brünglinghaus

CO2-Reduzierungsziele werden durch Erdgasantriebe leichter erreicht, sagt Springer-Autor Richard van Basshuysen. Warum es zum Hubkolbenmotor mit klimaneutralen Kraftstoffen noch keine Alternativen gibt, erzählt er im Interview.

Sie sind Herausgeber des Buches "Erdgas und erneuerbares Methan für den Fahrzeugantrieb". Das Buch will unter anderem Wege zur klimaneutralen Mobilität aufzeigen. Welchen Stellenwert haben dabei Kraftstoffe?

Kraftstoffe haben den entscheidenden Anteil an der klimaneutralen Mobilität mit Verbrennungsmotoren. Nur wenn sie nicht aus fossilen Ressourcen gewonnen werden, sondern zum Beispiel aus überschüssigem Windstrom (Power-to Gas), der schon heute in windreichen Zeiten anfällt oder aus der Vergärung von organischen Abfällen, ist der CO2-Kreislauf klimaneutral. Als das Orkantief Niklas kürzlich über Deutschland fegte, mussten etliche Windkraftanlagen im Norden der Republik abgeschaltet werden, weil bei Orkanböen so enorme Mengen an Windstrom erzeugt wurden, dass sie "keinen Platz im Stromnetz" finden, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Sie sprechen in Ihrem Vorwort vom "ewigen Leben" des Hubkolbenmotors. Würden Sie bitte erläutern, was Sie damit meinen?

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"Ewiges Leben" meint in diesem Zusammenhang ein noch langes Leben über viele Jahrzehnte hinweg, weil es zum Hubkolbenmotor bei Verwendung von klimaneutralen Kraftstoffen noch keine Alternativen gibt. Er kann sogar verschmutzte Luft zum Beispiel in Megastädten reinigen (Sub-Zero-Emission-Vehicle). Die Elektromobilität wird für lange Zeit bei der zum Beispiel geringen Reichweite und den langen Aufladezeiten der Batterien und der hohen Kosten nur ein Nischenprodukt für Megastädte sein und bei der Brennstoffzelle fehlt es vor allem an der Wasserstoff-Infrastruktur. Außerdem verlangt die Brennstoffzelle bis heute Platin als Katalysator in Mengen, die auf der Erde nicht vorhanden sind.

Audi bietet seinen Kunden künstlich erzeugtes Methan aus seiner Power-to-Gas-Anlage an. Könnte so eine Kraftstoffversorgung in einem Post-Erdöl-Zeit aussehen?

Es gibt mehrere parallele Wege für das Post-Erdöl-Zeitalter. Ein Weg ist der von Audi beschrittene. Andere sind, flüssige Kraftstoffe künstlich herzustellen, was mittlerweile in kleinem Maßstab auch schon gelingt. Ein sensationeller Ansatz, der weit in die Zukunft reicht, aber an dem schon intensiv geforscht wird, ist Kraftstoff aus gezüchteten Mikroalgen. Aus Mikroalgen lassen sich darüber hinaus Nahrungsmittel herstellen, die die Ernährungsprobleme der bis zum Jahr 2050 weiter wachsenden Weltbevölkerung entspannen kann, da sie schneller wachsen als Agrarprodukte.

Inwiefern stellt synthetisch hergestelltes Methan eine realistische Alternative zum Dieselkraftstoff für den Heavy-Duty-Truck-Sektor dar?

Schon heute gibt es Heavy-Duty-Trucks, die mit Erdgas verbrauchsgünstig betrieben werden. Sie können natürlich auch mit synthetisch hergestelltem Methan angetrieben werden und sind dann CO2-neutral. Noch sind die produzierten Mengen jedoch gering.

Mittelfristig profitiert die Entwicklung von Gasmotoren für Pkw wohl weiterhin von der Entwicklung der Benzinmotoren. Wann erwarten Sie eine wirklich eigenständige Gasmotorenentwicklung im Pkw-Motorenbau?

Eine eigenständige Gasmotorenentwicklung für Pkw gibt es bereits unter dem Begriff "Monovalenter Gasantrieb". Noch herrscht allerdings der "bivalente Antrieb" vor, bei dem mit Kompromissen im Verbrauch gelebt werden muss, da es noch nicht genügend Erdgastankstellen gibt. Sollte einmal keine Erdgastankstelle in erreichbarer Nähe sein, stellt der bivalente Motor automatisch auf Benzinbetrieb um.

Warum konnte sich Erdgas (CNG) bislang nicht durchsetzen?

Sie haben Recht: Erdgas konnte sich noch nicht so richtig durchsetzen, obwohl die Betriebskosten eines Fahrzeugs in Deutschland nur halb so hoch sind wie die beim Betrieb mit Ottokraftstoffen und sich der Mehrpreis eines Erdgasfahrzeugs je nach Typ schon nach circa 10.000 km amortisiert. Ein Grund dafür ist die noch relativ geringe Dichte der Erdgastankstellen, ein anderer mag die Angst vor Gas an sich sein. Daran ist vermutlich das frühere Stadtgas schuld, das zu vielen Unfällen führte, unter anderem auch, weil es giftig war, was für Erdgas aber nicht zutrifft. Diese Angst baut sich jedoch mehr und mehr ab, wie die vielen Hausheizungen, betrieben mit Erdgas, zeigen.

Zur Person

Dr.-Ing. E.h. Richard van Basshuysen war bei Audi Entwicklungsleiter der Fahrzeug-Komfortklasse und der Motor- und Getriebeentwicklung. Er war Herausgeber der ATZ und MTZ. Ihm wurde unter anderem die Benz-Daimler-Maybach-Ehrenmedaille 2001 des VDI für die Serieneinführung des Pkw-Dieselmotors mit Direkteinspritzung verliehen sowie der hochdotierte Ernst-Blickle-Preis 2000. Außerdem wurde ihm für sein Lebenswerk 2004 von der Universität Magdeburg die Ehrendoktorwürde verliehen. Heute ist er Autor und Herausgeber technisch-wissenschaftlicher Fachbücher.

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