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23-09-2020 | Bankstrategie | Nachricht | Article

Mögliche Bankenkrise bleibt vorerst aus

Author:
Stefanie Hüthig
3:30 min reading time

In der aktuellen Krise gelten Geldhäuser als Helfer in der Not. Sowohl die Finanzaufsicht als auch die Banken und Sparkassen selbst wollen dazu beitragen, dass es so bleibt, wie auf einer Veranstaltung durchklang - auch wenn sich das ein oder andere Institut dabei sehr strecken muss.

Nicht nur, aber auch aufgrund der staatlichen Rettungsmaßnahmen für Unternehmen und den aufsichtlichen Erleichterungen kann Raimund Röseler auf dem Retail-Bankentag von Diebold Nixdorf und der "Börsen-Zeitung" am 22. September 2020 in Frankfurt am Main gute Nachrichten überbringen. "Im Moment sieht es so aus, als würde aus der Corona-Krise keine Banken-Krise werden", sagte der Exekutivdirektor Bankenaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). 

Operativ hätten sich Geldhäuser in der Krise "wirklich gut", wirtschaftlich bisher "recht gut" geschlagen. "Banken sind in einer besseren Form als noch vor wenigen Jahren." Wasser in den Wein gießen musste er aber trotzdem. So sollten sich Institute auf Kreditausfälle in mehreren Wellen wappnen.

Nicht alle Institute werden Krise überstehen

Mit Blick auf bereits vor der Krise belastete Banken erklärte Röseler: "Nicht alle Institute werden willens und in der Lage sein, das Ruder herumzureißen." Wie beim Menschen gelte, dass Häuser mit Vorerkrankungen eher Gefahr laufen, an Corona zu sterben. Fusionen steht der Bafin-Mann nicht ablehnend gegenüber, sie seien aber auch kein Allheilmittel. 

In seinen Augen müssen Banken digitaler und damit attraktiver werden sowie ihre Kosten senken. "Platt gesagt: Wir haben nicht zu viele Banken, sondern zu viele Banker", wurde Röseler deutlich. In Schweden komme ein Bankberater auf 250 Menschen, in Deutschland liege die Relation bei eins zu 150.

Von einem Schub durch die Corona-Krise bei der Digitalisierung berichteten bei der Tagung mehrere Referenten, so auch Andreas Martin, Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Er kündigte noch für dieses Jahr die Einführung einer neuen Firmenkunden-Plattform bei seinen Mitgliedsinstituten an.

Relevanz von Instant Banking wird zulegen

Bernd Geilen, Vizechef der ING Deutschland, der das Institut demnächst verlassen wird, kündigte in seinem Vortrag den Start einer Wertpapierberatung an. Der Prozess werde sehr digital sein, aber persönliche Unterstützung beinhalten. Die Pandemie hat das Investmentgeschäft der ING Deutschland beflügelt. Laut Geilen kam es im ersten Halbjahr 2020 zu rund 200.000 Depoteröffnungen. 

Entwicklungschancen sieht er für das Instant Banking. Es spiele zwar bisher bei Privatkunden noch keine Rolle. In den kommenden zwei Jahren sollte Europa aber die Voraussetzungen dafür schaffen, das Bezahlen von Konto zu Konto zu ermöglichen, um unabhängiger von Kartenregimes zu werden. Das Smartphone sei dabei das Mittel der Wahl. Auf diesem Wege würde der Anteil, der bisher an die Kartenunternehmen abgegeben werden muss, in der Wertschöpfungskette verbleiben.

Klassische Vertriebskanäle neu denken

Eine provokante These vertrat Lars Stoy, Leiter des Postbank Privatkundengeschäfts bei der Deutschen Bank. "Richtig Geld verdient in Deutschland mit einer Banking-App noch niemand", meint er. "Ich wäre deshalb vorsichtig damit, klassische Vertriebskanäle zu verteufeln." Auch Oliver Klink, Vorstandsvorsitzender der Taunus Sparkasse, kann sich eine Multikanalstrategie ohne Filiale nicht vorstellen. Der Tod der Filiale sei "Marketingsprech der Direktbanken und Fintechs". Den Betrieb von Geschäftsstellen "verteidigen wir mit allem, was wir haben". 

Allerdings sage niemand, dass eine Bank allein in Filialen investieren und die Niederlassungen exklusiv unterhalten müsse. Gemeinsam mit der Frankfurter Volksbank betreibt sein Institut seit einiger Zeit die so genannten Finanzpunkte. Die Kunden schätzten dabei wert, so Klink, dass sich die beiden Häuser auf diesem Wege Mühe geben, die Infrastruktur zu erhalten. Mit den Finanzpunkten haben die Taunus Sparkasse und die Frankfurter Volksbank auch international auf sich aufmerksam gemacht. Die Bank of Japan, verriet Klink, habe sich die Filialen angesehen, um zu prüfen, ob dieses Modell nicht auch für ihren Heimatmarkt geeignet wäre.

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